Warhammer 40.000 - Runenpriester

Janus Darke ist am Ende – nichts ist dem einstmals gefeierten Entdecker und erfolgreichen Freihändler von seinem immensen Reichtum geblieben, seit er jene verhängnisvolle Reise nach Typhon unternahm, die so viele seiner Männer mit dem Leben bezahlen mussten. Schuldeneintreiber sind ihm auf den Fersen, und zudem muss er sich vor den Häschern der Inquisition verbergen, denn seit der Rückkehr von dem Höllenplaneten wird er von entsetzlichen Visionen gepeinigt. Da unterbreiten ihm zwei Fremde das verlockende Angebot, sie nach Belial IV zu bringen. Die beiden Eldar hoffen, dort Waffen für den Kampf gegen die finsteren Mächte des Chaos zu finden. In seiner Verzweiflung willigt Darke ein, obwohl die verbotene Welt im Schreckensauge durch gewaltige Warpstürme vom Rest des Imperiums abgeschnitten ist. Was kann schon das Grauen auf Typhon überbieten? Doch bald befindet sich Darke in größerer Gefahr, als er sich jemals vorstellen konnte.
vom Backcover von Runenpriester

„Nanu“, dachte ich mir. „Runenpriester? Ein Warhammer 40.000 Roman von William King? Was ist denn mit der Geschichte um Ragnar Schwarzmähne? Die ist doch noch nicht zu Ende erzählt! Und müsste das nicht eigentlich Runenprophet heißen...?“ Ja, natürlich müsste es Runenprophet heißen, denn es geht um einen Eldar. Geheimnisvollerweise taucht der Titel des Bandes im Roman aber auch nicht mehr auf, denn dort wird der korrekte Titel „Runenprophet“ verwendet. Vielleicht ist ein Prophet auf dem Cover in Zeiten des religiösen Terrors nicht verkaufsförderlich und musste deshalb weichen? Ich weiss es nicht, aber dies soll uns nun auch nicht weiter beschäftigen.

Wie man der Zusammenfassung bereits entnehmen kann, geht es um den versackten Freihändler Janus Darke, der seit seinem Besuch auf einer Dämonenwelt ein kleines Problem mit sich herumschleppt. Alleine dafür, einem Besessenen den Namen Janus Darke zu geben, dafür sollte William King schon mal einen Preis für wohlüberlegte Namen bekommen. Ne, ehrlich... das ist cool, stimmungsvoll und passt gut zu Warhammer. Mit diesem Charakter steht er in einem scharfen Kontrast zu seiner vorherigen Romanfigur Ragnar von den Space Wolves. Janus ist kein Superkrieger, hat keine undurchdringliche Rüstung und bringt nicht im ersten Kapitel bereits Scharen von Gegner um. Nein, am Anfang sitzt er mittellos, betrunken und von Drogen berauscht in einer Kneipe und bläst Trübsal. DAS ist wirklich mal was Neues von King. Obwohl er Autor sonst seinen sehr flüssigen, lockeren und einfachen Stil beibehält, ist die Umstellung des Protagonisten auf ein weltlicheres Niveau eine wahre Wohltat und gelungene Abwechslung. Die Darstellung Darkes ist ganz gut gelungen und viel besser als bei Ragnar in den vorigen Büchern. Auch die anderen Charaktere können überzeugen. Am meisten Raum widmet King noch Darkes Gefährten, dem Navigator Simon Belisarius. Dieser entstammt dem bereits aus dem Roman „Wolfsklinge“ bekannten Navigatorenhaus und schlägt somit eine Brücke zwischen der alten Reihe und dem neuen Roman. Die Eldar sind betont geheimnisvoll und King gelingt es, ihnen die Atmosphäre vom Fremdartigkeit und zugleich Vertrautheit zu geben, welche diese Rasse auszeichnet. Der Runenprophet Auric und seine kriegerische Begleiterin Athenys, sind übrigens zusammen mit Janus Darke auf dem Cover abgebildet, was ja auch nicht selbstverständlich ist.
Die Antagonisten sind leider etwas farblos geblieben im Vergleich zu diesen Charakteren. Sei es nun die Slaanesh-Kultistin Justina auf der Industriewelt Medusa, der dekadente und Millenien alte Chaos Space Marine Zarghan oder sogar der Dämonenprinz Shaha Gaathon, alle hätten etwas mehr Aufmerksamkeit seitens des Autors verdient gehabt. Ob aber die nähere Beschreibung der Ausschweifungen Zarghans so passend gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln, alleine aus Gründen, die man einem Leser zumuten kann. Slaanesh-Anhänger sind nun mal jenseits aller moralischen Grenzen, wenn es darum geht, Lust (und auch Leid) zu erfahren. Das wird dezent angedeutet, aber der Warhammer-40k-Fan wird sich seinen Teil denken können.
Potenzial für mehr Geschichten bieten auch die anderen Begleiter Darkes, die aber leidet selten erwähnt werden. Da wäre zum einen der bärbeißige und eigentlich ziemlich klischeehafte Sergeant Kham Bell. Er wäre wirklich der Prototyp des unbeugsamen Sergeants, doch dazu kommt noch seine Macke, alle Leute die er nicht mag, mit dem Tod seiner Familie in Zusammenhang zu bringen, egal wie weit hergeholt das ist. Eine irgendwie putzige Eigenschaft. Er kommt hoffentlich, zusammen mit dem Killer Stiel, in einem späteren Roman erneut vor. Meines Wissens, ist dies aber bisher (Mitte 2005) der einzige Roman Kings zu dieser Truppe. Das relativ offene Ende zumindest schreit geradezu nach weiteren Romanen.

Neben den weit verbesserten Charakteren gelingt es King diesmal auch sehr viel tiefer in der Universum von Warhammer 40.000 einzutauchen. Die Synthese aus fanatischem Glauben, Fremdenhass, Hexerei, Technologie und Dekadenz ist viel intensiver als bisher. Besonders eindrucksvoll ist dabei die Schilderung der Industriestadt Medusa zu Anfang des Romans und des Warpsprungs durch das Immaterium voller Dämonen und anderer Gefahren.

Also ich muss sagen, dass ist Kings bisher bester Roman für Warhammer 40k. Stil, Charaktere und Geschichte sind gut wie nie und man taucht tief und eindrucksvoll in die Welt ein. Super, bitte mehr davon!


Name: Runenpriester
OT: Farseer
Verlag: Heyne
Sprache: deutsch
Autor: William King {jcomments on}
Empf. VK.: 7,95 Euro
Seiten: 334
ISBN: 345387949X

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