Buffy - Tales of the Slayers

Joss Whedon sollte mittlerweile doch eigentlich jedem, der auch Seiten wie die DORP besucht, ein Begriff sein. Der Mann hat Buffy und Angel ersonnen, Firefly geschaffen und deren Kinoadaption „Serenity“ gerade, als ich diese Zeilen tippe, ins Kino gebracht.
Tim Sale dürfte dagegen gerade im Comic-Fan-Kreisen ein Name ein, der viele anerkennungsvoll nicken lässt. Er stand Jeph Loeb bei dessen herausragenden Batman-Comics als Zeichner zur Seite und arbeitete mit ihm ebenfalls an den farbkodierten Marvelhelden-Bänden der vergangenen Zeit (etwa „Spiderman: Blue“ oder „Daredevil: Yellow“). Auch am viel gerühmten „Superman for all seasons“ war er beteiligt.

Als ich nun also bei Amazon einen Comic entdeckte, der als Autoren genau diese beiden Namen nannte, dauerte es keine Sekunde, bis ich wusste, dass ich den Band haben muss. Doch gleich vorweg: Da wurde durch die oberflächliche Eingabe im Shop unfreiwillig etwas Etikettenschwindel betrieben. Denn von den acht Geschichten, die hier gesammelt wurden, sind nur drei von Whedon geschrieben und nur einer von Sale gezeichnet.
Ebenfalls vorweg muss man aber sagen, dass auch die anderen enthaltenen Geschichten weitestgehend schön geworden sind und durchaus einen detaillierteren Durchlauf rechtfertigen.

Man kann sagen, dass „Tales of the Slayers“ eine Art Konzeptband ist. Whedon und seine Gefolgsleute erzählen hier von anderen Jägerinnen aus unterschiedlichen Zeitepochen des Buffyverse und ihrem Ringen mit ihrer Queste und dem Rest der Welt. Allen gemein ist es, dass hier sehr deutlich wird, wo der Haken am Jägerinnen-Dasein ist; „Undank ist der Welten Lohn“ heißt hier die primäre Formel.

Den Auftakt schildert Whedon dann auch direkt in der absoluten Frühzeit. Leinil Francis Yu, Dexter Vines und Dave Stewart sind für die Bilder aus einer Geschichte einer Jägerin in der Steinzeit verantwortlich, die ein Dorf rettet, dass sie dennoch fürchtet.
Sehr kurz, aber gut.
In „Righteous“ führt Whedon uns dagegen ins Mittelalter, dass vom eben genannten Tim Sale inszeniert wird. Inhaltlich sehr gerade heraus geschrieben, fasziniert hier nicht zuletzt auch der Schreibstil, denn hier gibt es keine Sprechblasen, sondern nur gereimte Verse zu den Bildern.
„The Innocent“ wurde von Amber Benson geschrieben, die Fans sicherlich als Schauspielerin aus der „Buffy“-Serie kennen. Es geht in die französische Revolution, in der – von Ted Naifeh und Dave Stewart gezeichnet – die Wirren des Umbruchs in Frankreich auch Einfluss auf das Leben einer vertrauensseligen Jägerin haben.
„Presumption“ wurde von Jane Espenson geschrieben, die auch für alle drei Whedon-Serien bereits Drehbücher verfasst hat. P. Craig Russel und Lovern Kindzierski illustrieren hier die Geschicke einer Jagd auf einem wundervollen Maskenball (ein Setting, für das Espenson bereits in ihrer Firefly-Episode „Shindig“ eindeutige Sympatien bewiesen hat) und überrascht den Leser sicherlich mehr durch eine Wendung am Schluss, als es irgendeine andere Geschichte in diesem Band schafft.
David Fury entführt uns dagegen in der nächsten Geschichte, mit zeichnerischer Hilfe von Steve Lieber und Matthew Hollingsworth, in den wilden Westen. Man mag es nicht glauben, doch auch dort trieben die Wesen der Nacht ihre dunklen Spiele und auch dort gab es eine Slayer-Frau, die sich ihrer annahm. „...the Glittering World“ heißt die Erzählung.
Danach wird es bizarr und kommt auch sogleich zu der enttäuschendsten Geschichte. „Sonnenblume“ spielt im dritten Reich, denn auch dort gab es eine Jägerin im Nachwuchs des dritten Reichs. Rebecca Rand Kirshner erzählt und Mira Friedmann zeichnet eine Geschichte darüber, dass das wahre Böse auch ganz alleine dem Menschen entspringen kann. An sich geht das auch in Ordnung, aber in meinen Augen wird die sehr eigenwillig illustrierte Geschichte gerade im Wortlaut weder dem ernsten Thema noch der Qualität der anderen Geschichten gerecht.
Der vorletzte Beitrag entstammt der Feder von Doug Petrie und wurde von Gene Colan und Dave Stewart umgesetzt. „Nikki goes down!“ ist eine actionlastige Geschichte aus einer ganz, ganz nahen Zukunft, die ich allerdings neben „Sonnenblume“ für den schwächsten Beitrag im Band halt. Weder in der Handlungsfolge, noch im Thema, noch im Setting kann hier irgendwas wirklich punkten, Wendungen sucht man vergebens.
Joss Whedon persönlich schließt den Band dann am Ende auch wieder. Unter der schweren Besetzung von Karl Moline, Andy Owen und Dave Stewart entführt er uns hier in eine deutlich weiter entfernte Zukunft, in die Zeit von Fray. Die hat auch mittlerweile ihren eigenen Spin-Off-Comic als „the future slayer“ bekommen; hier ist sie jedoch nur Hauptrolle der kurzen Geschichte „Tales“.

Ein abschließendes Urteil fällt leicht – gut drei Viertel der kleinen Sammlung haben mir sehr gut gefallen; alles ist schön gezeichnet und das Konzept mit den wechselnden Stilen geht auch voll auf. Wer auf das Buffyverse steht, der kommt an diesen Band kaum vorbei, zumal die tendentiell feindliche Haltung anderer Menschen bezüglich der Jägerinnen kommt wunderbar zum Ausdruck.
Wer dagegen auf lange, durchgängige Handlunge steht oder mit Buffy und Angel eh noch nie was anfangen konnte, der ist hier natürlich falsch. Alle anderen können die rund 15 Dollar aber gut und gerne investieren. Zu viele gute Ideen stecken in „Tales of the Slayers“, als das es sich lohnen würde, nicht doch mal einen Blick zu riskieren.


Joss Whedon, Tim Sale, Amber Benson, Jane Espenson u.v.a.
96 Seiten Softcover, Dark Horse Comics
ISBN: 1-56917-605-6{jcomments on}

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