Festa, Frank (Hrsg.): Psycho-Express

Und wieder ist es eine ehemals im Blitzverlag erschiene und nun vom Festa-Verlag publizierte, Teil der Edition Metzengerstein seiende, Anthologie von Kurzgeschichten, von Frank Festa persönlich zusammengestellt und je mit einer kurzen Einführung versehen, um die es in dieser Rezension geht. Ich denke, damit ist jeder grob beim Thema, und wir können mitten hinein starten
Das Format ist wie gewohnt grob Din-A5 und damit deutlich größer als ein durchschnittliches Taschenbuch, das Papier grob, der Druck gut und die Bindung unverwüstlich. Das Cover ist eines der recht scheußlichen Art, aber das sollte vom Kauf nicht unbedingt abhalten, denn in der Tat handelt es sich bei dem aktuellen Buch, "Psycho-Express", um eine sehr illustre Sammlung von Kurzgeschichten, die mit doch recht geläufigen Namen wie Kim Newmann (alias Jack Yeovil) sowie dem Versprechen, alles deutsche Erstveröffentlichungen zu bieten, locken kann. Zugleich zeigt Festa in dem Buch auch noch einmal deutlich, dass er nicht unbedingt ein großer Fan der deutschen Horrorautorenszene ist, findet man doch unter den neun Geschichten ausnahmslos anglophone Autoren.
Aber wie mittlerweile gewohnt bei Anthologie-Rezensionen, gehen wir die Geschichten doch mal nacheinander durch…

Es ist besagter Kim Newmann, der unsere Reise in die Welt des Schreckens einläutet, und das ausgesprochen gelungen! In "Wochenfrau" (englischer Originaltitel war "Week Woman") schildert er auf recht wenigen Seiten die Eskalation einer an sich "normalen" Scheinehe. Dies ist sehr angenehm zu lesen, es ist zwar schon erschreckend, doch das Lesen macht auf Freude und ist eine extrem gelungene Einstimmung auf des gesamten Band.

Die zweite Geschichte setzt die Qualität auch gleichermaßen fort. Der Brite Terry Lamsley führt uns in seiner Geschichte "In der Vorstadt" ("Suburban Blight") vor, wie ein seltsamer Fund das ehemals so friedliche Leben mit seinen banalen Problemen vollkommen eskalieren lässt. Ist die Geschichte dabei an sich ab einem gewissen Punkt noch recht vorhersehbar, so trübt das doch nicht den Lesespaß, der durch eine extrem geniale Location (für Kenner: ich meine natürlich das Schwimmbad) und einige extrem gute Ideen noch weiter aufgewertet wird.

Die dritte Geschichte des Bandes wurde dann von dem Amerikaner Richard Laymon beigesteuert und ist auch extrem gelungen. Obwohl "Der Pelzmantel" ("The Fur Coat") nur zehn Seiten lang ist und man sich fast bis zum Schluss fragt, wo der Horror wirklich greifen wird, so wird nach dem Ende der Geschichte wohl niemand zögern, die Geschichte in der Tat dem Horrorgenre zuzuordnen. Gerade die bitterböse Pointe der Erzählung weiß sehr zu gefallen und macht die Geschichte schon zum dritten Highlight in Folge.

Nun, diese Reihe wird jedoch ein wenig von "Elvis Presleys Badezimmer" ("Elvis's Bathroom") der Amerikanerin Pagan Kennedy unterbrochen. Kennedy schreibt gemeinhin keine Phantastik sondern ist mehr auf soziale Probleme ausgerichtet, wie das Vorwort verrät, und in der Tat leidet die Geschichte vor allem daran, dass ihr jeglicher Horror abgeht.
Kein Schaudern, kein Frösteln und erstrecht kein Schrecken wollen sich so recht einstellen und am Ende fragt man sich doch, was diese Geschichte im Band verloren hat. Diese Frage wird man sich aber auch noch ein zweites Mal stellen … dazu später mehr.

Die nunmehr fünfte Geschichte aber, "Der Karpfenteich" ("The Crucian Pit") des britischen Autors Nicholas Royle, ist schon mal wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar mangelt es ihr etwas an einer gelungenen Pointe und auch die Spannungskurve ist eher wirr als steigend, doch die Geschichte, deren Ende auf etwas Großspurig wirkt, unterhält zumindest recht gut.

Ein wahres Highlight lässt jedoch S.P. Somtow (eigentlich Somtow Papinian Sucharitkul), ein Amerikaner von thailändischer Abstammung, mit der Geschichte "Summertime" ("Fish are Jumping, and the Cotton is High") auf uns los. Die Geschichte fängt bereits stark an und schildert im Verlauf der Handlung eine ganz, ganz besondere Art zu Fischen und einen überaus gelungenen Serientäter und verfügt zudem über einen durchaus gelungenen Abschluss. Ein weiteres klares Highlight des Buches…

Steve Rasnic Tem berichtet danach über "Die Schutzengel" ("Guardian Angels") und stellt mit seiner sieben Seiten langen Erzählung den kürzesten Beitrag des Bandes. Es ist eine nette kleine Hommage an Horrorikone H.P. Lovecraft und wenn auch zu kurz um wirklich vollends in ihren Bann ziehen zu können, versteht es der aus Amerika kommende Autor dennoch, zu unterhalten. Gerade das vorgestellte Konzept ist extrem gelungen und weiß jeden Kenner des lovecraftschen Geschichten doch zum Schmunzeln zu bringen. Überaus lesenswert.

Nun, hatten wir gerade den kürzesten Beitrag, so folgt auch sogleich die zweitlängste (nach "In der Vorstadt") Geschichte des Bandes. Auf 32 Seiten berichtet der New Yorker Brian McNaughton vom Schicksal von "Richard und Dendra" (auch im Original "Richard und Dendra"), jedoch ist dies die zweite Geschichte, von der ich weiter oben schon sprach, wo man mehrfach nach dem Sinn des ganzen fragte. Es gibt keine überzeugende Entwicklung, keine vernünftige Spannungskurve und keine gute Pointe, auf die alles hinauslaufen könnte. Die Geschichte plätschert eben lange vor sich hin und ist dann irgendwann vorbei und irgendwie fragt man sich schon, warum es diese Fantasygeschichte nun in diesen Horrorband geschafft hat.

Seinen Abschluss findet "Psycho-Express" dann in einer Erzählung des Engländers Michael Marshall Smith. "Die Banner der Hölle" ("Hell Harth Enlarged Herself") ist der überaus nichtssagende Titel einer überaus gelungenen Geschichte um drei Freunde, die gemeinsam versuchen, die Welt zu verbessern.
Dass das niemals gut geht ist altbekannt und dass das Arbeiten mit Nanotechnologie böse enden kann, dass weiß auch jeder Genrefreund, dennoch wirkt die Geschichte nicht abgenutzt, sondern unterhält ganz hervorragend.
Das etwas Schreckliches passiert ist wird von Anfang an als Prämisse gegeben, doch schafft es der Autor, die exakte Natur dieses schrecklichen Ereignisses bis zum Schluss aufzuheben und so den Leser bei der Stange zu halten. Ebenfalls eine gelungene Erzählung.

Im Endeffekt kann mal wieder eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden. Für ca. 10 Euro erhält der geneigte Leser fünf hervorragende, zwei gute und zwei Ausfälle, wer da nicht zugreift, ist selber Schuld…

 


Frank Festa (Hrsg.)
Psycho-Express  {jcomments on}
175 Seiten Softcover
Festa Verlag (ehemals bei Blitz)
ISBN: 3-932171-23-3

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