BattleTech - Classic 06 - Die Albatros Akte

Doch im Hinterland des Protektorats Donegal bahnt sich eine neue Bedrohung an. Archonet Christian Delcord von Mahone ist dabei, sich ein eigenes Reich aus den Besitztümern Haus Steiners zusammenzuerobern, und keine der Mechgarnisonen auf den von ihm angegriffenen Welten kann ihn aufhalten. Wie durch Zauberhand fallen die gewaltigen Maschinen aus, sobald sie sich seinen Truppen entgegenstellen. Verfügt Delcord über eine neuartige Waffe, die es ihm ermöglicht, die Könige des Schlachtfelds vom Thron zu stoßen? Falls ja, muss verhindert werden, dass sie einer feindlichen Großmacht in die Hände fällt. Der lyranische Geheimdienst LNC setzt ein Team aus vier Topagenten in Marsch, die Lage zu klären, bevor der Feind davon erfährt.
vom Backcover von Die Albatros Akte

Reinhold H. Mai, der Autor dieses Romans, dürfte jedem BattleTech-Leser bekannt sein. Er übersetzt seit etwa 15 Jahren die Romane und Quellenbücher dieser Reihe und hat, mit dem inzwischen leider verstorbenen Christoph Nick, ein sehr gutes Lexikon zum BattleTech-Spieluniversum veröffentlicht. Auch wenn er als Lektor und Übersetzung hervorragende Arbeit geleistet hat und noch leistet, zeichnet einen das noch lange nicht als guten Autor aus. Mai gelingt der Sprung zum aktiven Schreiber aber hervorragend. Sein Einstiegswerk ist ein flüssig zu lesendes und sehr locker geschriebenes Buch. Durch den "Disclaimer" am Anfang, der betont, dass es sich um ein fiktive Erzählung im historischen Kontext handeln würde, versetzt Mai sein Werk mehrere hundert Jahre in die Zukunft und bietet dem Leser somit einen historischen Politthriller. Erstaunlich, wie solch' ein knapper Kommentar das Leseverhalten positiv beeinflussen kann.

Die Handlung ist im Lyranischen Commonwealth, also dem Bereich des Hauses Steiner, des Jahres 2838 angesiedelt. Das bekannte Universum befindet sich im zweiten Nachfolgekrieg und die große Allianz des Sternenbundes ist nur noch Geschichte. Dies wird übrigens sehr schön durch den zerbrochenen Cameron-Stern, der das Symbol für diese Bündnis war, an jedem Kapitelanfang betont. Die Auswirkungen des Kriegs sind bereits zu spüren, denn Ressourcen werden knapp und Kolonien werden aufgegeben. Der Krieg Steiners mit Marik und Kurita vernichtet nicht nur Menschenleben, sondern auch Technologie und Wissen. Um die Ordnung wieder herzustellen, erhalten einige Adlige die Kontrolle über ein begrenztes Sternenreich, das sie im Auftrag Steiners verwalten können. Einer dieser Adligen, Christian Delcord, gibt sich aber nicht mit diesem Gebiet zufrieden und dehnt sein Reich auf andere Planeten aus. Das gelingt ihm auch ohne Weiteres, da sich sämtliche Mechs, die sich seinen Panzern in den Weg stellen, zusammenbrechen und bewegungslos liegen bleiben. Um hinter das Geheimnis von Delcords Superwaffe zu gelangen, setzt der Geheimdienst des Commonwealth vier junge Agenten auf den Fall an. Die zwei Agentinnen und zwei Agenten werden aber relativ zu Beginn ihrer Mission getrennt und führen an unterschiedlichen Orten ihren Auftrag aus. Akim Balikci, Sprössling einer Familie mit langer Militärtradition und Masako Schlüter, eine sehr hübsche und homosexuelle Agentin, schleichen sich bei den Truppen des Adligen ein um mehr über die Geheimwaffe zu erfahren. Harald Krause, der Anführer des Teams fliegt derweil mit Antonella Sonnenschein, einer überaus rachsüchtigen Person, zum Heimatplaneten Delcords um dort mehr herauszufinden.

Die vier Charaktere erleben dabei einige spannende Momente, die einem James Bond durchaus zur Ehre gereicht hätten. Obwohl immer ein leicht übertriebenes Niveau die Agenten kennzeichnet, werden sie keinesfalls zu unbesiegbaren Übermenschen stilisiert. Etwas seltsam mag es aber schon erscheinen, dass oftmals die Libido der Agenten so detailliert beschrieben wird. Dies kann aber zum einen an der Ladykilling-Referenz des großen Agenten Bonds liegen, aber zum anderen daran, dass die beiden, natürlich attraktiven, Agenten-"Pärchen" viel Zeit auf engem Raum miteinander verbringen müssen. Die vielen kurzen Kapitel bieten Gelegenheit, immer wieder zwischen den beiden Agentengruppen zu wechseln und so keine zu vernachlässigen. Auch wenn man die unterhaltsame und sehr flüssig geschriebene Spionagegeschichte an einem Rutsch durchlesen möchte, so gibt es doch einen Punkt der störend auffällt. Der Autor verwendet sehr viele Dei Ex Machinae, also Charaktere die plötzlich auftauchen und den Protagonisten helfen. Wenn die Agenten nicht bisweilen sehr, sehr viel Glück gehabt hätten, dann wäre ihr Auftrag sehr schnell vorbei gewesen. Erstaunlicherweise scheint fast niemand, dem sie begegnen, für Delcord und dessen Politik zu sein. Auch wenn dieser das Militär auf seiner Seite hat und eine Geheimwaffe, welche Mechs kampfunfähig machen kann, so ist es doch schwer zu erklären, wieso er so sicher in seiner Position bleiben kann. Die Agenten werden oft, eigentlich viel zu oft, aufgedeckt. Das hat aber nie Konsequenzen, da sie immer von lyrianischen Patrioten entdeckt werden, die sie dann noch mit Ausrüstung, Wissen oder Beziehungen unterstützen. Hier wäre ein Doppelagent oder auch nur etwas Verrat gut platziert gewesen um es den Protagonisten nicht ganz so leicht zu machen. Die gute Beobachtungsgabe des Autors macht den Alltag der Agenten überaus lebendig, da viele Kleinigkeiten und Kommentare die Charaktere, wie auch die erzählte Welt gelungen abrunden.
Insgesamt ein hervorragender BattleTech-Roman, der vor allem Einsteigern empfohlen sein soll.


Name: Die Albatros Akte 
Verlag: Fanpro 
Sprache: deutsch
Autor: Rainhold H. Mai 
Empf. VK.: 9 Euro {jcomments on}
Seiten: 332 
ISBN: 3890645267

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