Moers, Walter: Rumo und die Wunder im Dunkeln

Wenn ich seit ungezählten Monaten, vielleicht sogar Jahren, mal wieder meine Tastatur in die Hand nehme, um eine Rezension zu verfassen, so ist dies ein Ereignis, das durchaus zu Spekulationen einlädt.
Zunächst fragt man sich, warum ich auf einmal wieder eine Rezension schreibe. Nach kurzem überlegen kommt man darauf, dass es dafür eigentlich nur zwei Gründe geben kann: Entweder ich will ein besonders gutes Buch empfehlen oder ein besonders schlechtes verreißen. Beides hätte seinen Reiz, denn man kann entweder eine jener lustigen Rezensionen lesen, die in Fanforen zu erhitzten Gemütern führen oder aber man bekommt einen Fingerzeig darauf, welches Buch für die nächsten Wochen hohes Lesevergnügen bereiten könnte. Nun, keins von beidem ist der Fall, ich hatte einfach nur mal wieder Lust was anderes zu schreiben als meine Diplomarbeit.
Nachdem das geklärt ist drängt sich die Frage auf, ob ich nach der langen Abstinenz noch Rezensionen schreiben kann, ob ich vielleicht an Biss verloren habe oder ob ich besser bin denn je. Falls ich denn jemals gut war.
Dann fragt man sich noch: Warum dieses Buch? Warum „Rumo & die Wunder im Dunkeln“? Und mit der Beantwortung dieser Frage sind wir dann endlich mitten in der Rezension angekommen.

Ich bespreche Rumo nämlich aus mehreren Gründen: Erstens ist es das letzte Buch, dass ich ausgelesen habe, zweitens ist es harmlos, will heißen ich muss keine traditionsschwere Buchreihe oder einen von Hundertschaften irrer Fans frenetisch verehrten Autor (gut, das vielleicht doch...) angreifen und drittens ist es einfach ein gutes Buch.

Das Buch begleitet den namengebenden Wolpertinger Rumo durch seine Abenteuer, die ihn dereinst zum größten Helden von Zamonien machen sollen. Am Anfang jedoch ahnt der kleine Welpe davon nichts, denn auf dem Bauernhof auf dem er seine ersten Schritte tut ist die Welt noch in Ordnung und so ist sein größter Feind auch kein fieses Ungeheuer, sondern eine schwarze Gans.
Trotzdem packt ihn das Fernweh, denn wenn er die Augen schließt, wenn Gerüche für ihn Farben und Formen annehmen, dann wittert er einen silbernen Faden, dem er einfach folgen muss. Dennoch packt er nicht etwa freiwillig seine sieben Sachen und macht sich auf den Weg, sondern wird von Zyklopenpiraten auf deren schwimmenden Felsen entführt, wo er alsbald auf die Speisekarte wandert. So beginnt seine Reise in eine Welt, die größer ist als sein Bauernhof. Größer und gefährlicher, sehr viel gefährlicher.

Wenn man ehrlich ist, dann ist Rumo eine Fantasygeschichte nach recht klassischem Strickmuster: Es schildert die Abenteuer eines jungen Helden. Was Rumo dann jedoch deutlich von allen anderen derartigen Geschichten abhebt ist der frische Wind, den Walter Moers in dieses alte Konzept bläst.
Zamonien mit seinen Haifischmaden, dichtenden Dinosauriern, Eydeten mit sieben Gehirnen oder eben Wolpertingern ist so erfrischend anders. Es ist humorvoll, originell und einfach sympathisch. Und sympathisch ist auch Rumos Geschichte, beginnend mit dem ausgeklügelten Fluchtplan von dem schwimmenden Felsen bis hin zu seinem Jahrmarktsbesuch oder dem Schulunterricht in Wolpertingen.
Man kann mit Rumo lachen, man kann über Rumo lachen und liest trotzdem einen jederzeit spannenden Roman. In der zweiten Hälfte des Buches, wenn Rumo seinem silbernen Faden in die düstere Untenwelt folgt, nimmt die Spannung noch erheblich zu, wobei sie leider etwas an Sympathie verliert, denn jetzt wird es sehr martialisch: Kampf, Blut und Tod prägen diese Hälfte des Buches.

Letzten Endes bleibt Rumo ein außergewöhnlicher Fantasyroman, der keinen alten Klassikern nacheifert, der sich aber auch nicht krampfhaft von ihnen entfernt, er ist humorvoll ohne so überzogen zu sein wie Pratchetts Scheibenwelt. Er erzählt auf spannende Weise eine schöne Geschichte mit sympathischen Charakteren und strotzt dabei nur so vor originellen Ideen.
Auch die Struktur der Geschichte ist sehr schön, so erzählt etwa eine Haifischmade dem kleinen Rumo viele Geschichten und auch die Biografie jedes halbwegs wichtigen Charakters wird kurz geschildert. Was man zunächst jedoch nur für angenehm zu lesendes, aber letztlich nur schmückendes Beiwerk hält, läuft zum Ende alles in Untenwelt zusammen und man merkt: Jeder Charakter ist wichtig, nur die Summe aller Geschichten aller Personen, denen Rumo begegnet, macht seine eigene Geschichte überhaupt erst möglich.

Man kann den Roman also bedenkenlos empfehlen, spätestens seit der Taschenbuchausgabe. Versteht dies als einen Fingerzeig darauf, welches Buch für die nächsten Wochen hohes Lesevergnügen bereiten könnte. Leider kein Verriss. Vielleicht gibt es den ja beim nächsten Mal.


Walter Moers
Rumo & die Wunder im Dunkeln{jcomments on}
703 Seiten Softcover*
Piper
ISBN: 3492241778

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