BattleTech - Classic 17 - Karma

Mit Karma liegt der inzwischen nun 17. Band der Classic BattleTech-Reihe bei Fanpro vor. Der Autor Bernd Robker (Pseudonym Bernard Craw) hat 2005 bereits den Roman “Sanguis B. – Vampire erobern Köln” veröffentlicht und wagt sich nun in die Gefilde eines bereits seit Jahrzehnten definierten Universums. Solche Reihen sind für Autoren Fluch und Segen zugleich: Gibt es doch einerseits fast unendlich viele Punkte, an denen sie eine Geschichte ansiedeln können, müssen sie andererseits aber den Kanon beachten, der in den fast 25 Jahren BattleTech schier unüberschaubar geworden ist.

Der Roman spielt 3028 auf der zur Konföderation Capella gehörigen Vakuumwelt Niomede-4. Der Planet wurde vor einigen Jahrzehnten von der Liga Freier Welten erobert, aber das capellanische Kastensystem hat sich etabliert und es herrscht Frieden. Ein Frieden, der auch dafür sorgt, dass die planetare Mechlanze über keinerlei Kampferfahrung verfügt. Ganz im Gegensatz zur Kompanie Mechs des Kriegerhauses Kamata, die kurzfristig auf dem Planeten stationiert wurde. Auf Niomede-4 befindet sich nämlich ein geheimes Labor, in dem an neuer BattleMech-Technologie gearbeitet wird. Dieses wird auch das Ziel einiger Aggressoren aus der Liga Freier Welten, die den Beginn und das Chaos des vierten Nachfolgekrieges nutzen, um einen Überfall zu wagen.

In diesen Hintergrund hat Craw dutzende Figuren angesiedelt, die dem Buch neben dem offensichtlichen militärischen Konflikt eine ganze Reihe von persönlichen, moralischen, gesellschaftlichen, religiösen und technologischen Konflikten beisteuern. Selbst Nebencharaktere, die nur in einem Kapitel kurz vorkommen, erhalten Charakteristika, die sie hervorheben und menschlicher wirken lassen. Dies kann man als zweischneidiges Schwert empfinden, da der Roman mit seinen 300 Seiten den ausgearbeiteten Charakter nicht gerecht werden kann. Zwar bekommen die Hauptcharaktere den meisten Platz in der Erzählung eingeräumt, doch ungewöhnlich wenig, wenn man sich den Rest der Reihe als Maßstab nimmt. Es steht viel mehr die Situation im Zentrum der Erzählung, die die Figuren zu Entscheidungen, Fehlern und Heldentaten bewegt. Jen Xiao, einer der planetaren Mechpiloten, dient dem Leser trotzdem als Orientierungspunkt, da man ihn von Anfang bis Ende begleitet und seine Entwicklung anhand der Ereignisse am stärksten miterlebt. Insgesamt wäre eine Intensivierung der Charaktere wünschenswert gewesen, nicht jedoch auf Kosten der restlichen Erzählung, sondern durch eine Erhöhung der Seitenzahl. Trotz der ausführlichen Charakterisierung aller Figuren kommt die Action in dem Roman bei weitem nicht zu kurz. Es gibt zwar nur eine Handvoll Mechtypen in dem Band, doch kämpfen insgesamt mehr als 50 Mechs um den Planeten. Besonders interessant werden die Gefechte durch die besonderen Bedingungen Niomedes-4. Der Planet besitzt keine Atmosphäre, was die Maschinen zusätzlich belastet und die Eigenschaften der Waffen ändert. Neben dieser ungewöhnlichen Umgebung bietet das durch verloren gegangene Terraforming-Technologie erschaffene Höhlensystem mit seinen unterschiedlichen Klimazonen auf engstem Raum diverse Terrains. Die Beschreibung der technologischen Einzelheiten und besonderen Gegebenheiten ist stets interessant und passend zur Geschichte, niemals bekommt man den Eindruck, dass der Autor auf Gedeih und Verderb Material aus seiner Recherche ins Buch packen wollte. Egal ob Craw den Beruf des Meteoritenjägers an der Oberfläche beschreibt, den alten Wurmkult, der Riesenwürmer im Planeteninneren vermutet und verehrt, oder die gigantischen Himmelssimulatoren der Höhlendecken, ihm gelingt es, eine völlig stimmige und dennoch fantastisch anmutende, ungewöhnliche und lebendige Welt zu beschreiben.

Das Cover wirkt irgendwie unvollständig, ist handwerklich aber sehr gelungen und zeigt einen Hermes II im Kampf gegen einen vom Rand abgeschnittenen Orion. Im Inneren findet sich vorne erfreulicherweise eine Sternenkarte, mit der sich Niomede-4 einordnen lässt, sowie am Ende die Dramatis Personae, sowie eine Auflistung aller am Kampf beteiligten Mechs und deren Piloten, selbst wenn diese im Roman nicht genannt werden.

Der Roman bietet alles, was BattleTech-Fans lieben. Detaillierte Erklärungen der Technologie, den wehmütigen Blick auf die durch Kriege verlorene Technologie, die Darstellung aller Parteien, vielschichtige Charaktere und eine wandlungsreiche Geschichte, die immer wieder mit Kleinigkeiten in der Beschreibung der Welt und der Kultur überrascht. Unbedingte Empfehlung!


Verlag: Fantasy Productions GmbH
Autor: Bernard Craw{jcomments on}
Sprache: deutsch
Empf. VK.: 9,00 Euro
Seiten: 318
ISBN: 978-3-89064-454-7

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