DSA #060 - Blakharons Fluch

Willkommen zu einer weiteren Runde von "Guter Auftakt, schwacher Abschluss"!
DSA-Romane, da hatten wir ja nun wirklich lange keinen mehr. Zugegeben, auch diesen hier gibt es vor allem, weil er mit in der Grabbelkiste zugeflogen ist, aber da er gerade allgemein durch die Sonderangebote der Läden zu ziehen scheint, kann man ja durchaus trotz schon fortgeschrittenen Alters eine Rezension wagen.

"Blakharons Fluch" ist der 60. Roman der DSA-Roman-Reihe bei Heyne, wer aber glaubt, darum etwas Besonderes vorgesetzt zu bekommen, irrt erst einmal. Beide Autoren, Wichert wie Thon, steigen hier quer in die aventurische Literatur ein und erzählen auch keine Geschichte, die irgendwie im großen Kontext eine Rolle spielt; aber das muss ja bei den Zwölfen kein Nachteil sein.

Bevor wir uns aber an das eigentliche Buch wagen, seien gerade noch ein paar Takte zu dem Cover gestattet: Wow! Das ist, mit Abstand, dass unpassendste, scheußlichste und eigenartigste Cover, dass mir lange untergekommen ist. Ein Mann mit Adlerkopf und ein Löwe auf wolkigen Grund, vor erschreckend plastisch gezeichneten Bergen, die wiederum vor blauem Himmel aufragen; am Himmel ergießt sich eine Art böse auffädelnde Tinte unter blutroten Wolken herab. Hä? Hallo? Heyne?
Es gab in der Geschichte der DSA-Romane ja so manchen Ausreiter und selbst die bei FanPro im Haus verlegten Romane sind nicht immer Schönheiten – aber dies hier dürfte selbst die Hässlichkeit auf dem Cover von "Westwärts, Geschuppte!" noch überbieten können.

Aber hey, dafür können die Autoren nichts, wie eventuell auch nicht für den Titel (dazu später mehr), wohl aber für den eigentlichen Inhalt. Schauen wir also mal nach...
Held der Geschichte ist ein Bannstrahler namens Praiodan von Weißfels, der von Ucurian Jago, dem Großmeister des Bannstrahlordens entsandt wird, seinen eigenen Bruder, den Magier Kirian, zur Strecke zu bringen. Der nämlich scheint den schwarzen Künsten anheim gefallen zu sein und gehört daher gerichtet.
Doch nicht nur Praiodans Gruppe, zu der auch sein bester Schüler Sandres Atjan gehört wird entsandt, auch die Draconiterin Imera Silberbrück soll sie begleiten – und da wird der Kenner schon hellhörig. Draconiterin meint Hesinde-Kirche, Bannstrahl meint Praios ... nun, wer glaubt, dass das nicht zusammen passt, ahnt noch nicht, was noch kommt.

Auf der Suche nach dem Paktierer wird das Regiment massiv dezimiert, dafür sammelt man unterwegs noch die Elfe Silanandra Sternenlicht ein. Ja, lieber Leser, eine Elfe. Und während Praiodan mit seiner Rolle bricht und sich immer mehr in die Schöne verschießt, begnügt sich Sandres weite Teile der Handlung auch damit, immer mal wieder konstruktive Kommentare wie "Elfenhure" in die Dialoge zu schmettern. Nun ja...
So zieht man dann also durch die Lande, stößt auf den Paktierer, durchlebt noch manche Seitenwechsel und letztlich wird sogar Blakharon aufgefunden, der – sein Name sagt es – mit Blakharaz paktiert und – der Name des Buches sagt es – wohl einen Fluch ausgesprochen hat. Er wird bezwungen und das Buch kann auspendeln.

Die Erzählung beginnt dabei durchaus stark. Das Leben in der Ordensburg des Bannstrahls liest sich sehr interessant und glaubwürdig, Praiodan scheint zudem ein interessanter Charakter zu sein; leider bleibt er das aber nicht.
Spätestens ab Silanandras Auftritt bröckelt sein Selbstbild ganz massiv, ebenso wie einige andere Charaktere unter mehr oder weniger zwielichtigen Gründen ihre Loyalitäten verschieben. Potential für interessante Konflikte, etwa Imeras Glauben gegenüber dem der Diener Praios, wird nur gestreift, wenn überhaupt thematisiert.

'Diener Praios' ist ein gutes Stichwort, denn auch das missfällt mir etwas an dem Buch. Ja, der Bannstrahl ist so etwas wie die Inquisition der zwölf Götter, aber dieser Haufen von brutalen Söldnern geht mir doch etwas zu weit. So sind die Unterhaltungen der Bannstrahler mit dem Volk noch durchaus interessant, wenn Praiodan aber einfach den Befehl gibt, einen Reue empfindenden Bauern verprügeln zu lassen, in der Hoffnung, er könne sich so vielleicht doch noch an etwas erinnern, dann frage ich mich doch, wo da Praios – auch für Recht und Gesetzt zuständig – seine Sympathie für diese Jungs hernimmt.
Aber der oberste derer aus Alveran ist trotz allem sehr präsent in dem Buch. Der junge Praiodan wird aufgrund des Anblicks eines Greifen in Kindertagen Bannstrahler, ein weiterer Greif sowie ein Praioswunder säumen später noch seinen Weg. Das ist zugegeben doch recht viel für einen Menschen, der eigentlich gegenüber nichts und niemandem, nicht mal gegenüber seiner eigenen Moral, wirklich konform handelt.

Letztlich ist auch die Dramaturgie des Romans irgendwie missglückt. Wie schon angedeutet, glaube ich fast, dass der Titel nicht von Wichert und Thon stammt, denn irgendwie beschreibt "Blakharons Fluch" doch nur einen recht eingeschränkten Teil des Buches.
Ja, Blakharon kommt vor, ebenso sein Fluch ... aber das auf allerhöchstens einem Sechstel der Seiten. Viel schlimmer aber ist noch, dass der Roman seinen Höhepunkt auf Seite 220 etwa überstanden hat; womit noch 64 Seiten offen sind. Die werden zwar nicht gerade verschwendet, aber die bis dato abgelaufene Handlung hat so viel Epilog sicher nicht verdient gehabt und es ist irgendwo ein klarer Niederschlag, wenn auch kein kompletter K.O., für die Spannungskurve.
Ebenso werden jegliche Spannungsszenen in sich immer mal wieder elegante zerschossen, indem zu sehr auf den Begriffen aus dem Spiel herumgeritten wird. Am Spieltisch ist es okay, wenn ein Charaktere einen "Wehe Walle Nebula, kombiniert mit einem Exposami" identifiziert, im Buch zerbröckelt in dieser Sekunde aber jedes Gefühl, gerade von einer Geschichte in der Spielwelt zu lesen.

Abschließend betrachtet kann man festhalten, dass "Blakharons Fluch" sicher nicht das schlechteste Buch ist, das ich in letzter Zeit gelesen habe; auch beileibe nicht der schlechteste DSA-Roman da draußen.
Aber, und da muss man auch ehrlich sein – toll ist er auch nicht. Zwar bietet er viele gute Ansätze, nutzt aber schlichtweg keinen davon, bricht mehrfach mit seinen interessantesten Charakteren, macht sonst einige Fehler und hat dafür wenig wirkliche Qualitäten.

Man kann ihn gut lesen, wenn man ihn irgendwo für einen Euro oder so herumliegen sieht; aber selbst innerhalb des DSA-Sektors gibt es mittlerweile massig Bücher, die ich ihm deutlich vorziehen würde.


Alexander Wichert und Christian Thon
284 Seiten Softcover
Heyne
ISBN: 3-453-19626-0 {jcomments on}

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