Nibelungen, Die

Siegfried: Hey, wie wär's mit 'nem Handel? Ich nehm nur die Hälfte des Schatzes, und ihr behaltet den Rest? Das wär doch'n Vorschlag!
Nibelung: Ob der halbe Schatz, oder der ganze Schatz, oder auch nur der eine Ring, in jedem Fall trifft dich der ganze Fluch.
Siegfried: Dann nehm' ich auch den ganzen Schatz!
- aus Die Nibelungen

Die Handlung in Paraphrase (SPOILER!!):
Siegfried, der König von Xanten, lebt unfreiwillig undercover als Schmiedesohn Erik. Er trifft auf die Königin von Island, als diese, wie er, gerade gucken kommt, weil ein Stern vom Himmel gefallen ist. Er hält sie für einen Sachsen, prügelt sie nieder und darf sie dann, zur Belohnung oder so, lieben.
Ihre ewige Liebe ist jedoch durch die Zuneigung von Kriemhild bedroht, die sich ihrerseits in den Schmied verguckt hat, denn er ist nicht nur ein guter Kämpfer (und freundet sich mit dem Bruder des Königs an, indem er diesen erst beleidigt und danach die dementsprechend herbei eilende Hofgarde vertrimmt – auch mal eine Methode), sondern auch richtig reich.
Reich, da er den Drachen Fafnir getötet hat. Er hat in dessen Blut gebadet und ist nun fast unsterblich und hat zudem den Schatz mitgenommen. Zwar erschienen ihm Geister und erklärten ihm, sie seien die Nibelungen und ganz gleich ob er nun ein Stück oder gleich den halben Schatz mitnähme, er sei dann verflucht. Nun, Siegfried dachte sich jedenfalls fuck it und nahm gleich alles mit...
Darum würde auch gerne König Gunther ihn gerne behalten, hat der Drachentöter doch auch gleich noch den bösen Ralf Moeller verhauen und so Burgund, daher kommt der Gunther, merklich vergrößert. Also sorgt der dafür, dass Hagen, hochgewachsener Abkömmling des Zwergen-Chefs Alberich, einen dunklen Trank auftreibt, mit dem Kriemhild Siegfried die Liebe zu Brunhild, der besagten Königin von Island, nimmt.
Nachdem diese Intrige gelungen ist offenbart Gunther Siegfried, dass er diese Brunhild ja schon gerne zur Frau hätte; da der Regent aber scheinbar in jungen Jahren nie Eisen gestämmt hat, braucht er Hilfe, sagt die Isländerin doch, dass nur derjenige ihr Gemahl werden darf, der sie im Zweikampf besiegt.
Kein Problem, hat Siegfried doch Alberich, den traf er, nachdem er den Drachen erlegt hatte, seine Tarnkappe abgenommen und nun mit dieser den Kampf bestreitet. Er gewinnt, so mehr oder weniger, man heiratet und gleich bei der Hochzeit liefern sich Siegfried und Burnhild ein Duell, wo ihr auffällt, dass hier doch irgendwas nicht stimmt.
Da der König in der Hochzeitsnacht aber immer noch nicht ran darf, da ihn die Königin der Isländer locker lässig nieder ringt und am Boden fesselt, muss Siegfried erneut losziehen und nimmt der Dame auch noch ihren Gürtel ab. Der ist ein Geschenk der Götter gewesen und der Grund ihrer Stärke.
Hätte er mal besser gelassen. Denn nun ist seine Kriemhild, die ihn ja schon ehrlich durch schwarze Magie gewonnen hat, wiederum eifersüchtig und steckt Brunhild das mit der Tarnkappe.
Nun ist sie stinkig. So stinkig, dass sie Rache will, während Hagen vom König ausgeschickt wird, Siegfried zu töten. Der stete Anblick des Drachentöters erinnert den Herrscher von Burgund wohl zu sehr daran, was für ein Milchbrötchen er doch ist, darum soll er weg. Zumal der König von Xanten auch noch sein eigenes Gold mit auf seine Burg nehmen will - das geht natürlich nicht.
Kriemhild beichtet derweil Brunhild noch die Sache mit dem Liebestrank, Hagen durchbohrt Siegfried an der einen Schwachstelle, die er hat (und von der der Mörder weiß, weil er mal wieder gelauscht hat), im Gerangel um Siegfrieds Gold stirbt der König, Burnhild tötet Hagen und nimmt sich selbst bei Siegfrieds Beerdigung das Leben und dann sind eben (fast) alle tot.
...
Genial! ;-)

Zur Umsetzung:
Es wurde einem als eines TV-Ereinignisse des Jahres versprochen und, gerade heraus gesagt, das war es auch. „Die Nibelungen“ sind schon unzählige Male verfilmt worden, von sehr nahmhaften und sehr unbekannten Regisseuren gleichermaßen.
Diesmal koordinierte Uli Edel die Kameraschwinger. Der 1947 in Neuenburg am Rhein geborene Regisseur drehte solch bekannte Filme wie „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ oder Madonnas „Body of Evidence“, wirkte an TV-Serien wie „Twin Peaks“, „Oz“ und den „Tales from the Crypt“ mit, brachte Mike „Tyson“ ins Fernsehen und verfilmte das Leben von „Rasputin“. Seit 2000 hat er bereits bei zwei gefeierten TV-Mehrteilern mitgewirkt, von denen „Julius Caesar“ nicht so sehr, „The Mists of Avalon“ dafür umso mehr dem Genre entspricht.
Man erfreut sich also schnell der Tatsache, dass hier anders als beim RTL-Werk „Held der Gladiatoren“ oder beim Sat.1-“Kreuzritter“-Spektakel ein doch eher namhafter Mann am Werk war.

Auch merkt man gleich, von der ersten Szene an, dass hier mit einem anderen Produktionsstandard gearbeitet wurde als man es von Fernseh-Mehrteilern gewöhnt ist. Gerade Halmark haben zwar mit „Merlin“ und seinen Nachfolgern schon gezeigt, dass aufwendiges Fernsehen möglich ist; leider sah das Fernsehen doch immer noch deutlich schlechter aus als die zeitgleich im Kino laufenden Filme.
„Die Nibelungen“ sind, so merkt man ebenfalls schnell, ebenfalls stark durch Jacksons „Herr der Ringe“ beeinflusst worden. „Wer ist das nicht?“ mag man fragen, aber wer den Film selbst sieht, wird wissen, was ich meine. Die ganze im Computer nachcolorierte Optik (digital grading) findet sich auch hier, die Inszenierung lehnt sich ebenfalls stark an die Tolkien-Adaption an. Gerade als Erik mit seinem Ziehvater Eyvind per Schiff nach Burgund reist, blieb es wohl niemandem erspart, für einen Moment erschrocken „Der Anduin!“ zu rufen.
Allerdings, nur kurz eingeworfen, wurde dieser Film tatsächlich mal nicht um u.a. durch „Hercules“, „Xena“ und eben „Der Herr der Ringe“ geprägten Neuseeland, sondern in Deutschland und Südafrika gedreht.

Die Darsteller sind ebenfalls keine Unbekannten, sondern ein internationaler Mix, der dieser wirklich internationalen Produktion nur angemessen ist. In der Hauptrolle erstrahlt Benno Fürmann, der zwar der sauberste und best-geföhnte Schmied der Welt ist, ansonsten aber rundum in seiner Rolle gefällt. Er wirkt etwas dumpf und einfältig, aber gerade das passt gut zu ihm und – in unserem Kreis kann man es ja sagen – macht ihn zu dem ultimativen Archetypen eines Spielercharakters. Umso eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass der Mime bisher eher in „typisch“ deutschen Produktionen wie „Der Krieger und die Kaiserin“ oder auch (mit etwas vorbehalt ob des Typischen) „Anatomie“ zu sehen war.
Ihm gegenüber steht Kristana Løken, besser bekannt als Terminatrix aus „Terminator 3“. Sie spielt gut (meines Erachtens besser als im besagten Blockbuster), wirkt wie eine realistische Kämpferin und strahlt zudem die dem Charakter im Film nachgesagte Kälte aus.
Addiert man nun noch Alicia Witt (u.a. „Urbane Legenden“ und dereinst Alia in Lynchs „Dune“) als Kriemhild, Max von Sydow (in seiner 123ten Rolle) als Ziehvater Eyvind, Julian Sands („Leaving Las Vegas“, „The Medallion“ und das „Phantom der Oper“ in Dario Argentos Inszenierung) als Hagen, Samuel West („Notting Hill“, „Van Helsing“) als König Gunther, Götz Otto, Ralf Moeller und viele andere Darsteller darauf, ergibt sich eine nette Mischung, die rundum gut zusammen spielt und einfach Freude macht.

Auch der wichtige digitale Charakter des Films, der Drache Fafnir, hat mir exzellent gefallen. Er wirkt vielleicht nicht so lebensecht wie Jacksons Wesen im „Herr der Ringe“, aber er ist (mit weitem Abstand) die beste Kreatur, die ich je als TV-CGI-Wesen gesehen habe. Er wirkt plastisch, er interagiert glaubhaft mit seiner Umgebung und – viel wichtiger – mit Siegfried und ist auch vom Design her erfrischend anders als der „Dragonheart“-Fantasy-Standard.

Bleibt zuletzt wohl der Score zu erwähnen – auch der ist gut. Produziert wurde er von Klaus Badelt, welcher wiederum, unter der Regie von Hans Zimmer, dem Score zu „Fluch der Karibik“ komponiert hat.
Effektiv den Taktstock geschwungen und die Partituren geschrieben hat hier aber Ilan Eshkeri, dessen größte Tat bisher „additional music“ für „Black Hawk Down“ gewesen sein dürfte. Er macht seine Sache hier aber ausgesprochen gut und man kann hier nur Lob aussprechen, da klingt mancher Kinofilm schlechter!
Interessant ist, dass man sich bei Sat.1 wohl den aktuellen Zug der Nachwuchs-Gothik-Fans nicht verpassen wollte und auf den Soundtrack, teilweise aber auch in den Film mit aufnahm, was gerade angesagt ist. So finden sich Manowar, Nightwish und Within Temptation nur auf dem Soundtrack, E Nomine etwa findet man aber auch im Film selbst. Ist deren Beitrag aber noch passend, warne ich schon mal ernsthaft vor dem abschließenden Lied von „Barbi Schiller“ – das kann einen echt kalt erwischen.

Doch natürlich gibt es auch Mängel. Da ist sicherlich einmal anzusprechen, dass es sich keinesfalls um eine korrekte Verfilmung handelt. Ich nehme mal an, zumindest der alte König Etzel hätte wohl doof geguckt, wenn er in Burgund ankäme und die ihm lapidar mitteilten, dass der König durch Hagen und Hagen durch die Königin von Island und Burgund getöten worden sei, die sich danach das Leben genommen habe.
Dann aber wiederum muss man auch sagen, dass der Film auch nicht für Wissenschaftler der älteren deutschen Literaturgeschichte, sondern für Filmfreude gedreht wurde. Und selbst Germanistik-Studenten können an dem Film gefallen finden – man nehme mich als Beweis, wenn man muss.
Anders als bei „King Arthur“ wurde zudem niemals mit Korrektheit in irgendeiner zur Adaption gereichenden Form geworben.

Weiterhin schade ist aber, dass einige Charaktere am Rande schlichtweg blaß bleiben. Giselher, der Bruder des Königs, kommt nicht über ein Dasein als Groupie des Drachentöters hinaus, Alberich erscheint weitestgehend wie eine Mischung aus Gollum und Ewok (nein, er trägt keine dubiose Maske, aber er hüpft im Wald rum, reder wirr und ist böse) und die Nibelungen selbst tauchen zwei Mal kurz auf und wirken wie verlorene Spielleiter, die noch mal sicher gehen wollen, dass alle Elemente des Plots auch gut verstanden sind.
Auch eine allgemeine Plot-Zwänge ist spürbar. Gerade Hagen ist patentierer Weltmeister im „günstig zur richtigen Zeit hinter dem richtigen Vorhang stehen“ und kann demnach, geradezu allwissen, wann immer Ruhe einzukehren droht, etwas Böses tun.
Dafür kann man sagen, dass der Aufzug der eigentlichen Handlung nirgendwo bisher so schön geraten ist wie hier. Man kann schön sehen, wie sich alle Steine des Dramas langsam in Position begeben; hier wird die Vorausschaubarkeit zur Vorausdeutung und lässt den Zuschauer in Vorfreude auf das Finale vor dem Fernseher sitzen.
Die Charaktere sind dabei zwar stereotyp, aber doch glaubhaft nachvollziehbar. Wer sieht, wie Hagen immer draußen im Regen stehen muss, wenn der König mit Siegfried spricht, kann den Neid des Übeltäters schon nachvollziehen.

Zuletzt kann man das zuvor schon erwähnte digital grading teilweise etwas als Nachteil anführen. Ich habe nichts dagegen, schätze es sogar sehr – aber wenn alltägliche Szenen so entsättigt werden, dass selbst das Feuer grau wird, dann ist langsam eine Grenze erreicht. Wie gesagt: muss man sich nicht dran stören, kann man aber. Wer also, anders als ich, diese „neue Optik“ nicht so sehr schätzt, könnte sich von den „Nibelungen“ schnell diesbezüglich genervt fühlen...

Abschließend muss man einfach anerkennen, dass die Filme nicht nur gut, sondern für TV-Events geradezu herausragend geworden sind. Die Kombination von gutem Drehbuch, guten Darstellern, exzellenten Effekten und einer packenden Inszenierung ist selten, hier aber gegeben.
Und da kann man dann auch die Untreue zum Werk verschmerzen, die so sehr eigentlich auch nicht schadet. Perfekt ist der Film vielleicht nicht, aber gesehen haben sollte man ihn auf alle Fälle.


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