BattleTech - Dark Age 01 - Geisterkrieg

Ein neuer, tödlicher Konflikt beginnt
- vom Backcover von Geisterkrieg

BattleTech ist tot, lang lebe BattleTech!
Nach dem Ende der klassischen BattleTech Reihe mit Loren Colemans eher enttäuschendem Roman "Finale", darf der Altmeister der Reihe, Michael A. Stackpole die neue Reihe beginnen. Und das ist ihm meiner Meinung auch gut gelungen!

Der alte BattleTech Schriftzug musste "Mechwarrior: DarkAge" weichen. DarkAge ist nämlich der Name der neuen Zeitlinie, die knapp 70 Jahre, also zwei Generationen, nach dem Ende der alten Linie spielt.
DarkAge startete bei einer neuen Firma (WiKids) und bringt neben der neuen Romanreihe auch direkt ein neues Miniaturenspiel mit. Oder eher umgekehrt. Nunja, das Spiel konnte mich nicht überzeugen, war und sind die Figuren doch nur in abgepackten Boostern ohne Kenntnis des Inhalts zu erwerben. Dazu kommen dann noch Regeln die im besten Falle als schlicht und unlogisch zu bezeichnen sind. Aber die Regeln eines TableTops müssen ja nichts mit den Romanen zu tun haben (und haben es Gott sei Dank meist auch nicht).

Aber mal zum Roman und einer Zusammenfassung der Ereignisse zwischen der Classic Reihe und der DarkAge Reihe.

Nach Ende des Bürgerkriegs zwischen Victor und Katerina beschloss man den Sternenbund aufzulösen, da die Bedrohung durch die Clans nicht mehr bestand. Daraufhin dachten sich die Fanatiker der ComStar Splittergruppe Blakes Wort das es eine gute Idee wäre alle Menschen ihren Glauben mitzuteilen und beginnen einen Feldzug. In einem der Umerziehungslager bricht dann ein gewisser Davlin Stone aus, der eine Streitmacht aufbaut und den Blakisten in den Allerwertesten tritt. Und weil man nicht mittendrin aufhört, erhebt er mal eben Anspruch auf 120 Lichtjahre um Terra. Das ist zufällig so ziemlich genau der Umfang der Inneren Spähre. Und weil Menschen Helden lieben und Davlin Stone noch eine ganze Menge Charisma mitbringt, schließen sich die Herrscher der Inneren Spähre ihm an. Öhemm... ja. Alle bis auf die Konföderation Capella. Aber die kann dem Ansturm der vereinten Inneren Spähre nicht lange standhalten. Devlin ruft die Republik der Spähre aus und wird ihr Herrscher. Durch Umsiedlungen wird eine weitesgehende Zerschlagung der alten Fraktionen gefördert und es beginnt tatsächlich Friede einzukehren. Ein Friede der von den Rittern der Republik aufrechterhalten wird, eine Art Paladinorden. Nur noch wenige BattleMechs sind zu finden, viele wurden eingemottet. Dann verschwindet Devlin Stone und überlässt die Regentschaft seinem Vize. Nur zwei Jahre später legt ein Republikweiter Terroranschlag das Kommunikationsnetz lahm. Und alte Konflikte brechen wieder auf...

Einer der Ritter der Sphäre, der unter dem Namen Sam Donelly operiert, ist auf Helen, einer abgelegenen Welt in der Präfektur II (etwa der obere Teil des alten Draconis Kombinats) auf einer geheimen Mission. Eigentlich ist er immer auf geheimen Missionen, denn er ist ein Phantomritter, einer Abteilung die es offiziell nicht einmal gibt. Dort darf er als Holzfäller mit seinem AgroMech Holz fällen und nebenbei ein paar Terroristen bzw. Freiheitskämpfer (das ist ja immer eine Sache des Standpunktes) niederschießen. Da der örtliche Sicherheitschef Sam für ein Mitglied der Terroristen hält (warum auch immer) wird dieser von einer Ritterin der Inneren Sphäre übernommen, die ihn dann scheinbar mit zu einem anderen Planeten nimmt. Aber er wird nicht ins Gefängnis geworfen sondern darf zu seinem nächsten Auftrag: Zumindest einen Teil der Verschwörer und Terroristen zu ermitteln, welche das Kommunikationsnetz in der Republik zerbombt haben. Dazu reißt er nach Manvile, einem Planeten in der alten Mark Crucis (oder Präfektur IV wenn man so will). Dort nimmt er Kontakt zu den Rebellen auf und ein kompliziertes Doppelagenten-Spiel beginnt.

Die Story der Handlung ist eigentlich gut und von Stackpole auch gut erzählt. Er nutzt die Ich-Erzählweise um dem Phantomritter Leben einzuhauchen und spricht durch ihn auch schon mal direkt den Leser an. Das hat mir gut gefallen. Was mir nicht gut so gut gefallen hat, ist die doch teilweise arg verwirrende Handlung mit vielen Doppelagenten, Verrat und Intrige. Bei einer solch komplexen Erzählung sollte man eher den Allwissenden Erzähler nutzen als die Ego-Perspektive. Ein weiterer Minuspunkt sind die immer wieder aufflackernden Persönlichkeiten der alten Linie. Die hätten schon längst tot, begraben und im schwinden befindlich sein sollen. Sind sie aber nicht. Kai Allard Liao starb erst vor ein paar Jahren beim Freiheitskampf in der Konföderation Capella, seiner Heimat. Morgan Kell gilt immer noch als eine Ikone der Geschichte und der dickste Hammer ist Victor Steiner-Davion. Der gute Mann lebt noch und ist über 100 Jahre alt. Auf ihn hätte ich nun wirklich verzichten können.
Ein weiteres Problem habe ich mit den Mechkämpfen in dem Buch. Ich las vorher das der Besitz von BattleMechs eingeschränkt sei, wieso laufen dann so viele Söldner herum, das die Terroristen ein Batallion von MechKriegern samt Maschinen zusammenziehen können? Auch die beschriebenen Kämpfe sind wenig spektakulär.
Ebenfalls störend ich die scheinbare Allmacht des Protagonisten. Er ist clever, allen anderen immer einen Schritt vorraus. Er ist ein hervorragender Mechpilot. Er wird an einem Abend fürchterlich zusammengeschlagen und hat am nächsten Tag nur ein blaues Auge. Der Typ hat keine Schwäche. Er ist einer der Helden Charaktere, die soviel heldenhaftes vollbringen, das es haarscharf an der Grenze zum Erträglichen steht. Stackpole hat einen Hang zu solchen Charakteren, durfte doch schon Prinz Victor unter seiner Feder die unglaublichsten Sachen vollbringen und erleben.

Somit bleibt Geisterkrieg kein klassischer BattleTech Roman. Er ist in der seltenen Ich-Erzählung geschrieben und eigentlich mehr Agenten-Thriller. Etwas große Politik und ein paar aufgesetzte Kämpfe reichen normalerweise nicht um einen guten BattleTech Roman zu schreiben. Aber Stackpoles Stil hat mir einfach so gut gefallen! Sätze wie "Sie sah jung genug aus um süß zu wirken. Und alt genug um das zu ihrem Vorteil zu benutzen." möchte ich gerne öfters lesen ;-).
Also, trotz Schwächen rettet Stackpoles Stil meiner Meinung nach eine Menge an diesem Buch. Trotz der mir sehr seltsam erscheinenden Rahmenhandlung wird hier ein sprachlich sehr ansehnlicher Roman hingelegt.


Name: Geisterkrieg {jcomments on}
OT: Ghost War 
Verlag: Heyne 
Sprache: deutsch
Autor: Michael A. Stackpol 
ISBN: 3453875303
Empf. VK.: 7,95 Euro 
Seiten: 428

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