Warcraft - Drachenjagd

Warcraft hat ja inzwischen mehrere Medien und Spielewelten erobert und ist schon lange nicht mehr nur ein gewöhnliches Computerspiel. Es gibt Romane, Musik-CDs, Brett- und Rollenspiele. Und jetzt eben auch einen Comic. Und weil Mangas ja so viel cooler sind als Comics (oder so), eben einen Warcraft-Manga. Aber halt, nein, das hier ist ja garkein Manga, sondern ein Manwha. Das ist nichts anderes als das koreanische Wort für Comic und wird inzwischen bei uns als Sammelbegriff für Comics aus eben jenem Land verwendet. Im Unterschied zum Manga wird der Manwha von links nach rechts gelesen und ist damit für uns Europäer einfach zu konsumieren. Wieder etwas gelernt. Danke Wikipedia.

So, also schauen wir uns mal den ersten Band, "Drachenjagd" genannt, etwas näher an. Ahja, das man Warcraft als Titel nicht übersetzt hat leuchtet ja ein, aber "The Sunwell Trilogy"? Werden nun schon Namen von Reihen nicht mehr übersetzt? Wieso dann Drachenjagd? Dragon Hunt klingt doch auch cooler...ähem. Davon mal abgesehen, findet sich auf dem Cover auch der Name eines alten Bekannten wieder: Richard A. Knaak. Mit seinem Schundwerk "Der Tag des Drachen", dem ersten Roman der Warcraft-Bücher hätte er mir beinahe jeglichen Spaß am Setting genommen. Und mit dem Manwha gibt er sich wieder Mühe dies umzusetzen...

Der junge, blaue Drache Kalec ist im Auftrag seines Herrn unterwegs, als ihn eine Gruppe von Drachenjägern vom Himmel ballert. Unten angekommen hat er sich in einen Menschen verwandelt und wird von einer Bauerntochter gerettet, die trotzdem erkennt, dass er ein Drache ist. Im elterlichen Haus finden es alle toll einen Drachen zu beherbergen und man freut sich des Lebens. Dann klopfen die Drachenjäger mal freundlich die Tür zusammen und Kalec flieht mit dem Bauernmädel durch den wohl üppigsten Fluchttunnel der Geschichte, der nicht nur komplett gemauert ist, sondern auch höher und breiter als das Haus, in dem man lebt. Egal. Die Eltern sind inzwischen ebenso nett zu den Drachejägern, die im übrigen neben dem zwergischen Anführer aus einem riesigen Ork und zwei sehr, sehr kleinen und sehr peinlich dummen Trollen besteht. Nach dieser eher bizarren Episode kehren Kalec und seine neue Freundin zum Haus zurück um es in Flammen vorzufinden. Einige garstige Untote haben es angezündet und ein Hochelf stellt sich als ihr Anführer heraus. Der ist nämlich der Verräter an seiner eigenen Rasse und hat Arathas damals den Weg zum Sonnenbrunnen in der Stadt Silvermoon geebnet. Und dann ist der Brunnen explodiert und der Elf sucht jetzt nach der Quelle. Ne, ist klar... Hat Richard A. Knaak mal Warcraft 3 gespielt? Ich schon und das ist nicht passiert. Nachdem dann auch die scheinbare Verlobte des Drachen in ihrer sexy Elfengestalt auftaucht und alles rettet, könnte es ja schon vorbei sein, aber nein... in den Ruinen des elterlichen Hauses findet das Mädel ein Drachenei (!), das sofort schlüpft (!!) und ein kleines drachenartiges Wesen frei gibt, in dem angeblich die Macht des explodierten Sonnenbrunnens zum Vorschein kommt (!!!). Alles klar? Da der böse Elf Kalec und dem Mädel magische Halsringe verpasst hat, die sie irgendwie einengen, suchen sie einen Magier, der diese erstmal wieder entfernen kann. Dazu reist man in die nächste Stadt, wird wieder von den Untoten angriffen, verbündet sich mit den Drachenjägern und einem Paladin und schon ist die Heldengruppe komplett.

Furchtbare Handlung, die durch den Drachentick des Autors keinesfalls besser wird. Kalec ist nicht nur ein Drache und somit groß und stark und sowieso alles, sondern auch noch ein sehr guter Kämpfer und Magier. Dazu gesellt sich dann auch noch seine Verlobte Drachenbraut in sexy Elfengestalt, denn klar, wenn man schon in Gestalt einer "niedere Rasse" herumlaufen muss, dann soll sie wenigstens ästhetisch sein. Wie gut das alle das gleiche Verständnis von Ästhetik haben auf dieser Welt.

Die Zeichnungen retten den Manwha aber irgendwie. Denn wenn schon nichts sinnvolles passiert, dann sieht es zumindest gut aus. Der Zeichner Jae-Hwan Kim ist in seinem Heimatland Thailand eine bekannte Größe in dem Business und das wohl zurecht. Einzig bei der Umsetzung von Action wirken die Bilder nicht so dynamisch und energiegeladen, wie man das bisweilen aus Mangas kennt.

Als Fazit kann ich nur ziehen, dass der Comic mich insgesamt enttäuscht hat. Wenn ich den Namen Richard A. Knaak früher entdeckt hätte, würde der Manwha nun vielleicht nicht mal in meinem Zimmer liegen, sondern weiterhin beim Händler. Eigentlich wollte ich schreiben, dass der Comic nur für wirkliche Warcraft-Fans zu empfehlen ist, aber gerade diese werden sich doch eher ärgern als freuen, denn mit steigenden Kenntnissen des Warcraft-Universums merkt man immer mehr, was für ein Unfug hier eigentlich drin steht.


Name: Warcraft - The Sunwell Trilogy - Drachenjagd {jcomments on}
OT: Warcraft - The Sunwell Trilogy - Dragon Hunt 
Verlag: Tokyopop 
Sprache: deutsch
Autor/Zeichner: Richard A. Knaak / Jae-Hwan Kim 
Empf. VK.: 6,50 EU 
ISBN: 3865802370

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