DORPCast 185: Geschichtliche Geschichten

Hallo zusammen!

Viele Rollenspiele schmücken sich ja durchaus mit einem mal mehr, mal weniger von realer Geschichte inspirierten Setting, und selbst pure Fantasy steht natürlich in einer gewissen Verbindung, sowie auch nur beispielsweise Rüstungen, Schwerter, Stände oder Bräuche auftauchen, die wir unserer Historie entlehnt haben. Michael und Thomas nehmen sich heute dieses Themenfelds der „Historizität“ heute näher an – wobei gerade Michael mit seinem Hintergrund als studiertem Geschichtswissenschaftler da auch viel Herzblut mitbringt.



Bei den Themen vor dem Thema geht es mal wieder um ein Tabletop-Nebenprojekt von Michael, sowie um die Übernahme von Midgard durch Pegasus – und natürlich gibt es wie immer die Feedback-Schleife und die Medienschau, sowie weiterführende Infos, Links und Timecodes unten in den Shownotes.

Viele Grüße,
eure DORP

DORPCast 185 – Geschichtliche Geschichten
00:00:41 Intro
00:01:17 Feedback-Schleife
00:03:07 Pegasus übernimmt Midgard
00:06:49 Michael hat The Drowned Earth gelayoutet
00:08:05 Medienschau: Final Fantasy XV
00:14:32 Medienschau: Gears of War 5 – Hivebusters
00:17:32 Kingsglaive: Final Fantasy XV
00:22:35 Medienschau: Mandy
00:26:30 Zum Thema
00:28:39 Einen Einstieg finden
00:30:24 Von unfairen Maßstäben
00:31:05 Ein Hauch von Dunning-Kruger
00:32:57 Der Adel
00:34:52 Wie wichtig IST Historizität?
00:37:54 Gefühlte Geschichtlichkeit?
00:38:52 Fremde Sprache, fremde Gebräuche
00:40:15 Alle „Fakten“ bilden stets nur den aktuellen Forschungsstand ab
00:43:30 Die Löcher unserer Geschichtsschreibung sind die Tore eurer Geschichten
00:45:01 Alternate History schätzen – und erkennen
00:47:37 Während manchmal Realwelt-Erklärung in Rollenspielen sinnvoll?
00:48:48 Kleine, aber feine Details
00:50:08 Geschichte ist oft viel, viel seltsamer, als man sich ausdenken könnte
00:50:35 Historie kann einer coolen Geschichte aber auch im Wege stehen
00:51:23 In der Actionfilm-Realität vieler Rollenspiele sind Konsequenzen weniger willkürlich
00:52:43 Religiösität
00:53:48 Frauenrechte
00:54:39 Hamilton
00:57:00 Jede historische Darstellung basiert auf einer Interpretation
00:58:24 Rollenspiel als Chance zur Reflexion
01:00:31 Noch zwei Webtipps
01:01:45 Ein Fazit?
01:03:14 Sermon 3.6
01:03:59 Adieu
01:04:45 Der Nach-Teil

Aus der Medienschau
Final Fantasy XV – Royal Edition
Final Fantasy XV – Kingsglaive
Gears 5 – Hivebusters
Mandy

//Hinweis: Alle Amazon-Links auf dieser Seite sind Teil des Affiliate-Programms und ein Anteil des Verkaufspreises kommt der DORP zugute.

Außerdem erwähnten wir …
Midgard ab 2024 bei Pegasus
Michael hat das deutsche The Drowned Earth gelayoutet (Ja, das sieht total vertrauenswürdig und offiziell aus, wissen wir.)

Weitere Links zum Hauptthema
  • Der von Michael so stark gelobte Kanal Kaptorga auf YouTube und im Netz
  • Thomas empfiehlt am Ende noch Bernadette Banner und Jill Bearup
    Wer sich für den einst geplanten Suez-Parallel-Kanal und die Atombomben interessiert: hier entlang
  • Konrad von Megenbergs Buch der Natur findet ihr hier z.B. im Klartext und hier als Digitalisat
  • Was die Lovecraft-Däniken-Verbindung betrifft: Dänikens „Erinnerungen an die Zukunft“ verweist u.a. auf das ursorünglich französische Buch „Le Matin des Magiciens“ von Louis Pauwels und Jacques Bergier, und das wiederum ist zu nah an einigen Werken Lovecrafts, um Zufall zu sein. Ich hatte keine Zeit mehr, die exakte Stelle rauszusuchen, aber die fragliche, erwähnte Folge vom Stay-Forever-Podcast ist jene hier.
  • Die erwähnte Fernsehserie Chernobyl gibt es hier, den zugehörigen Podcast hier.
  • Der erwähnte Börsencrash-Film mit dem proaktiven Beiseitesprechen, The Big Short, ist hier zu haben.
  • Und an schamloser Eigenwerbung: Thomas' erwähntes Cthulhu-Abenteuer mit Kafka-Bezug ist Das Lodern unter der Stadt und im nur noch digital verfügbaren Band Prag – Die goldene Stadt zu finden. Thomas' erwähnter Roman ist Verdorbene Asche und überall zu kaufen, wo es Bücher gibt.

//Mäzenatenschau-Musik: Dan Lebowitz – Tiptoe out the Back
//Der DORPCast gibt die Privatmeinung von Michael und Thomas wieder.

Kommentare (13)

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Was bei mir noch hängen geblieben ist, war das Fremdeln heutiger Personen mit dem Religionsverständnis historischer Menschen. Wobei historisch hier nicht unbedingt 1000 Jahre und mehr gemeint sind. Thomas Beispiel mit dem Weihwasserbecken neben dem Eingang gibt da bereits einen recht zeitnahen Hinweis.

Wir können uns zwar Handeln und Verhalten abschauen und simulieren. Aber Religion beruht zu einem gewissen Teil auch auf Glauben. Das ist von außen nicht ganz einfach zu erfassen und damit noch schwieriger wiederum selbst zu emulieren.
Im Endeffekt spielen wir fast alle heutige Menschen, die kostümiert in ein interaktives Schauspiel eintreten ohne die dargestellten Figuren wirklich verstehen zu können. Gerade für Priester, Geweihte, Kleriker etc. kann das schnell hohl und unbefriedigend werden.

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Das ist genau der Grund, warum ich kaum P&P Priester aber seit nahezu 20 Jahren einen LARP-Priester, bevorzugt im eigenen Landeshintergrund bespiele. Darstellung und Kontext, auch im Sinne von Textur ist da einfach anders.
Umgekehrt bin ich als religiöser Naturwissenschaftler immer wieder entsetzt wie mehr als 2000 Jahre Theologie und Religionsphilosophie unbekannt sind oder ignoriert werden.

Von daher kann ich aus meinem persönlichen Glauben sehr viel für eine fiktive Religion ziehen, die anders ist. Eine gute eher agnostische Freundlin bespielt z.B. als Priesterin mit Inbrunst einen Glauben, von dem sie OT weis, dass er ziemlich banane ist.

Und dennoch können wir im Spiel vortreffliche theologisieren und kooperieren.

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Großartige Folge. Danke auch für die Verweise auf die tollten YouTube-Kanäle. Da habe ich gleich neues Material, das ich neben der Hausarbeit hören kann. :-)

Ich war überrascht, wie wenig ihr auf die fiktionale Historie eingingt, die gerade das deutsche Cthulhu auszeichnet. Wenn ich an die Kampagne „Auf den Inseln“ denke, die sogar die örtlichen Vereine und deren Tätigkeiten in den 1920ern aufdröselt…
Die Aussage mit der Kindersterblichkeit finde ich allerdings fragwürdig. Selbst in Jäger-Sammler-Gesellschaften liegen Kindersterblichkeitsraten bei mindestens 25 %. Und dazu noch der Sterbeüberschuss von Städten… Die waren schon echt hoch im Mittelalter.

Meine Frau ist Historikerin und amüsiert sich regelmäßig darüber, wie Fäntelalter die Geschichte darstellt.
Zu Ehren meiner Frau daher hier Lichtbringers kurzes Quiz zum Mittelalter.
1) Was war das wichtigste Zahlungsmittel für den mittelalterlichen Händler?
2) Wie viel Geld hatte ein hoher Adeliger auf dem „Konto“?
3) Was für Leute spielten mit Spielkarten?
4) Welche Gestalt dachte man, hätte die Erde?
5) Wie wichtig war es, jungfräulich in die Ehe zu gehen?
6) Wie sah die traditionelle Familie aus?
7) Wie entflammbar war Lampenöl?

Antworten:
1) Zahlungsversprechen. Silber und Gold sind sehr schwer. (Gold ist ca. 70 % schwerer als Blei.) Wann immer möglich kamen Wechsel oder Schuldscheine zum Einsatz.
(Dafür war es für einen Händler wichtig, einen guten Ruf zu haben. Schuldscheine basieren ja auf dem Vertrauen, dass derjenige auch zahlen kann. Vielleicht verwenden SCs deshalb immer Bargeld. Ich würde dem typischen SC auch nicht über den Weg trauen.)
2) Keins. Die meisten Adeligen waren chronisch pleite und verschuldet (wie heutige Regierungen). Deshalb konnte Städte so viele Freiheitsrechte erlangen. Die Städter liehen dem Landesherren Geld, von dem sie wussten, dass er es nicht zurückzahlen könnte. Wenn er säumig wurde, wurde ihm die Schuld gegen Privilegien erlassen.
3) Nur reiche Leute spielten mit Karten. Spielkarten waren sehr beliebt, aber vor der industriellen Fertigung waren sie ein Luxusgut. Arme Leute in Tavernen spielten nicht Karten, sondern Würfel. Was natürlich besonders seltsam ist, weil wir im Rollenspiel oft mit Würfeln die Karten in der Spielwelt emulieren, die von Anfang an Würfel hätten sein sollen. (Ich vermute, die Verbreitung von Kartenspielen im Rollenspiel kommt daher, dass Amerikaner an den Wilden Westen denken, wenn sie sich das Mittelalter vorstellen wollen.)
4) Die Kugelgestalt der Erde war seit der Antike allgemein bekannt.
5) Über die Sexualmoral eines ganzen Kontinents über Jahrhunderte hinweg kann man eh keine allgemeinen Aussagen treffen. Aber mal als Gegenpol zum Klischee: Es gab auch Kulturen im Mittelalter, die ehrlich glaubten, Ehe sei dazu da, Kinder hervorzubringen. Für die war das nicht nur ein politisches Scheinargument, die dachten das wirklich. Deshalb heiratete außerhalb von politischen Hochzeiten niemand eine Jungfrau – da weiß man ja gar nicht, ob das mit den Kindern klappt. Ein Paar hatte erst ein, zwei Kinder. Und wenn die groß genug waren, das man sah, dass das klappen könnte, dann wurde geheiratet.
6) Vom Anbeginn der Menschheit bis zur Industriellen Revolution hatte eine gesunde Familie zwischen 100 und 150 Mitgliedern. In Städten gab es aber fast keine gesunden Familien. Aufgrund der Übersterblichkeit in Städten (wegen Seuchen, Kriegen, Hungersnöten und horrender hygienischer Bedingungen starben in Städten mehr Leute, als geboren wurden) gab es dort vor allem Patchwork-Familien. (Weil Städter viel mehr Schriften hinterließen, entsteht hier oft ein falscher Eindruck.)
7) Ohne Docht brannte Lampenöl praktisch gar nicht. Heute ist Lampenöl manchmal entzündbar. Weil kaum jemand es kauft, ist es heute ein Nebenprodukt der Erdöldestillation. Aber mittelalterliches Lampenöl konnte man ohne Docht ungefähr so gut anzünden wie Kerzenwachs. Die Leute lebten in Holzhäusern. Natürlich hatten die keine entzündbaren Flüssigkeiten herumliegen.

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Also ohne groß drüber nachgedacht zu haben: meine Spielgruppen haben in der Spielrealität immer gewürfelt. Auch die Idee, da Karten zu spielen kam nie jemand. Würfel hatte man ja schon in der Hand

Sexualmoral: Effektiv steckt uns da die bürgerliche Moral des 19. Jhr in den Knochen, inklusive der romatischen Vorstellung von Liebe. Das wurde vorher im Rokoko noch ganz anders gesehen

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Hallo zusammen,

so wird ja mal wieder Zeit. Mir schießen mal wieder so viele Gedanken durch den Kopf das ich hoffe das ich sie Sortiert bekomme. Also zu Filmen die vorgeben sie wären Historisch - schwierg. Dazu muss man sich vorher Gedanken machen, wer war der Drehbuchautor und welchen Bezug hat er zu den Historischen begegebenheiten? Die meisten Filme wie z.b. Braveheart kommen aus Amerika, in der heutigen wie damaligen Zeit werden wenige Amerikaner Kulturell gesehen einen Bezug zu Schottischer Geschichte haben. Also welchen Anspruch hat man an den Film? Will man einen Historisch korrekten Film, oder eine spannende Geschichte mit etwas "Historischem" Schauplatz? Ich denke bei vielen Unterhaltungs Filmen wird die spannende Geschichte im Vordergrund stehen. Außnahme vielleicht der Name der Rose? Wer im übrigen mal einen Film aus diesem Genre sehen möchte der richtig schlecht war dem lege ich Druids ans Herz. Natürlich wäre es schöner wenn dabei nicht falsche Vorstellungen erweckt würden, aber man muss eben dem mündigen Zuschauer auch zugestehen das er sich selbst Informieren kann ob das so gewesen sein könnte? Wenn man intresse an dem Thema hat steht einem heute jedes Tor der Informations beschaffung offen. Das war 1995 jetzt noch nicht so, aber auch da gab es Dokumentationen aber selbst da gibt es ja immer ein gewisses Risko das sich immer noch gestritten wird ob das nun so war oder nicht. Ich bin nicht sicher wieviele Dokus ich z.b. zur Varusschlacht gesehen habe und wieviele dort nur Spekuliert wurde. Die frage ist halt immer mit welcher Erwartungshaltung geht man an den Film? Die lustigste Geschichte haben wir damals mit 300 erlebt, wir bekamen genau das was wir erwartet hatten und kamen feiernd aus dem Kino - mein Vater hatte sich nicht richtig Informiert und erwartet so etwas wie Ben Hur, die Kraftausdrücke für 300 haben uns köstlich amüsiert^^. Vikings hab ich nach 2 Folgen nicht mehr weiter geschaut weil ich die Story ziemlich naja langweilig fand.

Aber zum Rollenspiel - ich bin gespalten. Auf der einen Seite geht das für mich in die Richtung der realismus Debatte an der ich an anderer Stelle ja schon sagte das ich da nicht sehr viel davon halten würde. Auf der anderen Seite haben natürlich die meisten Settings einen Bezug auf die Geschichte der Erde. Und deswegen ist es mir auch aufgefallen, manche Settings haben das nicht und die fallen mir extrem schwer mir Vorzustellen.Ich liebe alternative Geschichte wie die von Hexxen oder andern Szenarien, solange es nicht zu Distopisch wird. Und natürlich mag ich es auch wenn man etwas dazu lernt im Rollenspiel - ich fand die Runde Chutullu auf der Dracon nicht nur wegen der ruhe des Spielleiters beeindruckend sondern auch wegen dem Hintergrund Wissen des Spielleiters, allerdings kommt es da stark darauf an wie es rüber gebracht wird. Wenn jetzt der SL und eine Spielerin Angefangen hätten da über Details zu Diskutieren ( wie ich leider schon öfter in sehr Mittelalterlich oder sollte ich sagen Rittertum wobei das ja auch nicht richtig ist - ähm, sagen wir frühmittelalterlichen Kavallerie gebrägten Umfeldern) erlebt habe - dann ödet mich das an, den das ist nicht mein primärziel beim Rpg darüber zu Siniren was jetzt richtig und was falsch ist. Ich denke das viele unserer heutigen Vorstellungen stark Romatisiert sind. Zudem sind meiner Meinung nach in unserer Modernen Welt manche Dinge einfach nicht zu erfassen da wir einfach schlichtweg nicht verstehen wie es ist, da wir die Situation in unserem jetztigen Leben nicht verstehen können. Zum beispiel das kurz angerissene Frauenbild ( nein nicht im Mittelater ;-) ) das muss man im Rollenspiel meiner Meinung nach Ausblenden, gerade wenn es um das frühe 20zigste Jahundert geht. Also das kann man machen, muss dann aber damit rechnen wenn man es "richtig" Spielen will den ganzen Abend in seinem Zimmer zu zu brigen, oder wie ich damals als Pflegerin des im Rollstuhl sitzenden Professors. Also das muss man wollen. Mal davon abgesehen was es jetzt immer noch für Wellen wirft sobald das Thema Angesprochen wird egal in welchem Kontext. Aber zurück zum Thema, ich kann natürlich aber auch irgendwie verstehen das wenn man selbst etwas Ahnug von dem Thema hat gewisse Dinge nicht so im Raum stehen lassen kann, aber ernsthaft wieviele Pferde hätten dann schon das weite gesucht in sämtlichen Situationen? ;-) Das war so eine Folge bei der ich gerne mit euch am Tisch gesessen hätte und außerhalb eines Rpgs mit euch darüber gequatscht hätte. Und Gate Keeper sind immer doof! "Ähhhh das ist aber nicht Authenisch" - "Junge, solange du auf dem Dixi Kacken gehst - lass mich bloß in ruhe damit"



Liebe Grüße
Morgi

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Zum Thema Midgard, da dies bei Euch ja ein blinder Fleck zu sein scheint:

Ich habe Midgard nur in den 90ern als Zweitsystem gespielt, aber wenn ich die Regelbox von Kleespiele mit den damaligen Systemen (AD&D 2nd Edition, DSA2) ist Midgard systemisch schon meilenweit überlegen.

Von dem praktisch klassenlosen Kaufsystem für Talente, dem Kampfsystem mit Lebens- und Ausdauerpunkten bis zu den Mechaniken (praktisch das jetzige d20-System) ist das für damaligen Zeit schon sehr modern und ausgereift. Und im Gegensatz zu anderen "komplexen" Rollenspiel der damaligen Zeit kann man das Spiel auch so spielen.

Außerdem hat Midgard mit die besten Abenteuer der damaligen Zeit. "Die Rache des Frosthexers" hat gleich am Anfang einen Twist, der wirklich großartig ist und "Smaskrifter" ist m.E. einfach genial.

Ich glaube aber das es schwierig ist, sich über die Spielwelt zu nähern.

Midgard lebt von einer - passend zum Thema der letzten Episode historisch ausgereiften Hintergrundgeschichte (GoT's Valyria läßt grüßen) - ist allerdings nicht lebendig und hat viele weiße Flecken. Aber genau das hat freilich auch seinen Reiz, da gefühlt nicht alle zwei Jahre eine neue Katastrophe ausbricht.

Außerdem ist der erste Weltenband erst vor zwei Jahren erschienen, vorher gab es nur einzelne Regionalbände.

Midgard wurde und wird aber halt von Leuten gemacht, die beruflich nicht davon leben müssen. Deshalb ist der Produktausstoß immer gering gewesen.

Dafür hat Midgard eine durchaus lebendige und treue Anhängerschaft. Ich kenne Gruppen bei uns in der Nähe, die bereits seit den 80ern zusammen spielen.

Außerdem erscheint mir Midgard sehr regional verankert. Zumindest in den 90ern war Midgard in Unterfranken, Rhein-Main-Gebiet, Teile Süddeutschlands gefühlt das meist gespielte System.

Ich habe Midgard immer für sein kohärentes Spielsystem, seine wenigen, aber dafür gut geschriebenen Produkten immer bewundert, obwohl es nie meine Nummer Eins war.

Und für die Midgard-Experten: Ich liebte die Aufteilung in AEP, KEP und ZEP, weil sich meine Figur immer organisch entwickelt anfühlte. Aber ich bin auch Beamter und liebe Buchhaltung ...

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Hui - so ein interessantes Thema und noch kein Kommentar? Bisher neben den Userfragen der beste DorpCast des Jahres!
Auch wenn ihr im Podcast betonen müsst, das ihr ja eigentlich ein Rollenspielpodcast ist, finde ich es hier wichtig und interessant sich eben nicht nur auf das Rollenspiel zu fokussieren. Denn mir ist eigentlich kein Rollenspiel bekannt, welches historische Simulation als erklärtes Ziel hat

Erst Mal danke für den Tipp mit Kaptorga, muss ich mir wohl näher angucken. Jill Bearup ist auch schon mehrmals in meinen Youtube Vorschlägen aufgetaucht - primär wegen ihrer uralten Firefly-Videos und anderen HEMA Vorschlägen. Leider fokussiert sie sich sehr auf das Bühnenfechten, was aber einen sehr viel interessanten Blickwinkel auf Filmkampfszenen wirft, als das ewig nölige HEMA "Des iss sooo aber nicht korrekt/realistisch...)

Ich selbst bin kein Historiker- ich bin nur historisch interessiert und durch einen LARP-Verein abgehärtet, der von Geschichtslehrern und Historikern geprägt wurde. Und schreibe mäßige Blogartikel über historisches Wargaming und Möchtegern-Historiker https://www.magabotato.de/2020/01/worte-der-woche-macht-mich-wargaming-zu-einem-besseren-historiker/
Gerade einige der sinnvolleren Regelwerke im Hist. Wargaming versuchen ja gerade nicht historische Konflikte 1:1 nachzubilden, sondern arbeiten mit "periode feeling" und historischen Karikaturen.
Ich denk, dass ist auch genau der Sweetspot im Rollenspiel - Geschichte als Anregung zu nehmen, aber eben nicht zu ernst zu nehmen. Das ist eben auch und gerade ein guter Ansatz ans "romantische Fäntelalter"-LARP.
Gerade als Heiler und Gelehrtenspieler bin ich hier sehr froh darüber, das Dinge eben nicht hart historisch sind, aber versuche an vielen Punkte auch nicht zu modern zu denken (Gerade was Stand, Rechte, Infinitisimalkalkül o.ä. angeht). Da bin ich z.B. sehr glücklich über die "gute Heilluft", die Kämpfern auch erlaubt regelmäßig ihr bevorzugtes Spiel auszuüben, aber uns Heilern auch erlaubt "Unfälle" wie Wundbrand anzuspielen. Wenn man das erste Mal eine generalisierte Sepsis ernsthaft und kreativ kuriert hat, fühlt man sich schon toll. Gerade wenn man weis, wie schwer sich damit noch die heutige Intensivmedizin tun....

Unterhaltung vs.Historizität vs. "Bilder die im Kopf bleiben"
Manchmal wäre schön, wenn bei Filmen/Medien da ein Disclaimer stehen würde, wie "Nicht alles was wir hier tun ist 100% historisch" oder "Wir haben uns bemüht möglichst viele Dinge historisch akurat abzubilden - das kann verstörend wirken" anstatt Achtlosigkeit oder Geschichtsklitterung zu betreiben.
So konnte ich die Kontroverse um den Marie Stuart Film 2018 nicht nachvollziehen, verstehe aber warum "Tora Tora Tora" für einige interessanter ist als "Pearl Habour".
Leider musste ich an diesem Punkt dann mit dem mir eigentlich sehr sympatischen Kanal "History Buffs" brechen, nach dem er anfing wirklich kleinlich (Nitpicking) die "Elisabeth" Filme von Shehkar Kapur auseinander zu nehmen. Man sollte sie eben nicht als historische Dokumentation verstehen, sehr wohl aber als Filme, welche Interesse an der hist. Periode wecken können. Mit dem Sezieren von "From Hell" einer Verfilmung des Alan Moore Comics schoss er dann für mich den Vogel ab....

Historische Missverständnisse aufklären: Gebe ich zu - ist mir ein dringliches Bedürfnis als Klugkoter. Auch wenn ich noch viel über die Karolingische Renaissance oder die Länge des Frühmittelalters und wie unterschiedlich das verlief zu lernen habe. Oder wisst ihr aus dem Stegreif etwas mit dem Königreich Strathclyde anzufangen.

Dunning-Kruger ist halt zugleich Fluch und Segen - im Sinne von "Unwissenheit ist manchmal ein Segen"
Denn dumm stellen kann ich mich halt häufig nicht mehr

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Im Endeffekt müssen immer nur die richtigen Leute zusammenfinden, völlig egal, wie wahrscheinlich deren Zusammentreffen innerhalb der Szene ist. Es gibt ja auch Leute, die an reinem historischem Reenactment Spaß haben. Und ich werde mich hüten, diesen dann sagen zu wollen, dass sie auf die falsche Art Spaß haben.
Ich meine, es soll ja sogar Leute geben, die glauben, dass Schlager nicht die reine Gehörgangsvergewaltigung, sondern ein Musikgenre wäre. Natürlich ist das völlig absurd, aber ich muss zähneknirschend dennoch akzeptieren, dass die bei einem Helene-Fischer-Konzert ihren Spaß haben und daran per se nix falsch ist. Metaphorisch gesprochen: So lange die Kinderchen mich nicht in ihrer Sandburg einkerkern wollen, sehe ich keinen Grund dafür, diese kaputt zu machen.

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Kann ich tatsächlich so vollständig unterscheiben. Auch das nicht immer ironische DSA-Bashing
Meine Begeisterung für die Folge kommt auch nicht vom Rollenspiel, sondern vom Historischen Interesse.

Historische Recherche bei Vampire Dark Ages hilft auch nicht, wenn der Rest der Gruppe und vor allem der Erzähler nicht so Interesse daran hat.
ich habe mich damals für meinen "Schwarzen Ritter" und seine VAmpir-Mentorin/Minneherrin sehr in das Thema und den Konflikt zwischen Kaiser und Papst eingearbeitete. An Ende war es dann irrelecant

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Huhu,

"Historische Recherche bei Vampire Dark Ages hilft auch nicht, wenn der Rest der Gruppe und vor allem der Erzähler nicht so Interesse daran hat."
Gut, klar. Das ist halt die Vorraussetzung die man haben muss, damit es für die Gruppe relevant wird/werden kann.

"An Ende war es dann irrelecant "
Wie gefühlt 80-90% der Hintergrundgeschichten der Charaktere für den eigentlichen Plot.

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