BattleTech - Dark Age 17 - Die Zweifel des Ketzers

Randall Bills. Unter Battletech-Kennern ein bekannter Name, ist der Amerikaner doch seit dem Jahre 2000 Line Developer der Reihe. Und Autor einiger wirklich miserabler Romane. So sehr ich mich zuerst auch freute, dass Ulisses Romane zu diesem Universum veröffentlicht, so skeptisch schaute ich auf der SPIEL 2011 auf Die Zweifel des Ketzers. Das lag zum einen an der Zeitlinie, denn die Mechwarrior-Dark-Age-Romane spalteten nicht nur wegen ihres Inhalts die Fanbasis, sondern auch wegen ihrer eher unterdurchschnittlichen literarischen Qualität. Zum anderem am Autor, denn Bills unterbot mit seiner Clangründer-Trilogie, die damals nur in deutscher Sprache bei Fanpro erschien, alles bislang dagewesene. Der letzte Teil der Trilogie ist bis heute nicht erschienen, was eher Erleichterung als Erwartung nach sich zieht.

Das Cover müsste auch eines der schlechtesten der Reihe sein und zeigt in extremer Nahsicht die erschrocken aufgerissenen Augen eines menschliches Gesichts, während sich in der Spiegelung der Brille ein feuernder Mech zeigt. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich schon einmal einen Roman in der Übersetzung von Reinhold H. Mai zwischen hatte, bei der mir ein falscher Satz ins Auge gesprungen wäre. Auf Seite 247 findet sich in Die Zweifel des Ketzers jedoch "Ich erinnere ich mich". Die Verarbeitung ist jedoch ziemlich gut, wobei mir die Bindung schon zu stark ist, so dass es schon ein wenig Mühe kostet, die Seiten aufzuschlagen.

Theoretisch dreht sich die Handlung von Die Zweifel des Ketzers um die Unterstützung der Splittergruppe Des Drachen Zorn durch Clan Novakatze, der im Kurita-Gebiet in Reservation lebt, sowie die Einführung der Mystiker-Kaste, die die Novakatzen mit Visionen leiten soll und die Integration der Geisterkatzen in ihren alten Clan. Theoretisch, denn Bills verfällt erneut in alte Gewohnheiten und schildert dem Leser stattdessen immer und immer wieder die weinerlichen inneren Monologe eines Versagers, der leider der Protagonist der Geschichte ist.

Bills bleibt damit seiner Linie treu: unsympathische, weinerliche Versager als Protagonisten in einer Kriegerkultur, viele miserable und sich ständig wiederholende innere Monologe und kaum Handlung. Wobei das nicht ganz korrekt ist, denn nebenbei passieren tatsächlich wichtige Dinge, doch fallen die links und rechts neben dem Geheule runter und sind niemals Teil der Handlung des Romans. Bills schildert nicht nur durch seinen Protagonisten was geschieht. Er erklärt es dem Leser, wodurch ich mich völlig entmündigt fühlte, gerade da der Protagonist ein so schrecklicher Idiot ist. Dramaturgie ist quasi nicht vorhanden und vor allem in der ersten Hälfte des Romans tauchen ständig irgendwelche Personen auf, leisten sich Dialoge und sind dann weg, ohne noch einmal eine Rolle zu spielen oder nur erwähnt zu werden.

Zwar werden bisweilen unterschiedliche Blickwinkel geschildert, aber anstatt damit mehrere Seiten eines Konflikts zu zeigen und damit interessante Konflikte für den Leser aufzuzeigen, springt der Autor fröhlich zwischen Fraktionen, Zeiten, Planeten und Personen, ohne dass es die Handlung weiterbringt. Es mag sein, dass einige dieser Nebenstränge im Laufe der Reihe relevant werden, doch der Leser denkt sich erst einmal nur, was das gerade sollte. Trotz des Covers gibt es kaum Kämpfe, die den Actionfreund zufrieden stellen dürften, denn diese sind nicht sonderlich zahlreich, schnell vorbei und langweilig geschildert. Die vielen kleinen Details, die man zur politischen Situation der Inneren Sphäre, der Clans und der Republik erfährt, sind eigentlich das interessanteste am ganzen Roman und lässt schmerzlich klar werden, was Battletech einst groß gemacht hat und was Mechwarrior: Dark Age verlor.

Die Zweifel des Ketzers ist eine einzige, lange Enttäuschung. Die Handlung ist dünn und durch das nervtötende und erratische Verhalten des Protagonisten schwer zu ertragen. Andere Figuren tauchen nur nach einem kaum nachvollziehbarem Muster auf, was insgesamt für die gesamte Erzählstruktur gilt. Der Roman ist wirklich nur etwas für harte Battletech-Fans, die etwas mehr über die Novakatzen in der Mechwarrior-Dark-Age-Zeitlinie erfahren möchten.

Mit freundliche Unterstützung von Ulisses Spiele und des F-Shops.


Titel: Die Zweifel des Ketzers
Autor: Randall N. Bills
Verlag: Ulisses
ISBN: 9783868891621
Seitenzahl: 320
Sprache: Deutsch{jcomments on}

Kommentare (1)

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Oje. Das bestätigt meine Befürchtungen, nachdem ich die Ankündigung zu diesem Roman gelesen hatte. :-x Danke für die Rezension.

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