Discworld - Pyramids

So weiter geht es mit den Scheibenweltromanen und ehe ich nicht mehr hinterherkomme, heute noch mal ein etwas älterer Roman.

Na gut, seine 14 Jahre hat er ja doch schon drauf. 1990 erschien Pyramids, hier nahm sich Pratchett der Mythologie der alten Ägypter an und verarbeitete sie satirisch in einem weiteren Scheibenweltroman.

Pteppic ist der Sohn des Pharaos Teppicymon XXVII und somit der 1398. Monarch des kleine Königreiches Djelibeby.
Dieses Königreich, das sich als ein recht schmaler Streifen Land an den beiden Ufern des Djel offenbart (ca. drei Kilometer breit und etwa zweihundertvierzig Kilometer lang), hat heutzutage eigentlich nur noch eine wichtige Funktion: durch seine Anwesenheit ist es die perfekte Trennlinie zwischen den beiden mächtigeren Staaten Tsort und Ephebe und verhindert das diese beiden eine Krieg unter einander anfangen.
Ansonsten kann es nur noch mit einer uralten Geschichte aufwarten und natürlich den obligatorischen Pyramiden.
Eigentlich ein sehr traditionell eingestelltes Land, dennoch hatte es Teppicymon XXVII geschafft, seinen Sohn Pteppic auf die Assassinengilde nach Ankh-Morpork zu schicken um ihm eine moderne Ausbildung angedeihen zu lassen. Als jedoch sein Vater stirbt, kehrt Pteppic nach Djelibeby zurück um sowohl für das Begräbnis zu sorgen als auch um den Platz seines Vaters als neuer Pharao einzunehmen. Seine modernen Ansichten sind jedoch dem obersten Priester Dios schon bald ein Dorn im Auge und der in Auftrag gegebene Bau der größten Pyramide aller Zeiten bringt Probleme mit sich, die Auswirkungen sowohl auf das ganze Land als auch auf Raum und Zeit haben.

Bei Pratchett sind die meisten Dinge nie das was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen und so verbirgt sich auch hinter den Pyramiden der Scheibenwelt ein weiteres Geheimnis. Den meisten Menschen erscheinen sie als zu protzig geratene Gräber der Pharaonen und sollen gewährleisten, dass diesen ein ewiges Leben sicher ist, jedoch funktionieren sie auch als Dämme in der Zeit und recyceln sozusagen die meiste Zeit in Djelibeby immer und immer wieder.
Hier stammt die Tradition und der gesamte Rhythmus noch wahrhaftig aus den Tagen der Vorfahren.
Vor allem der oberste Priester Dios war oder ist (angesichts gewisser temporaler Unwägbarkeiten ist es bei seiner Person schwierig das richtige Tempus zu wählen) dafür verantwortlich das sich seit tausenden von Jahren nie etwas in diesen Traditionen geändert hat oder ändern wird.
Er vertritt die Ansicht, dass sich nur mit Hilfe eines so wohl geordneten Lebens solch ein Land mit einer uralten Tradition bewahren lässt und dass dieser konservative Weg der einzig wahre ist.
Ihm gegen über steht als neuer Pharao Pteppic, durch den Tod seines Vaters eher unfreiwillig auf dem Thron gelandet, muss er nun mit der Last einer solch uralten Tradition fertig werden und als er versucht mit dem Bau der großen Pyramide seine gesamten Vorfahren zu übertrumpfen verlagert sich die Situation nur noch von schlecht zu katastrophal.

Pratchett lässt hier Welten aufeinander prallen, Tradition und Moderne stehen sich gegenüber. Auch sind hier erstmals die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht so klar getrennt wie in den ersten Romanen.
Dios ist von ganzem Herzen Hohepriester, was nicht bedeutet dass er zu besonderer Religiosität neigte. Seiner Ansicht nach lief man mit zuviel Religion Gefahr, die Dinge aus dem falschen Blickwinkel zu sehen und unvernünftig zu werden. Er hielt die Götter für notwendig, meinte aber, sie sollten sich nicht einmischen und alles ihm überlassen. Dies war auch einer der Gründe, dass er das Leben im Palast nach strengen Ritualen regelt, da auch der Pharao als eine menschliche Inkarnation eines Gottes galt. Und wenn dieser zu sehr die Initiative ergriff konnte einfach zu viel schief gehen und alles aus dem Ruder laufen.
Pteppic hingegen ist in einer, für Djelibeby’s Verhältnisse, modernen Stadt aufgezogen worden in der die Geschichte immer weiter geht und die mit ihren Veränderungen lebt und als er versucht diese Veränderungen auch in seinem Königreich durch zu setzten muss er feststellen das er auf erheblichen Widerstand stößt. Erst mit Hilfe der Dienerin (und seiner unehelichen Halbschwester) Ptraci gelingt es ihm sein Land aus dem ewigen Trott der Geschichte heraus zu holen.

Wer Pratchetts Stil kennt wird feststellen, dass er es auch in diesem Roman wieder einmal meisterlich versteht einem vertraut erscheinende Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel zu präsentieren und sie auf humorvolle Weise zu hinterfragen, ohne dass einem das direkt auffällt.
Aber gerade dies macht auch den Reiz der Geschichte aus, man hat etwas Bekanntes vor sich aber eben mit einer anderen Bedeutung oder aus einem vollkommen neuen Blickwinkel.

So vermischt Pratchett genüsslich ägyptische Mythologie mit den Zutaten seiner Scheibenwelt und präsentiert dem Leser eine Geschichte voller Witz und komischen Ideen ohne dabei in den Klamauk abzudriften. Hier wird nicht nur die Notwendigkeit von Traditionen und Geschichte hinterfragt sondern auch in gewissem Sinne deren Verankerung im Glauben und warum beides in gewisser Weise doch recht nützlich und sinnvoll ist, aber eben nur in Massen.

 


Terry Pratchett
Pyramids 
544 Seiten {jcomments on}
Softcover
Reclam
ISBN: 3-15-018401-0

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