Dolmetscherin, Die

Tobin: Maybe you don‘t want Zuwanie at the UN.
Silvia: I didn‘t make it up.
Tobin: How do you feel about him?
Silvia: I don‘t care for him.
Tobin: Wouldn‘t mind if he were dead?
Silvia: I wouldn‘t mind if he were gone.
Tobin: Same thing.
Sivlia: No, it isn‘t. If I interpreted gone as dead I‘d be out of a job, if dead and gone were the same thing there‘d be no UN.
Tobin: Your profession is playing with words Ms. Broome.
Silvia: I don‘t play with words.
Tobin: You‘re doing it right now.
- aus Die Dolmetscherin

Zur Handlung: Silvia Broome arbeitet als Dolmetscherin bei den Vereinten Nationen; sie ist einige von ausgesprochen wenigen Personen, die den seltenen afrikanischen Dialekt Ku sprechen. Eines Abends ist sie noch spät im Gebäude, weil sie etwas in der Sprachkabine liegengelassen hat. Dabei hört sie versehentlich ein Gespräch in Ku, das einen Anschlag auf den Diktator des Staates Matobo andeutet, der kurze Zeit darauf vor der UN sprechen soll. Und sie wird dabei gesehen.
Der Secret Service wird eingeschaltet, doch der leitende Agent Tobin Keller ist noch lange nicht von der Glaubwürdigkeit der Ohrenzeugin überzeugt.

Zur Umsetzung:
Es gibt nur eine sehr geringe Zahl wirklich guter Politthriller. „Die drei Tages des Condors“ ganz sicher, „Frantic“ vielleicht und zweifelsohne „Das Rußland-Haus“. Als Sydney Pollack ankündigte, einen neuen Politthriller zu inszenieren, war meine Erwartungshaltung gespalten.
Das Thema UN ist vielschichtig, Dolmetscher sind keine typischen Heldencharaktere und letzte Anläufe wie etwa das „Bourne“-Remake und sein Sequel waren zwar nett, aber keine klassischen Thriller.
„Die Dolmetscherin“, oder auf Englisch „The Interpreter“, ist dagegen noch mal ein klassischer Genrevertreter, ohne unnötige moderne Allüren und zugleich nicht altbacken inszeniert. Es ist eine spannende Geschichte mit zahlreichen Wendungen, die bis zum Ende spannend bleibt und bei der man zwar die meiste Zeit ahnt, was passieren wird, doch die einem niemals die Sicherheit gibt.
Charles Randolph hat nach einer Geschichte von Martin Stellman und Bryan Ward ein Drehbuch geschrieben, das mit exzellenten Dialogen und guten Vorausdeutungen sowie der geschickten Inszenierung und dem Präzisen Schnitt durch Sidney Pollack ein fesselndes Gesamtwerk ergibt, das ganz ohne die so modernen Actioneinlagen und Liebesszenen auskommt.

Denn obwohl es vor allem ein Film voll redender Personen ist, sind die Schauwerte doch enorm. Einerseits, weil man wirklich im Gebäude der UN drehen durfte, was dem Film sehr viel Glaubwürdigkeit verleiht. Vor allem aber, weil die redenden Personen von grandiosen Schauspielern verkörpert werden.
Silvia wird von Nicole Kidman gespielt, die von Film zu Film besser zu werden scheint und der man hier gleichermaßen die verängstigte Frau wie auch die durchtriebene Intrigantin abnehmen würde. Ihr Gegenpart Tobin wird von Sean Penn gleichermaßen souverän verkörpert, was dazu führt, dass die Wortduelle dieser beiden großartigen Schauspieler ein ganz eigenes Leben bekommen, ganz für sich genommen herausragend funktionieren.
Die Nebenrollen sind auch gut besetzt, unter anderem mit Catherine Keener, Mathieu Kassovitz und Vincent Cassel, verblassen aber allesamt etwas in dem gedanklichen Duell zwischen Broome/Kidman und Keller/Penn.

Der Film schafft es dabei auch, sowohl sehr korrekt als auch sehr spannend zu sein, ganz ohne großen Konflikt im Stile des kalten Krieges. Oft wurde das Politthriller-Genre nicht zuletzt durch das Ende des Ost/West-Konfliktes für tot erklärt – „Die Dolmetscherin“ beweist, dass auch leise Töne laut wiederhallen können.
Es werden natürlich Schüsse abgefeuert, sogar ein Bus explodiert. Aber auf 124 Minuten Laufzeit gerechnet macht das vermutlich keine zehn Prozent des Filmes aus.

Der Film selber liegt im gewohnten, anamorphen 2,35:1-Widescreen vor, der Ton in Deutsch wie Englisch in Dolby Digital 5.1. Untertitel gibt es in Deutsch, Englisch (for the hearing impaired) und Türkisch.
Das Bonusmaterial ist dagegen so eine gemischte Sache. Einerseits gibt es mit einem alternativen Ende, unveröffentlichten Szenen, Featuretten über den Dreh und die Entstehung des Films, einem Bericht über die echten Dolmetscher der UN, einem Interview über die Schrecken von Pan&Scan, einem Audiokommentar sowie dem Originaltrailer allerlei zu sehen.
Andererseits ist der Informationsgehalt insgesamt eher gering und die Verpackung unattraktiv. Hier hätte etwas mehr Pepp niemandem geschadet. Schön ist allerdings, dass hier noch einmal ein Regisseur im Mittelpunkt der Berichte steht, nicht die Schauspieler.

Insgesamt sollten Freunde des Genres sofort loseilen und sich den Film greifen. Wer auf Action, eine flotte Handlung und „coole“ Dialoge steht, der ist hier falsch. Wer aber einen spannenden Thriller mit glaubwürdigen Charakteren und denkbarer Handlung sucht, wird kaum einen Besseren in den Filmen der letzten Jahre finden können.
Ich jedenfalls war und bin begeistert.


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