Donnie Darko – The Director‘s Cut

Donnie: Why do you wear that stupid bunny suit?
Frank: Why are you wearing that stupid man suit?
- aus Donnie Darko – The Director‘s Cut

Zur Handlung:
Donnie Darko befindet sich in psychiatrischer Behandlung – doch als er einmal mehr schlafwandelnd das Haus verlässt, um einem Mann in einem riesigen Hasenkostüm zu folgen, welcher ihm sagen will, wann die Welt untergeht, rettet ihm das die Haut. Denn just in jenem Moment schlägt die Turbine eines Flugzeugs in seinem Zimmer ein.
Offenbar scheint aber noch mehr in dieser Nacht passiert zu sein. Ohne das Donnie es beschwören könnte, scheint sich die kryptische Prophezeiung des Hasen zu erfüllen, wobei diverse Konflikte an seiner Schule, seine neue Freundin und die mysteriöse alte „Grandma Death“ auch damit zu tun haben scheinen.

Zur Umsetzung:
Es ist schon ein Weilchen her, da hat sich [ego] hier mit der normalen Kinofassung von Donnie Darko; befasst. Und obwohl der Film in Deutschland schon sehr edel, sogar in einer Metallbox, veröffentlich wurde, war es noch nicht die endgültige Fassung des Filmes.
Der vorliegende Director‘s Cut ist bisher nur in Amerika und England erschienen, die nachfolgende Rezension bezieht sich daher auf den UK-Import.

Offen gestanden war ich mit der bisherigen Fassung des Filmes – generelles dazu entnehme man ruhig der Rezi zur Normalfassung – nie ganz zufrieden. Zwar rangiert der Film derzeit auf Rang 93 der Top 250 bei IMDb, hat nur hervorragende Kritiken bekommen und gilt, nachdem er erst im Kino floppte, seit der DVD-Veröffentlichung als Tophit.
Gerade dieser späte Erfolg hat dann auch die vorliegende Fassng ermöglicht. Denn damit lag endlich das Geld vor, den Film mit der intendierten Musik auszustatten und es war eine Basis gegeben, den Plot in die ursprüngliche Form der Premiere auf dem Sundance Festival zu bringen zu so zu veröffentlichen.
Was mir an dem Film immer aufgestoßen ist, dass er alleine nicht bestehen konnte. Er bezieht sich ab einem gewissen Punkt auf eine rein fiktive Zeitreisetheorie, wie Regisseur Richard Kelly im Audiokommentar nun auch offen zugibt, erklärt diese aber nicht ausreichend. Man konnte im Internet oder im Bonusmaterial der DVD nachschlagen, aber wer den Film für sich genommen sehen wollte, der ging leer aus.

Dieses Defizit wurde mit dem Director‘s Cut nun behoben, denn in dem etwa 20 Minuten längeren Schnitt wurden Auszüge aus dem besagten Werk „The Philosophy of Time Travel“ als Textmontagen in die Handlung eingegliedert. Das könnte den Pseudophilosophen übel aufstoßen, Kelly aber betont, dass er damit nur den Rahmen für eine „coole SciFi-Story“ schaffen wollte und zeigt daher wenig bedenken, die Informationen nun einzugliedern.
Dies führt allerdings in der Tat zu einer sehr veränderten Wahrnehmung des Titels. Er büßt darin etwas seine Ambivalenz ein. Allerdings wird man in seiner Deutung nicht unbedingt gedrängt, man wird allenfalls an die Hand genommen und geleitet. Gerade die letzten Szenen (für Kenner: die Szenenmontage, nachdem Donnie am 28. Tag herauf auf den Hügel gefahren ist) haben ihre Mehrdeutigkeit behalten und was nun etwa genau in Gretchen vorgeht, wenn sie Donnies Mutter zuwinkt, würde in den möglichen Interpretationen den Rahmen dieser Rezension wohl sprengen.

Der Interpretationsraum wird durch den Director‘s Cut aber nicht nur etwas eingeengt, er wird auch durch neue Szenen verschoben. Etwa im Bezug auf Donnies Psychologin, deren Meinung über Donnies Verhalten durch eine zusätzliche Szene in ganz anderes Licht gerückt wird.
Oder aber im Falle der Lehrerin Karen Pomeroy (Drew Barrymore), die sich in der Neufassung weit mehr aus dem Fenster lehnt. So hat sie eine neue Konfrontationsszene mit Kitty Farmer, übt bei der Verbannung der von ihr gewälten Schullektüre stillen Widerstand und auch ihr letztes Gespräch mit Donnie wurde ausgetauscht. Der Charakter bekommt dadurch weit mehr Profil und einige Handlungsstränge werden dadurch nachvollziehbarer gemacht.
Auch Donnies Vater hat eine neue Dialogszene mit seinem Sohn, die zwar seinen Charakter nicht groß verändert, ihm aber doch weit mehr Tiefe gibt als er sie in der Kinofassung hatte.

Andere Änderungen der neuen Fassung sind rein kosmetischer Natur. So gibt es einige neue Effektshots sowie mehr von der Musik, die Kelly ursprünglich für den Film haben wollte, sich zum Kino-Release aber nicht leisten konnte.
Insgesamt wirkt diese nun runder und passender, ist teilweise selbst vom Liedtext her auf den Vers genau in die Bildfolgen eingepasst.

Aber „deutlich runder“ ist eine Bezeichnung, die auf Donnie Darko in der neuen Schnittfassung insgesamt gut passt. Nicht nur, dass der Film durch die Texteinblendungen unglaublich an Eigenständigkeit gewonnen hat, die zusätzlichen 20 Minuten (zuzüglich einiger ausgetauschter Szenen und Takes innerhalb der alten Spielzeit) passen sich perfekt in das Gesamtbild ein. So gut, dass man sich nachher fast schon fragt, wie der Film ohne sie ausgekommen ist.

Doch auch die DVD-Veröffentlichung ist mehr als nur löblich. Das Bild liegt in 2.35:1 vor und ist gestochen scharf, wurde scheinbar auch für den Neuschnitt noch einmal farblich abgestimmt. Die Ton liegt nur in Englisch vor, wie oft bei UK-DVDs, erklingt aber glasklar wahlweise in 5.1 DD Surround oder aber DTS. Untertitel gibt es ebenfalls, wobei diese sehr liebevoll gemacht sind und zwar teilweise etwas vom gesprochenen Text abweichen, dafür aber sämtliche Lieber mitsamt Interpreten angeben.

Auf der ersten der zwei DVDs aus der Box findet man dann noch einen ganz neuen und teilweise sehr viel Klarheit schaffenden Kommentar von Richard Kelly, der aber noch eine ganz besondere Garnierung dadurch erhält. Damit keine unnötige Stille entsteht, so erklärt er, hat er seinen guten Freund Kevin Smith mitgebracht. Smith, berühmt für seine Kultfilme wie „Clerks“ oder „Chasing Amy“, hat zwar mit dem vorliegenden Film nichts zu tun gehabt, bringt aber als Gewohnheitskritiker viele interessante Ansichten und eigene Interpretationen mit und ergänzt den Film damit um einen zusätzlichen Blickwinkel. Hier könnte sich die Konkurrenz wirklich einmal eine Scheibe abschneiden.

Auf einer zweiten Disc finden sich drei Featuretten, ein Produktionstagebuch, B-Roll-Material, Interviews mit und Filmografien zu Cast und Crew, die beiden Trailer zur Normalfassung und zum DC, fünf TV-Spots, ein Musikvideo, zwei Infomercials direkt aus dem Film, 20 entfernte und erweiterte Szenen, wahlweise mit Kommentar von Kelly sowie ein Easter Egg. Da habe ich lange, lange Zeit keine Ausstattung mehr in dieser Menge und Qualität gesehen...

Kurzum kann ich nur sagen, dass ich mich nun, mit der vorliegenden Veröffentlichung, doch in die Reihen der vielen Liebhaber des Films einreihen kann. Der Film selbst wurde durch die Überarbeitung – in der Kelly selbst übrigens nur eine alternative Möglichkeit des Films, nicht etwa die oft gerühmte „absolute Fassung“ seines Films sieht – meines Erachtens merklich verbessert und abgerundet, die Ausstattung der Box ist hervorragend.
Wer zügig Kauft, bekommt zudem noch einen schönen Pappschuber um seine Amaray-Hülle, der mit einem Hologrammbild verziehrt wurde. Der erste Film-Pflichtkauf seit langem für mich.


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