DSA #102 - Die rote Bache

Die rote Bache ist der zweite Roman von Dietmar Preuß, erschien im September 2008 bei Fanpro und schließt lose an das Erstlingswerk des Autors Hohenhag an. In Hohenhag wurde die Geschichte von Sidra und Beolf erzählt, die als Kinder von Orks verschleppt wurden, später fliehen konnten und dann einen Wehrhof im Norden Andergasts errichteten, um gegen die Bedrohung der Orks anzukämpfen. Seit dem Abschluss des ersten Romans sind fünf Jahre vergangen und der Wehrhof Hohenhag steht und wächst weiter. Als die beiden erfahren, dass es einen Verräter in der Burg ihres Freiherrn gibt, nehmen sie Ermittlungen auf, doch droht im Norden des Landes eine weitere Bedrohung. Goblinstämme sammeln sich unter einer weißpelzigen Schamanin zu einer Armee, was für die rothaarigen Gesellen sehr ungewöhnlich ist.

War die große Stärke Hohenhags die Schilderung der orkischen Kultur und der Wehrhof Hohenhag mit seinen Bewohnern, so bleibt bei Die Rote Bache eigentlich kaum etwas übrig, das man loben könnte. Anstatt vieler Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander, begleitet man den ganzen Roman hindurch nur eine Handvoll von Charakteren, deren Beweggründe irgendwo zwischen schleierhaft und völlig unglaubwürdig liegen. Alleine die Beziehung Beolfs zu den beiden Offizieren der Gruppe wirkt dermaßen dumm, das man als Leser am liebsten in die Erzählung greifen und ihn ohrfeigen möchte. Einen wirklichen Charakter hat Beolf eh nicht mehr. Der Hauptcharakter des Romans schwankt ständig zwischen irgendwelchen Extremen, ohne das seine Gesinnungswechsel wirklich nachvollziehbar wären. Dazu kommt erschwerend, dass sich die ständig wechselnde Erzählperspektive aus Hohenhag stark verschlimmert hat. Bisweilen springt der Autor mehrmals pro Seite zwischen dem Sichtwinkel der Figuren, eines allwissenden Erzählers und eines neutralen Beobachters, so dass man als Leser nur irritiert die Stirn runzeln kann. Zwar kann der Leser das ein oder andere aus der Kultur der Goblins lernen, doch bleibt die Schilderung gegenüber der Schilderung der orkischen Lebensweise in Hohenhag oberflächlich.
Die titelgebende Rote Bache (eine Bache ist übrigens ein weibliches Wildschwein) ist ein Artefakt der Goblins, mit dessen Kraft die weißpelzige Schamanin Naaba Narga die Stämme einen und die Länder der Menschen überrennen möchte. So weit, so gut, doch bleiben auf dem Weg mehrere Subplots einfach liegen, etwa die zahlreichen entführten Menschenfrauen, der halborkische Wirt oder der Plan der Schamanin, Halbgoblins zu züchten.
Das Finale des Romans ist leider völlig misslungen. Nicht nur, dass die Helden überraschend durch befreundete Deus-Ex-Machina-Kavallerie gerettet werden, diese schaffen es dann auch, die zehnfache Übermacht an kampfbereiten Goblins niederzumetzeln. Hier sollte man noch einmal erwähnen, dass der Roman sich darum dreht, dass es eine Goblinarmee gibt, welche die Länder der Menschen erobern möchte. Wenn jetzt ein Dutzend Reiter diese Armee von bemerkenswert organisierten und mutigen Goblins zersprengen können… wo ist die Gefahr? Die eigentlich mächtige Schamanin ist in dem Gefecht auch durch ein bemerkenswert undramatisches Duell im Niederstarren beschäftigt und schafft es trotz zuvor ständig bewiesener Skrupellosigkeit nicht, ihren Gegner von ihren loyalen Truppen entfernen zu lassen oder ihre Kräfte gegen ihre Feinde einzusetzen. Das gipfelt leider in einem so gutherzigen und naiven Epilog, das man sich als Leser irgendwie verschaukelt vorkommt.

Wo Hohenhag noch Stärken hatte, hat Die Rote Bache nur Schwächen: Figuren, Plot und Struktur weisen so starke Mängel auf, das man den Roman im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht empfehlen kann.


Verlag: Fantasy Productions GmbH
Autor: Dietmar Preuß
Sprache: deutsch
Empf. VK.: 9 Euro{jcomments on}
Seiten: 352
ISBN: 978-3890642277

Kommentare (1)

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Ich habe diesen Roman auch gelesen und kann mich der Rezension nur anschließen.
Was mir noch als Kritikpunkt aufgefallen ist, ist die komische Darstellung der Goblins.
Auf der einen Seite handeln Sie mit gegerbten Fellen und Pelzen, auf der anderen Seite tragen Sie
nur Lumpen und Stofffetzen.
Dann sind Sie wieder die Jäger des Waldes um anschließend zu Hungern und nicht mal ein anständiges Lager errichten zu können.
Das doch total inkonsequent

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