Blair Witch Project

In October of 1994, three student filmmakers disappeared in the woods near Burkittesville, Maryland, while shooting a documentary. One year later, their footage was found.
- aus Blair Witch Project

Zur Handlung:
In Maryland, da liegt ein Ort, der hieß früher Blair. Und also der so hieß, hatte der auch 'ne Hexe. Klar: die Hexe von Blair, auf Englisch eben „the Blair Witch“.
Am 21. Oktober 1994 machen sich dann drei Filmstudenten, Heather Donahue, Michael Williams und Joshua Leonard in den dunklen Blackhill Forest auf und wollen eben ein wenig auf den Spuren besagter Hexe, des Schreckens, den sie verbreitete und vor allem all der späteren Gräueltaten, die ihr noch zugeschrieben werden, wandeln.
Mit einer 16mm-Schwarz-Weiß-Kamera sowie einer Handycam brechen sie auf … und sollten nie wieder zurückkehren, was einen dann, ob ihrer Dummheit, aber auch nicht wirklich wundert....

Zur Umsetzung:
Und willkommen zur wöchentlichen Materialschlacht mit einem anerkannten, doch noch sehr jungen Klassiker der Horrorfilmwelt. Es war wohl einer der größten Hypes der Geschichte des Genres, jene Aufzeichnungen der drei verlorenen Studenten. Von einer langen Kampagne durch alle Medien vorbereitet war der Film wie ein authentisches Dokument aufgezogen, alles war auf „echt gefundene Aufnahmen“ getrimmt.
Die Leute strömten in Heerscharen in die Kinos und schauten erschrocken, welch tragisch-furchtbares Schicksal den armen drei Studis im Wald widerfahren ist. Und das, um direkt die Fronten klar zu machen, kann ich beileibe nicht verstehen.

Handwerklich ist er Film erst einmal souverän gemacht. Die Akteure agieren alle „unprofessionell“, so wie es sein soll, denn sie sollen ja auch nicht wie Schauspieler wirken. Die Filmaufnahmen sind realistisch verwackelt, gut, wenn man mit einer Handkamera filmt und dabei durch den Wald läuft, sieht es eben aus wie etwas, was von einem mit einer Handkamera gefilmt wurde, als er durch den Wald lief.
Auch die Ausstattung ist gut, der Wald sieht nicht zu zivilisiert aus und die „Spuren“ der Hexe, allen voran diese kleinen Figuren in den Bäumen (ich denke, die meisten kennen das Logo ja auch) sehen richtig gut aus.

Und hier, recht früh, endet mein Lob für den Film auch schon, denn er kann keines seiner unausgesprochen gemachten Versprechen halten. Schon der eingangs sehr überzeugende „authentische“ Flair des Films verliert sich recht schnell durch den manischen Wahn vor allem seitens Heather, alles zu filmen. Das ist ganz toll für den Zuschauer, ist aber manchmal einfach unglaubwürdig, dass sie die verdammte Kamera auch nicht unter den schlimmsten Umständen mal weglegt.

Ebenso ist die Charakterentwicklung, ach überhaupt die Charakterzeichnung, zu sprunghaft und zu unglaubwürdig. Die Idee, dass die Drei, verloren im Wald, langsam darüber die Nerven verlieren werden ist sicherlich naheliegend, die Umsetzung ist es nicht. Ohne nachvollziehbares System knallen die Sicherungen durch und rutschen wieder rein, eine Handlungen wirken gegenüber dann wieder ganz nüchterner Fassaden vollkommen wirr.
Highlight ist dabei wohl, wie einer der Drei, aus Frust, weil sie sich verirrt haben, heimlich die Karte in den Fluss wirft.
SEHR clever, sehr nachvollziehbar und vor allem … ein billiges Plotdevice.

Eines, das gar nicht nötig wäre, denn die Studenten handeln auch, als würden sie zum ersten Mal einen Wald sehen. Sie sind augenscheinlich nicht in der Lage, den Kompass zu lesen (oder ist das gar der böse Polar-Dreh-Effekte der Hexe von Blair?), geschweige denn die Karte. Sie brechen mit jeder Regel, machen Feuer, wo keines sein sollte, überqueren Flüsse, die sie niemals auch nur hätten erreichen dürfen und verlieren ständig Ausrüstung.

Was dem Film aber auch vor allem abgeht ist eine vernünftige Spannungskurve. Sie fängt moderat an und steigert sich auch durchaus bis zur, sagen wir, ersten Übernachtung im Wald und stagniert dann bald vollkommen. Irgendwann verliert der Film seine Überzeugungskraft, neue Ereignisse werden gleichgültig und man wartet auf den Höhepunkt, doch das vergebens, denn das Ende des Films ist, um es nett zu sagen, unbefriedigend.

Die DVD ist dabei eigentlich recht gut ausgefallen. Es sind einige Extras drauf (unter anderem der TV-Bericht, mit dem die Stimmung im Vorfeld aufgeheizt worden war), deutscher und englischer Ton, ein „gutes“ Bild (im Rahmen des Möglichen) und keine groben Patzer.
Was allerdings klar festzuhalten ist, ist die furchtbare deutsche Synchro die dem Film jeden letzten Funken Überzeugungskraft nimmt. Der Deutsche als solcher mag ja gerne, im Gegensatz zum Ami, sehr kräftige, klare Stimmen und eher leisere Musik und Effekte, dass das aber bei einer angeblichen Hobbyaufnahme unsinnig wirkt wenn alle klar sprechen, hat wohl niemand bedacht. Auch, dass man passende Stimmen auswählen oder Texte zumindest im Ansatz Lippensynchron schreiben kann und diese wiederum dann auch sinnvoll betonen kann, tja, da ist wohl keiner drauf gekommen.
Die deutsche Fassung ist kurzum ein Verbrechen auf ganzer Linie...

Somit bleibt ein Film, der mich in der Tat erschreckte.
Nicht, weil er spannend ist und erst recht nicht, weil ich geglaubt habe, er sei echt … sondern weil so viele andere das getan haben!
Er ist unrealistisch, unsinnig und spannungsarm, recht innovativ und dennoch nicht wirklich neu (wie Christian von Aster schon einmal in diesem Kontext bemerkte, verwendet schon der 1979 erschienene Film „Nackt und Zerfleischt“ (OT: „Cannibal Holocaust“) genau die gleichen Stilmittel) und kann eigentlich, unterm Strich, nur für eine Sache wirklich historisch genannt werden: wie es ein Film ohne Budget und ohne vernünftige Handlung geschafft hat, alleine durch einen Medien-Hype und die Gut- auch Dummgläubigkeit seines Publikums zu einem solchen Erfolg zu werden, dass es auch noch ein Sequel, drei Computerspiele, Comics und mehr dazu gab.
Kann man mal sehen, so aus Vollständigkeit, muss man garantiert nicht, vom Kaufen ganz zu schweigen.


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