Calling, The

"Oh … and here's Mary. She was a pagan. Never even heard about the holy ghost, until he came down and shagged her. And let me ask you this, just in theory: holy ghost has his time, right? Sends Jesus down to earth. And two thousand years later, the devils wants to have a try. So he's going to need a virgin, just like Mary, right? Do you think he asks the woman, before he bunks her?
I mean, he's the devil, isn't he? Holy ghost don't ask, so why should he?"
- Cormac in The Calling

Zur Handlung:
Es kommt einem vage bekannt vor:
Kristie, blonde Amerikanerin, hat alles, was sie will. Einen fürsorglichen Ehemann, ein klasse Haus, tolle Freunde und ihren Wundervollen Sohn Dylan.
Doch irgendetwas mysteriöses geht vor, seltsame Erinnerungen rund um Zeugung und Geburt erfüllen ihren Geist und die Zeichen häufen sich, dass das vielleicht der Teufel persönlich seine Finger im Spiel hatte…

Zur Umsetzung:
Es kommt bekannt vor, nicht wahr? Nun, was soll man sagen, wer "Rosemarys Baby" oder "Das Omen" kennt, der weiß, wovon ich spreche. Oder aber er kennt eines der unzähligen Plagiate … von denen wir nun mal eines hier vor uns haben. Na gut, der Knirps heißt eben nicht Damien sondern Dylan, wen interessiert das schon?
Aber schauen wir doch mal, nicht dass wir dem Film noch Unrecht tun…

Grundsätzlich gibt es im Horrorgenre ja die wildesten Ausprägungen. Von wirklich hervorragenden Meisterwerken, die auch locker Jahrzehnte überdauern können (man denke an "Der Exorzist") bis zur richtig Schrott (bevorzugt aus der Splatterecke), von eher humorgestützten Geschichten ("Scream", um einen zu nennen) zu denen, die sich selbst etwas zu ernst und zu wichtig nehmen, alles ist zu kriegen.
Wer nun aber das Cover der vorliegenden DVD mit dem umgedrehten Kreuz über einer vor Photoshop-Dunkelheit kaum zusehenden Kinderwiege sieht, der erwartet wohl schon keine meisterhafte Unterhaltung mehr, ebenso wie der Produzent Bernd Eichinger nicht unbedingt für düstere Unterhaltung steht und doch, der Film geht durchaus spannend los.
Die Musik ist von Christopher Franke, den man wohl primär als Komponisten von "Babylon 5" kennen sollte und der nicht zuletzt dort schon sein Können unter Beweis stellen konnte, der aber auch mit "Legend" und "Fright Night" durchaus schon beliebte Filme vertonen durfte, und auch hier wird man nicht enttäuscht, der Score ist großartig.
Auch die Bilder sind ansprechend, sehr neblig und die Farben eher matt, was eine sehr schöne Englandatmosphäre erzeugt, die Locations sind ebenfalls gut gewählt und die Darsteller vom Grundsatz her auch alle gut.

Das Problem von "The Calling" beginnt mit Eintritt der Handlung, denn die Rezeptur ist absehbar: Man nehme "Rosemarys Baby" und "Das Omen", rühre sie in einen Topf, gebe eine minimalwinzigste Prise "Exorzist" sowie sämtliche Genreklischees hinzu und schmecke das Ganze mit einem kleinen Löffel Peinlichkeiten ab, dann hat man "The Calling".
Somit ist die Protagonisten eine junge, gutaussehende, amerikanische und vor allem blonde Frau vom Archetypus des unschuldigen Dummchens, ihr Mann ist der Traum aller Schwiegermütter. Gutaussehend, sportlich, fürsorglich und beim Fernsehen angestellt.
Die obligatorische Frau mit dem bösen Einfluss trägt nur lange, schwarze, wallende Kleider, hat natürlich dunklere Haare und ist schon etwas älter … und der Junge, der Junge wirkt eigentlich wie eine pottschnittige, zurückgebliebene Fassung des Ur-Damien.
Oh, und ein guter, tapferer Pfarrer darf natürlich auch nicht fehlen.
Ein besonderes Augenmerk verdient allerdings der mysteriöse Taxifahrer Cormac, der eine bis zum Ende unklare Rolle spielt, der auch das einleitende Zitat von sich gab und irgendwie etwas quer schlägt. Weder mag er sich in die Reihe der obigen Klischeefiguren einreihen, noch kann man ihn ordentlich einsortieren, denn er ist irgendwie … schwer einzuschätzen.
Und sicherlich einer der eher raren Pluspunkte des Films.
Alle Beteiligten spielend dabei routiniert bis gut, mit Ausnahme des Kindes, dass irgendwie nicht viel mehr als "möchtegernböse" gucken kann und sein Vater, der bis zum Ende aalglatt dasteht, aber gerade Cormac, gespielt vom unbekannten Francis Magee, sowie das Dummchen Kristie, gespielt von der horror- und thrillergeprüften Laura Harris ("Faculty", "Suicide Kings" und unlängst in der TV-Serie "24"), gefallen schon sehr gut.

Was dem Film allerdings schwerer zu schaffen macht sind die versammelten Peinlichkeiten. Da hängt ein riesiges, umgedrehtes Kreuz in ihrem Schuppen, aber Kristie merkt das nicht einmal.
Dylan wird daran gekreuzigt (natürlich ohne den tödlichen Finalnagel), aber Kristie glaubt ihrem Mann, die Stigmatawunden seien Hundebisse. Kreuze verursachen bei ihm Wundflächen, aber klar, das sind nur Hautreizungen.
Auf der anderen Seite kann aber auch der Junge nicht wirklich was. Ich glaube, seine böseste Tat für lange Zeit ist es, seinen Hamster zu töten, seine dollste übernatürliche Kraft ist es, unter größter Konzentration und enormen Zeitaufwand Ketten per Telekinese zu zerreißen und rückwärts sprechen…

Klingt furchtbar, oder? Das wirklich Kuriose ist aber, dass der Film dennoch spannend ist. Klar, generell ist schon voraussehbar, wie sich der Film entwickelt, aber gerade der undurchschaubare Cormac und einige unerwartete Variationen des Themas (etwa, wenn der Pfarrer eben nicht sofort mit einstimmt, als er von der Teufelsbesessenheit erfährt, sondern die arme Kristie erst einmal, wie man es erwartet, schlicht für Verrückt hält) sind eben doch Gewürz in der Suppe, dass den Film vor dem totalen Einheitsbrei rettet.
Und vor allem der Schluss ist dann noch mal eine Überraschung.

Der Regisseur ist niemand, den man kennen muss. Richard Caesar kommt aus Deutschland, ist gut 40 Jahre alt und The Calling war sein erstes … und einziges … Projekt. Dennoch ist der Film, wie oben schon gesagt, routiniert in den Kasten gekurbelt und weiß optisch durchaus zu gefallen. Er ist kein optisches Meisterwerk, aber einmal mehr ein Film im nüchternen Look der Spätneunziger, wie er wohl gerade durch Mysteryproduktionen wie den frühen Akte X-Staffeln populär wurde.
Ebenfalls gut tut dem Film ein nahezu vollkommenes Fehlen von aufwendigen, optischen Effekten. Einerseits, weil sie bei einem Film dieser Budgetklasse ohnehin immer mies aussehen, andererseits weil es dem Film an sich gut tut, ihm mehr Raum gibt.

Die DVD an sich ist übrigens durchaus akzeptabel geraten. Hintergrundinfos sind wie so oft Mangelware und beschränken sich auf Texttafeln sowie Trailer zu zwei weiteren Filmen, aber wenigstens der Film an sich wird gut präsentiert. Das Bild ist scharf und frei von Störungen, wie man es von einem Film des Jahres 2000 aber auch erwarten darf, die Farben wirken nirgends künstlich und der Ton liegt in Deutsch wie Englisch in Dolby Digital 5.1 vor und nutzt auch durchaus alle Kanäle gut aus.
Der englischen Fassung sollte aber dennoch der Vorzug gegeben werden. Zwar tun sich die meisten Charaktere nicht wirklich viel, aber alleine Cormac mit seinem stark ausgeprägten Inselakzent wirkt im Englischen insgesamt runder, im Deutschen muss er dagegen mit einer der klassischen "Ich bin ein mysteriöser Kerl in einem Low-Budget-Film"-Synchronstimmen auskommen, mal davon abgesehen, dass seine Kommentare im Englischen wesentlich pointierter kommen.
Schmerzlicher vermisst man unter Umständen die Untertitel - zwar ist der Film in beiden Sprachen klar zu verstehen, dennoch ist das ein heute schon kaum mehr zu verschmerzender Fehler.

Fazit:
"The Calling" ist kein Film, den man gesehen haben muss. Er ist keine totale Niete, er ist in keiner Weise neu und wer ihn sich kauft, der ist selbst Schuld. Auf der anderen Seite kriegt man einen spannenden und modern inszenierten Film geboten, der zwar nur an wenigen Stellen wie dem Ende mal aus dem Durchschnitt hervorsticht, aber eigentlich nicht schlecht unterhält.
Und auch auf die Gefahr hin, als Ketzer verschrien zu werden … so gerne ich Polanski mag, grundsätzlich ist "Rosemarys Baby" nach heutigen Gesichtspunkten auch nicht mehr so viel besser und hat gleich eine ganze Reihe Schwachpunkte … ich denke, den generischen Popcornzuschauer könnte "The Calling" da sogar besser unterhalten.
Wer dagegen einen richtig guten Horrorfilm sehen will, der greift wohl weiterhin zum "Exorzisten"…


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