DORPCast 194: In Schubladen sortiert – Kategorien von Spielertypen

Hallo zusammen!

Mitspieler sind ein untrennbarer Bestandteil des Hobbys Rollenspiel, und so war es unvermeidlich, dass mit der verschiedene Theorien dazu aufkamen. Spielertypen und ihre Bedürfnisse sowie all die Theorien rund um diesen Themenkomplex, dies sind die Themen, mit denen sich Michael und Thomas in dieser Folge befassen.



Dieses Mal gibt es zudem vor der Folge einen ganzen Blumenstrauß an Themen vor dem Thema sowie eine Medienschau, in der sich die beiden heute mal weniger Medien in dafür größerem Detail anschauen. Und wie eh und je gibt es weitere Informationen, weiterführende Links und alle relevanten Timecodes unten in den Shownotes.

Viele Grüße,
eure DORP

Episode 194: In Schubladen sortiert – Kategorien von Spielertypen
00:00:29 Intro
00:00:59 Feedback-Schleife
00:01:59 Scorp schrieb mal wieder vom 3D-Druck
00:03:13 Die DORP-Jahresumfrage kommt!
00:04:04 Der PEN&P / Goldene Stephan
00:05:50 Neuer DORP-Merch!
00:06:51 Zur Medienschau
00:07:01 Medienschau: Assassin's Creed Odyssey
00:16:48 Medienschau: Robert Jordan – Die Suche nach dem Auge der Welt
00:24:33 Zum Thema!
00:26:21 Es gibt eine Reihe von Modellen
00:26:52 GNS
00:27:21 Der Scorp ist ein Gamist!
00:28:07 Thomas ist ein Narrativist mit gelegentlich simulationistischen Tendenzen
00:28:20 The Forge
00:28:47 Das sind alles keine dogmatisch festen Kategorien
00:30:08 Mini-Exkurs: Streaming und Bedürfnisse
00:31:45 Robin D. Laws
00:34:19 Der Casual Gamer
00:36:48 Der Vollständigkeit halber: The Big Model
00:37:19 Bartle taxonomy of player types
00:39:44 Dinge benennen zu können verleiht Macht
00:40:54 Nicht nur zur Einordnung der Mitspieler, auf zur Selbsteinschätzung
00:41:27 Wenn aus Zugehörigkeit Ausgrenzung wird
00:42:19 Die Spielleitung ist kein Dienstleister
00:44:54 Praxiserfahrungen
00:46:51 Fachvokabular als Gatekeeping
00:47:52 Erneut: All diese Kategorien sind vielmehr Spektren
00:49:36 Tut sich da eigentlich noch was?
00:51:55 Nur weil's auch ohne ging, heißt es nicht, dass es mit nicht besser sein kann
00:52:42 Ist manches davon inzwischen vielleicht mehr Allgemeinplatz?
00:53:49 Jüngere Leute: Erzählt mal!
00:54:06 Baut bitte keine Elfenbeintürme: Schlussworte
00:55:20 Sermon 3.6
00:56:01 Adieu!
00:56:31 Der Nach-Teil

Aus der Medienschau
Assassin's Creed Odyssey
Jordan, Robert: Die Suche nach dem Auge der Welt (Rad der Zeit 1)

//Hinweis: Alle Amazon-Links auf dieser Seite sind Teil des Affiliate-Programms und ein Anteil des Verkaufspreises kommt der DORP zugute.

Der Goldene Stephan
Hier geht es zu den Ergebnissen der Umfrage

Das beiläufig erwähnte Format der Rocket Beans
… findet sich hier in seiner Videoform.
Es ist aber auch über all die gängigen Podcast-Apps zu finden.

//Mäzenatenschau-Musik: Dan Lebowitz – Tiptoe out the Back
//Der DORPCast gibt die Privatmeinung von Michael und Thomas wieder.

Kommentare (10)

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Wieder eine schöne Folge!

Den respektvollen Umgang hier in der Kommentarfunktion möchte ich auch gerne hervorheben!

Zum Hauptthema:

Ich glaube, dass es keinen echten angeborenen oder rein intrinsischen Typus von Spielern gibt, sondern die Art wie man mit Rollenspiel sozialisiert wird und die Entwicklung viel wichtiger ist.

Damals hatte praktisch alle Mitglieder unserer Spielrunde Erfahrung mit den SSI Goldbox-Spielen - egal ob Sie schon vorher PnP spielten oder nicht. Unsere ersten Abenteuer 1990/91 bestanden praktisch darin, dass unser DM die Karten von Pool of Radiance nachgezeichnet, sie mit Monster und Schätzen bestückt und eine Geschichte als Aufhänger erdacht hatte.

Wir begann also rein gamistisch. Relativ schnell machten allerdings Spieler scheinbar irrationale Sachen, z.B. (Vorsicht: Klischee!) wenn der Zwergen-PC den Elfen-NPC als Wegbegleiter ablehnte, weil ihm dieser zu "weich" erschien - obwohl für alle objektiv dies eine Verstärkung der Gruppe bedeutet hätte.

Da wir in den 90ern auch viele Kaufmodule der 2E spielten, die zu dieser Zeit ja durchaus plotorientiert waren (obwohl ja Eisenbahnen erst mit Eberron Einzug ins D&D Universum hatten :-)) kam auch immer mehr der rollenspielerische Aspekt durch. Und auch den simulationistischen Ansatz kann man nach 30 Jahren Faerun bei uns finden.

Spieler, die z.B. (Gotte behüte!) in den 90ern mit DSA sozialisiert worden sind, hatten einen ganz anderen Stil und haben erst mit den Entwicklungen der letzten Jahre zum richtigen Rollenspiel gefunden (Sarkasmus Ende).

Ich finde den von Euch verwendeten Begriff "Abenteuerspiel" sehr schön, da dieser wohl auch unseren Spielstil am Besten ausdrückt. Wir würfeln und verwenden oft Miniaturen, jedoch selten Bodenpläne (das überlassen wir gerne unserem Theatre of Mind). Wir beschreiben nicht jede Angriffssituation, spielen nicht den Einkauf beim Waffenhändler aus und betreiben kein Tavernenspiel (unsere Figuren reden nicht über Abenteuer, sondern haben sie!), dafür spielen wir Intrigen und Diplomatie aus oder die Verhandlung mit dem uralten Drachen, der uns partout nicht vorbeilassen will.

Überhaupt finde ich Entwicklung auch beim Rollenspiel wichtig. Ich möchte heute nicht mehr so spielen wie zu Zeiten der D&D Red Box, wobei ich noch heute unsere damalige Spielweise in Ordnung finde. Wir waren halt Teenager und heute alte Männer mit lichten Haar (na nicht alle).

Die Spielertheorien kenne ich auch von den damaligen Diskussionen, haben mich allerdings nie groß interessiert, denn grundsätzlich spiele ich nur mit Freunden. Auch wenn heute neue Spielerinnen oder Spieler zu uns stoßen, sind dies nie fremde Personen sondern immer Leute aus unserem erweiterten Freundeskreis. Und in einer solchen Konstellation spielen unterschiedliche Spielertypen selten eine große Rolle, weil unter Freunden ja die Situation der Konfliktlösung einfacher ist bzw. oftmals schon durch automatisches Auseinanderzugehen umschifft wird.

Zum Thema Kartenspielen: Die richtige Antwort lautet Schafkopfen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen Sonntag.

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Addon zu "Und trotzdem funktionieren diese Runden ja meistens sehr gut und lösen sich oftmals erst auf, wenn die Leute wegen Studium oder Berufseinstieg wegziehen."

Das ist ein bisschen wie bei einer Beziehung und der anfänglichen Verliebtheit. Während der ersten Jahre und Runden ist einfach mal die allgemeine Begeisterung für Pen & Paper im Vordergrund. Je länger man spielt, umso mehr kristallisieren sich die persönlichen Vorlieben heraus.
Aber auch am Anfang kann es ein Thema sein. Wenn ein Neuling mit (nicht bewussten) Tendenzen zum eher erzählerische-schauspielerischen Spiel zum Beispiel in eine Runde von Hardcore-Taktikern mit Pathfinder kommt (oder umgekehrt), kann es vorkommen, das es nicht gefällt und "Rollenspiel" dann komplett abgeschrieben wird. Dabei hätte es vielleicht nur eine andere Herangehensweise gebraucht.
Und ja, da rede ich aus Erfahrung. Ich hatte schon mehrfach Spieler:innen, die Jahre zuvor schon erste Erfahrungen gesammelt hatten, aber einfach mit der damaligen Art zu spielen nicht warm geworden sind und das Hobby deshalb nicht weiter betrieben hatten.

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Noch ein Addon: Zu dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe, mich mit Rollenspieltheorie zu beschäftigen, hatten wir bereits 9 Jahre mit der Spielrunde, einschließlich der Phileasson-Saga, Simyala-Saga, Orkkrieg und fast der ganzen 7 Gezeichneten-Kampagne hinter uns. Ich habe nur eben zu dem Zeitpunkt gemerkt, dass es noch wo hakt und in den Spieletypen dann eine Antwort gefunden.
Wir waren also wohl schon aus dem Bereich der "ersten Spielrunden" raus.

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Ich kann Dich schon verstehen, aber vermutlich sind unsere persönlichen Erfahrungen (und vielleicht auch die Erwartungshaltungen) anders.

Das Beispiel mit der "Beziehung/Verliebtheit" sehe ich auch so. Natürlich ist am Anfang alles aufregend und (vermeintlich) schlechte Eigenschaften an der Partnerin nimmt man vor lauter Glückshormone nicht war. Aber für bei den Spielrunden, an denen ich beteiligt war, stand nie so sehr der Anspruch im Raum ein "perfektes" Spielerlebnis zu haben. Ich kann hier nur interpretieren, was Du mit "dass es es noch wo hakt" meinst.

Natürlich sind bei uns auch die Spielertypen unterschiedlich, aber wir driften dann halt im Zusammenspiel eher in die Mitte. Ich will auch das unser Optimierer, der vielleicht gamistisch am einen Ende des Skala liegt, mitspielt, weil ich ihn als Menschen schätze und seine Anwesenheit mag. Genauso will er Teil der gleichen Gruppe sein. Und dies gilt auch für die anderen Spielertypen.

Ich habe etwas ein Problem damit, dass diese Theorien (die zwar wissenschaftlich klingen, aber wohl sozialwissenschaftlich nicht belegt bzw. herausgearbeitet sind) hergenommen werden für eine Spieloptimierung, die m.E. dem Hobby nie zu Gute kommt.

Das ist jetzt etwas Off-Topic: Ich erlebe immer wieder, wenn ich beim Hobbyshop meines Vertrauens Jugendliche beraten soll, die den Einstieg ins Hobby suchen (und der angestellte Rollenspielexperte nicht da ist), dass viele junge Menschen diesen unglaublichen Erwartungsdruck schon vor dem Spiel haben. Da spielen freilich vor allem die professionell produzierten Streams von PnP-Runden eine große Rolle, aber auch diese mittlerweile oft untergründig mitschwingende Frage, welches Spielerlebnis muss/will/kann ich bieten - was ist gutes Rollenspiel und welche Art von Spielerinnen und Spielern müssen wir sein?

Ich rate immer zuerst sich vier bis fünf Freunde zu suchen - Leute, die gerne miteinander etwas unternehmen. Die Wahl des Systems, des Settings etc. ist dann erstmal zweitrangig. Nichts ist schlimmer als Anfänger in eine Runde zu kommen und erstmal erklärt zu bekommen, wie man "richtig" spielen soll, dass der Elf keinen Bart haben darf und aus dieser Region kein Magier kommen kann.

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"Rad der Zeit" ... "Der erste Band ist langsam" :-D
Dann stell dich mal auf was ein, die Bücher werden immer langsamer mit immer mehr Handlungssträngen.

Das Worldbuilding ist tatsächlich super und die große Stärke der Reihe. Aber wenn dir das erste Buch schon zu langsam ist, wirst du es wahrscheinlich nicht bis zum Ende durchstehen.

Die "Gandalf-Rolle" ist übrigens Absicht. Jordan hat sich laut eigener Aussage beim Beginn stark an Herr der Ringe orientiert, um "Den Einstieg zu erleichtern". Ich bin froh, dass die Serie danach schnell an Eigenständigkeit gewinnt.


Zum Hauptthema: Eigentlich habt ihr alles gesagt und ich stimme zu :-D
Natürlich sind es immer starke Verallgemeinerungen, aber mir hat die Einteilung nach Laws (konkret die Erklärungen im von euch vorgestellten kurzen Band "Gutes Spielleiten/Good Game Mastering" von Robin D. Laws) damals wirklich die Augen geöffnet, dass es eben überhaupt unterschiedliche Ansprüche an das Spiel gibt und dadurch einige Probleme in unserer damaligen Runde zu identifizieren.
Wie ihr auch angesprochen habt, hat es mir auch geholfen, meine eigenen Ansprüche zu erkennen und auch die Veränderungen derselben im Laufe der Jahre einordnen zu können.

Und es hat auch meine Toleranz gegenüber anderen Rollenspielern und Rollenspielen verbessert. "Die wollen/brauchen/mögen halt einfach anderes als ich. Und das ist ok."
Ich schimpfe immer noch über DSA und Pathfinder, aber inzwischen hat das auch eine gewisses Augenzwinkern dabei und ich akzeptiere, dass es für andere Spieler:innen genau das richtige sein kann.

Ich erkläre das auch Neulingen sehr bald. Nicht die GNS oder die Spielertypen, aber einfach die Tatsache "Es gibt verschiedene Geschmäcker und für jeden Geschmack mindestens ein Rollenspiel. Wenn euch etwas bei dem, dass ihr gerade probiert, nicht gefällt, probiert halt mal ein anderes".

Zum aktuellen Stand: Rein theoretische Diskussionen hab ich auch nicht mehr verfolgt, aber mir kommt vor, dass es sich stärker spezialisiert.
"Was macht OSR aus, warum könnte es dir gefallen und warum nicht?", "Wie funktioniert das Spielleiten in erzählerischem RP, speziell PbtA?",...

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Zum Thema Medienvorschau möchte ich noch darauf hinweisen, dass auf Amazon Prime (katsching!) die für mich und wohl auch für viele Rollenspieler dieser Zeit unglaublich prägende englische Serie "Robin of Sherwood" frei abrufbar ist.

Nothing is forgotten.

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Ich stimme natürlich zu, dass Abgrenzung nicht das Ziel sein darf. Ich sehe aber leider nicht nur die Exklusion, sondern auch die Überinklusion. Mit dem Argument, alles wäre nur Geschmackssache, wird oft auch berechtigte Kritik weggewischt. Nur weil es nicht „die eine richtige Antwort“ gibt, heißt das nicht, jede beliebige Aussage wäre im gleichen Maße sinnvoll oder korrekt.

Gewagte These des Tages: Die Forge wurde zurecht geschlossen, denn es wurde wirklich alles gesagt.
Ich vergleiche den Stand der Rollenspieltheorie gerne mit der griechischen Philosophie: zu viel theoretische Debatte, zu wenig Empirie. Es gibt einfach Grenzen dessen, was man herausfinden kann durch rein axiomatische Überlegung. Ich bin in diesem Feld ja nun recht aktiv, aber das kann ich als Chemiker nur, weil die Szene zu klein ist, um echte Forschung zu finanzieren. Eigentlich wäre das eine Aufgabe für die empirische Psychologie, Soziologie, Verhaltensökonomie.
Die Rollenspieltheorie ist auch wirklich schlecht interdisziplinär aufgestellt. Es gibt ja durchaus empirische Forschungsergebnisse, die übertragbar wären, aber oft nicht werden. (Bspw. zum Umgang von Menschen mit Zahlen oder das Auswahlparadoxon.) Das gilt übrigens auch für nicht-empirische Wissenschaften. (Bspw. ist die Diskussion um Railroading vs. Sandboxing weitestgehend deckungsgleich mit dem Unterschied zwischen Teleologie und Kausalität in der Wissenschaftsphilosophie.)

Ich finde vielleicht auch deshalb die Spielertypen so viel nützlicher als GNS. Die sind zwar anekdotisch, aber immerhin empirisch entdeckt worden. Ich entwickle auch immer wieder weitere Spielertypen, die zumindest für mich hilfreich sein. Beispielsweise unterscheide ich zwischen Regelrichtern (Spielern, die die Regeln konsequent angewendet sehen wollen) und Regelanwälten (Spielern, die wie Anwälte nur jene Regeln angewendet sehen wollen, die ihrer Sache helfen).
Zwei Spielertypen fielen mir über die Jahre immer wieder auf, als verbalisiertes Problem erkannte ich sie aber erst durch den DorpCast: Spieler, die die Regeln aktiv lernen (oder es zumindest versuchen), und solche, die in dieser Hinsicht passiv bleiben und die Regeln kaum lernen. Ich habe noch keine guten Namen dafür, die nicht total wertend sind. Aktuell arbeite ich mit „Streber“ und „Faulenzer“, die sind wenigstens beide spöttisch. (Außerdem ist „Buttkicker“ jetzt auch nicht gerade neutral.) Als von mir erklärte Autoritäten zu diesen beiden Typen: Schlagt doch bitte Begriffe vor.

Robin D. Laws entwickelte übrigens noch eine weitere sehr gute Theorie: Der Erzähltakte. Auf Englisch finden sie sich in „Hamlet’s Hitpoints“, ich habe sie für „Kaufabenteuer verfeinern“ übersetzt. Vor allem der Kontrast zwischen prozeduralen und dramatischen Takten finde ich sehr wertvoll.

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