100 Bullets - First Shot, Last Call

"You will. Inside this attaché case is irrefutable evidence that what I'm telling you is {jcomments on}true. Also in this attaché is a gun, and onehundred rounds of ammunition. All untraceable, all yours. Do with it as you see fit."

Aufmerksam geworden auf das Comicduo Azzarello/Risso bin ich eigentlich durch den Batmancomic "Broken City", der mich mit einer richtig guten Gangstergeschichte in Gotham überrascht hatte.
Einige Nachforschungen ergaben dann auch, dass Azzarello und Risso ihre steile Karriere im Comicbereich vor allem mit der Comicreihe 100 Bullets festigten, die bei Vertigo Comics erschienen ist.
Und genau jener Reihe werde ich mich in losen Abständen widmen, je nachdem wie sie mir in die Hände fallen.

Sowohl Azzarello als auch Risso haben sich in den Jahren sicherlich einen Namen mit unterschiedlichen Werken in der Comicbranche gemacht. So schrieb Azzarello unter anderem die Storys für einige Hellblazer-Comics und Risso (vor allem ein Fan von Frank Millers Stil und dessen Sin City) durfte die Comicversion zum Film Alien Resurrection illustrieren.
Ihr bekanntestes Werk dürfte aber die Serie 100 Bullets sein, die ihnen nicht nur unzählige Fans einbrachte, sondern auch einige Preise gewann.

Der vorliegende Comic vereint drei Geschichten der Reihe in einem Band, zwei längere und eine recht kurze die eher als Ausblick zu verstehen ist.
Die Story ist dabei auf den ersten Blick recht simpel. Der ominöse Agent Graves macht verschiedenen Menschen, denen Unrecht widerfahren ist, ein Angebot. Er liefert ihnen nicht nur die nötigen Informationen über die Verursacher ihrer Unglücks, sondern obendrein auch noch eine Pistole mit 100 Patronen, deren Weg nicht zurückverfolgt werden kann; alles ohne ersichtliche Gegenleistung. Danach überläßt er ihnen die Wahl, wie sie die Sache regeln möchten.
Die erste Geschichte handelt dabei von der frisch aus dem Gefängnis entlassenen Isabelle Cordova, die wegen einer Bandenschießerei im Gefängnis gesessen hatte und deren Mann und Sohn während dieser Zeit bei einer weiteren Schießerei offensichtlich getötet wurden. Allerdings offenbart ihr Agent Graves kurz nach ihrer Entlassung, dass anscheinend mehr dahinter steckt als der bloße Zufall und überläßt ihr die besagten Informationen samt Pistole und Munition.
Diese erste Geschichte, angesiedelt im Gangmillieu einer Großstadt, bietet einen recht guten Einstieg und Überblick, worum es in der Reihe überhaupt geht. Es geht um die uralte Frage nach Rache und wie weit jemand dafür gehen würde, denn soviel sei gesagt, nicht alle, die diese Chance erhalten, wissen sie richtig zu nutzen.

Nach dieser ersten Geschichte bleiben zudem noch einige Fragen offen, so zum Beispiel wer dieser mysteriöse Agent Graves eigentlich ist und woher er die Mittel und Informationen für seine Unternehmungen besitzt – doch diese Fragen müssen noch etwas im Dunklen bleiben.
Die zweite Geschichte im Band handelt von Lee Dolan, dessen Leben aus den Fugen geriet, als er der Kinderpornographie verdächtigt wurde und nicht nur sein Geschäft, sondern auch seine Frau und seine Kinder verlor, da diese sich von ihm abwandten.
Doch auch hier bietet ihm das Schicksal, in Gestalt von Agent Graves, die Möglichkeit sich an der wahren Urheberin seines Unglücks zu rächen.
Die zweite Geschichte zeigt, dass mehr hinter der ganzen Sache steckt als einfach nur jemand, der gestrauchelten Existenzen eine zweite Chance geben möchte. Nicht nur, dass es anscheinend mächtige Leute gibt, die Agent Graves lieber Tot sehen möchten, man beginnt sich zu fragen, ob nicht doch ein System hinter dem Ganzen steckt. Denn gerade diese zweite Geschichte enthält Hinweise auf spätere Ereignisse in kommenden Bänden.
So war ich vor allem überrascht, dass es sich nicht einfach nur um einzelne Geschichten mit derselben Grundstruktur handelt, sondern das hier anscheinend ein fortlaufender roter Faden zu finden ist.

Den Abschluß bildet eine kurze, eigentlich nur acht Seiten umfassende, Geschichte, die nur sehr lose zwei Personen miteinander zusammenbringt, die Agent Graves Bekanntschaft gemacht haben und deren Herkunft auch recht unterschiedlich ist – die jedoch beide vor die selbe Wahl gestellt wurden oder noch werden.

Auch die Zeichnungen wissen zu überzeugen. Gerade die Verwendung von Schatten erinnert an Millers Arbeiten, jedoch ist alles in Farbe gehalten, wobei sich einzelnen Seiten und Segmente mit einem leichten farblichen Unterton den jeweiligen Situationen anpassen.
Dabei sind die Farben nicht zu kräftig, sondern haben eher einen leicht ausgeblaßten Ton, der aber gut zu den Geschichten paßt.

100 Bullets ist nicht nur eine knallharte Gangsterstory sondern entwickelt auch hinter dieser Fassade eine Geschichte die die einzelnen Charaktere mit ihren Entscheidungen in den Vordergrund stellt.


Brian Azzarello/Eduardo Risso
Softcover 127 Seiten, Vertigo Comics
ISBN: 1-56389-645-1

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