Cell, The

"My world.
My rules. "
- aus The Cell

Zur Handlung:
Einige Wissenschaftler haben eine innovative Technik entwickelt, die es Psychologen ermöglicht, die Gedankenwelten anderen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes zu begehen. Nicht ungefährlich, aber eine große Chance für weiteres Verständnis und Heilung von Geisteskrankheiten.
Doch als der Serienmörder Carl festgenommen wird und noch immer eines seiner Entführungsopfer nicht gefunden ist, scheint diese Technik der einzige Weg zur Rettung zu sein.
Die Psychologin Catherine muss in Carls Geist eindringen … und ahnt nicht, in was für bizarre Welten sie sich einlassen wird…

Zur Umsetzung:
Ein Film, ein innovativer Thriller, produziert und geschrieben vom Neuling Mark Protosevich und gefilmt von Neuling Tarsem Singh, in der Hauptrolle Jennifer Lopez - um ehrlich zu sein, allzu enthusiastisch war ich nicht, diesen Film zu sehen.
Dann aber kam es doch dazu und ich muss sagen, ich war beeindruckt.
Was Tarsem Singh hier abliefert ist eine bildgewaltige Alptraumsequenz, ein Film, so bizarr wie selten ein anderer. Die Bilder der normalen Welt sind routiniert und sehr klassisch in Szene gesetzt, für einen Thriller eben sehr typisch, doch kaum das die Gedankenwelten betreten werden, so legt der Film so richtig los.
Gerade Carls Gedanken sind bizarr, obszön, bunt und, ja, gestört wie verstörend.
Es ist das erste Mal, dass ein Film wirklich den Geist einen Alptraums trifft, in seiner Symbolik, Unberechenbarkeit und doch inneren Logik. Die Bilder sind dabei meisterhaft gewoben, Spezialeffekte fallen niemals als solche auf, wohl aber wirkt vieles künstlich - aber das soll es ja auch.
Der Film ist dabei sehr hart, obwohl die Kinofassung eine 16er ist, geht es hart zur Sache und allgemein, wer leicht zu beunruhigen ist, der sollte einen Bogen um den Film machen. Zwar artet der Film an keiner Stelle Richtung Splatter aus, noch kommt er dem auch nur nahe, aber es sind nun einmal die Vorstellungen und Träume eines Wahnsinnigen und ich denke, seichte Gemüter könnten von den Film wirklich verstört werden.

Die Handlung selbst gerät dabei schnell in den Hintergrund. Zwar geht es immer darum, das entführte Mädchen noch zu retten, aber der Film gehorcht dennoch nicht den Regeln eines Thrillers.
Daher ist der Film auch weniger spannend, was er zweifelsohne ist, als faszinierend, eine Reise in eine vollkommen bizarre Welt. Und es ist schon faszinierend gemacht, wie sich in den Alpträumen und perversen Fantasien zugleich mythologische Bilder wie Fakten aus Carls Vergangenheit vereinen, zusammen den Alptraum bilden, durch den Catherine hindurchmuss.

Untermalt wird der Film übrigens von einem wunderbaren Soundtrack von dem Mann, den man heute wohl vor allem mit dem Herrn der Ringe assoziiert: Howard Shore.
Der schon von Sieben und anderen Filmen her spannungserprobte Komponist überzeugt jedenfalls auch hier wieder, sein Soundtrack untermalt hervorragend jede der portraitierten Stimmungen der einzelnen Gedankenwelten.

Die perfekte Inszenierung wird auch von den Darstellern getragen, allen voran Jennifer Lopez. Ich muss zugeben, zugetraut hätte ich es ihr nicht, doch sie spielt die Catherine in allen Facetten bravourös. Ob nun als nette Psychologin, als Ebenbild dessen, was Carl in ihr sieht oder auch als entschlossene Frau, die gegen Ende versucht, ihre eigenen Regeln zu etablieren - immer wirkt sie überzeugend und zeigt, dass sie tatsächlich Talent zur Schauspielerei besitzt.

Ebenfalls grandios ist auch Vincent D'Onofrio, der Carl spielt. Wem der Name nichts sagt, der muss sich wohl nicht schämen, dennoch, D'Onofrio war bereits in Filmen wie Full Metall Jacket, JFK, Malcolm X, MiB oder Ed Wood zu sehen, blieb wohl scheinbar nur nie hängen.
In diesem Film jedenfalls brilliert er, überzeugt sowohl als irrer Serientäter, verstörter Geist wie dämonische Präsenz in seinem Traumreich, hält sich gut auf einem Level mit Lopez.

Etwas dahinter liegt nur Vince Vaughn, der hier den FBI-Agenten Peter Novak spielt, den zweiten Protagonisten. Schauspielerisch vermutlich bisher am ehesten als Normal Bates im gescheiterten Psycho-Remake von 1998 aufgefallen, kann er sonst zwar noch Nebenrollen in Filmen wie Jurassic Park: Lost World oder Zoolander aufweisen, aber was wirklich Herausragendes hat er bisher nicht gemacht. Und macht er auch hier nicht.
Er spielt nicht schlecht, will ich ja gar nicht sagen, doch besonders auffallend ist er auch nicht - sicherlich auch dadurch bedingt, dass sich Lopez und D'Onofrio beständig ihr Traumweltenduell liefern können, während er mehr oder minder danebensteht.

Die DVD zuletzt ist ebenfalls das perfekte Medium für den Film, denn nur gestochen Scharf bei vollem Raumklang (DD 5.1 in Englisch wie Deutsch, wobei die englische Spur irgendwie leise wirkt) entfaltet der Film seine perfekte Wirkung.
Die DVD existiert dabei in zwei Fassungen, einer 16er und einer 18er-Ausgabe, wobei es sich bei der Erstgenannten nicht um eine gekürzte Fassung, sondern um die originale Kinoversion handelt. Die 18er hingegen ist ein etwas zwei Minuten längerer Director's Cut, der jedoch auch gleich als 2-Disc-Set daherkommt und neben den in beiden Fassungen enthaltenen Extras (Isolierte Musiktonspur, Deleted Scenes, Backgroundmaterial, Psychotest etc.) zusätzlich noch einen recht guten Kurzfilm und weitere Extras sowie eine noblere Verpackung bietet.

Fazit:
"The Cell" ist kein Film für jedermann. Jemand, der starke Aversionen gegen Brutalität, bizarre Alptraumwelten, artifizielle Inszenierungen oder dergleichen hat, der ist bei "The Cell" sicherlich falsch. Ganz falsch.
Wer aber an der Materie gefallen findet, wer vielleicht auch im Rollenspiel (denn darum dreht die DORP sich ja noch immer irgendwo) Interesse an Traumwelten, sei es in Cthulhu, in Magus oder auch ganz wo anders, hat, der sollte diesen Film sehen.
Er ist stellenweise recht starker Tobak - aber wer bereit ist, sich auf ihn einzulassen, der kriegt einen der bizarrsten Trips in eine Welt des Schreckens geboten, den man bisher betrachten durfte.


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