Batman - The Killing Joke

Selbst unter den vielen namhaften Batman-Comics, die von Künstlern wie Frank Miller oder dem exzellenten Duo Jeph Loeb und Tim Sale, von dem letzterer ja mittlerweile mit „Heroes“ im Fernsehen weitere große Erfolge feiern kann, umgesetzt wurden, gibt es doch noch mal ein paar Bände, die besonders heraus stechen. Und es ist unverzeihlich, dass wir hier auf der DORP einen davon bisher nie betrachtet haben: „The Killing Joke“.

Der Comic erschien 1988 als einzelnes Heft und ist vielleicht der einzige Comic, der in dieser Form für nunmehr 21 Jahre im Druck gehalten worden ist. Was also ist so besonders an diesem Einzelband, der in keiner großen Kontinuität steht und insofern auch in keine der großen Graphic Novel-Zyklen Einzug hielt?

Verfasst wurde „The Killing Joke“ von Alan Moore, dem Mann, der mit „V for Vendetta“, der „League of Extraordinary Gentlemen“ und „Watchmen“ ein paar der absoluten Meilensteine der gesamten Literaturform schuf, der aber auch andererseits gerade durch seine missmutige und feindselige Rezeption seiner Verfilmungen nicht nur Fans dazugewonnen hat. Auch „The Killing Joke“ hält er, mittlerweile, für eine eher mäßige Geschichte; der anhaltende Erfolg des Bandes spricht da aber natürlich eine ganz andere Sprache.
Gezeichnet wurde der Band von Brian Bolland, der ganz phantastische Panels voller Details und Emotionen schuf, leider aber aus zeitlichen und technischen Gründen nicht auch selbst die Farben auftragen durfte. Koloriert wurde das Heft seinerzeit von John Higgins, der einen handwerklich passablen Job hinlegte, sich jedoch in keinem Punkt an die Bedeutsamkeit und Qualität von Moore und Bolland annähern konnte.
Abhilfe schuf da die 2008 erschienene Jubiläumsausgabe des Buches, die als Hardcover erschien und Bolland nun die Möglichkeit gab, dem Buch einen ganz neuen, aber schon ursprünglich intendierten Anstrich zu geben.
Genau diese Ausgabe liegt nun auch vor uns.

Die Geschichte als solche ist in Ordnung, reißt einen aber auch nicht sofort vom Hocker. Der Joker entkommt, in guter Tradition, aus dem Arkham Asylum und hat, auch das ist nicht neu, einen bösen Plan. Neu ist die Tragweite der Ereignisse: Im Laufe der Geschichte entführt er Comissioner Gordon, lässt einen festen Charakter der Kontinuität des Settings auf ewig Verkrüppelt zurück und geht eigentlich auch sonst über jede denkbare Grenze hinweg.

Ganz zentral, obwohl oft nur unterschwellig vorhanden, ist dabei die Verbindung zwischen Batman und dem Joker. Ganz zu Beginn meint der Mann im Fledermauskostüm fast besorgt zu seinem geschminkten Widersacher, sie seien offenbar auf einem Kurs, der nur darin münden könne, dass sie sich gegenseitig umbringen. Er versucht, durch die Schminke an den Menschen dahinter zu gelangen, hast sich aber natürlich mit diesem Zeitpunkt denkbar ungünstig gestellt, denn der Joker will gerade keine Vernunft.
Er will etwas beweisen. Er arbeitet hart und zielgerichtet daran, nicht nur sich selbst, sondern der ganzen Welt etwas zu beweisen. Was das genau ist, bleibt eigentlich lange Zeit unklar und ist auch nach der Lektüre nicht eindeutig zu fassen. Nahe läge es zu sagen, dass er beweisen will, dass jeder Mensch, wenn er nur im falschen Moment zu viel erleiden muss, dem Wahnsinn anheim fallen kann. Das versucht er an Gordon zu exerzieren und in der Linie sieht er auch sich und Batman. Und gerade im Bezug auf den dunklen Ritter ist seine Behauptung ja auch gar nicht so sehr von der Hand zu weisen.

Vielleicht ist sein Beweis aber auch etwas anderes. Geschickt webt Moore in Rückblenden die Vorgeschichte des Jokers ein. Nein, besser gesagt, er erzählt eine Vorgeschichte, denn wie der Clown selber an einer Stelle sagt: „If I'm going to have a past, I prefer it to be multiple choice!“
Moore verwebt hier eine Geschichte von 1951, in der gesagt wurde, der Joker sei früher ein Verbrecher namens Red Hood gewesen, hoch elegant mit neuen Versatzstücken. In der Neuauflage zeigt Bolland das in wunderbaren, sepiafarbenen Bildern, die nur stets an einer pointierten Stelle durch einen Rotton durchbrochen werden. Wunderschön.
Der Joker wird hier nebenher auch als erfolgloser Komiker inszeniert. Und das, kombiniert mit dem Schluss des Comics, legt nahe, dass er sich vielleicht unterbewusst auch einfach nur beweisen will, dass er Leute ehrlich zum Lachen bringen kann. Und damit wird, zwischen den Zeilen gelesen, Batmans schlimmste Nemesis ihrerseits zu einem Opfer und die beiden Gestalten rücken in der Tat noch näher zusammen.

Es verbleibt, den Schluss zu erwähnen. Der ist nicht offen im Sinne einer nicht abgeschlossenen Geschichte, aber er lässt in einer bestimmten Beziehung unglaublich viel Raum zur Interpretation. Bis heute ist nicht klar, was Moore wirklich im Sinn hatte und auch Bolland verschweigt das geschickt in seinem kurzen Text in der Jubiläumsausgabe. Aber auch das macht den anhaltenden Reiz dieser faszinierenden Geschichte aus, denn auf diesen gut 60 Seiten werfen die Macher mehr neues Licht auf Batman, den Joker und das ganze Setting als es viele, viele andere Künstler in langen, langen Zyklen versucht haben.

Neben dem grandiosen „The Long Halloween“, das zu meinen allerliebsten Comics überhaupt zählt, ist „The Killing Joke“ schnell auf den zweiten Platz meiner persönlichen Batman-Hitliste aufgestiegen.
Sicherlich, billig ist anders, gerade wenn man zur Jubiläumsausgabe greift. Aber das sollte man tun; die neue Optik, die Bolland geschaffen hat, hebt diese kurze Geschichte endgültig in den Comic-Olymp.
Für mich eine ganz, ganz dicke, absolute Kaufempfehlung.


Alan Moore / Brian Bolland{jcomments on}
64 Seiten Hardcover, DC
ISBN: 1-401-21667-6

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