Howard, Robert E.: The Conan Chronicles

Er zählt kann sicher zu den absolut bekanntesten Vertretern des phantastischen Genres: Conan the Cimmerian.
Nahezu jeder kennt ihn.
Die meisten aus den beiden Filmen mit Arnold Schwarzenegger ("Conan der Barbar" und Conan der Zerstörer"), einige weitere aus der Fernsehserie mit Ralf Möller. Wieder andere kennen vielleicht die alten Comics aus länger vergangenen Zeiten oder auch die Romane, die der Heyne-Verlag tapfer weiter produziert.
Was jedoch kaum einer kennt, der nicht ohnehin dem Genre verfallen ist, ist Conans Ursprung, die Kurzgeschichten von Robert E. Howard.
Sicherlich einer der einfachsten Gründe war bisher die Verfügbarkeit, denn nirgends gab es wirklich viele der Geschichten auf einem Haufen zu kaufen.
Bisher, denn im englischen Verlag Gollancz wurden nun in der Reihe "Fantasy Masterworks", die auch schon Werke von Legenden wie Michael Moorcock, E.R. Eddison oder gar Lord Dunsany veröffentlichte, die "Conan Chronicles" angebrochen, deren erster Band, "The People of the Black Circle" nun vor uns liegt.

Dick ist er, keine Frage. Das Buch ist recht groß bemessen für ein Taschenbuch, weißt ein dünnes Papier auf und verbirgt so knapp 550 Seiten zwischen seinen Klappen. Die Schriftgröße ist normal und gut lesbar, die Qualität zwar wieder einmal weit weg vom deutschen Taschenbuchstandard, aber doch zumindest die Bindung ist stabil und der Druck kräftig.

Aber kommen wir zum Inhalt:
19 Geschichten, darunter aber eine Zusammenfassung, ein Fragment und zwei Entwürfe, sind in dem Band enthalten, reichen von 2 ("The Hall of the Dead") bis 84 (die titelgebende Geschichte "The People of the Black Circle") Seiten und präsentieren eine Welt, ein Szenario, dessen Faszination keine der anderen Umsetzungen so einfangen konnte.
Conan ist ein wilder Barbar, der letzte seiner Rasse, der Cimmerians. Er wandert durch die Welt, arbeitet die meiste Zeit mehr oder weniger als Dieb und erlebt so manches Abenteuer.
Er ist brutal, er ist direkt und seine Welt siedelt sich recht klar in schwarz und weiß. Wer für ihn ist, der genießt seine Treue, wer nicht für ihn ist, ist automatisch gegen ihn ist. Frauen wecken nahezu immer einen sehr klaren Instinkt in ihm.
Er kommt mit der Zivilisation überhaupt nicht klar, so erklärt er einmal, im Bezug auf einen hohen Gerichtshof: "The court waxed wrath, and the judge talked a a great deal about my duty to the state, and society, and other things I did not understand, and bade me tell where my friend had flown. […] So then, seeing they were all mad, I drew my sword and cleft the judge's skull, then I cut my way out of the court[…]"
Da fragt man sich doch: was soll man von einem solchen Charakter halten und vor allem, wie kann man einen solchen Charakter als Helden sehen?

Der Knackpunkt in dieser Beziehung ist auch zugleich der Aspekt, der gerade in Film und Fernsehen völlig unterging: Conan ist ein Barbar und ist nach unseren heutigen Maßstäben ein totaler Sonderfall, der überall mit der Gesellschaft anecken und scheitern würde, doch gemessen an den dekadenten, verkommenen und schlichtweg verabscheuenswerten Gesellschaft, die ihn umgibt, ist er doch der Beste von allen.
Er ist ehrlich und geht seinen Weg, spielt fair gemäß seiner Regeln und bleibt sich immer treu und das alleine macht ihn sehr schätzens- und die Geschichten lesenswert.

Howard ist auch kein übler Autor. Er schreibt gut lesbar, zwar nicht sehr literarisch aber doch sprachlich konsequent und erkennbar. Er schafft es in der Regel, einen Spannungsbogen aufzuziehen und entwickelt seine Geschichten stets konsequent, bricht niemals mit seine eigenen Regeln.
Allerdings leidet er unter einem klaren Problem, dass gerade in einer Sammlung wie dem vorliegenden Band besonders klar zutage tritt: er schreibt stets sehr ähnlich.
So wie auch schon bei "Elric" von Michael Moorcock die Gleichförmigkeit seiner Erzählungen anzuprangern ist, so gilt das auch für Robert E. Howards Geschichten. Zwar ist die Architektur der Handlung nicht so aufdringlich gleich wie es bei Moorcock stellenweise der Fall ist, dennoch: die Grundmotive bleiben doch immer gleich.

Somit ist zwar ein Großteil der enthaltenen Geschichten für sich sehr lesenswert, aber am Stück gelesen nutzt es sich doch merklich ab.
Insofern kann der Band jedem fantasyinteressierten Leser zumindest mal angeraten werden, für Conan-Fans stellt er ohnehin einen Pflichtkauf dar.
Jedoch, wie gesagt, sollte man vielleicht noch eine andere Lektüre zur Hand haben, denn von sich aus bietet Howard in diesem Band nicht viel Abwechslung…


Robert E. Howard
The Conan Chronicles{jcomments on}
548 Seiten Softcover
Gollancz (Englische Originalausgabe)
ISBN: 1-85798-996-1

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