DSA #109 - Hjaldinger-Saga 2 - Sturm

Ganze drei Jahre nach Glut, dem ersten Teil der Hjaldinger-Saga, erschien nun bei Fanpro der zweite Teil der Reihe namens Sturm. Die Triologie erzählt die Ereignisse, die das Volk der Hjaldinger aus ihrer Heimat Myranor vertrieben und über den großen Ozean nach Aventurien führten, wo sie irgendwann zur Kultur der Thorwaler wurden.

Nachdem im ersten Roman viele Figuren eingeführt wurden und der große Konflikt begann, geht es bei Sturm vordergründig um die Zwistigkeiten der Hjaldinger-Familien und ihren Kampf gegen die angreifenden Truppen des Imperiums. Der erste Teil lebte von seiner extrem stimmungsvollen Darstellung der Lebenswelt der Hjaldinger, von ihrer einzigartigen Sicht der Welt, von den vielschichtigen, sympatischen Charakteren und der spannenden Handlung. Der zweite Teil wirkt da leider eher wie ein Lückenfüller. Auf den nicht einmal 300 Seiten des Romans tummeln sich fast 60 verschiedene Charaktere, wenn man der Personenaufzählung am Anfang des Bandes trauen kann. Kombiniert mit dem 23-seitigen Glossar mit Fachbegriffen und Fremdwörtern bezüglich Myranor, dem Imperium und den Hjaldingern zeigt das bereits sehr deutlich, dass sich Sturm nicht nebenbei runterlesen lässt. Die Handlung ist leider nur sehr bruchstückhaft und wechselt häufig zwischen den Personen, die im Mittelpunkt der Kapitel stehen. So gelingt es dem Leser nur sehr schwer, eine Beziehung zu den handelnden Figuren aufzubauen. Zwar gibt es zu Beginn eine Zusammenfassung des ersten Bandes, doch werden Neueinsteiger vermutlich von der schieren Menge an Namen und Orten überfordert. Da der letzte Band ganze drei Jahre zurückliegt, sollten die Figuren auch denjenigen nur noch schemenhaft in Erinnerung sein, die das Buch damals zum Erscheinen erstanden haben.

Da immer wieder zwischen den Charakteren gewechselt wird, bleibt jedem einzelnen nur wenig Raum, sich glaubhaft zu entwickeln oder auch nur im Gedächtnis zu bleiben. Oftmals wird man als Leser stirnrunzeln nach vorne zum Personenverzeichnis blättern, um sich ins Gedächtnis zu rufen, wer da gerade überhaupt mit wem redet. Die ganze Handlung wirkt eher aufs Wesentliche reduziert und die wichtigen Figuren des ersten Teils machen oftmals starke Sprünge durch, statt sich langsam und glaubwürdig zu entwickeln. Dadurch verliert der Roman leider eine der größten Stärken des ersten Bandes, weil liebgewonnene Helden ab und zu mal durch die Handlung stolpern dürfen, anstatt den Leser bei jeder ihrer wichtigen Aktionen mitfiebern zu lassen.

Insgesamt ist Sturm leider ein eher enttäuschender Roman, der vor allem im Vergleich zu seinem grandiosen Vorgänger Glut sehr schwach wirkt. Es bleibt zu hoffen, dass der dritte Teil der Trilogie mit erheblich reduzierter Zahl von Charakteren wieder an die Stärken des ersten Bandes anknüpfen kann. Und dass wir nicht wieder drei Jahre auf ihn warten müssen.

P.S.: Das Rezensionsexemplar litt auf den ersten Seiten unter einem sehr schlechten Druck, der es erschwerte, den Text zu lesen. Ob das nur bei diesem oder auch bei anderen Exemplaren des Bandes so ist, vermag ich nicht zu sagen.


Verlag: Fantasy Productions GmbH
Autor: Daniela Knor
Sprache: deutsch
Empf. VK.: 9 Euro{jcomments on}
Seiten: 296
ISBN: 978-3890642451

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