DORPCast 188: Wie im Film – über cinematisches Rollenspiel

Hallo zusammen!

Es gibt ja unterschiedlichste Arten, eine Rollenspiel-Geschichte aufzuziehen – von feingliedrigem Simulationismus bis hin zu einer Form, die sich mehr an der effektgeladenen Gewalt des Blockbuster-Kinos orientiert. Und eben letztere, das „cinematische“ Rollenspiel, haben sich Michael und Thomas heute als Thema einmal ausgesucht.



Die Themen-vor-dem-Thema-Front ist weiterhin ruhig, aber natürlich gibt es wie immer die Medienschau, ebenso wie weiterführende Links und Infos sowie die Timecodes zur Folge unten in den Shownotes.

Viele Grüße,
eure DORP

Episode 188: Wie im Film – über cinematisches Rollenspiel
00:00:29 Intro
00:01:10 Feedback-Schleife
00:01:58 (Keine) Themen vor dem Thema
00:02:19 Medienschau: Marvel vs. Capcom Infinte
00:05:25 Medienschau: X-Files: Cold Cases und X-Files: Stolen Lives Audible Originals
00:10:20 Medienschau: Star Trek Lower Decks
00:14:46 Medienschau: Star Wars Battlefront II: Inferno Squad
00:20:22 Zum Thema!
00:23:09 Okay, aber was ist denn 'filmisch'?
00:24:33 Eskapismus und eine Antithese zur Simulation?
00:26:26 Gibt es eine empfundene Wertigkeit zwischen Ernst und Unterhaltung im Rollenspiel?
00:27:42 Laut und aufdringlich?
00:28:24 Es kann ernste Themen behandeln, es kann Charaktermomente bieten
00:30:28 Filmische Erzählmittel jenseits des Spektakels
00:32:49 Von Hauptrollen und Kulissenstädten
00:34:44 Von Statisten und Komparsen
00:35:31 Regeln müssen das unterstützen
00:38:43 Indikator Munitions-Handhabe
00:40:48 Warum macht man das? Oder anders gefragt: Was sind unsere Präferenzen?
00:44:05 Kollaboration ist zwingend nötig?
00:45:50 Kartendecks, Aspekte u.ä. als Erzählhilfe
00:48:35 Was kann cinematisches Rollenspiel nicht?
00:50:26 Spektakel kann nicht konstant aufrecht erhalten werden
00:52:50 Sermon 3.5 – die entschleunigte Version
00:53:42 Kleiner Hinweis zum Ende: Motel ist im Druck!
00:54:02 Adieu
00:55:01 Der Nach-Teil

Aus der Medienschau
Golden, Christie: Star Wars Battlefront II: Inferno Squad
Marvel VS. Capcom Infinite
Star Trek Lowers Decks (Trailer | Amazon Prime)
X-Files Cold Cases und X-Files Stolen Lives Audible Originals (delisted und damit quasi vom Markt; die CDs gibt es noch hier und hier)

//Hinweis: Alle Amazon-Links auf dieser Seite sind Teil des Affiliate-Programms und ein Anteil des Verkaufspreises kommt der DORP zugute.

Außerdem erwähnten wir …
den Sketch zum Schrotflinte-Durchladen
Xoro: the Eifelarean (Obacht, das Ding ist alt und in Teilen … unterschiedlich gut gealtert)
Hilde und die Glocken der Amazonen

Motel im Druck
Das ging schnell – das Buch ist bereits zu haben. Beispielsweise hier, oder überall dort, wo man Bücher bestellen kann.
Die Download-Fassung gibt es aber natürlich weiterhin (und ohne Zeitlimit) hier zum Download.

//Mäzenatenschau-Musik: Dan Lebowitz – Tiptoe out the Back
//Der DORPCast gibt die Privatmeinung von Michael und Thomas wieder.

Kommentare (5)

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Hallo zusammen,

ich bin zugegebener Maßen erst vor 1 1/2 Monaten auf den Podcast aufmerksam geworden, habe in dieser Zeit aber 98% der Folgen gehört und bin total begeistert. Vor allem bin ich aber über alle MAßE beeindruckt, wie lange ihr beide schon dabei seid und es durchzieht. Ich hoffe, dass sobald kein Ende in Sicht ist

Aber zum Thema.
In dem recht neuen Pen&Paper Rollenspiel "City of Mist" ist "Film" ein wesentlicher Teil der Spielregeln:
- die Spieler und der SL definieren ein "Serien-Konzept"
- die einzelnen Kampagnen werden als "Staffeln" bezeichnet
- die Spieler haben mit ihren Charakteren "Rampenlicht", bzw. synonym "Sendezeit"
- es gibt "Filmzüge", darunter: "Erzählerischer Monolog" (zu Beginn des Spielabends, hier berichtet ein Charakter ala Film Noir in Monologform von senen Gedanken und Gefühlen bzgl. des aktuellen Handlungszeitpunktes), "Rückblende", "Zusammenschnitt" und "über den Abspann fachsimpeln" (Das Ende der Spielsitzung,

Zudem schlägt das Grundregelbuch (Spielerleiterhandbuch - meine ich zumindest) vor, dass Beschreibungen der Umgebung, der Szenerie, der Handlung so ausgeführt werden, als wären sie direkt aus einem Film entsprungen. Dabei werden auch die Kameraeinstellungen als solche beschrieben.
Etwa: "Nahaufnahme einer Hand, auf der eine Fliege sitzt. Die Hand ist alt und von Krampfadern durchzogen. Die Fliege erhebt sich. Die Kamera folgt ihr. Wir sehen einen Haufen alter Regale vollgestopft mit allerlei Trödel, den sicherlich niemand mehr braucht. Nahaufnahme einer Türglocke. Die Türe öffnet sich. Vollbild auf die Charaktere, die gerade Sams Pfandleihe betreten haben."

Meine Runde beginnt tatsächlich gerade erst "City of Mist" auszutesten. Aber ich kann mir vorstellen, dass man auf diese Weise wirklich coole Szenen kreieren kann. Zuerst dachte ich mir: Das ist sicherlich total albern. Auf der anderen Seite beginnt bei einer solchen Beschreibung in meinem Kopf tatsächlich ein viel intensiveres Kopfkino, das wirklich an Kino gemahnt, als bei Beschreibungen wie: "Ihr kommt zu Sams Pfandhaus. Sam ist ein alter Sack. Überall stehen Regale herum mit Schrott."

in dem hier Erwähnten findet der ganze cinematische Ansatz natürlich auf der Meta-Ebene statt. Allerdings hat "City of Mist" in seinem Grundgedanken (letztlich geht es um Superhelden (Inkarnationen von Mythen) in einem Film Noir-Setting) natürlich das Streben, die Charaktere echt krasse Dinge machen zu lassen ;).

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In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht auf Primetime Adventures verweisen. Ist nicht so neu aber setzt das Konzept einer Fernsehserie als Rollenspiel um.

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Bei der Einschätzung von Star Trek kann ich Scorp nur zustimmen, insbesondere auch zu The Orville.

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Mir scheint beim cinematischen Rollenspiel vor allem die explizite Absicht bedeutend zu sein – sowie Rollenspiel oft witzig ist, aber es einen Unterschied gibt zwischen D&D mit Witzen drin und Paranoia, das so gedacht ist.
Denn eigentlich ist fast alles Rollenspiel mehr oder minder cinematisch, weil wir alle Vorstellungen von der Welt haben, die nicht der Realität entsprechen und die wir aus Filmen „gelernt“ haben.
Als Chemiker kann ich zum Beispiel sagen, dass die meisten Leuten überschätzen, wie entzündbar/explosiv viele Sachen sind. Dazu kommen natürlich noch viel mehr Beispiele aus anderen Fachbereichen. (Ich habe einen ganzen Vortrag über die Darstellung von Risiken in den Medien.)

Deshalb ist es dann cinematisch, wenn man das mit Absicht macht – häufig mit einem leicht parodistischen Unterton.
Dafür kann ich Fate durchaus empfehlen: https://faterpg.de/2020/04/lichtbringers-mini-adaption-actionfilme/

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HmHmHm - ich komme ja schon zugegeben aus der Simulations-Ecke und DSA.

Cinematisches Rollenspiel würde ich anders definieren als Michael. Das muss für mich nicht das Aktion-Spektakel sein, da gute Filme gerade auch Dialoge mit Subtext (z.B: "Inglorious Basterds", aber auch klassische Kammerspiele wie "Der Tod und das Mädchen" oder "Gott des Gemetzels") gut einfangen können.Ich denke, daher lassen sich auch Dialog-Szene gut cinematisch spielen, mit spannenden oderüberraschenden Wendungen und Theatralik. Oder gute One-Liner.

Anekdotisches Beispiel:
Auf dem Kaiserball in Gareth unterhält sich der rauhe Gezeichnete/Basilisktentöter/maraskanische Meuchler Freiheitskämpfer mit einer naiven, charmanten Hofdame. Er klagt ihr all die zahllosen Leiden und die Unterdrückung seines Volkes
Hofdame [aufgeregt fächelnd] Aber was für ein Monster hat eurem Volk denn das angetan?
Gezeichneter: Kaiser Reto!

Daher sehe ich cinematisches Rollenspiel vor allem als stark narativ geprägtes Rollenspiel das einer Filminzenierung und evt. auch kondensierten Filmlogik folgt und eben nicht zwangsläufig realistisch ist. Unsere Medien-Wahrnehmung ist halt sehr Film&Serien zentriert, die wenigsten wollen ein Buchleseerlebnis "rollenspielen" Daher sind wir so empfänglich für solcherlei Rollenspiel.

Für mich privat sehe ich aber auch die beste Anwendung in Kämpfen, um diese knapp aber unterhaltsam durchführen zu können. Denn wie beim Bühnenfechten (da hat mir Jill Bearup die Augen geöffnet) ist realistische Simulation zwar schön und schnell, aber selten unterhaltsam. Gleiches gilt im LARP (auch wenn ich nicht kämpfe/spiele bzw Kämpfe bevorzugt schnell an ihr letales Ende führe). Realistische Kämpfe lassen wir im HEMA

Fate und Shadowrun: Lustigerweise genau die beiden Rollenspiele, die mich sehr reizen, die ich aber wohl in einem anderen Flow spielen würde, als sie gemeinhin gespielt werden. In Fate würde ich das PlayerEmpowerment bei Modifizierung der Hintergrundwelt eher zurückschrauben, umgekehrt Shadowrun narrativer und weniger Number-Crunch zu spielen. Auch halte ich Shawodrun für gar nicht so simulationitisch, trotz des GunPorns (den ich tatsächlich schätze ) sondern halt eher für einen fiesen gameistischen-Simulations Number-Crunch, dem Steamlining gut täte. Ich bin aber noch auf STand der Ed4 (die ich sehr mochte) und habe mir noch nicht Ed6 angeguckt.

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