BattleTech - Classic 14 - Mission Kiamba

Hinter dem zunächst einmal nichtssagenden Titel Mission Kiamba verbirgt sich der dritte Teil des Bear-Zyklus’ von Arous Brocken. In den ersten beiden Teilen begleitete der Leser den Clankrieger George bei seinem Irrweg vom Clan Novakatze zum Clan der Geisterbären. Als gezüchteter Elite-Mechpilot dieser martialischen Gesellschaft kannte George eigentlich nur den Konflikt, was in den ersten beiden Romanen durch die überaus zahlreichen Kämpfe stark betont wurde. Dabei blieben die Charaktere selbst aber immer recht blass und auch der Protagonist George wusste nicht gerade durch eine eindrucksvolle Gefühlswelt zu begeistern.

Am Ende des zweiten Bandes wurde George erneut gefangen genommen, doch diesmal nicht von einem anderen Clan, sondern von Söldnern aus der Inneren Sphäre. Da es ein wichtiger Teil der Clankultur ist, die Innere Sphäre zu erobern, um die Dekadenz und innere Zerstrittenheit der dortigen Menschen zu beseitigen, sind Konflikte programmiert. Gerade diese Reibung zwischen den beiden Kulturen gibt dem Roman die Elemente, die den Vorgängern gefehlt haben. Es ist sehr amüsant mitzuverfolgen, wenn die von George als selbstverständlich wahrgenommenen Elemente seiner Kultur durch die Söldner entweder verdreht oder ignoriert werden. Wenn George beispielsweise einen Söldner fragt, was überhaupt dieses Weihnachten ist, von dem alle reden und wieso man sich dabei etwas schenkt, dann entwickelt sich daraus ein herrlicher Dialog. Besonderes Augenmerk richtet der Autor wieder auf die Sprache. Während George weiterhin die gehobene, knappe und klar artikulierte Sprache nutzt, die die Clanner so schätzen, sprechen die Söldner in verkürzten Sätzen, benutzen Zweideutigkeiten und Sprichworte. Der Autor übertreibt es aber bisweilen mit den Dialekten und Abkürzungen, so dass die Bewohner der Inneren Sphäre manchmal mehr wie Idioten wirken, als wie durchschnittliche Menschen. Schön ist auch, dass Flora und Fauna des Planeten in der Erzählung eine Rolle spielen und dem ganzen mehr Farbe und Ambiente verleihen. Ein weiterer dicker Pluspunkt ist die differenzierte Darstellung des Konfliktes, der zwischen den Söldnern und einer Garnisonseinheit des Nebelparder-Clans ausbricht. Er wird nicht einfach nur schwarz-weiß gezeichnet. Die Nebelparder und ihre Position werden zwar nicht näher beschrieben, doch sind die Handlungen der Söldner oftmals alles andere als sympatisch, ja geradezu abstoßend. So unterstützen sie eine örtliche Widerstandsbewegung nur, um Kanonenfutter und Ablenkung für ihre eigenen Aktion zu erhalten. Zivile Verluste werden ohne Gewissensbisse in Kauf genommen, es wird arglistig getäuscht und sogar gemordet, nur um die eigenen, egoistischen Ziele zu erreichen.

Auch wenn George sich in diesem Roman viel stärker weiterentwickelt als in den beiden ersten Büchern, so bleiben seine neuen Gefährten doch insgesamt zu flach, als dass man eine Beziehung zu ihnen aufbauen könnte. Irritierend, fast schon absurd schnell bauen die Söldnern Vertrauen zu ihrem Gefangenen George auf und geben ihm seinen Mech zurück, damit er an ihrer Seite kämpfen kann. Es gibt auch wieder einige weniger gelungene Abschnitte, die sich mehr auf die technische Ausrüstung und die Kämpfe beschränken. Obwohl die ehrenwerten Clanner mit der Guerrilla-Taktik der Söldner nachvollziehbarerweise zunächst nicht zurechtkommen, so gewinnen die Menschen der Inneren Sphäre doch erstaunlich viele direkte Auseinandersetzungen mit den technologisch überlegenen Mechs und den viel besseren Clan-Piloten. Auch wieso die Söldner ihre Krötenrüstungen aus dem ersten Kapitel später nicht gegen die Nebelparder einsetzen, wird nicht erklärt. Auf die Verschwörung des Clanner-Geheimdienstes aus dem letzten Roman geht der Autor nicht mehr ein und durch die Änderung des Schauplatzes sieht man natürlich auch alle Charakter aus den vorherigen Romanen nicht mehr wieder, so dass hier zwar Potenzial ungenutzt bleibt, der Roman aber damit selbst für Quereinsteiger verständlich bleibt.

Mission Kiamba ist der bisher beste Roman des Bear-Zyklus. Der Fokus auf die innere Zerrissenheit Georges und seine Kommunikationsprobleme in der neuen Kultur tun dem Roman ausgesprochen gut. Aber man erhält auch einen interessanten Roman, wenn man mehr die Beschreibung einer militärische Kampagne mit all ihren Problemen, moralisch fragwürdige Söldner und eine gewaltige Endschlacht mit vielen Explosionen bevorzugt.


Verlag: Fantasy Productions GmbH
Autor: Arous Brocken
Sprache: deutsch{jcomments on}
Empf. VK.: 9,00 Euro
Seiten: 378
ISBN: 978-3-89064-493-6

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