Solaris

Chris Kelvin: What does Solaris want from us?
Gibarian: Why do you think it has to want something? This is why you have to leave. If you keep thinking there's a solution, you'll die here.
Chris Kelvin: I can't leave her. I'll figure it out.
Gibarian: Do you understand what I'm trying to tell you? There are no answers, only choices.
- aus Solaris

Zur Handlung:
Auf einer Raumstation gehen seltsame Dinge vor, versetzten die gesamte Crew in Angst und Schrecken ... und Schlimmeres. Als der Kontakt zu der Einrichtung, die den mysteriösen Planeten Solaris umkreist, dann gänzlich abreist, wird der Psychologe Chris Kelvin entsandt, den Umständen nachzuspüren.
Doch auch er war nicht auf das vorbereitet, was er dort finden sollte – denn an Bord der Raumstation scheinen Verstorbene wieder zu leben, so auch seine Frau Rheya ... doch ist sie es wirklich?

Zur Umsetzung:
Science Fiction. Eine regelmäßig getroffene und dennoch nicht richtiger werdende Fehleinschätzung geht davon aus, dieser Terminus würde ein Genre beschreiben, in welchem Raumschiffe mit X-förmigen Tragflächen Todessterne sprengen würden, Spock die Dinge grundsätzlich faszinierend findet und Minbari und Menschen vereint gegen die Schatten stehen.
Leider nur ist das schlichtweg falsch, denn wenn auch die oben genannten mehr oder minder Elemente der ursprünglichen Science Fiction in sich tragen, so sind sie doch erst einmal Teile der Gattung 'Space Opera'.

Die literarische Science Fiction setzt dagegen ganz anders an, verkürzt gesprochen eine Erzählung in der Zukunft als Parabel auf die Gegenwart. Einer der wohl bekanntesten Vertreter dieser Gattung, dazu noch lebend, ist sicherlich der Pole Stanislaw Lem.
Dieser ist auch Verfasser der Romanvorlage gleichen Titels zu „Solaris“, welche 1973 auch bereits einmal unter dem Titel „Solyaris“ von Regisseur Andrei Tarkovsky in der Sowjetunion adaptiert und nun, genau genommen im Jahr 2002, auch ihren Weg nach Hollywood geschafft hat.

Steven Soderbergh hatte gerade erfolgreich die Arbeit an „Ocean's Eleven“ beendet, als er den Stoff erhielt, als Produzent ließ sich unter anderem James Cameron gewinnen, zu dem man wohl auch nichts mehr sagen muss. Soderbergh brachte auch gleich George Clooney von seiner letzten Produktion mit, der dort auf das Projekt gestoßen war und unbedingt mitmachen wollte.
Die durch den Plot bedingte sehr geringe Anzahl an Charakteren resultierte daraus, das auch jede einzelne Rolle problemlos handverlesen ausgewählt werden konnte. Clooney spielt den Psychologen sehr gekonnt und überraschend tiefgründig, seine 'tote' Frau wird gleichwertig von Natascha McElhone („Ronin“, „Truman-Show“) verkörpert, der Rest der Stationsbesatzung setzt sich aus Viola Davis (kennt man wohl höchstens aus „Antwone Fisher“ oder „Far from Heaven“), Jeremy Davis („Nell“, „Twister“ und Charles Manson im kommenden „Helter Skelter“) und dem deutschen Ulrich Tukur, den man u.a. aus diversen Rollen im Tatort oder auch als Stimme des 'Francis' im „Felidae“ kennt.
Jeder einzelne Darsteller spielt sehr überragend, was vor allem insofern wichtig ist, als das jeder von ihnen einen Menschen spielt, der am Rande eines Nervenzusammenbruchs steht oder diesen sogar schon überschritten hat – keine leichte Aufgabe, zumal diese Cast den Film fast alleine tragen muss, was ihr aber auch hervorragend gelingt.
Doch bei allem Lob für die Darsteller, und gleichermaßen für Design und Effekte, so kann ich dem Film doch keine totale Empfehlung aussprechen, denn leider schafft er es einfach nicht, Dramatik, oder wenigstens einen sauberen Erzählfluss, zu entwickeln.
Der Film fließt vor den Augen des Zuschauers daher, Szene reiht sich an Szene, doch es gibt keine wirkliche Entwicklung. Wer dem Audiokommentar folgt, der wird zwar feststellen, das hinter all den Schnitten und allen Einstellungen viele Überlegungen stecken, leider vermittelt der Film das dem Zuschauer aber nur sehr eingeschränkt.
Sicher mutet dieser Film wieder einmal als klassisches 'intellektuelles Kino' an, als gewichtiger Film mit tiefer Bedeutung, sicher auch als ein Film, in den man viel hinein interpretieren kann. Das ist, so erklärte Soderbergh einmal, sogar erwünscht, leider aber nicht befriedigend.
Der Film beginnt verwirrend, versinkt aber bald in eine vollkommen trübe Suppe aus 'wichtigen' Sätzen, bedeutungsschwangeren Sätzen und Ansichten des mysteriös wabernden Planeten (?) Solaris, doch fügt sich das alles nicht zu einem Gesamtbild zusammen. Die zugrunde liegende Frage, was Realität ist, ist zwar vorhanden, ist aber leider so zurückgefahren, dass sie auch nicht mehr klar hervorsticht.
Man hat zudem bei dem Film den unangenehmen Eindruck, dass da einiges geschnitten wurde, um auf die endgültige Spieldauer von gut anderthalb Stunden zu kommen; ebenfalls auf Kosten der Ganzheitlichkeit.
So gibt es natürlich auch ein offenes Ende, das allerdings ebenfalls nicht das angenehme Kribbeln der eigenen Spekulation, sondern den unangenehmen Nachgeschmack eines Filmes, der sich vor einer Stellungnahme drückt, hinterlässt.

Die DVD selbst dagegen ist sehr gut. Glasklarer deutscher, englischer und spanischer Ton in jeweils Dolby Digital 5.1, eine überdurchschnittliche gute deutsche Übersetzung und ein gestochen scharfes Bild machen beim Gucken durchaus Freude, an Bonusmaterial gibt es neben dem Drehbuch und dem oben schon angesprochenen, sehr interessanten und unterhaltsamen Audiokommentar von Soderbergh und Cameron (Zitat: Soderbergh: „This is another version of two white guys sitting around, talking“. Cameron: „Exactly. And people go and buy this stuff, right?“ Soderbergh: „Apparently...“) noch zwei Making Ofs. Eines von denen ist der gewohnte HBO-Werbe-Mist, das andere hingegen ist durchaus sehenswert und informativ.

Somit ist „Solaris“ leider kein Meilenstein geworden. Es ist ein Film, den seine herausragenden Darsteller vor dem Mittelmaß retten, der jedoch inhaltlich nur dazu einladen möchte, das man ihm Fragen stellt, ohne das er auch nur eine davon wirklich beantworten kann und von dem Status eines „Kunstwerk[s] des modernen Kinos“, wie die Cinema auf dem Backcover zitiert wird, so weit entfernt ist wie „Plan 9 From Outer Space“ vom Oscar für den besten Film...


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