Lord of War - Händler des Todes

Yuri Orlov: "There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That's one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11?"
- aus Lord of War

Einer der beeindruckendsten Filme der letzten Jahre war für mich kein Blockbuster der großen Studios, kein Meilenstein in der Filmtechnik oder ein dramaturgisch ausgefeiltes Meisterwerk mit mehreren Handlungsebenen und einem verblüffenden Schluß sonder eher ein moralischer Film aber keiner der drohend den Zeigefinger erhebt und dem Zuschauer die Schuld immer wieder vor Augen führt.
Dies liegt sicherlich auch daran das man als Protagonisten jemanden wählte der in anderen Filmen eher als Antagonist durchgehen würde….die Cleveren Leser haben es spätestens jetzt (wenn nicht schon bei dem Titel) gemerkt über welchen Film ich hier spreche – Lord of War.

Zum Inhalt:
Der aus der Ukraine stammende Juri Orlov will es in Amerika zu etwas bringen und nicht im Restaurant seiner Eltern versauern, doch da ihm der Weg in die ehrliche Arbeitswelt zu beschwerlich erscheint widmet er sich mit großem Erfolg dem Waffengeschäft.
Und zu seinem erstaunen muss er feststellen das er darin richtig gut ist.
So steigt er zusammen mit seinem Bruder Vitali recht schnell vom kleinen Waffendealer zu einem Big Player auf.
Den eines hat er recht früh erkannt, das große Geld macht man mit Kriegen zwischen Ländern und so geht es ab diesem Zeitpunkt mit ihm steil bergauf. Gelegen kommt ihm dabei auch das sein Onkel, ein General in der russischen Armee, nach dem Ende des kalten Krieges auf einem riesigen Haufen Waffen sitzt aber keinen richtigen Feind mehr hat. Mit der Heirat seiner Jugendlieben scheint auch das private Glück für ihn perfekt. Doch bei all seinem Erfolg bleiben Rückschläge und Opfer nicht aus. So wird sein Bruder Drogensüchtig und mit dem Interpolagenten Jack Valentine auf den Fersen wird es für Juri auch immer schwieriger seine Geschäfte vor seiner Frau und seinem Sohn geheim zu halten.

Zur Umsetzung:
Was mich besondern an Andrew Niccols (Gattaca, S1m0ne) Film beeindruckt hat war die Bösartigkeit mit der diese Thematik präsentiert wurde. Der Film schafft es moralisch zu belehren dabei aber niemals den Zeigefinger direkt zu erheben und vor allem das ganze auch noch unterhaltsam auf zu zeigen.
Als Zuschauer bekommt man als Identifikationsfigur und Protagonisten/Antagonisten den Waffenhändler Juri Orlov vorgesetzt der der amerikanischen Traum träumt. Nicolas Cage (The Rock, Con Air, The Weather Man) zeigt das sein Repertoire mehr hergibt als den Actionhelden oder ausdruckslos in die Kamera zu schauen. Er spielt den Waffenhändler Juri Orlov so sympathisch das es eigentlich schon pervers ist. Im Prinzip wickelt er sein Geschäft mit solch einer Freundlichkeit und Professionalität ab als würde er Staubsauger oder Bibeln verkaufen und abends geht er dann nach Hause zu seiner Frau und seinem Sohn – wobei er eine Spielzeugwaffe mit spitzen Fingern im Mülleimer entsorgt.

Auf der anderen Seite steht dahingegen der Interpolagent Jack Valentine, dieser verfolgt Juri schon fast mit manischem Wahn – allerdings hält er sich dabei immer an die Regeln und gerade dies verhindert das er Juri schon viel früher aus dem Verkehr ziehen kann. Aber bleibt seinen Prinzipien treu auch wenn ihn seine Vorgehensweise und Darstellung eher wie den Schurken des Stückes erscheinen lassen, übrigens wunderbar dargestellt von Ethan Hawke (Hamlet, Gattaca, Assault on Precinct 13). Leider gehört er zu denn Verlieren des Films da er Juri Orlov fast immer einen Schritt hinterherhinkt und feststellen muss das es Leute gibt die Juri als ein notwendiges Übel ansehen und ihn daher im Geschäft belassen möchten.

Als Juris Bruder Vitali ist hier Jared Leto (American Psycho, Requiem for a Dream, Panic Room) zu sehen. Dieser wird durch die Waffengeschäfte seines Bruders Drogenabhängig und gerät zum Schluß in ein moralisches Dilemma das ihm nicht nur das Leben kostet sondern seien Bruder auch beinahe den Job.

In weiteren Rollen brillieren übrigens Ian Holm (Kafka, The Fifth Element, The Lord of the Rings) als Waffenhändler Simeon Weisz der eher die Haltung des kalten Krieges verkörpert und Eamonn Walker (Unbreakable, "Oz") als Andre Baptiste Sr. ein afrikanischer Diktator und Schlächter.

Der Film selber bedient sich in gewisser Weise eines dokumentarischen Stiles und wird fast immer von Juri Orlov kommentiert, dessen Lebensweg vom kleinen Waffenhändler bis hin zu einem der größten Waffenschieber der Welt man in erschreckender Weise mitverfolgen kann.
Wo andere Schurken wild um sich ballern oder Greueltaten vollbringen müssen um gehaßt zu werden verkauft Juri hier einfach nur Waffen, fast nie feuert er auch nur eine seiner Waffen auf einen Menschen – ja er zeigt sich durchaus schockiert wenn in seiner Gegenwart Leute erschossen werden, Gewalt scheint ihm zu wieder und doch sind es seine Geschäfte die Millionen Menschen das Leben kosten. Gerade diese vollkommen normale Darstellung eines Menschen der den Tod verkauft macht das ganze um so beängstigender – allerdings kosten ihn am Ende seine Waffengeschäfte nicht nur das Leben seines Bruders sondern auch seine Frau und sein Sohn wenden sich von ihm als sie seine wahren Tätigkeiten aufdecken.

Gerade diese Thematik ohne ein Happyend hat wohl auch die großen Studios dazu veranlaßt die Finger von diesem Projekt zu lassen und so steckt Nicolas Cage eigenhändig sein Erspartes in diesen Film um in über ein kleineres Studio zu finanzieren – und es hat sich gelohnt. Dieser Film bewegt sich weitab von der üblichen Hollywoodthematik und kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Dies zeigt sich alleine schon der ersten Einstellung in der man den Werdegang einer Patrone verfolgen kann. Von ihrer Entstehung in einer russischen Fabrik bis hin zu ihrem Bestimmungsort einem afrikanischen Kriegsschauplatz wo sie dann im Kopf eines Kindersoldaten landet.

Die DVD selber kommt neben den üblichen Sprachen und Untertiteln mit einer netten Menge ans Bonusmaterial daher. So z.B. ein Audiokommentar, ein Making-Of, Bericht über den realen Waffenhandel und deleted scenes.

Fazit:
Ein aufrüttelnder Film und das in jeder Hinsicht – wer also nicht nur auf hirnlose Unterhaltung steht sollte sich diesen Film auf jeden fall ansehen.


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