Operation Las Vegas

Alte Frau: Sie wurde von einem Mann mit einer Strumpfmaske entführt und das erinnerte mich an Ninjas.
Manta: Ja, und weiter?
Alte Frau: Ich dachte, sie wären an Ninjas interessiert? Ich hoffe ihnen damit zu helfen, Sie erinnern mich an meinen Sohn.
Mantas Chef: Es gibt keine Ninjas hier, vergesst diese Aussage.
Alte Frau: Junger Mann, ich versäume um keinen Preis einen Ninjafilm.
- aus Operation Las Vegas

Zur Handlung:
Zu Beginn des Films sehen wir, fünf Minuten lang, wie ein Mann sich parat macht und einen Koffer mit offenbar brisantem Material an seinen Arm kettet. Doch selbst eine lange Detailaufnahme seines Trinkwasserglases kann ihn nicht retten, eine Minute später wird er erschlagen und die Tasche wird gestohlen.
Es beginnen fortan wildeste Duelle um dieses Behältnis, es gibt diverse Tote – von vielen davon erfährt man als Zuschauer jedoch nie, wer sie überhaupt sind. Der eigentliche Protagonist, Manta, arbeitet derweil für die CIA und geht dem Plot dadurch aus dem Weg, dass er mit Britta, einer Blondine, die er am Flughafen abgeschleppt hat, in die Kiste steigt.
Einmal wird er von Ninjas attackiert, die er aber durch gekonnte Manöver außerhalb des Bildbereichs und geziehlte Bildumschnitte tötet.

Die Pläne sind derweil in den Händen eines beliebigen Schurken Nr. 10 angelangt, der dann hinaus in die Wüste fährt. Denn in der Wüste von Nevada hausen Terroristen, die die Pläne haben wollen. Der Deal kommt nicht zustande, die Pläne tauchen in der zweiten Hälfte des Filmes nicht mehr auf, aber eine Wendung (?) tritt ein. Britta, richtig, die Bettblondine, marschiert bei den Terroristen ein, tötet deren Anführer bei Abwehr eines triebgesteuerten Übergriffs und führt die Schurken nun selber an.
Ihr Plan: Ein Flugzeug mit einer Atombombe bei einer Flugschau stehlen. Das gelingt hier, wie wir vermuten, der Film ist da etwas verworren, und es kommt zu einem „packenden“ Finale in der Wüste sowie auf einer Mauer, die der Hooverdamm sein soll.

Zur Umsetzung:
Wir haben ja schon manchen Trashfilm an dieser Stelle besprochen – mein letzter war „Company Man“, ein Geburtstagsgeschenk 2005. Heute ist endlich der Reihe nächster Teil dran, denn ebenfalls geschenkt bekam ich damals „Operation Las Vegas“.
Ich meine, es gibt gute und schlechte Filme. Und auch wenn aus reiner Geldmacherei heraus derartige Titel en masse auf den Markt geworfen werden, so muss man ja doch davon ausgehen, dass „Marken“ wie „Best Entertainment“ sich selber auch bewusst sind, dass das keine oscarwürdigen Erscheinungen sind. Besagtes Label hat sich bei „Operation Las Vegas“ dann aber auch einmal etwas Besonderes einfallen lassen und ihre Erkenntnis ob des reinen Unsinns des Films auch bei der Vertonung wiederzugeben.

Denn das absolute Highlight von „Operation Las Vegas“ ist ganz klar eine ‚Ergänzung‘ der Tonspur um die eingeworfenen Kommentare eines fiktiven Cutters und eines fiktiven Regisseurs. In ihrer kleinen Welt ist es so inszeniert, dass der Cutter den Film offenbar ganz alleine geschnitten hat und nun erstmalig dem Regisseur sein Werk zeigt. In einer Art MST3K light demontieren die beiden so auf witzige Weise den gesamten Film und stellen in regelmäßig bloß – zur Freude der beiden Testzuschauer, Scorp und ich, oft auch mit fast genau den Kommentaren, die wir zuvor auch von uns gaben. Ob nun brutale Anschlussfehler („Was war denn das für ein Schnitt gerade?“ „Ganz einfach: Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu.“) bis hin zum klischeehaften „der Schwarze stirbt zuerst“ (was hier im wohl deftigsten Kommentar des ganzen Films als „Revanche“ für „Onkel Toms Hütte“ dargestellt wird) wird alles aufgriffen und veralbert.
Wer „40 Wagen Westwärts“ mal auf Deutsch gesehen hat, kennt eine wesentlich (!) harmlosere Variante des Konzepts aus dem dortigen Zwei-Sprecher-Off-Kommentar.

Der Film bietet aber auch wahrhaft genug Ansatzmöglichkeiten. Die Handlung ist im Grunde nicht existent, wie hoffentlich der Überblick oben bereits verdeutlichen konnte. Noch deutlicher macht das ein Blick auf das Backcover der DVD-Hülle, wo noch einmal ein ganz anderer Film beschrieben wird, indem Britta auf der Seite der Guten kämpft. Wir haben zwar vieles nicht verstanden, sind uns aber sicher, dass das totaler Quatsch ist.
Die Kamera- und Regiearbeit sind katastrophal, aber wer sich im Trashbereich etwas genauer umsieht, der ahnt das wohl bereits ab „Directed by N.G. Mount“.
Die Darsteller sind in wenigen Fällen durchschnittlich und weit öfter einfach miserabel und zudem einfach alt. Der Protagonist, Manta, ist bereits ergraut und auch seine terroristische Bettgesellin Britta hat ihre besten Jahre vermutlich bereits hinter sich. Alle anderen sind im jüngsten Falle Mitte 30 und haben nach oben hin keine Grenzen. Alles wirkt grausamst unprofessionell und wenn der Leiter der CIA zum wiederholten Male zwischen zwei Dialogzeilen hilflos von seinem Gesprächspartner weg in die Kamera guckt, dann ist ihm auch nicht mehr zu helfen.
Die Actioneinlagen gibt es quasi nicht, wenn gekämpft wird, dann zwischen Schnitten. Der Film ist zwar dennoch FSK-18 gewertet, aber vermutlich alleine aus Marketinggründen. Die Ninjas sind dafür ganz köstlich und schlimmste Vertreter ihrer Zunft, mit schief sitzenden Masken, ungelenken Bewegungen und absolut überzeichneten Soundeffekten.

Bleibt die Technik. Der Film liegt in 4:3 vor, mit einem Bild, das ganz klar von einem Videomaster gezogen wurde und auch entsprechend aussieht. Neben den damit verbundenen Schwächen bietet der Film zudem auch die typischen Artefakte der 80er, also Haare im Bild, Linien, Unschärfe und dergleichen mehr.
Der Ton ist entgegen der Angabe auf der Hülle sowohl in Deutsch wie auch Englisch vorhanden, was durchaus einmal spannend war. Der englische Ton ist nämlich ebensowenig Lippensynchron wie der Deutsche, die Dialoge (siehe Einleitung) sind dort ebenso unsinnig wie auf Deutsch und der Leiter der CIA hat einen französischen Akzent. Dazu rauscht und brummt es an allen Ecken und Enden.
Der deutsche Ton ist klarer, genauso asynchron und blödsinnig, bietet aber den erwähnten Off-Kommentar und verdient daher alleine den Vorzug. Die Angabe „Dolby Digital 2.0“ steht zwar auf der Hülle, aber man sollte nicht wirklich Stereo erwarten, wenn man den Film guckt.
Als einziges Extra gibt es Trailer auf weitere Trashfilme, wobei die Bildqualität dort aber sogar noch unter der des Hauptfilms liegt.

Es gibt wenige Filme, die auf so amüsante Weise so schlecht sind wie „Operation Las Vegas“, der damit klar meinen bisherigen Champion „Dragon Hunt“ ablöst. Man versteht nichts, es passieren unkontrolliert Dinge und regelmäßig reden die beiden Kerle aus dem Off dazwischen. So müssen Trashfilme sein...
Da der Preis der DVD bei ungefähr drei Euro liegt, macht man mit dem Streifen ganz sicher nichts falsch. Film gekauft, Freunde eingeladen, leckere Getränke kalt gestellt und schon steht 90 Minuten Gaudi nichts mehr im Wege...


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