Partridge, Norman: Die dunkle Saat

Das Buch sprang mich eigentlich sofort an. Die dunkle Saat in abgewetzten Lettern, ein sehr düsteres Cover mit bedrohlich arrangierten, wenn auch etwas billig durch Photoshop gejagten Kürbissen und das alles in einem sehr kompakten Format. Es wirkt ein wenig wie ein typischer Titel der phantastischen Kleinverlage Anfang des letzten Jahrzehnts, aber es erschien bei Rowohlt. Es verspricht eine Verkehrung der Verhältnisse der durchschnittlichen Horrorstory – was das heißen mag, bleibt erst mal offen, denn ein Slasher aus Sicht des Mörders erschien mir dubios – und betont zugleich noch, 2006 den Bram Stoker Award erhalten zu haben.
Wie schlecht kann das Buch denn schon sein?

Falsche Frage, wie sich herausgestellt hat. Die dunkle Saat ist ein Buch, das mich von den ersten Zeilen an schon genervt hat und es danach auch nirgends besser macht.
Aber fangen wir vorne an.
Einmal im Jahr, zu Halloween, wird im Feld vor der Ortschaft ein Wesen erweckt, October Boy genannt. Dann machen sich die Männer (und Mann-Werdenden) des Ortes auf den Weg, das Biest zu erlegen. Blutrüstig, mit allen Mitteln und vor allem, bevor es ihnen selber an den Kragen geht. Das klingt zwar ganz spannend, aber reicht eine solche Prämisse, um knapp 200 Seiten zu tragen?
Nö.

Was dem Buch aber viel härter in die Seite fährt, ist der Schreibstil. Das Buch ist im Präsenz geschrieben. Das ist selten – wenige Bücher werden im Präsenz verfasst, und man muss wohl zugeben, dass das mit guten Grund so geschieht. Es liest sich relativ mühselig, die Sätze wirken relativ sperrig und der vermutlich angestrebte Eindruck, gewissermaßen einen Live-Bericht zu verfolgen, stellt sich nirgends ein. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber gerade auch die schon überzeichnet kurzen Hauptsatz-Ketten helfen nicht, den Leser weiter einzubeziehen. Um es an einem Beispiel zu illustrieren: „So bleibt es lange Zeit. Dann bricht die Dunkelheit herein. Ein Auto kommt. Eine Tür schlägt zu. Schritte im Maisfeld, das Geräusch eines Mannes, der sich durch brüchige Stängel drängt.“ (S. 11).
Es ist ein Phänomen, das mir so auch schon andernorts untergekommen ist, etwa bei den deutschen Übersetzungen der nihilistischen Romane Chuck Palahniuks, aber noch nirgends wurde es für mich so vor die Wand gesetzt wie hier.

Selbst durch die direkte Anrede des Lesers gelingt es dem Buch nicht, eine Beziehung zwischen dem Konsumenten und der erzählten Geschichte aufzubauen. Das aber wäre dringend nötig, denn so folgt man der Geschichte mehr oder weniger faktenorientiert, nimmt dieses oder jenes zur Kenntnis und hangelt sich halt von Präsenz-Formulierung zu Präsenz-Formulierung. Spannung kommt daher auch keine auf.
Die Charakterzeichnung indes ist blass. Man merkt, dass der Autor versucht, hier mit den Fronten zu spielen. Der October Boy ist ein Monster, sicherlich, erfüllt alle Klischees bis hin zum Hackmesser, das er als Waffe bei sich führt. Auf der anderen Seite sind es die Dorfbewohner, die ihn jagen, und sich dabei viel mehr wie Monster gebärden als die Kreatur. Das nimmt man als Leser zur Kenntnis, aber auch das mehr auf einer rationalen Ebene. Emotionale Involvierung bleibt auch hier aus. Und auch an diesem Punkt kommt man nicht umhin zu bemerken, dass dies ein Konzept ist, das andere Autoren auch vor Partridge schon ersonnen haben. Nur haben sie dann bessere Werke dazu abgeliefert.

Die Vorzeichen für das Buch und mich standen gut. Es war gerade Halloween, ich war ohnehin in der Laune für Horror und dunklere Phantastik im Allgemeinen und das Buch im Speziellen schien genau, wonach ich suchte. Von außen.
Von innen ist Die dunkle Saat eines der wenigen Bücher, die mich wirklich so gar nicht überzeugen konnten. Daher klingt diese Rezi vermutlich auch sehr einseitig. Es ist eines jener seltenen Bücher, die letztlich so vollkommen belanglos sind, dass es schwer fällt, überhaupt etwas zu ihnen zu sagen, da es kaum etwas im wörtlichen Sinne bemerkenswertes an ihnen gibt. Aber wenn man mich zwingen würde, was Positives über Die dunkle Saat zu sagen – ich vermute, mehr als die knapp überdurchschnittliche, aber offenbar werbewirksame Einbandgestaltung fiele mir nichts ein.
Lest was anderes.{jcomments on}


Titel: Die dunkle Saat
OT: Dark Harvest
Autor: Norman Partridge
Verlag: rororo
ISBN: 978-3-499-24764-4
Seitenzahl: 192 Seiten Taschenbuch
Sprache: Deutsch
Preis: 8,95 Euro

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