Spy Game

Nathan Muir: See that building across the way?
Tom Bishop: Yeah.
Nathan Muir: Do you know anyone there?
Tom Bishop: No.
Nathan Muir: In five minutes I want to see you on the balcony.
Tom Bishop: What do-
Nathan Muir: Five minutes.
Tom Bishop: Can't we discuss it over coffee?
Nathan Muir: You just lost ten seconds.
- aus Spy Game

Zur Handlung:
Nathan Muir ist ein Top-Agent des CIA und steht exakt einen Tag vor der Pensionierung, als ihm eine beunruhigende Nachricht mitgeteilt wird: sein Schüler Tom Bishop, mittlerweile selbst aktiver Agent, ist nach einer eigenmächtigen Mission in China verhaftet worden und soll in 24 Stunden hingerichtet werden.
Somit wagt Muir an seinem letzten Tag eine gefährlichen Tanz, während dem er noch sämtliche Gefallen einfordert, die er im Laufe seines Lebens gemacht hat um sowohl unbeschadet durch eine abschließende Anhörung zu kommen wie auch Bishops Leben zu retten.
Erzählt wird dies auf mehreren Zeitebenen, einem Querschnitt der aktuellen Aktionen Muirs sowie seiner Erinnerungen an seine gemeinsame Zeit mit Bishop.

Zur Umsetzung:
Klassische Spionage-Thriller sind ein recht ausgestorbenes Genre. Entweder sieht sind im Falle des berühmten britischen Doppelnull-Agenten James Bond schon mehr eine traurige Persiflage ihrer selbst oder sind ganzheitlich in das Genre der Actionfilme mit aufgegangen.
Zwar gibt es Ausnahmen, Kollege [ego] testet nebenan ja gerade die Bourne Identität, doch die bleiben selten.
Dennoch sind Filme wie seinerzeit etwa "Die drei Tage des Condors" heute eigentlich gar nicht mehr im Kino zu finden, nicht zuletzt wohl auch durch die neuen Sehgewohnheiten des Publikums und irgendwo auch das Ende des kalten Krieges, Inspirationsquelle Nr. 1.

"Spy Game" ist aber noch einmal eine solche Ausnahme, inszeniert von Tony Scott, der dem Genre zumindest mit dem Will Smith-Vehikel "Enemy of the State" ("Staatsfeind Nr. 1") 2001 schon mal nahe gekommen ist. Er verfilmt hier gekonnt eine Geschichte von Drehbuchautor Michael Frost Beckner. Der hat zwar auch die Geschichte zur Kino-Gurke "Prinz Eisenherz" verbrochen, aber andererseits den wundervollen, wenn auch unterschätzten Abenteuerfilm "Die Piratenbraut" sowie die viel gelobte Serie "The Agency" erschaffen.

Gemeinsam erzählen Regisseur und Autor eine spannende Geschichte, die durch ihre glaubwürdigen Bilder ebenso wie durch die mehreren Zeitebenen sehr spannend umgesetzt wurde. Sie ist, mit den typischen Abstrichen des Genres, glaubwürdig, eher arm an Action und reich an Dialog und recht fair, was die Darstellung der Amerikaner und Chinesen betrifft.
Die Geschichte bedient sich der klassischen Themen des Genres vor allem auch durch seine Rückblenden, die die Protagonisten durch eine ganze Reihe Krisenherde führen, nutzt diese aber wirklich immer nur als Unterstützung der eigentlichen Geschichte, die ganz klar hier und jetzt stattfindet.

Das klingt schon alles hoffnungsvoll, doch die Darsteller wissen das sogar noch zu toppen.
Robert Redford, Ikone der Spionage-Filme seiner Ära und allgemein einer der ganz großen, spielt hier den Muir. Es ist natürlich mehrfach Kalkül, einen Mann wie ihn hierfür zu casten, ist doch nicht nur der Name zugkräftig. Stattdessen gewinnt der Film auch unglaublich dadurch, dass der mit den Klassikern des Genres vertraute Zuschauer Redford vor vielen Jahren schon im besagten "Die drei Tage des Condors" sowie artverwandten Filmen wie "All the Presidents Men" gesehen hat und es deshalb fast logisch erscheint, dass der Mann hier nun eben einen Agenten kurz vor der Rente spielt.

Damit er aber nicht alles überdeckt, war natürlich auch ein guter Schauspieler für seinen Schüler zu finden – und wurde auch gefunden. Niemand anders als Brad Pitt, der gerade als Achilles versucht, Troja einzunehmen, wurde als Bishop gecastet. Zwar bietet die Rolle weder das Irrsinnspotential eines "12 Monkeys" noch die Epik des oben erwähnten "Troy", aber dennoch kann Pitt seinen Charakter merklich aus dem Klischee heben; nicht völlig, aber dazu ist er ja auch nicht gedacht.
Es ist eine typische Rolle des Genres, die er eben auch überdurchschnittlich gut zu füllen weiß.
Gerade die Szenen zwischen Muir und Bishop sind sehr spannungsgeladen und stets kleine Höhepunkt des Films.

Die anderen Darsteller sind allesamt okay, aber mehr als "bekannte Gesichter" sollte man nicht erwarten, sie fallen einfach nicht weiter auf. Das gilt so dann auch für den Soundtrack von Harry Gregson-Williams, der unauffällig, aber gut, im Hintergrund spielt, die Szenen untermalt aber niemals für sich genommen punkten kann.

Auf technischer Seite gibt es nicht viel zu meckern oder auch nur herauszustellen. Das Bild liegt in anamorphen Widescreen (2,35:1) vor, ist scharf und betont daher die eindrucksvollen Bilder des Films. Der Ton ist glasklar und ist auf Deutsch in DD5.1 und DTS, in Englisch leider mal wieder nur in normalen Dolby Digital 5.1 zu haben. Die Englische hat hierbei vielleicht weniger Qualitätsvorsprung als bei anderen Filmen, aber gerade in der Handlungsepisode an der deutsch-deutschen Grenze einfach einen Hauch mehr Atmosphäre.

Die DVD bietet zudem noch allerlei kleine Bonusmaterialien, angefangen bei zwei Audiokommentaren über einige unveröffentlichte Szenen bis hin zu einigen wenigen Hintergrundinfos. Geht in Ordnung, aber schlägt sich nicht weiter in der Bewertung nieder.

Bewertung, gutes Stichwort. Der Film ist gut und für jedermann spannend, für Fans des Genres aber wohl geradezu ein Muss. Die Geschichte ist spannend erzählt und gut inszeniert, bietet natürlich weder politisch noch philosophisch irgendwelche neuen Erkenntnisse, ist aber beste Abendunterhaltung.
Das ist es ja vermutlich auch, was man von einem Film wie "Spy Game" erwartet - und diese Erwartung wird ohne Umschweife erfüllt.


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