Hellsing, Vol. 6

{jcomments on}Willkommen zur nunmehr sechsten Runde der „Hellsing“-Manga-Besprechungen. Ich denke, großartige Einleitungen kann ich mir sparen, oder? Na gut, ganz knapp:
Die Hellsing-Organisation ist eine englisch-protestantische Vereinigung, die mit allen Mitteln gegen die im Geheimen wirkenden, okkulten Mächte im Vereinigten Königreich vorgeht. Darin erhält sie Konkurrenz von der katholischen Iscariot-Gruppe, die sich die gleiche Aufgabe auf die Fahne geschrieben hat, aber recht unkooperativ auftritt. Doch im Grunde ist das insofern egal, als das beide tief in der Tinte stecken, da eine riesige Armee von den Toten auferstandener Nazis über die Welt hereinbricht, unter dem Kommando des ‚Acting Führers‘.
Die Geheimwaffe der Hellsing-Gruppe, der (all-)mächtige Vampir Alucard, treibt allerdings derzeit auf einem Geisterschiff durch die tosende See und zwingt den Rest seiner Vereinigung, sich selbst zu wehren...

Das ist so grob der Stand, an dem Band 6 seinen Anfang nimmt – und ein wahrhaft pompöser Auftakt ist es geworden. Zu Versen aus Teruyuki Takahashis „Devil Stockings“ walzen die untoten Faschisten über die Seiten und bringen Tod und Verwüstung – visuell sehr beeindruckend gestaltet.
Die eigentliche Handlung ist auch diesmal wieder in zehn kurze Kapitel untergliedert, auf die ich aber dieses Mal nicht mehr allzu kleinschrittig eingehen möchte. „Final Fantasy“ 3 bis 5, „The Screamer“, „Aubird Force“, „Gun Bullett“, „Balloon Fight“ und „Soldier of Fortune“ 1 bis 3 sind die Titel, für jene, die es wissen wollten.

Es passiert auch wieder eine ganze Menge innerhalb des Bandes, der erneut nicht die Unsitte der Vorgänger aufgreift und noch eine „Bonusgeschichte“ zum Auffüllen der Seitenzahl mitliefert. Die Nazis walzen gnadenlos durch London und zwingen damit eigentlich fast ausnahmslos alle Charaktere, sich harten Konfrontationen zu stellen.
Integra versucht, sich in Sicherheit zu bringen, gerät in einen Nazi-Hinterhalt und wird daraus gerettet – nur um sich danach in den Händen anderer Widersacher vorzufinden. Die Katholiken rüsten zum Krieg und marschieren mit ihren wirklich krass aussehenden Truppen (man schaue sich da nur mal die Doppelseite 80/81 an, ein echter Hingucker!) in den Krieg. Walter stürzt sich in einen Kampf, dessen Ausgang zumindest in Band 6 aber ungewissen bleiben soll.
Doch den härtesten Kampf müssen definitiv die restlichen Mitglieder der Hellsing-Organisation fechten, denn Victoria Seras und der französische Captain Vernedead sehen sich, umgeben von zahlreichen Soldaten, Zorin Blitz gegenüber – ein Kampf, der ebenfalls in diesem Band noch nicht entschieden wird.

Wenn ich schreibe, dass „fast ausnahmslos alle“ derartige Konflikte vor sich haben, dann nehme ich – von „Schachspielern“ wie dem Erzbischof Maxwell oder eben dem Acting Führer – vor allem Alucard aus der Aufzählung aus. Der mächtigste Blutsauger aller Zeiten kommt auf exakt vier Seiten vor. Und die folgen direkt aufeinander.
Man kann also durchaus sagen, dass der gerade im Anime so dominante Charakter hier mehr einen Cameo denn eine echte Rolle hat. Einen sehr schön anzuschauenden Cameo, aber dennoch halt nicht mehr. Insofern hat der Band teilweise recht schlechte Kritiken bekommen, die aber eben wirklich aus der Erwartungshaltung herrühren, dass es vor allem um Alucard geht. Wer das glaubte, sieht sich spätestens von diesem Band hier widerlegt.
Es geht um den Konflikt, man mag schon „Krieg“ dazu sagen. Es geht darum, wie die einzelnen Schachfiguren in Positionen gebracht werden, wie sich das Netz langsam verengt und auf einen großen Knall hinarbeitet.
Der große Knall aber folgt wohl erst in einem späteren Band.

Mir persönlich hat Band 6 aber dennoch viel Spaß gemacht. Man hat den Eindruck, die Zeichnungen werden von Ausgabe zu Ausgabe schöner (neben der Iscariot-Armee und den Alucard-Szenen beeindrucken vor allem Maxwell durch endlose Coolness und Zorin durch unzählige Details). Gerade die Feinheiten der Bilder kommen immer mehr zum Vorschein und oft ertappt man sich, trotz des eher simplen Stils manchen Panels nur ein „Wow!“ entgegenbringen zu können.

Keine Frage – Band 6 ist vor allem ein großer Akt der Vorbereitung, aber es macht ungeheuer viel Spaß, ihn zu lesen und wer sich von dem nach wie vor unverschämt hohen Preis nicht schocken lässt, sollte hier wieder zugreifen.


Kohta Hirano
192 Seiten Softcover, Dark Horse Manga
ISBN: 1-59307-302-X

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