Octalus

"Denkt dran, wir müssen sie einschüchtern. Jedes Mittel ist mir recht, auch brutale Gewalt!"
- aus Octalus

Zur Handlung:
Eine Bande von Dieben möchte einen Luxusliner ausrauben und lässt sich daher von dem dem Seemann John Finnegan an Bord bringen – doch als sie da sind, bietet sich ihnen nur ein Bild des Grauens. Das gesamte Schiff ist verwüstet, von der Besatzung keine Spur.
Doch sind sie nicht alleine, denn ein gigantisches Tentakel-Monster beginnt bald mit seinen endlos langen Fangarmen Jagd auf sie zu machen.

Zur Umsetzung:
Es gibt so Filme, die sind richtig schwer zu beschreiben. Komplexe Story, differenzierte Charaktere, dramatische Wendungen und tiefgründige Verknüpfungen, die in Rezensionen immer die Gefahr eines Spoilers beinhalten.
„Octalus“, im Original übrigens „Deep Rising“ betitelt, ist kein solcher Film.
Es ist genau das, was man schon hinter dem Titel vermutet – ein rundum trashiger und endlos unterhaltsamer B-Movie.

Hier wird kein Klischee ausgelassen: die bösen Söldner sind natürlich knallharte, fluchende Typen von möglichst großer ethnischer Variation, mit dem aufbrausenden Hispanio, dem harten Schwarzen und dem kühlen Japaner, die Frauen im Film entweder arme Opfer oder – im Falle der zweiten Hauptrolle – coole Diebinnen, es gibt den lustigen Sidekick, ultra-coole und vollkommen blödsinnige Knarren (hey, chinesische Sturmgewehre mit tausend Schuss Kapazität und rotierenden fünf Läufen? Aber ja doch...), dumme Dialoge (doppelt dumm auf Deutsch, wenn hier auch keine Spaß-Synchro à la Bud Spencer vorliegt) und natürlich den strahlenden Helden, der kämpfen und ballern kann, immer ruhig bleibt und einen Großteil der Sprüche für sich gepachtet hat.
Oh, und es gibt natürlich das böse Monster, das die oben genannte Gruppe getreu der politisch inkorrekten zehn kleinen Negerlein dezimiert. Und unmotivierte Blutspritzer und kleinere Splatter-Effekte, die dem Film aber dennoch sein FSK-16 bewahren.

Das Drehbuch wie auch die Regie stammen Stephen Sommers, der schon mit seinen „Die Mumie“-Filmen und dem „Scorpion King“ dem wunderbaren Subgenre des sich nicht selbst ernst nehmenden phantastischen Kino huldigte. Aus seiner Feder stammt die Handlung, die zwar nirgends Tiefe entwickelt, aber vor lustiger Einfälle nur so strotzt. Die Todesarten der Nebencharaktere sind originell, die Actionszenen teils sehr cool (es dürfte die erste Jagd auf einem Jet-Ski durch einen Luxusliner sein) und die Dialoge vielleicht dumm, aber auch ungeheuer unterhaltsam.
Auch seine Charaktere sind sicher fein – und fein besetzt. John Finnegan ist der klassische B-Held, cool, latent grantig und aus unerfindlichen Gründen im Umgang mit allen Waffen geschult, die er findet.
Gespielt wird er von Treat Williams, der durch dezentes Overacting und ein einfach liebenswertes Gesicht sofort gefällt. Er ist seit Mitte der Siebziger im Filmgeschäft, hat in fast 70 Filmen mitgewirkt. Er hatte seinen Durchbruch mit „Hair“ und ist danach solide im Richtung B-Movie gewandert. Er hatte zwar noch eine vollkommen belanglose Doppelrolle in „Das Imperium schlägt zurück“ (jau, als Echo Base Trooper und Cloud City Trooper) und war 1997 in „Vertrauter Feind“ (mit Brad Pitt und Harrison Ford) zu sehen, hat aber auch ganz andere Perlen abgedreht. So kann ich auch „Mörderischer Tausch 2“ nur jedem B-Film-Fan ans Herz legen!

Die weibliche Hauptrolle spielt Famke Janssen, zu der man in den phantastischen Kreisen wohl spätestens seit den X-Men („Jean Grey“) nichts mehr sagen muss, die man aber ebenso etwas aus der Klamotte „I Spy“ oder auch aus dem James Bond „Golden Eye“ kennen kann.
Der Sidekick wird von Kevin o'Connor gespielt. Den kennt man etwa als Beni Gabor aus „The Mummy“, wird ihn aber auch im Sommers-Film „Van Helsing“ im Sommer 2004 als Igor sehen. Der Kapitän des Liners wird Derrick o'Connor gespielt (bekannt aus B-Filmen wie „Hawk the Slayer“ bis hin zu Hollywood-Werken wie „End of Days“ oder „Daredevil“), die Söldner werden von Wes Studi angeführt (Sagat in „Street Fighter“, die Sphinx in „Mystery Men“ und – sicher prominent – der Indianer in der Wüste in „The Doors“) und so weiter und so fort – es ist klar, hier ist eine ganze Palette der Schauspieler der hinteren Reihen versammelt, die auch allesamt, das wird schnell deutlich, sehr viel Freude an dem Film hatten.

Allerdings gibt es ja noch einen Darsteller: das Tentakelmonster, welches ich Octalus zu nennen mich nun mal weigere, da der Name den ganzen Film über nicht fällt und einzig der deutschen Titelgebung zu verdanken scheint.
Kurzum: klasse!
Es sieht trotz CGI-Effekten in einer Lower Budget-Produktion des Jahres 1998 richtig gut aus, vom Design mal ganz zu schweigen. Ich hätte nicht gedacht, dass man aus den Tentakeln viel machen könnte, doch den Designern ist es gelungen.
Gleiches gilt für einige andere Effekte am Wegesrand, die einfach alle überzeugend aussehen. Im Schnitt wirkt der Film trotz zahlreicher Effekte einfach rund, da stößt nichts sauer auf, im Gegenteil, man hat irre Spaß an dem Monster ... etwas, was etwa „Episode I“ leider nicht von sich sagen konnte. Bei „Octalus“ stimmt das Maß einfach.

Der Musikscore macht auch Laune, Jerry Goldsmith ist da ja sicher auch kein Unbekannter. Der Komponist der jüngeren Star Trek-Werke (Voyager sowie die TNG-Kinofilme), Rambo, Mulan, Legend, Small Soldiers und eben auch der „Mumie“ entwickelt auch hier einen durchschnittlichen Score mit einem recht ohrwurmigen Main Theme.

Auch die Umsetzung auf DVD ist gelungen: das Bild ist gut, wenn auch nicht perfekt. Doch das in 2,35:1 vorliegende Bild ist scharf, detailreich und kommt ohne Artefakte daher, auch die dunklen oder mit Wasserspritzer durchsetzten Szenen kommen wirken klar und deutlich.
Der deutsche Ton ist ebenfalls klar, liegt wie der O-Ton in 5.1 vor, hätte aber vielleicht etwas mehr Bass vertragen. Dennoch ist ihm hier eigentlich sogar der Vorzug vor dem O-Ton zu geben, denn der ist zwar inhaltlich besser ... aber will man das hier überhaupt?
Die Extras der DVD sind okay, aber nichts Tolles. Die angeblichen 35 Minuten Spieldauer des Bonusmaterials rühren unter anderem daher, dass die Schauspielerbiografien zwar Pure Text sind, aber dennoch animiert und jeweils knapp zwei Minuten lang. Auch die „Hinter den Kulissen“-Featurette ist eigentlich nur etwas Material der B-Roll.

Aber dann wiederum muss man sagen ... das stört auch nicht wirklich.
„Octalus“ ist purer Spaß für Freunde trashiger Unterhalten. DVD rein, Subwoofer an, Hirn aus und einfach genießen ... gerade mit ein, zwei Freunden macht der Film einfach Spaß, ohne dabei wirklich schlecht zu sein.
Wer noch mal einfach abschalten will - dies ist der perfekte Film dazu!


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