DORPCast 183: Nachgeschenkt in kleine Tassen (Kaffeeklatsch No. 11)

Hallo zusammen!

Es ist mal wieder Zeit für einen frisch gebrühten Kaffeeklatsch! Und da in der Szene weiterhin pandemiebedingt viel Stillstand herrscht, haben sich Michael und Thomas noch mal einige der Hörer-Themenwünsche herausgesucht, die wert sind, besprochen zu werden, aber vermutlich keine ganze Folge füllen würden.



Davor gibt es wieder einmal ein paar kleine Themen vor dem Thema, die gewohnte Medienschau, und wie immer findet ihr die Timecodes, weiterführende Links und Infos unten in den Shownotes!

Viele Grüße,
eure DORP


Episode 183: Nachgeschenkt in kleine Tassen (Kaffeeklatsch No. 11)
00:00:37 Intro
00:02:00 Feedback-Schleife
00:03:43 Ein neuer Morgen steht bevor
00:05:05 Die DORP goes Discord
00:07:52 Scorp hat die Tabletop-„One Page Rules“ übersetzt
00:09:47 Medienschau: The Nevers
00:14:44 Medienschau: The Division
00:19:12 Medienschau: The New Mutants
00:24:00 Medienschau: Garth Garth Marenghi's Darkplace
00:29:31 Wie wir den DORPCast machen
00:34:31 Über den Umgang von OT-Konflikten in der Rollenspielrunde
00:39:40 Vom Spiel mit dem oder der Ex
00:41:59 Spielen wir beide heute anders als früher?
00:49:18 Rollenspiele sammeln und das Problem mit dem Platz
00:54:04 Von Kommerz-Feindlichkeit in der Rollenspiel-Szene
01:04:40 Sermon 3.5
01:05:24 Adieu!

Aus der Medienschau
Garth Marenghi's Darkplace
The Divison
The Nevers
The New Mutants

//Hinweis: Amazon-Links sind Teil des Affiliate-Programms und ein Anteil des Verkaufspreises kommt der DORP zugute.

Unseren neuen T-Shirt-Spot …
… könnt ihr euch hier auf YouTube anschauen

Habemus Discord!
… und hier entlang geht es dort hin.

Michaels Übersetzungen der Age-of-Fantasy-„One Page Rules“ …
… findet ihr alle hier

Und ein ganzer Fundus Selbstkorrekturen:
- Laura Donnelly spielt nicht in Vikings, sondern in Outlander
- Short Music for Short People hat Lieder von 101 Interpreten mit je 30 Sekunden Lauflänge
- Michael hat keinen Knackschutz, sondern einen Popschutz am Mikro

//Mäzenatenschau-Musik: Dan Lebowitz – Tiptoe out the Back
//Der DORPCast gibt die Privatmeinung von Michael und Thomas wieder.

Kommentare (21)

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Super interessante Themen, die Ihr angesprochen habt.

Zum Thema OT-Konflikte:
Meine Spielrunde besteht im Kern aus Leuten, die ich seit meiner Schul- oder Studienzeit kenne. Wir waren also zuerst befreundet und danach sind wir zusammen mit Schwert und Schild auf Abenteuer gezogen. Deshalb ist es für mich immer faszinierend, wenn ich solche soziale Probleme, die ins Rollenspiel überschwappen, sehe oder davon höre.
Sicherlich ist auch von Vorteil, dass unsere Frauen/Lebensgefährtinnen alle mal vereinzelt mitgespielt haben, um zu sehen, was wir da so machen, aber dann höflich und interessiert sich anderen Hobbies gewidmet haben - und die einzigen beiden langfristigen Mitspielerinnen andere Männergeschmäcker haben.

Zum Thema Rollenspiele sammeln:
Nach 35 Jahren hätte sich auch bei mir angesammelt. Deshalb hab ich irgendwann beschlossen, dass ich neben D&D nur Produkte sammle und behalte, die ich selber gespielt habe oder aus irgendwelchen anderen Gründen interessant finde. Deshalb habe ich z.B. alle DSA1- und Midgard3-Sachen, DSA2-Bücher, die ich mal gekauft habe, wurden irgendwann entsorgt. Den Festungsband zu Harnmaster (kann man für alle Fantasy-Systeme als idealen Steinbruch benutzen), den erst erschienen Midgard-Weltenband (erster Weltenband zu Midgard überhaupt) habe ich behalten, weil sie als Schlaglichter einen Nutzen für mich haben.
Außerdem: Denkt doch bitte einmal jemand an die Kinder! Im Ernst: Irgendwann sind wir weg und unsere Kinder müssen schmerzhaft entscheiden, was wegkommt oder als Erinnerung bleibt. Eine gut geführte Rollenspielsammlung bleibt da eher im Familienbesitz.

Zum Thema Kommerz:
Ich denke es hängt vor allem damit zusammen, dass Rollenspieler mittlerweile politisch eher links sind. Nach meiner Wahrnehmung ist das tatsächlich eine Veränderung in der Spielerstruktur. Die früheren Rollenspieler kamen ja über die War Games und da haben sich schon - wie soll ich es sagen - politisch durchaus fragwürdige Gestalten rumgetrieben. Ich kann mich noch ganz gut auf War Games-Treffen über Diskussionen über deutsche Panzereinheiten und Panzerführer erinnern, die man heute zurecht so nicht mehr führen würde.
In den USA sind auch m.E. der größte Teil eher links/progressiv/alternativ, aber man sieht dort halt, dass die generelle Kapitalismuskritik dort in diesem Milieu nicht so stark verankert ist.
Ich lese auch immer Kritik über Ulisses, aber als deutscher Rollenspieler, der deutschsprachige (übersetzte) Produkte haben möchte, ist der Verlag schon eigentlich ein Glücksgriff.
Dazu kommt die Frage, von welchen Rollenspieler diese Kritik kommt: Mittlerweile gibt es ja einen hohen Anteil von älteren Spielern, für die Produkte für 100 € kein Hemmnis darstellen und den Preis durch ihre Nachfrage nach hochwertigen Produkten nach oben treiben. Man muss sich nur mal die Veränderung bei den Illustrationen bei Rollenspielprodukten ansehen.

So - das ist viel zu lesen, aber ist ja Sonntag, da sollte genug Zeit sein.

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@Sammlung: Die Generationenweitergabe ist ein interessanter Aspekt der jeweiligen Sammlung. Ich habe ja vor ein paar Jahren ja auch für den Sohn meiner Vermieterin Rollenspiel geleitet, die sich das Hobby selbst mit den AD&D Boxen der Väter beigebracht hatten, die im Schrank standen. Ich bin aber unsicher, wie reproduzierbar das für kommende Generationen ist, die viel eher in der shared content Welt mit Abos und Streams aufwachsen, in denen Zugriff relevanter ist als besitzen.

@Kommerz und Kultur: Meiner Erfahrung mit den amerikanischen Spielern ist geteilt, da die klassische Szene in den USA im Schnitt zehn Jahr älter als die Deutsche ist und einen SIGNIFIKANTEN Anteil von Ex-Militärs hat. Die neuere Generation, die in den letzten Jahren mit Youtube-Videos und D&D5 zum Hobby gekommen sind, haben einen ganz anderen Hintergrund, was auch zu den Zusammenstößen auf politscher bzw. Ebenen der Weltanschauung zeigt oder den Themen, die sie in den Spielen sehen wollen. Insgesamt ist die Anerkennung von Unternehmertum und wirtschaftlichem Erfolg in der älteren Generation meiner Erfahrung nach sehr deutlich, während die jüngeren Spieler weniger durch linksliberale Wirtschaftsthemen und soziale Klassen geprägt sind, als durch die Trinität von sexueller Identität, Ethnie und Kultur.

@Zielgruppen: Rollenspiele in den 80ern hatten halt die zigfachen Auflagen von heute, obwohl wir uns eher noch in einer Boom-Zeit vergleichen mit der Zeit von vor zehn oder zwölf Jahren befinden. Rollenspiele waren für größere Spieleverlag interessant, weil diese Bücher teilweise wirklich schnell zusammengehauen werden konnten (der Spieler übernimmt ja einen guten Teil der Arbeit ...) und selbst die Übersetzer und Autoren besser bezahlt wurden. Der Qualitätssprung der Rollenspiele in Verarbeitung und Gestaltung seit zwanzig Jahren hat jedoch nicht zu einer Explosion der Preise geführt. Das führt zusammen mit den niedrigeren Auflagen natürlich auch zu weniger Geld für alle Schaffenden. Die Kritik an der Entlohnung kommt allerdings vor allem aus Kreisen, denen es wirtschaftlich recht gut geht. Aber Reichtum kritisiert man ja auch am bequemsten aus Wohlstand heraus. Die Crowdfundings zeigen ja auch, dass es viele Leute mit ausreichend Kaufkraft gibt, die man mit diesen Projekten abholen kann und die einfach auch den anderen Umschlag wollen. Das Problem ist hier aber wieder, dass die Rendite eher kommt, wenn man wenige Produkte mit geringem Aufwand sehr häufig verkauft, als sehr viele Produkte mit entsprechend hohem Aufwand und bei jedem dann wenig verdient. Wenn wir das erste irgendwie schaffen könnten, würde auch mehr kleben bleiben.

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Großartige Folge. Vor allem der letzte Punkt gefiel mir sehr. Ist ein witziger Zufall, dass ihr den gerade jetzt bringt. Ich werde auf dem NordcOnline einen Vortrag namens „5 gewagte Thesen zum Rollenspiel“ halten, in dem ich auch auf diese Frage eingehe. Da verweise ich auch explizit auf den DorpCast als weiterführende Lektüre. Das Video ist schon seit Tagen aufgenommen. Wirklich passender Zeitpunkt also.
Einen Punkt, den ich hinzufügen würde, wäre, dass in unserer Gesellschaft man ja tendenziell umso weniger verdient, je mehr man für andere Leute tut. Krankenpfleger kriegen nicht annährend so viel wie Desasterkapitalisten, Kindergärtner und Lehrer nicht annährend so viel wie Banker. Es gibt jede Menge freiwillige Feuerwehr, die also ehrenamtlich sind, aber ein freiwilliger Steuervermeidungsfachmensch wäre mir noch nie untergekommen. (David Graeber führt das in „Bullshit Jobs“ sehr schön aus. Der ist zwar teilweise mMn zu weit links, aber seine deskriptive Beschreibung des Phänomens sind sehr lesenswert. Definitive Empfehlung.)
Insofern wundert mich die Einstellung gar nicht, wer mit Rollenspielen Leute glücklich mache, solle dafür nicht auch noch viel Geld kriegen. Das ist die ganze Perversion unserer Gesellschaft in einem Satz. Man bekommt viel Geld gerade als Anreiz um etwas zu tun, wovon man weiß, das man damit wenig Leuten hilft oder ihnen gar schadet.

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Wobei ein politischer Diskurs so wie hier - für das Internet atypisch zivil geführt - nie schadet
Ich wollte auch nicht dezidiert differenziert schreiben, sondern auch mal die andere Sicht zeigen. Und die muß auch berücksichtigt werden, wenn die Gesellschaft nicht auseinandertriften soll.
Mich störte eigentlich am Begriff des "Endgame des Kapitalismus" dieses defätistische. Die Leute sind (vielleicht zu recht!) unzufrieden und ersehnen deshalb schon fast eine göttliche, aber zumindest eher urgewaltige Umwälzung, an deren Ende sich kosmisch alles zusammenfügen. Aber die Menschen sind danach immer noch die gleichen. Marktgesetze funktionieren leider auch in allen Wirtschaftsordnungen.
Mir ist das eine zu passive Sichtweise.
Ich suche lieber aktiv Lösungen und Träume nicht, daß die Utopie morgen von selbst anklopft.
Aber was das alles mit unserem schönen Hobby zu tun ... Ich weiß es auch nicht mehr

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Ganz grundsätzlich bin ich politischen Diskussionen (zumal wenn sie - wie du richtig anmerkst - den obligatorischen Schlammschlacht-Faktor so gering halten wie hier) alles andere als abgeneigt und würde sagen, dass "die Leute"(tm) im Allgemeinen einen viel zu großen Bogen um solche machen, gerne kombiniert mit hanebüchenem Unsinn der Marke "Politik hat in meinem Hobby nix verloren". Dennoch scheint mir dies hier nicht der richtige Ort, um diese spezifische Diskussion weiter zu vertiefen. Die grundlegenden Positionen haben wir ja eigentlich gut dargelegt, finde ich, und für valide befunden - das nun weiter aufzulösen, würde mehr Raum einnehmen, als ich in dieser Kommenarstektion für sinnvoll erachte.

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Yep, da war tatsächlich etwas im Spam gelandet, sollte jetzt aber freigeschaltet sein.

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Die Kommerzfeindlichkeit würde ich weniger als ein Rollenspielszenen-spezifisches Phänomen betrachten, als vielmehr als ein allgemeines "Subkultur"-Phänomen. Ich beobachte nämlich beispielsweise in der Metal-Szene (und die ist wohl in dieser Hinsicht in die Fußstapfen des Punk getreten) genau dieselben Dinge: Große Labels machen ja angeblich nur noch Kommerzscheiße, die sind nur noch aufs Geld aus und die Musik ist ihnen egal, dafür werden Underground-Bands mit Ohrenbluten verursachendem Drei-Spur-Aufnahme-Gerumpel über den grünen Klee hochgejubelt und dann wieder fallen gelassen, sobald sie einen Club mit 100 Zuschauern ausverkaufen können. Es schwingt dabei halt auch immer der völlige Unwillen mit, anzuerkennen, dass man Dinge auch dann noch mit voller Leidenschaft betreiben kann, wenn davon die eigene wirtschaftliche Existenz abhängt.

Having said that: Die Realität zeigt halt durchaus, dass in dem Moment, wo das eigene Werk einen erheblichen, wenn nicht exklusiven Beitrag für die eigene wirtschaftliche Existenz zu leisten vermag, mit vielen Kunstschaffenden eine Veränderung passiert: Man macht nicht mehr nur in seinem stillen Kämmerlein das, was einem gerade so in den Sinn kommt, sondern plötzlich spielen auch Einflüsse von außen eine Rolle. Klar, so lange einen keiner kennt, kriegt man auch kein Feedback - je größer die Bekanntheit, desto mehr Stimmen kommentieren das Werk aber und das hinterlässt immer Spuren. Und je mehr Stimmen Beachtung finden, desto mehr wandeln sich die betreffenden Werke dann in der Regel auch in Richtung eines (wertneutral gemeinten) "Mainstreams", wodurch unweigerlich die eine oder andere Ecke und Kante abgeschliffen wird, was wiederum viele "Fans der ersten Stunde" enttäuscht, die sich dann frustriert abwenden und verbal die große Kommerz-Keule schwingen. Insofern kann ich in gewisser Weise durchaus nachvollziehen, dass hierdurch ein Bild entsteht und gepflegt wird, bei dem der kommerzielle Erfolg die Kunst kaputt macht. Das ist natürlich die viel zu vereinfachte Betrachtungsweise eines deutlich komplexeren Themenkomplexes, da aber auf die intensivere Auseinandersetzung mit den zugrundeliegenden Mechanismen und Wechselwirkungen keiner der Konsumenten (insbesondere jene nicht, die es als Beleidigung empfinden, wenn man sie überhaupt als Konsument bezeichnet) wirklich Lust hat, verfängt sich ein simplizistisches "Kommerz ist doof und macht alles kaputt" deutlich besser.

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Gute Beobachtung!
Das ist auch gepaart mit einer Torwächter-Mentalität, um Leute vom eigenen Bereich fernzuhalten, um sich eine Exklusivität zu erhalten. Ich habe DSA4-Verfechter getroffen die meinten, dass die Komplexität des Systems gut sei, weil eben auch nicht jeder das Spiel spielen solle. Quasi Regeldesign als ausgrenzendes Element, um die eigene intellektuelle Überlegenheit zu beweisen.

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Ja, ich finde es ziemlich cool was ihr macht und erfreue mich an den Sachen, die ihr macht, sowohl als DORP-Cast, wie auch als Kreativen bei Ulisses. Und das denkt die Mehrheit eurer Hörer, also lasst euch von den wenigen Nörglern nicht runterkriegen.
Was der DORP-Cast und Ulisses machen, ist wichtig für unser geliebtes Hobby und würde es das nicht mehr geben, dann würde eine große Lücke entstehen.

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Dieser Kaffeeklatsch sorgt jetzt doch dafür, dass ich einen Kommentar schreibe. Zunächst möchte ich mich bei euch bedanken. Ich höre euch glaube ich seit Beginn, warum das „wichtig“ ist, erkläre ich gleich noch. Ich bin auch voll dafür, dass jeder Schaffende und jede Schaffende der Szene angemessen bezahlt wird und jede Firma die Möglichkeit erhält Gewinn zu machen. Gerne unterstütze ich Crowdfundings, weil sie eben das Überleben der Verlage sichern. Gerade werfe ich zum Beispiel 360€ auf das Deadlands-Crowdfunding und freue mich wie bolle. Auch das wird gleich noch wichtig.

So jetzt habe ich dennoch ein Problem mit den Crowdfundings und das betrifft im Deutschland vor allem Ulisses und Uhrwerk. Ich erwähnte, dass ich euch von Anfang an höre. Ihr habt mir damals viele tägliche Bahnfahrten im Ref zwischen Hamburg und Hannover versüßt. Da gab es eine Folge in der Michael über Onxy Path gerantet hat, weil sie für ein Lesebändchen als Bonusziel für ein Lesebändchen aufriefen.

So im Jahre 2021 gibt es besagtes Deadlanscrowdfunding. Mit 5000€ ist es finanziert, also das Grundbuch, das Kompendium, Die Box, die Kampagnenbox, Den Abenteuerpfad „Blutige Hufe“ und den Band mit dem Soloabenteuer… Moment 5000€!?! Leider weiß ich, dass alleine der druck von so 200 Seiten in Vollfarbe, in dem Format so ca. 3000 bis 5000€ pro Band pro ~ 1000er Auflage und je nach Konditionen der Druckerei kosten. Aktuell ist das Deadlands-Crowdfunding (~18000€ sind wir gerade) also noch überhaupt nicht kostendeckend, wir reden auch noch nicht über Übersetzung, Lektorat, Korrektorat, Layout und Fahnenkorrektorat.

Es gibt also haufenweise Kleinkram, wie ein paar Karten als PDF und gedruckt, je nach Dankeschön. Für die Bonusziele werden 1000-2000€ aufgerufen und das sind Goddies die so 200 bis 300€ in der Produktion kosten, damit der Rest finanziert werden kann und ein gewisser Hype aufgebaut wird, indem regelmäßig Bonusziele geknackt werden. Finde ich ein bisschen schade, da ich denke das man in einer Nische, wie in der wir uns befinden, den Fans zutrauen kann, die Wahrheit zu sagen: Wir brauchen 25000€ und nicht 5000€.

Jetzt kommt leider der Punkt der mich ärgert. Der Großteil der Goddies sind Schrott. Es tut mir echt leid das zusagen aber warum braucht man Lesezeichen auf denen irgendwelche Regeln gedruckt werden, die dann als Entschuldigung dienen, diese Lesezeichen zu drucken. Warum müssen Archetypen auf Karten gedruckt werden. Wenn ich die Leute auf einer Con in die Hand drücken möchte, dann drucke ich das PDF, was im Bonusziel auch enthalten ist. Gleiches gilt für Aufsteller oder Charakterbögen. Und das was mich richtig ärgert ist, dass diese Karten gedruckt werden, in Plastik eingeschweißt werden, dann Platz auf den Last oder im Container wegnehmen. Wir wollen 2045 Klimaneutral sein. Letzte Woche ist ein Eisberg so groß wie Mallorca abgebrochen, der Größte je gemessene. Müssen wir dann so einen Scheiß produzieren und verteilen?

Ich gönne jedem Verlag seinen Erfolg. Michael sprach die kleinen Verlage an und ich möchte da einfach mal System Matters erwähnen. Denen gebe ich einfach etwas lieber Geld, da sie in meinen Augen für „Kein Bullshit“ stehen. Es gab die Box Panik auf den Purpurplaneten. Die kostetet 75€. Sie brauchen 15000€. Dann gab es vier Bonusziele mit einem kleinen dünnen Ratgeber und drei dünnen Abenteuern für je 1000€. Fertig. Ich würde es besser finden, wenn es bei Deadlands so gelaufen wäre: Wir brauchen 25000€, dann bekommt ihr alles was ihr hier seht. Wenn es 29000€ sind, dann gibt es für alle mit physischen „Dankeschön“ Das Szenario „Blutiges Land“ gedruckt und als PDF. Bei 33000€ setzt Uli Linder „Die Toten der Prärie“ auf SWADE um oder was auch immer.

Ich würde mir wünschen, dass die Firmen wachsen würden, ohne einen Haufen Müll für die Papiertonne zu produzieren und der Umwelt dabei zu schaden. Und ja ich weiß, dass man diese Diskussion steigern könnte, überhaupt keine Bücher sondern nur noch PDFs zu produzieren. Bei Videospielen, Filmen und Romanen bin ich schon rein Digital. Rollenspiele sind da mein letzte Laster. Ab 2030 verbrennt mein Haushalt auch kein fossilen Brennstoff mehr. Aktuell sind es bei uns nur die zwei Autos. Ich will das hier auch nicht als Verurteilung verstanden wissen, sondern als Denkanstoß.

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Meine Antwort darauf ist vermutlich komplexer, da ich dir sagen kann, dass hohe Grundziele Kampagnen merklich schaden und niedrige Ziele mit vielen Freischaltungen tatsächlich eher begeistern und die Kampagne beflügeln. Das ist keine Vermutung über niedrige Intelligenz oder Ausnutzen des Kunden, es spielt einfach mit der Belohnungsschiene, die uns alle bewusst oder unbewusst antreibt. Ob diese Ziele dazwischen mit kleinteiligem Protoabfall gefüllt werden müssen ... ja, da habe ich auch eine Meinung zu, die nicht unbedingt der Strategie der Firma wiedergeben dürfte.

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Das Thomas und du nicht Ulisses seit, ist mir bewusst.
Das diese niedrigen Ziele psychologisch begründet sind, dass ist mir auch klar und die Kampagne begeistern soll. Ich würde gerne eher mehr Geld geben und dafür weniger Protoabfall (schönes Wort) erhalten.

Besonders krass fand ich es beim ersten Crowdfunding von Uhrwerk zu den Verbotenen Landen. Da haben die Leute wohl haufenweise Lesezeichen dazu gebucht, damit Bonusziele erreicht werden. Das war Patrik bei dem Crowdfunding zur Erweiterung sichtlich unangehmen und hoffte, dass nicht so viele Lesezeichen dazugekauft wurden. Es ist also nicht nur Ulisses.

Wie gesagt meine Hoffnung ist, dass vielleicht in den nächsten Jahren bei den Produzenten und Kunden ein Umdenken stattfindet.

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Ich würde mich der Kategorisierung der betreffenden Crowdfunding-Goodies als "Protoabfall" zwar persönlich nicht anschließen wollen (ich erfreu mich an Stickern und Lesezeichen und dergleichen, auch wenn ich realistisch betrachtet über das reine Sammeln und Archivieren hinaus überhaupt keine Verwendung dafür habe), mag den Begriff aber trotzdem irgendwie.

In dem Kontext sollte man gerade mit Blick auf Ulisses aber zumindest erwähnen, dass sie als Reaktion auf entsprechende Kritik beim DSA-Sonnenküsten-Crowdfunding ihren Unterstützern die Option geboten haben, bewusst auf diese Goodies zu verzichten. Das hilft zwar bei der Grundsatzfrage, ob man das zugrundeliegende Crowdfunding-Konzept befürwortet, nicht weiter, hilft aber doch ganz pragmatisch die Menge an Kram zu reduzieren, der nur produziert und verschickt wird, um anschließend von den Kunden entsorgt zu werden.

Ob das nun beim Deadlands-Crowdfunding wieder so gehandhabt wird, weiß ich nicht, könnte man aber sicherlich anregen.

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Coole Folge wie immer! Zum Thema Erfolg bei Rollenspielprodukten und der bösen Geldmacherei: Ich denke, dass einige Leute Firmen in zwei Kategorien einteilen. Die einen sind die netten kleinen Firmen, die ihre Produkte raushauen und sich damit so gerade eben über Wasser halten zu können. Es ist damit also notwendig bei denen zu kaufen, weil es die Systeme, die diese verlegen oder die Miniaturen die sie gießen, sonst nicht mehr gibt. Das verschafft ihnen dann sozusagen einen dicken Sympathiebonus. Quasi "Das ist der sympathische 3 Mann Betrieb, der aus rein kreativer Energie und viel gutem Willen ihre Systeme macht." Die zweite Kategorie sind Firmen, denen es rein um den Gewinn geht. Kreativität ist hier nur Mittel zum Zweck und spielt wohl eher die 4te oder 5te Geige. Kickstarter wird nur genutzt zur Gewinnmaximierung. Aus Angst die liebgewonnene Firma, mit deren Leuten man sich auf der letzten Con, Mann ist die lange her :-(, so toll unterhalten hat könnte in die zweite Kategorie rutschen, wenn sie "zu viel" Gewinn macht kommen dann eben Kommentare wie "spendet das Geld doch" oder "habt ihr das wirklich nötig". Das das allerdings 2 Extrembeispiele sind und wahrscheinlich 99% aller Firmen irgendwo zwischen diesen Kategorien agieren wird nicht beachtet, da man ja SEIN Ulisses, Uhrwerk, System Matters , etc. möglichst in der ersten Kategorie halten möchte. Diese Einteilung fällt mir im Rollenspielbereich aber auch bei Tabletop Firmen oft auf. Sobald sich eine Firma Gewinnorientiert gibt skandieren die ersten, dass man ja auf dem Weg zu nächsten Games Workshop sei, der wohl in dem Bereich als ultimatives Negativbeispiel herhält.

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Das mit dem Spenden fand ich auch krass.
Wie kommt man auf so eine Idee? Einer Firma der es gut geht, bringt weiter Dinge raus, die ich mag und somit profitiere ich als Kunde auch.

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Wenn zwischen schwarz und weiss; Mark Zuckerberg und Oma Rosi, die für 2 Euro Socken strickt; keine Abstufungen existieren, dann sollte es der Firma aber bitte nicht zu gut gehen.... Ich sehe das genauso wie du. Ich bin Froh wenn Kickstarter, Systeme, usw. sehr erfolgreich sind. Mehr Spieler und Systeme sind für ALLE gut. Ich spiele sehr viel Splittermond und die Insolvenz war für mich schon echt ein Schock! Das kann keiner wollen. Zum Glück ist das alles vorbei!

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Ich halte das "Kommerz statt Herzblut"-Thema nicht für eines der jüngeren Spielergenerationen. Mit dem Vorwurf wurde auch schon vor 20 Jahren gewedelt, wenn es um den gierigen Megakonzern Fanpro mit seinen 20 Mitarbeitern ging.
Und ja, den Artikel zum Thema "ihr seid so previlegiert, dass ihr es euch leisten könnt arm zu sein" fand ich auch eine Frechheit. Aber man sieht dann halt auch, aus welcher Ecke das kommt.

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