Sunset Boulevard

Joe Gillis: "You're Norma Desmond. You're use to be in silent pictures, you're use to be big."
Norma Desmond: "I'am big. It's the Pictures that got small."
- aus Sunset Boulevard

So nach all den Trashfilmen der letzten Wochen, teils rezensiert - teils nur mit Freunden gesehen, war es noch mal an der Zeit für ein paar richtig gute Filme, also sind diese Woche erst einmal zwei Klassiker dran.
Sunset Boulevard von Billy Wilder ist ein solches Meisterwerk und macht den Anfang.

Zur Handlung:
Als sich der erfolglose Autor Joe Gillis vor seinen Inkassoagenten in einer anscheinend Leerstehenden Villa versteckt trifft er dort auf die alternde Stummfilmdiva Norma Desmond.
Seit Jahren lebt sie zurückgezogen, nur mit ihrem Butler Max, in diesem Haus und wähnt sich noch immer in der Illusion eingroßer Star zu sein auf dessen Rückkehr ihre Fans warten.
Zu diesem Zweck hat sie ein Script verfasst zu dessen Überarbeitung sie nun Joe Gillis angagiert, doch was anfangs als ein recht einträglicher Job erscheint wird schon bald zu einem Alptraum da sich auch Joe Gillis immer mehr in Norma Desmonds Welt hineingezogen fühlt und jeder Fluchtversuch ausweglos erscheint.

Zur Umsetzung:
Sunset Boulevard ist und bleibt ein Klassiker, Billy Wilder zeigt hier nur allzu deutlich die dunkle und verzweifelte Seite Hollywoods.
Er kreiert eine Stimmung die sich immer am Rande des grotesken bewegt und dazu tragen auch vor allem die Schauspieler bei.
Gloria Swanson ist Norma Desmond, eine gealterte Stummfilmdiva die von der Presse vergessen und von dem modernen Film überrollt wurde, alleine ihre Darstellung erinnert in fast jeder Szene an die Darstellung alter Stummfilme die Schauspieler alle Emotionen nur mit ihrem Gesicht und ihren Händen ausdrücken mussten.
So erscheint sie fast schon dämonisch wenn sie sich manisch an ihre glorreiche Zeit als Star erinnert, für sie scheint die Zeit ohnehin in ihrem Haus still zu stehen, seit Jahren hat sie ihr Anwesen nicht mehr verlassen und wähnt sich noch immer in der Illusion berühmt zu sein.
Ihr Haus ist dabei ihr goldener Käfig, überall gibt es Bilder von ihr, Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit und die einzigen Filme die sie sich mit ihrem neuen Freund Joe Gillis ansieht sind ihre eigenen.
Der einzige andere Mensch der ihr all die Jahre zur Seite stand ist ihr Butler Max, gespielt von dem großartigen Erich von Stroheim - einer der besten Regisseure und Darsteller seiner Zeit, er gibt nicht nur Norma Desmonds Butler sondern auch , wie sich später ihren herausstellt, ihren Entdecker und Regisseur - der Mann der sie groß gemacht hat und sie nun vor der Welt da draußen bewahrt, so wählte er selbst sein Exil, zusammen mit seinen Star.
Als dritter in diesem Teufelskreis und in dieser unwirklichen Welt gefangen ist der Drehbuchautor Joe Gillis. Zwar hatte William Holden schon einige Filme gedreht doch war er noch unbekannt genug um als neues Gesicht zu überzeugen. Er gerät eigentlich durch Zufall in die ganze Sache, doch nachdem er erst einmal das Haus betreten hat gibt es auch für ihn kein zurück mehr.

Machen schon die ungewöhnlichen Charaktere mit ihrer überzeugenden Darstellung einen guten Teil des Films aus, so schafft es Billy Wilder mit seiner ungewöhnlichen Inszenierung noch einmal der Geschichte den richtigen Touch zu verpassen.
Alleine die Erzählstruktur ist für die damalige Zeit, 1950, recht ungewöhnlich.

*Spoileranfang*
Er beginnt mit dem Ende und springt danach erst wieder zum Anfang um die Geschichte aus der Sicht des toten Joe Gillis erzählen zu lassen. Zwar verrät er nicht wer de tote zu Beginn des Films ist aber man vermutet doch schon bald wohin sich die Geschichte entwickeln wird.
*Spoilerende*

Auch die Charaktere werden durch Wilders Regie in ihre Darstellung vorangetrieben und entwickeln sich im Laufe der Geschichte immer weiter, auch wenn sie zum Schluss umso härter fallen.
So verwendet Wilder nur für Schlüsselszenen Nahaufnahmen oder passt die Umgebung den Charakteren an, besonders gut ist dies an Norma Desmonds Villa zu beobachten. Anfangs recht heruntergekommen und verwildert erstrahlt sie im Laufe der Geschichte, wie ihre Besitzerin, in einem neuen Licht und spiegelt so auch Norma Desmonds Veränderung nach außen hin wieder.
In weiteren kleineren Nebenrollen agieren weiter Stars der Stummfilmära, so etwa Cecil B. DeMille, Anna Q. Nilsson, H. B. Warner und Buster Keaton.
Auch auf der technischen Seite gibt es keinerlei Beanstandungen zu machen, das Bild ist sauber und der Ton kommt in
Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch daher, mit einer Menge Untertitel.
Als Extras gibt es einen Audiokommentar, Making-Of, Dokumentationen zu den Kostümen und der Musik, eine Hollywood-Straßenkarte auf der wichtige Punkte de Films erläutert werden sowie den original Prolog.

Fazit:
Mit diesem Film setzte Wilder den Stars der Stummfilmära nicht nur ein Denkmal er rechnete auch in gewisser Weise mit Hollywood und seiner Machart ab und zeigt nur allzu deutlich die düstere Seite, angefangen bei der Titelgebenden Strasse bis hin zum tragischen Schluss wenn Norma Desmond, nun endgültig der Realität entrückt ihrem letzten Auftritt entgegenschreitet dirigiert von ihrem ehemaligen Regisseur Max. Hier offenbart sich die gesamte Tragik.

Dies ist sicherlich nicht gerade ein Film für das breite Publikum aber Freunde des Kinos und vor allem diejenigen die auch mal einen kritischen Blick hinter die Kulissen riskieren werden diesen Film sicherlich zu schätzen wissen und nicht nur als Fan von Billy Wilder kann ich diesen Film guten Gewissens weiterempfehlen, auch wenn er heutzutage etwas antiquiert wirkt und von der Realität sicherlich schon längst überholt.


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