BattleTech - Classic 11 - Katze unter Bären

Mit “Katze unter Bären” liefert Arous Brocken den ersten Teil seines “Bear-Zyklus” für Classic BattleTech ab, der nach gegenwärtiger Planung drei Romane umfassen soll. In dem Roman wird die Geschichte des Mechpiloten George vom Clan der Novakatzen von 3053 bis 3054 erzählt. Er duchläuft seine Ausbildung, tritt gegen Banditen an und gewinnt seinen Kriegerstatus, unterliegt jedoch schon bald darauf in einem Gefecht gegen den Clan Geisterbär. In diesem Kampf zeigt er jedoch genug Kampfeswillen, um von den Geisterbären in ihren Clan adoptiert zu werden und von da an einer anderen Tradition zu folgen, ständig kritisch beäugt von den etablierten Kriegern des Geisterbären-Clans. Als einige Söldner aus der Inneren Sphäre in den Clanraum eindringen, bekommt er die Gelegenheit seine Loyalität unter Beweis zu stellen.

Arous Brocken ist nur ein Pseudonym des Autors, der nach eigenen Angaben bereits seit zehn Jahren Gedanken und Ideen für diese Romanreihe gesammelt, festgehalten und überarbeitet hat. Die Schreibe des Autors lässt sich gut lesen und das Konzept der Romanreihe klingt auch interessant, doch in der Umsetzung lassen sich leider einige Mängel ausmachen. Der Autor verwendet einen sehr technikfixierten Stil und beschreibt oftmals sehr detailiert die spezifischen Eigenschaften von einzelnen Mechs. Die riesigen Kampfmaschinen erscheinen hier als hochkomplexen Anlagen, die oftmals wegen Kleinigkeiten ausfallen, oder bereits durch einen verirrten Stein im Kniegelenk stark behindert werden können. Das bringt zum einen eine sehr angenehme Glaubwürdigkeit in den Roman, lässt auf der anderen Seite aber die Mechs der Clankrieger, die bisher immer als technologisch überragend beschrieben wurden, wie Schrottkisten aus der Peripherie wirken. Besonders ärgerlich sind bei der technikfixierten Schreibweise dann die zahlreichen Fehler des Autors gegenüber dem Kanon von BattleTech. Dort wird ein Mist Hawk mit einem Vapor Eagle verwechselt, da haben die Langstreckenwaffen der Clans die gleiche geringe Mindestreichweite wie die Waffen der Inneren Sphäre, Raketenabwehrsysteme können angeblich keine Kurzstreckenraketen abfangen, einer Clannerin gelingt es aber, diese Raketen mit den Lasern ihres Mechs abzuwehren, etc. pp. Zudem werden viele der Mechs zwischendurch stark modifiziert, was eigentlich ein sehr langer und sehr aufwendiger Prozess ist.
Neben diesen technischen Fehlern finden sich auch einige Unstimmigkeiten mit dem Hintergrund des BattleTech-Universums. So erfindet der Autor den Rang des Sternhaufencommanders und macht den Novacommander zu einem offiziellen Rang. In der Ausbildung gescheiterte Krieger begehen Selbstmord, anstatt sich in eine niedrigere Kaste zurückstufen zu lassen, was der Abneigung der Clans gegen Verschwendung komplett entgegenläuft. An zwei Stellen des Romans greifen Banditen mit hervorragender Ausrüstung quasi aus dem Nichts schwerbewaffnete Clankrieger an, ohne dass ihre Motivation für diese Überfälle geklärt wird. Die Clanner achten zwar theoretisch immer sehr auf eine korrekte Sprechweise, doch wird dies in diesem Roman sehr übertrieben. Die Krieger benutzen immer mal wieder eine geradezu mittelalterlisch anmutende Sprechweise, jedoch zieht sich dies nicht durch den ganzen Roman. Mitglieder der Arbeiterklasse lassen derweil ihre Sprache fast immer extrem schleifen, was ihnen immer den Zorn der Krieger sichert und deswegen sehr aufgesetzt und konstruiert wirkt.
Leider sind auch die Figuren des Romans nicht sonderlich facettenreich oder interessant geraten. Der Protagonist George definiert sich vor allem durch Heldentaten und seine Libido. Ihm gelingt es nicht nur schwerverletzt einen Elementar zu töten, sondern auch neben seiner Tätigkeit als Mechkrieger noch eine Ausbildung zum Piloten für Luft/Raumjäger zu absolvieren. Wenn Frauen im Georges Nähe vorkommen, dann sind diese zumeist auch Anlass für ein wenig Matrazengymnastik, welche in einem Fall sogar explizit über mehrere Seiten ausführlich beschrieben wird.

Viele Szenen des Romans, aber auch die Fehler bei der Konfiguration der Mechs, lassen ein Gefühl wie bei den MechWarrior-Computerspielen aufkommen. Der Vorspann des MechWarrior2-Addons Ghost Bear Legacy lässt sich sogar fast identisch im Roman finden. Diese Videospielästhetik führt auch dazu, dass der Roman einen ordentlichen Anteil Action bietet. Das Buch enthält auf den etwas mehr als 300 Seiten etwa so viele Mechgefechte wie in den letzten drei bis vier Publikationen zu BattleTech. Wer also auf Mechgefechte, donnernde Autokanonen, schmelzende Panzerung und explodierende Munition steht und sich an den zahlreichen Fehlern nicht stört, der wird hier sicher fündig.


Verlag: Fantasy Productions GmbH
Autor: Arous Brocken
Sprache: deutsch{jcomments on}
Empf. VK.: 9,00 Euro
Seiten: 345
ISBN: 978-3-89064-490-5

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