DSA #084 - Todeswanderer

Bei Fanpro erhielten so einige Autorinnen und Autoren die Möglichkeit ihr Romandebut in der Welt des schwarzen Auges zu vollführen. So auch Yvonne Gees, die mit Todeswanderer 2004 nach einigen Gedichten und Kurzgeschichten ihren ersten Roman veröffentlichte.

Die Geschichte spielt hoch im Norden Aventuriens, im eisigen Land der Nivesen. Dort erkrankt eine ganze Sippe dieses nomadisch lebenden Menschenschlags an einer unbekannten Seuche, die sie innerhalb kürzester Zeit unter schrecklichen Schmerzen verrecken lässt. Bis auf die junge Nivesin Celiska, die durch ein heilendes Amulett ihrer Mutter von der Krankheit verschont wird. Sie macht sich darauf in das Land der Südmenschen auf, die sie Jänak nennt und so ziemlich alle anderen Menschen Aventuriens umfasst. Auf der Reise muss sie lernen, wem sie vertrauen kann, dass sie geheimnisvolle Kräfte hat und was mit ihrer Familie tatsächlich geschehen ist.

Das Ganze ist sehr bewegend erzählt, da die gerade mal elf Jahre zählende Celiska als Vollwaise in einem fremden Land sehr viele Sympathien auf sich zieht. Weniger sympathisch ist z.B. der Söldner Gordon, den sie recht schnell trifft. Der ungepflegte und saufende Mietling flucht, lästert die Götter und ist nicht gerade besonders einfühlsam, versteht es aber mit dem Schwert umzugehen. Das und seine abgeklärte Weltsicht helfen dem Mädchen, ihren Weg zu finden. Ist die erste Hälfte des Romans vor allem Celiska, der Kultur der Nivesen und dem Aufbau der Charaktere gewidmet, flacht die Erzählung später leider immer weiter ab, als sich der Söldner und das Mädchen nach und nach der Lösung des Todes ihrer Familie nähern. Dahinter steckt ein finsterer Schwarzmagier, der ihnen die tödlichsten (!) Dämonen und magische Fallen vor die Füße wirft, aus denen sie aber immer unversehrt hervortreten können. So wird die bis dato sehr stimmige Erzählung mehr zu einem „Abarbeiten“ von „Rollenspiel-Encountern“. Sehr viel Zeit und Seiten werden dafür aufgewendet, die Motivation und die Hintergründe des Schurken zu beleuchten. Das ist zwar theoretisch löblich, doch leider vergebens. Denn zum einen ist der Schwarzmagier und Dämonenbeschwörer wirklich ein ziemlich skrupelloser Mistkerl und zum anderen ist die „Ich beschwöre Dämonen aus Rache für meine durch Orks getötete Frau“-Story doch schon ziemlich ausgelutscht. Nach dem Finale fällt die Story dann noch einmal massiv ab, als die Rechtfertigung durch das entwendete Tagebuch des Magiers komplett ausgebreitet wird. Es ist immer wieder faszinierend zu lesen, wie cineastisch und mit ausführlicher wörtlicher Rede manche Leute ihre Tagebücher verfassen. Außerdem wird dort noch die Geschichte hinter Celiskas Amulett erläutert, was dem Abschluss des Romans dann wirklich zu einem recht gezwungen wirkenden Verknüpfen von losen Enden macht.

Durch die Handlung und die Hauptperson erfährt man einiges über die Kultur der Nivesen, was sich natürlich auch in einigen Fremdworten niederschlägt, die der interessierte Leser glücklicherweise im angehängten Glossar erklärt bekommen kann. Dick punkten kann der Roman durch seine sympathische Hauptfigur und das es der Autorin trotz einiger Stilbrüche gelingt, das junge Mädchen emotional an den Leser zu binden. Insgesamt also durchaus die Lektüre wert.


Name: Todeswanderer 
Verlag: Fanpro 
Sprache: deutsch{jcomments on}
Autor: Yvonne Gees
Empf. VK.: 9 Euro 
Seiten: 286 
ISBN: 3890645186

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