BattleTech - Classic 12 - Clanwächter

Clanwächter ist der zweite Teil des inzwischen auf vier Romane angelegten Bear-Zyklus von Arous Brocken über den Clan-Mechkrieger George. Im ersten Teil wurden seine Jugend und seine Ausbildung im Clan Novakatze sowie seine Aufnahme in den Clan der Geisterbären abgehandelt. Da das Feld und die Figuren nun bereitet sind, kann der Autor seine Charaktere in mehrere große Konflikte und eine weitreichende Verschwörung schicken. Der Roman beginnt dort, wo sein Vorgänger Katze unter Bären endete, in der Polarregion des Planeten Mannedorf, wo George und seine Einheit eine alte Sternenbundbasis bewachen sollen. Diese wird nun von Söldnern aus der Inneren Sphäre angegriffen, die ihre Angriffe danach auf die ganze Besatzungszone des Clans ausweiten, so dass die Geisterbären Truppen mobilisieren müssen. Während Georges Einheit von Planet zu Planet und von Schlacht zu Schlacht geschickt wird, deckt er nach und nach eine Intrige der Clanwache auf, dem Geheimdienst seines eigenen Clans. Damit begibt er sich in Gefahr, denn die Clanwache hat natürlich kein Interesse daran, dass ihre Pläne bekannt werden. Am Ende wartet dann ein spannender, wenn auch etwas überhastet herbeigeführter Cliffhanger nach einer großen Endschlacht auf den Leser.

Der erste Eindruck des Buches wird durch das eher abschreckende Cover und einen Tippfehler auf dem Backcover geschmälert: George gerät mit der Clanwache aneinander, nicht mit einer “Canwache”. Auch im Inneren finden sich noch vereinzelt Buchstabendreher oder kleinere Fehler, wobei fehlerhaft platzierte Trennstriche am häufigsten auftreten.

Leider gibt es auch wieder inhaltlich einige Schwachpunkte. So ist das Sprachniveau der Clankrieger immer noch sehr schwankend, erreicht aber zum Glück nur noch selten die gestelzte Ausdrucksweise eines mittelalterlichen Ritterromans. Die Charaktere bleiben weiterhin recht flach. Wenn Nebenfiguren besondere Charakteristika erhalten, so wirkt dies meist aufgesetzt. Der Protagonist George gerät am Ende des Buches in einem moralischen Konflikt, weil er in Notwehr zwei Kinder töten muss. Das ist sehr unglaubwürdig, gehört er doch zu einer Gruppe von genetisch optimierten Kriegern, die seit ihrer Geburt einem gnadenlosen Selektionsprozess unterliegen, ähnlich dem der Spartaner, bei dem viele Kinder sterben. Auch in Fragen des Kanons sind einige Punkte fragwürdig. So wird Georges Mechs von einem speziellen Netz beinahe lahmgelegt. Es ist immerhin eine interessante Abwechslung und sicherlich unerwartet, doch wirft es die Frage auf, wieso diese Waffe nicht häufiger angewendet wird, denn sie erweist sich als äußerst effektiv. Ein weiterer Punkt ist das Landungsschiff am Ende des Romans. Um was für ein Landungsschiff-Typ handelt es sich bei der “Titanklinge”, mit der Georges Stern am Ende abgesetzt wird? Laut der Beschreibung hat das Schiff nur leichte Laser zur Verteidigung. Kein Landungsschiff ist derart erbärmlich bewaffnet. Selbst die kleinsten Landungsschiffe sind mobile Festungen, und eines wird von George selbst zu Beginn des Romans so eingesetzt. Problematisch ist auch die Namensähnlichkeit zwischen Georges Vorgesetztem Marsen und Georges Konkurrentin Marsha, die sehr häufig zu Verwechslungen und Irritationen führt. Georges Libido hat im Vergleich zum Vorgängerroman auch erheblich nachgelassen, was aber nicht bedeutet, dass der Autor nicht zumindest eine Sex-Szene detailiert beschreibt. Bei der Erzählstruktur hat sich der Autor entschieden, George die Geschichte nacherleben zu lassen, es wird also zwischen den Zeitebenen gesprungen, die Handlung findet zum Großteil in der Vergangenheit statt und die Ebenen finden erst im Finale zusammen. Die unterschiedlichen Zeitebenen sind aber unnötig. Wenn man solche Rückgriffe in der Zeit macht, dann tut man dies um die Aufmerksamkeit des Lesers vom “was geschieht” zum “wie geschieht es” zu lenken. Der Autor verrät damit ja nicht nur, dass George überlebt hat, sondern fasst auch die ganzen Ereignisse im Vorraus zusammen. Bei einer Geschichte um Action und Intrige ist dies aber Gift für den Roman, denn man fiebert nicht mehr mit. Das Experiment mit den Zeitebenen ist also nicht nur unnötig, sondern schadet sogar der Erzählung an sich.

Pluspunkte sammelt der Autor aber wieder damit, die Eigenheiten des Clans und bestimmter Hardware glaubwürdig und stimmungsvoll herauszuarbeiten. Auch die Actionszenen des Romans sind wie gewohnt zahlreich und unterhaltsam. Interessant sind die Einblicke in die Strukturen und Arbeitsweisen der Clanwache, die bisher wenn überhaupt nur am Rande in den Romanen vorkam.

Alles in allem ist Clanwächter wieder ein anspruchsloser Battletech-Roman, der zwar viel Action bietet, doch bei Darstellung der Charaktere und der Erzählweise noch Defizite aufweist.


Verlag: Fantasy Productions GmbH
Autor: Arous Brocken
Sprache: deutsch
Empf. VK.: 9,00 Euro{jcomments on}
Seiten: 352
ISBN: 3890644910

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