One Hour Photo

Jakob Yorkin: I really feel sad for him.
Nina Yorkin: But, Jake we don’t know that Sy is sad. We really don’t know that much about him, you know. I mean, he might even have a lot of friends. And he probaly has a girlfriend and a mommy and a daddy who loves him.
Jakob Yorkin: I don’t think he does.
- aus One Hour Photo

Zur Handlung:
Sy Parrish arbeitet in einer Fotoschnellentwichklung in einem Supermarkt, freundlich, höflich und vollkommen unscheinbar nimmt er am Leben seiner Kunden über deren Fotos teil. Besonders das scheinbar so perfekte Leben der jungen Vorzeigefamilie Yorkin hat es ihm angetan und gerne wäre er ein Teil ihrer Familie, bis er bemerkt das auch hier nicht alles in Ordnung ist und somit auch sein Leben aus den Fugen zugeraten scheint.

Zur Umsetzung:
Robin Williams gibt hier, wie schon in Insomnia den Bösen, lag das Hauptaugenmerk in Insomnia jedoch auf Al Pacino so konzentriert sich One Hour Photo ganz auf Robin Williams. Und diese Ein-Mann-Show meistert er bravourös.
Den vollkommen vereinsamten Angestellten und Durchschnittsamerikaner gibt er so überzeugend das gar nicht glauben mag das derselbe Robin Williams sich durch Komödien wie Mrs. Doubtfire oder Flubber ulkte, das er allerdings auch in der Lage war ernste Rollen zu spielen hatte er schon mit Good Will Hunting und Dead Poets Society bewiesen. In der letzten Zeit war es jedoch etwas ruhiger geworden, von der herrlich schwarzen Komödie Death to Smoochy mal abgesehen, deshalb war ich von seiner Vorstellung in One Hour Photo doch sehr angenehm überrascht.
Sy Parrish ist einer jener typischen Angestellten in einer großen Supermarktkette, hier Sav’Mart, denen man zwar immer wieder begegnet aber die man so gut wie gar nicht kennt. So auch hier, jahrelang gibt die Familie Yorkin ihre Fotos nun schon zum entwickeln ab und über all die Jahre machte Sy immer wieder Abzüge für sich selbst. Er kennt die Yorkins fast so gut wie alte Freunde und doch waren sie über all die Jahre unerreichbar für ihn. So nahm er in seinen Vorstellungen an all ihren Familienfesten teil, als der gute Onkel Sy, während er im realen Leben nie über „Sy – the photo guy“ herauskam.
Jedoch auch bei den Yorkins läuft nicht alles so wie Sy es in seinen Fotos sieht und als er herausfindet das Will Yorkin, der liebende und führsorgliche Familienvater, eine Affäre hat, sieht er seine perfekte und heile Welt zu der er so gerne dazugehören möchte in Scherben.
Die Figur des Sy Parrish ist dabei fast immer nur Beobachter, nie wagte er es etwas zu unternehmen als über die Fotos seine Gedanken auszuleben. Auch erscheint er nicht als Psychopath sondern einfach nur als ein vollkommen einsamer Mensch der nicht fähig ist eine tiefere Bindung zu jemand anders aufzubauen und für seien Mitmenschen ist er immer nur der freundliche Angestellte den man schon seit Jahren kennt.
Regisseur Mark Romanek, der bis dato eigentlich nichts Bedeutendes abgeliefert hat, gelingt hier wirklich eine hervorragende Charakterstudie die schon fast einem Hitchcock gleichkommt.
Dabei weis er auch die Farbgebung und die Bildkomposition gekonnt einzusetzen, so erscheinen manche Einstellungen mit einem irritierendem Grünstich die den Anschein des Irrealen noch ein wenig unterstreichen, der Supermarkt und die Fotoentwicklung erscheinen in einem sterilen Weiß, ebenso Sy’s Wohnung die auch mehr wie sein Arbeitsplatz als wie eine Wohnung wirkt. Dort ist alles aufgeräumt und die karge Einrichtung verrät kaum etwas über seinen Besitzer. Einzig die gewaltige Fotowand mit den gesammelten Familienfotos der Yorkin’s lässt ahnen mit welcher manischen Besessenheit Sy der Familie über all die Jahre nachspionierte und trotzdem oder gerade deswegen immer mehr vereinsamte.
Über die Familie Yorkin erfährt man allerdings auch nicht allzu viel, sie erscheinen wie die typische amerikanische junge Vorzeigefamilie, allerdings kriselt es auch hier, zwar nicht so gewaltig das es jeder mitbekommt aber dennoch sind sie weit davon entfernt perfekt zu sein.
Das der Film wohl als so gelungen zu betrachten ist liegt nicht nur an der Leistung von Mark Romanek, der übrigens auch das Script zu dem Film schrieb, sondern auch an der Leistung aller Beteiligten Schauspieler.
Wie schon gesagt liefert Robin Williams eine wirklich gelungene Darbietung, aber auch die anderen Schauspieler wissen zu überzeugen. Connie Nielsen, die man ansonsten aus Gladiator und Mission to Mars kennt, spielt die ahnungslose Ehefrau ebenso überzeugend wie Michael Vartan, Alias und The Mists of Avalon, den sie betrügenden Ehemann. Allerdings muss man sagen dass das Hauptaugenmerk eher auf dem Charakter des Sy Parrish liegt.
Was gibt es noch zu sagen, das technische. Der Film liegt in Deutsch und Englisch Dolby Digital 5.1 vor, sowie Englische Untertitel und Deutsch für Hörgeschädigte. Darüber hinaus bietet der Film noch einen Audiokommentar des Regisseurs Mark Romanek und des Hauptdarstellers Robin Williams, sowie einige übliche Features (Anatomie einer Szene, Cinemaxx-Featurette und Charlie Rose Show).

Fazit:
Was wir hier haben ist wirklich noch mal ein rundum gelungener Psychothriller, der auch ohne viel Gewalt und Blut auskommt. Zudem wirken die Charaktere glaubhaft und niemals überzogen. Wer also solche Filme mag, in denen mal nicht der x-te irre Mörder sein Spiel mit der Polizei treibt, der kann hier beruhigt zugreifen, ich denke mal es wird einem wirklich was geboten. Sollte man allerdings eher etwas actionhaltigere Kost bevorzugen und nicht so sehr die kleinen Details mögen die solch einen Film so interessant machen und eine in die Seele und Gedanken eines solch vereinsamten Menschen blicken lassen, dem kann ich leider nur abraten.
Ansonsten noch einmal ein Film der beweist dass man auch in Hollywood kein furioses Finale und viel Blut braucht um einen Psychothriller zu drehen. Eigentlich schade das er an den Kinos so untergegangen ist, aber zumindest hat man ja jetzt die Möglichkeit die verpasste Gelegenheit nachzuholen.


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