DSA #076 - Der Tag des Zorns

Vor langer Zeit in der altehrwürdigen Zwergenbinge Xorlosh: Calaman, Sohn des Curthag, betet Aghira an und bat sie, seine Frau zu werden. Mit der Erlaubnis ihres Vaters stellte sie dem Verehrer eine schier unlösbare Aufgabe - er sollte ein Stück aus dem Hort des Drachengottes Pyrcador entwenden. Calaman nahm die Aufgabe an.
15 Jahre später rechnet niemand mehr mit seiner Rückkehr … außer Cendrash, einem Schmiedelehrling, der von seinem Cousin träumt. Und tatsächlich, Calaman hält Einzug in die Binge, ein rauschendes Fest wird gefeiert. Hat er seine Aufgabe erfüllt? Und wird er damit den legendären Friedenspakt mit den Drachen gefährden?
vom Backcover von Der Tag des Zorns

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, woher ich diesen Roman habe. Der stand in meinem Schrank, also muss ich ihn irgendwo mal gekauft oder gewonnen haben... aber ist ja auch egal. „Der Tag des Zorns“ ist der ersten Roman von Daniela Knor. Bisher habe ich schon ihren späteren Roman „Roter Fluss“ gelesen und war sehr davon angetan, also schnappte ich mir mal das mit weniger als 300 Seiten vergleichsweise dünne Buch. Von dem Armalion-Schriftzug (ohne Kreuz im „o“) auf dem Cover sollte man sich nicht irritieren lassen. Fanpro hatte seinerzeit DSA-Romane unter dem Label ihres TableTop-Spiels veröffentlicht, um unabhängig von Heyne Geschichten aus ihrer Spielwelt publizieren zu können. Also sollte man trotz der martialischen Vorlage der Armalionreihe nicht viel mehr Action erwarten.

Tja, was das Cover ab mit dem Buch zu tun haben soll? Ich meine, okay... da ist ein Drache, ein Mensch und ein... Ding? Zwerg? Das könnte sich auf das erste Kapitel beziehen, nur stimmt dann außer den Charakteren gar nichts. Zudem wäre der Zwerg dann ein Dschinn oder sowas und der Mensch hätte eine hauchdünne Ritterrüstung. Naja...

Nach der Lektüre des ersten Kapitels legte ich das Buch aber erst einmal beiseite. Dermaßen viele Fehler finden sich sonst nur in Internettexten und nicht in einem publizierten Buch. Fehlende Buchstaben und Satzzeichen, seltsame Ausdrücke und kreative Grammatik treten aber glücklicherweise nur im ersten Kapitel extrem gehäuft auf, finden sich dennoch im weiteren Verlauf des Buches viel zu oft. Bisweilen kommt bei mir der Verdacht auf, dass man bei Fanpro solche Fehler inzwischen als Stilmittel ansieht.

Okay, aber kommen wir mal zum Roman. Dieser spielt knapp 3000 v. BF. für die Aventurier unter den Lesern oder in der Frühzeit des Kontinents. Das Land wird noch von dem Echsenreich (wieso gab es in der mysthischen Frühzeit eigentlich immer Echsenreiche?) Zze Tha beherrscht, dem der Drachengott Pyrdacor vorsteht. Zum Hort dieses Drachen bricht der Zwerg Calaman auf, um seiner Angebeteten ein Schmuckstück zu stehlen. Dies gelingt ihm zwar, aber das Diadem sorgt für Neid, Habgier und Missgunst unter den Zwergen Xorloschs. So kommt es zu einem bislang noch nie dagewesenen Frevel, worauf der Zwergengott die Stadt mit seinem Zorn überzieht. Der Titel ist also Programm, auch wenn ich mich bis zum Ende fragen musste, wie er denn nun zum Roman passt. Das Buch ist, grob gesagt, die Ausschmückung einer kleinen Geschichte aus der alten DSA-Box „Dunkle Städte, Lichte Wälder“, über die Elfen und Zwerge der Spielwelt.

Zwar hat die Autorin einen sehr schönen und angenehm zu lesenden Stil, doch vergibt sie bei der Beschreibung der alten Welt und der großen Zwergenfestung Xorlosch Potential. Es gibt zwar immer wieder Hinweise, die primitiv und fremdartig die Menschen außerhalb der Berge seien (der Roman wird quasi komplett aus Zwergensicht geschildert), aber ohne weiteres hätte es auch Tausende Jahre später spielen können. Xorlosch will sich für den Leser auch nicht so recht vor dem inneren Auge formen. Die Reaktion mancher Charaktere ist im Verlauf des Romans auch unglaubwürdig. So beschließen die Zwergenpriester erst nach Monaten und einem anonymen Schreiben, den Gerüchten von Calamans Diebstahl im Drachenhort nachzugehen. Die Gefahr, welche die Priester immer wieder prophezeien, wenn dies geschehen sollte, müsste sie schon viel früher auf diese Sache gebracht haben. Der Zwergenheld Calaman posaunt in der ganzen Stadt schließlich heraus, wie er den Schatz aus dem Hort des Pyracor entwendet hat. Viel zu offen gestaltet sich auch das Ende, dass irgendwie „mittendrin“ liegt und auf eine Fortsetzung hoffen lässt, die bisher (August 2005) aber noch nicht angekündigt wurde.

Auf der anderen Seite ist die Beschreibung der jungen Zwerge einfach nur zum gernhaben. Wenn einer der Zwerge sich zum ersten Mal auf dem Rücken eines Ponys durch die Stadt tragen lässt und alle ihn für verrückt halten, wenn sich die dickköpfigen Zwillinge mal wieder gegenseitig ärgern oder wenn die fantasielosen und konservativen Familienväter autoritär werden, dann ist das einfach herrlich zu lesen. Für Zwergenspieler und -fans ist das Buch demnach auf jeden Fall ein echter Gewinn und auch Leute, die nicht so wirklich viel mit DSA und Aventurien zu tun haben, sollten mal einen Blick riskieren.


Name: Der Tag des Zorns 
Verlag: Fanpro 
Sprache: deutsch{jcomments on}
Autorin: Daniela Knor 
Empf. VK.: 8,50 Euro 
Seiten: 276 
ISBN: 3890645739

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