Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen, Die

- Welcome to "The League of Extraordinary Gentlemen".
- The League of what?
- aus der Liga

Zur Handlung:
Ein mysteriöser Attentäter namens 'Fantom' droht am Ende des 19-ten Jahrhunderts, durch mehr oder minder geschickte Attentate einen Krieg zwischen den Ländern Europas auszulösen. Um ihn aufzuhalten, wird die titelgebende 'Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen' versammelt, eine Gruppe der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Epoche. So stehen bald Allan Quatermain, Captain Nemo, Mina Harker, der Unsichtbare (aka Rodney Skinner), der unsterbliche Dorian Gray, Dr. Jekyll (und somit natürlich Mr. Hyde) und Tom Sawyer Seite an Seite, einen großen Krieg zu verhindern.

Zur Umsetzung:
Die Idee ist zweifelsohne faszinierend. Eine Gruppe von schillernden Persönlichkeiten mit coolen Kräften, die Seite an Seite wie die viktorianischen X-Men gegen das Böse kämpfen. Ausgedacht hat sich das aber mal nicht Hollywood, sondern der Comic-Künstler Alan Moore, der bereits die Vorlage zu dem guten und 2002 auch erfolgreich gelaufenen 'From Hell' mit Johnny Depp lieferte.
Kaum dass das Projekt bekannt gegeben wurde, begann man euphorisch zu werden; die Fans sowieso, doch auch 'From Hell' war eine gute Reputation. Dann aber wurde man auch schnell vorsichtig.
Der Regisseur Stephen Norrington konnte bis dato eigentlich nur 'Blade' als namhaften Film vorweisen, und obschon eine Comicverfilmung sicherlich kein Meisterstück der Handlungsdichte. Viel schlimmer aber fiel schnell ins Gewicht, dass man die Geschichte etwas 'amerikanisieren' wollte, was sich wohl am deutlichsten an der Einführung des Amerikaners Tom Sawyer in die ansonsten durchweg dem viktorianischen England entsprungene Riege zeigt.

Interessanter als all die Spekulationen, die pro wie contra über den Film geführt wurden ist sicherlich das Endprodukt, das hier nun auf DVD vor mir liegt.
Eines aber vorweg: ich werde nicht mehr näher auf die Qualität als 'Verfilmung' eingehen. Gerade Comic-Verfilmungen haben in jüngster Zeit bewiesen, dass sie auch Leute ohne Kenntnis der Vorlage begeistern können, daher soll ihr auch Die 'Liga' sozusagen 'ihren Film stehen' müssen.
Fangen wir also einfach mal mit den Pluspunkten an:
'Die Liga' ist ein Film, der einen direkt mit seinem sehr guten Design begeistern kann. Man hat es gut geschafft, eine Mischung aus einer glaubwürdigen viktorianischen Atmosphäre, in Locations wie Kostümen, und dem modernen Design aktueller Comicverfilmungen zu finden. Einerseits sind da Kutschen, Gaslampen und all das, andererseits fahren die Helden natürlich ein cooles Auto und haben stets kecke Sprüche auf den Lippen.
Überhaupt, diese Helden machen einen weiteren dicken Pluspunkt aus. Sie sind gut ausgesucht, haben alle ihren Anteil an der Geschichte und keiner scheint 'nur so' dabei zu sein, wenn der Held des Films hier auch klar der vom Star Sean Connery gespielte Allan Quatermain ist.
Connery darf hier noch mal beweisen, dass man auch mit 73 Jahren noch Actionfilme drehen kann, doch steht er sicherlich nicht alleine da. Während die von Peta Wilson (Nikita in der gleichnamigen Serie) Mina Harker und Dorian Gray, gespielt von dem 'Queen of the Damned'-Lestat Stuart Townsend, vor allem durch ihre gute Darstellung auffallen, während Rodney Skinner (Tony Curran) und Dr. Jekyll (Jason Flemyng) vor allem durch ihre durchaus superben Spezialeffekte getragen werden.
Etwas blass bleiben dabei nur Nemo und Tom Sawyer. Nemo vor allem, weil es ihm an Screentime mangelt, Sawyer dagegen ist dagegen ein pures Abziehbild und scheint einzig dabei zu sein, damit der alte Hase Quatermain ihn unter seine Fittiche nehmen kann.
Doch insgesamt mundet der Figuren-Cocktail durchaus und man ihre Interaktion macht die Sache durchaus interessant. Leider aber hat die Sache einen Haken, denn diese interessanten Figuren müssen im Austausch mit einer ganz und gar furchtbaren Rahmenhandlung klarkommen.
Abseits der Zusammenführung aller Charaktere gilt es dann noch den Krieg zu verhindern, indem man ein schweres Attentat verhindert, einen Verräter in der Gruppe aufzuspüren, die Identität des 'Fantoms' zu lüften und letztlich dessen geradezu epischen Schurkenplan zu verhindern ... und das alles in 105 Minuten.
Kurzum: das ist zu wenig. Der Film stolpert nach der schönen Zusammenführung der Charaktere wild in die Geschichte hinein und man hat eigentlich selten den Eindruck, so ganz zu verstehen, warum da gerade all das passiert.
Nicht, weil man Ursache und Wirkung nicht sieht, sondern vielmehr, weil von böser Seite her die Motive so unklar sind und man bei den Guten einfach nicht den Eindruck bekommt, dass irgendwas, was sie tun, wirklich wichtig ist.
Einzelne Szenen sind dabei wirklich gut geraten – vor allem das Finale gefällt – doch der Gesamteindruck lässt einen irgendwie unbefriedigt zurück. Da kann auch der bemüht rasante Schnitt nichts dran ändern, dem merklich die ein oder andere Szene ungünstig in die Schere gelaufen ist.

Teils rettend, teils fatal sind dabei die Spezialeffekte. Während etwa Jekyll in seiner Hyde-Form etwa sehr gut aussieht und auch hervorragend interagieren kann, während die Nautilus durch das schönste CGI-Meer fährt, dass ich je gesehen habe und während die Effekte um den Unsichtbaren schlichtweg grandios sind, wirken andere Sachen auch einfach nur furchtbar.
Zur Mitte des Films stürzen einige Häuser ein und man hat echt den Eindruck, dass da teilweise nur Polygone rotieren. In der gleichen Szene sieht man auch katastrophal deutlich als gerendert erkennbare Fässer voll Sprengstoff und Mina, die als Feldermausschwarm umherzieht und dabei irgendwie sehr verworren und verknotet erscheint usw.
Wie gesagt, manches ist genial, manches bestenfalls auf dem Niveau eines TV-Films, was schade ist, denn abseits einiger dicker Logiklöcher (wie passte diese Nautilus in diese Kanäle?!) ist das Design, wie gesagt, sehr gut.

Die Umsetzung auf DVD ist dagegen sehr löblich. Ein exzellentes Bild (in 2.35:1) und guter Ton (Deutsch in DD5.1 und DTS, Englisch zumindest in DD5.1) sprechen für den Film an sich, doch auch die 138 Minuten Bonusmaterial sind schön geraten.
Sehr nett etwa die Aufnahmen von den Premieren in Prag und England, vor allem mal den Gegensatz zwischen der beschaulichen tschechischen Stadt im Sonnenuntergang und der wilden Feier im Vereinigten Königreich war schön zu sehen. Viel sinnvoller sind aber noch die 17 zusätzlichen Szenen, die auf der DVD zu finden sind. Mit einer Gesamtdauer von 32 Minuten wird hier auch sehr deutlich, was oben schon beanstandet wurde: dem Film selber wurden einige essentielle Szenen gekürzt.
Zwar ist hier nichts, was nicht auch im Film mal angedeutet wurde, aber manchmal sind es eben doch die kleinen Dinge, die den Charme einer Geschichte ausmachen.
Der Rest ist dann gewohnte Kost, aber bis auf ein sehr aufdringliches Promo-Making-Of dennoch sehenswert.

Was man dann am Ende hat, ist eben gewohnte Kost. Der Film ist durchaus professionell produziert und hat seine Momente, hat gute Darsteller in sympathischen Rollen. Die Handlung dagegen ist sehr schwach, was natürlich der Action im Film keinen Abbruch tut.
Der Film hat eigentlich nur ein Problem: er ist zu spät.
Gerade in den vergangenen Jahren gab es einige wirklich großartige Filme in dem Bereich, X-Men 2 sei ein Beispiel, da fällt 'Die Liga' einfach gegen ab. Denn die Charaktererschaffung ist noch sehr schön umgesetzt, dem Rest des Films fehlt im Anschluss aber einfach eine weitere halbe Stunde, um sich einmal richtig Fahrt aufnehmen zu können.

'Die Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen' ist sicherlich ein guter Film, den man sich bedenkenlos für einen netten Filmabend leihen kann ... aber 'außergewöhnlich', das ist er leider nicht geworden.


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