Company Man

Schurke: Hört zu Leute, ich habe 'ne Idee. Wenn uns der Bücherwurm keine Knete rausrückt, dann amüsieren wir uns ein bisschen mit seiner kleinen Tochter.
Der strahlende Held: Ich habe auch eine Idee: wieso haltet ihr nicht euren Mund?
- aus Company Man

Zur Handlung:
Ernest Grey scheint ein normaler Buchhändler zu sein. Er hat einen Laden in L.A. (im Actiongenre generell eine dumme Idee...), eine liebe Tochter, zahlt Schutzgeld wie jeder andere auch und das Geschäft läuft eher mäßig.
Dann aber taucht der Terrorist Van Glider auf (der sich laut Credits ganz anders schreibt als hier, gemäß dem Cover, wiedergegeben) und versucht, Ernest das Licht auszublasen. Denn in Wirklichkeit ist der Händler ein Ex-Spezialagent, der diese Terroristen schon mal hinter Schloß und Riegel gebracht hat. Doch nun stehen alle Zeichen auf Rache...

 

Zur Umsetzung:
Es war dann mal wieder so weit. Ich hatte Geburtstag. Und da dies, gemäß alter Tradition, ja bedeutet, dass Trashfilme innerhalb der DORP verschenkt werden, eröffne ich hiermit mal den in den kommenden Wochen wohl immer mal wieder auftretenden Reigen der entsprechenden Rezensionen.

Den Anfang macht „Company Man“, dessen Besprechung ich hier zunächst mal mit ein paar Worten zur Hülle einleiten will. Nicht nur, dass der Protagonist von allen auf dem Cover am schlechtesten zu sehen ist und nicht nur, dass er gar nicht auf dem Backcover, der Schurke dafür aber zwei Mal abgebildet ist, auch technisch gibt es einige Besonderheiten.
Der 90 Minuten lange Film ist nämlich eine RC0-DVD, besitzt also keinen Ländercode und läuft auf ebenso auf deutschen wie auf amerikanischen oder chinesischen Playern. Warum die sich einen geschnittenen Film, der nur eine deutsche 2.0-Tonspur und ein 4:3-Bild hat, ansehen wollen, lasse ich mal offen. Interessant auch sicherlich die Features, namentlich „Autostart“ und „Autorepeat“. Ersteres dürfte klar sein, die automatische Wiederholung ist dagegen glatt gelogen, frei erfunden und nicht vorhanden. Dafür wurde bei dem Film GEMA-freie Musik verwendet, wie ebenfalls dick auf der Hülle vermerkt ist.

Der Film selbst gehört nominell in das Action-Genre, was allerdings ebenfalls eher als Lüge einzustufen ist. Denn zwar gibt es die nötigen Zutaten – Pistolenfeuer, Explosionen, sogar Ninjas – aber es gibt deshalb noch lange keine Action. Da stehen sich die Leute teilweise minutenlang gegenüber, feuern immer gerade dann, wenn der andere in Deckung ist und wenn sie mal ganz wild werden, rennen sie sogar umher. Hechtsprünge? Fehlanzeige! Rollen? Exakt eine.
Eine Ausnahme bilden da die Ninja, die seit „American Fighter“ nicht mehr so klischeehaft waren – sie laufen immer geduckt, haben Waffen auf dem Rücken, purzeln unmotiviert umher und klettern sinnlos auf alles, was die hässlichen Kulissen hergeben.
Highlight ist sicherlich der erste Shootout im Buchladen, der zu etwa 25% aus Shots besteht, die vorher in der Szene schon mal zu sehen waren (ja, in der gleichen Szene...), sowie der geniale Angriff der Ninja auf die Protagonisten, bei dem sie über Minuten um und über das Haus laufen, die anderen aber einfach hinten herausgehen. Unbehelligt.
Die Gewaltschnitte der vorliegenden FSK-16-Version sind verwunderlich harmlos ausgefallen, dennoch merkt man an einigen Stellen einfach, dass etwas fehlt. Etwa, wenn Ernest drei Leute getötet haben soll und man davon, als Zuschauer, einfach nichts gesehen hat. Die Konfrontation schon, das Ableben aber irgendwie nicht...
Interessant aber, wie der Film unfreiwllig nach Egoshooter-Prinzipien abläuft. Alleine der Auftakt erinnert schon sehr an Titel wie „Counterstrike“ wenn sich dort zwei Charaktere gegenseitig umschleichen und, sieht einer den anderen, wild und unkoordiniert herumschießen. Oder auch die Spawnpunkte – wenn die Schurken bestimmte Bereiche einmal erreicht haben, kommen da ständig Neue aus ihrem Versteck; da ist es auch egal, dass sie nur mit insgesamt einem Wagen angerückt sind...

Was uns zur Handlung bringt. Dass diese hohl ist, hat hoffentlich die Zusammenfassung schon angedeutet. Man vermenge dies mit einem ganz furchtbaren Brötchen von einem Kerl als Protagonisten, der vermutlich nicht mal eine alte Frau dazu bekäme, auf Seite zu gehen, einer furchtbaren Tochter sowie unmotivierten Kollegen sowie Schurken, die ebenfalls bei „Klischee und Co.“ einkaufen waren, um einen Eindruck von „Company Man“ zu haben.
Der wahre Schurke des Films möchte eine Diskette erwerben, die sich in Ernests Besitzt befindet. Hätte dieser sie einfach zerstört, immerhin sind dort alle Daten aller Geheimagenten gespeichert (Filmdiskette eben), gäbe es keinen Ärger: so muss er gegen seine Feinde kämpfen und sich dabei auch noch von seiner frechen Göre zur Schnecke machen lassen.
Diese tut nie, was ihr gesagt ist, hat dafür aber auch die knallharte Erziehung eines dummen Ex-Special Agents erdulden müssen, der jetzt rein moralisch auch nicht gerade den ersten Preis macht.
Ich meine, da taucht seine alte Kollegin wieder auf, die er einst sitzen ließ. Diese zeigt sich wütend darüber, dass er sie zurück ließ und mit einer anderen Frau, dankenswerter Weise bereits tot, die Tochter bekommen hat. Er aber, Mann von Welt, kontert das locker mit einem „...ich liebe dich noch immer...“ und wenige Minuten später schlafen sie miteinander.
Mann, so müssen die Menschen miteinander umgehen...
Der Vermerk des Backcovers, Ernest entpuppe sich als „Superheld“, der ist jedenfalls zweifelsfrei gelogen...

Die eigens für den Film komponierte Musik legt allerdings noch einen drauf, untermalt sowohl die mieserabel gespielten Szenen als auch die undynamische Action noch einmal betont schlecht.
Wer nun allerdings den Eindruck hat, der Film habe mir nicht gefallen, der irrt gewaltig. Er ist vielleicht nicht so ein Fest wie „American Tigers“, aber er macht ungeheuer Spaß. Der Darsteller des Ernest ist einfach so unglaubwürdig und unbegabt, da muss man einfach lachen. Gerade wenn er, moralisch schwer belastet, mit, nun, seinem Gesichtsaudruck irgendwelche Bahnschienen entlang wandernd, nur um vom Hupen des Zuges gestört zu werden, dann kommt das gut.
Wenn er seine Tochter aufwendig über den tragischen Tod ihrer Mutter aufklärt und meint, dies sei nun die Wahrheit, nur um zu hören „Was ist die Wahrheit? Dass du Mami umgebracht hast?“, dann liegt man schon lachend am Boden.
Und wenn die Ninja auf Motorrädern innerhalb eines Gebäudes zum Angriff blasen, dann gibt es für den Acion-Trash-Fan kein halten mehr...

„Company Man“ macht zudem Freude, gerade weil er so undynamisch ist. Das gibt dem Film seinen „einmaligen Look“, denn so stoisch wurden Kämpfe selten inszeniert.
Die DVD ist technisch wie bereits gesagt unwürdig, das Bild ist aber gemessen an anderen B-Titeln ganz okay. Wer Spaß an solchen Filmen hat und/oder wer noch mal mit einem Umkehrschluß überprüfen wollte, welche Zutaten einen guten Actionstreifen ausmachen, der ist hier jedenfalls genau richtig.


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