Palahniuck, Chuck: Fight Club

Nun, zu Beginn dieser Rezension möchte ich zunächst mal mit einem großen Missverständnis um dieses Buch aufräumen, verbunden mit der typischen Reaktion darauf: "Oh, du liest ein ‚Buch zum Film'?"
Nein. Denn, und das wissen leider die wenigsten, Fight Club ist eine Literaturverfilmung, die Verfilmung eben jenen Buches, das nun vor mir liegt. Zwar intendiert der Schriftzug auf dem Cover ("NOW A MAJOR MOTION PICTURE!") das auch, aber das eigentliche Bild, auf dem die Hauptdarsteller des Filmes, Brad Pitt und Edward Norton, prangen, täuscht da schon sehr. Und da besagte "Bücher zum Film" i.d.R. nicht den besten Ruf genießen, ist das auch ein gewisses Unrecht gegenüber dem Buch, welches durchaus auch eine große, eigene Daseinsberechtigung hat.

Nun, die Handlung des Films dürfte dem einen oder anderen schon bekannt sein, und ich will nur bedingt darauf eingehen, da sie sicher einen Teil der Spannung ausmacht. Die Geschichte handelt jedenfalls von einem, aus der Ich-Perspektive erzählenden, Protagonisten, der ein braves, friedliches Leben führt … bis er Tyler Durden, "projectionist, waiter, and dark anarchic genius", kennen lernt.
Tyler nimmt mehr und mehr Einfluss auf das Leben des Erzählers und dieser bricht schnell aus seinem braven Dasein aus, hinein in … na ja, den Rest überlasse ich mal dem Leser (oder dem Zuschauer?).

Nun, was zeichnet Fight Club aus? Zwei Dinge sind da zu nennen.
Zum einen sicher Palahniuks Sprache. Besonders am Anfang ist sein Erzählstil gewissermaßen durchgängig Hauptsatzgezeichnet, komplexe Sätze sind zwar auch nicht selten da, aber sie sind prägnant, auf den Punkt gebracht und ohne jede sprachliche Verzierung. Der erste Satz ist da schon ein Paradebeispiel und sei deshalb hier einmal zitiert: "Tyler gets me a job as a waiter, after that Tyler's pushing a gun in my mouth and saying, the first stept to eternal life is you have to die."
Wer den Film gesehen hat, der möge sich an die coolen Off-Texte daraus erinnern, welche fast immer direkte Zitate aus dem Roman selbst waren. Dieser Stil ist zwar einerseits manchmal etwas müßig zu lesen, aber neben einer unbestreitbaren Faszination, die er ausstrahlt, ist vor allem der Aspekt interessant, dass zumindest ich den Eindruck hatte, mit dem Fortgang der Handlung und der Befreiung aus seinem "braven" Alltag würde der Protagonist auch komplexere Sätze sagen. Reizvoll ist es aber definitiv!

Weiterhin ist da sicherlich auch die schonungslose Handlung. Wie gesagt, groß darauf eingehen möchte ich nicht, aber sie geht wirklich unverblümt zu Werke. Seien es irgendwie geniale Konzepte wie das Vorgehen, aus einer Schönheitsklinik abgesaugtes Fett zu stehlen, um daraus Seife herzustellen und den reichen Leuten gewissermaßen so wieder ihr eigenes Fett zu verkaufen, sei es die coole Art, wie sich eine Protagonistin ihren Lebensunterhalt finanziert (sie stiehlt Kleidung aus öffentlichen Wäschereien und verkauft sie in Second Hand-Läden) oder sei es einfach die Art und Weise, wie sich der Haupthandlungsstrang bildet - es weiß einfach gnadenlos zu fesseln.
Man versinkt in der so spartanisch berichteten Handlung, dafür sorgt alleine schon die verwendete Ich-Perspektive, und erst im Nachhinein bemerkt man, dass man nicht einmal den Namen des Protagonisten kannte. Es könnte halt jeder sein…

Und da liegt auch der Reiz begründet. Fight Club spielt in den Großstädten unserer Zeit, doch die Protagonisten fügen sich nicht in den Kanon der Realität. Fight Club erzählt von Leuten, die das "Gegen den Strom schwimmen" zur Perfektion bringen, die gegen all das Sturm laufen, was für uns Alltag ist.

Dabei attackiert das Buch unsere ganze Gesellschaft und führt in seiner genialen Handlung schön vor Auge, wie lächerlich, welche Doppelmoral die "Political Correctness" unserer Zeit doch ist.
Doch Palahniuk gelingt es, all dies in einer Handlung vorzulegen und dem Lesen nicht aufzudrängen. Anders als andere Autoren der Moderne, die versuchen, provokant unsere Gesellschaft um jeden Preis frontal zu attackieren (ich persönlich denke da etwa an die Werke einer Elfriede Jelinek), beschränkt es das Buch darauf, Dinge vor Auge zu führen, in der Rebellion der Protagonisten.

Kurzum: ein Buch, das man lesen sollte!!
Name: Fight Club
Verlag: Vintage
Sprache: Englisch
Autor: Chuck Palahniuck
Seiten: 208
ISBN: 0-09-928333-6{jcomments on}

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