BattleTech - Classic 19 - Wiege der Basilisken

Nach der jahrelangen, erzwungen Battletech-Abstinenz des deutschen Marktes erbarmte sich Ulisses und veröffentlichte mit Wiege der Basilisken einen Roman in der Zeit der Nachfolgekriege. Geschrieben wurde der 2839 spielende Roman von Reinhold H. Mai, der jedem Enthusiasten des Settings ein Begriff sein sollte, übersetzt er doch seit mehreren Jahrzehnten so ziemlich jedes Produkt dazu und hat mit der Albatross Akte bereits einen eigenen Roman in der Reihe veröffentlicht.

Und genau auf diesem Werk baut auch Wiege der Basilisken auf, denn das Team Albatros kehrt zurück. Die Agenten des Lyranischen Commonwealth werden diesmal auf ein Geheimprojekt der Vereinigten Sonnen angesetzt, die angeblich auf einer Urzeitwelt genetisch verbesserte Supersoldaten mit fantastischen Regenerationskräften erschaffen sollen, was auch das Interesse des Draconis Kombinats geweckt hat. Moment mal … das klingt aber nicht unbedingt nach dem, was man von Battletech erwartet, gerade in dieser Zeitepoche. Aber wie Die Albatros Akte hat auch Wiege der Basilisken einen Disclaimer zu Beginn, der den Roman als fiktives Werk innerhalb des Universums kennzeichnet und damit explizit aus dem Kanon nimmt.

Damit kann ich problemlos leben, mit dem seltsamen Aufbau der Erzählung allerdings weniger. Das Problem ist vor allem, dass keine der im Buch vorkommenden Fraktionen so wirklich mit der anderen interagiert. Es gibt einen Konflikt auf der Basis zwischen den Wissenschaftlern, dem militärischen Anführer und den Supersoldaten. Die Agenten vom Team Albatros wanken weitestgehend unbeteiligt durch den Dschungel und fliegen durchs Weltall und die Dracs sind schlicht die bösen Leute von außen. Nur durch eine nicht nachvollziehbare Entscheidung der Draconier, einen guten Teil ihrer Streitmacht einfach mal so weit vom eigentlichen Ziel abzuwerfen, dass sie eine Woche marschieren müssten, kommen die Agenten überhaupt ins Geschehen. Das komplette Finale sowie alle interessanten Konflikte des Romans spielen sich allerdings ohne sie ab. Sowieso … das Finale. Hier scheinen die Zeit und die Reaktionen der Menschen auf sehr absurden Bahnen zu verlaufen. Während eines Mechkampfes direkt neben der Basis bereitet das Küchenpersonal gemütlich das Essen vor und eine Wissenschaftlerin geht duschen und sich umziehen, während nur ein paar hundert Meter weiter Raketen, Autokanonensalven und Laserschüsse einschlagen müssten.  Aber da eh alle Mech-Gefechte in dem Roman gegen die offensichtliche Wahrscheinlichkeit laufen und nicht sehr dynamisch sein müssen, muss man das wohl, ebenso wie die sehr eindrucksvollen Nehmerqualitäten der Maschinen, so hinnehmen.

Die große Stärke von Mais Buch liegt in seinem enormen Wissen aus dem Battletech-Universum, seiner Technikverliebtheit und generell seiner Kenntnis der Sci-Fi. Letzte setzt er vor allem für mehr oder weniger direkte Anspielungen ein, etwa wenn die Basis auf Metaluna nicht antwortet oder bei einem Sternenkrieg-Film der Schurke vermutlich der Vater ist, da sein Name alleine eine Verballhornung von „Dunkler Vater“ ist. Das mag an sich vielleicht lustig sein, fügt sich aber nicht immer stimmig in den Kontext ein und wirkt bisweilen eher bemüht. Dazu kommt, dass die Agenten konstant Sprüche klopfen und immer so unglaublich cool sind, dass es nervt. Interessanter sind da die Auseinandersetzungen der Wissenschaftler auf der Basis untereinander, mit ihrem militärischen Vorgesetzten und den Versuchsobjekten.

Insgesamt bleibt leider nur ein dünner Plot mit einigen schwachen Figuren, der sich leider nicht entscheiden kann, um was er sich eigentlich drehen soll. Der Handlungsstrang um das Albatros-Team wirkt aufgesetzt und bei den verbliebenen Figuren wurde nicht genug Energie aufgewendet, um diese sympathisch, vielschichtig und interessant zu gestalten. Wenn sich Wiege der Basilisken nur um das Team der Forschungsstation, ihre Entscheidungen und die im Roman leider nur kurz zusammengefassten Guerilla-Taktiken gedreht hätte, wäre daraus vielleicht ein besserer Roman geworden.

Mit freundliche Unterstützung von Ulisses Spiele und des F-Shops.


Titel: Wiege der Basilisken{jcomments on}
Autor: Reinhold H. Mai
Verlag: Ulisses
ISBN: 9783868891539
Seitenzahl: 304
Sprache: Deutsch

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