DORPCast 72: Frauen in der Rollenspiel-Szene

Hallo zusammen!

In der heutigen Folge geht es mal um ein etwas übergreifenderes, aber uns wichtiges Thema: Nachdem Michael und Thomas in Folge 38 einmal über Gender, Frauenrollen und dergleichen grob gesprochen haben, haben sie sich diesmal Verstärkung in Form zweier Gäste geholt: Gemeinsam mit Mháire Stritter (Orkenspalter TV, et al.) und Miriam Kasteleiner (Ulisses Spiele, et al.) sprechen sie über Frauenrollen, das Leben als statistische Minderheit in einem scheinbaren Männerhobby, Erwartungen, Vorurteile, Probleme und Gedanken, sie zu lösen.

Ein sehr ungewöhnliches Thema für uns, aber eines, das uns allen am Herzen liegt.
Dennoch gibt es natürlich die Medienschau-Hinweise, die üblichen Hinweise, Timecodes und weiterführende Links zum Thema und zu unseren Gästen unten in den Shownotes.

Viele Grüße,
eure DORP

Episode 72 – Frauen in der Rollenspiel-Szene

0:00:00  Vorwort: Dracon 10!
0:01:41  Intro
0:02:31  Gast I: Mháire
0:03:49  Gast II: Miriam
0:04:59  Die Medienschau

0:15:50  Zum Thema
0:16:35  Ein wenig Statistik
0:18:27  Erzählt doch mal!
0:21:24  Die Forenwelt
0:25:12  In Frage gestellte Kompetenz(en)?
0:28:36  Ist es in persona anders?
0:30:32  Wie reagiert denn euer Umfeld?
0:31:50  Übergriffige Männer
0:35:12  Sozialisierung
0:37:42  Spielen Frauen anders?
0:40:06  Männer spielen Frauen, Frauen spielen Männer
0:43:55  Ein cooles Cthulhu-Soloabenteuer, quasi zum Thema
0:45:44  Leute öffnen für Neues und die Idee gegenderter Sprache
0:50:28  Frauenrollen
0:54:55  Darstellung von Frauen in der Szene, in Rollenspielen und Nerdmedien
0:57:01  Weiße Ritter und eine Zielsetzung
0:59:46  Mháires Kalender und eine Erwartungshaltung
1:02:10  Wege, es zu ändern?
1:04:22  Männliche Rollenklischees gibt es auch
1:05:31  Personen sehen, statt Geschlechter
1:07:47  Abschließende Gedanken

1:08:33  Sermon 2.0
1:09:35  Adieu!

Aus der Medienschau

Andersen, Robert: Der rauchende Spiegel
Lynch, Scott: The Lies of Locke Lamora
Star Wars: The Force Unleashed
Thomas was alone (Steam)

Die Dracon 10 …

… gibt es hier im Internet anzuschauen

Die Umfragen

Der LARP-Census
Die große DSA-Umfrage 2012
Die Umfrage der Teilzeithelden
und
Jugendszenen.com mit Zahlen über Rollenspieler

Das coole Cthulhu-Solo-Abenteuer mit Gender-Twist …

… gibt es hier als Download (PDF-Direktlink)

Die Mage: the Ascension 20th Anniversary Edition …

… spricht über ze und zir als alternative Pronomen. Sie verwendet sie aber nicht durchgehend, jedoch teils.
Mehr über gender-neutrale Pronomen gibt es z.B. hier nachzulesen (englischer Link; einer von zig möglichen).

Weiterhin erwähnen wir …

The Hawkeye Initiative

Xoro: the Eifelarean

Mháires erwähnter Kalender

Unsere Gäste online:

Mháire bei Orkenspalter.tv

Miriam auf Twitter

 

Kommentare (48)

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Gutes Thema.

Ein paar Anmerkungen:
Was mir bei Archetypen, Klassen-Beschreibungen oder vorgefertigten Spielercharakteren, die nach der Geschlechterratio 50:50 dargestellt werden durchaus negativ aufgefallen ist, ist die Tendenz, dass auch Stereotype reproduziert werden. Bei den Professions-Beschreibungen von DSA 4 ist mir das aufgefallen oder auch bei den vorgefertigten Charakteres des Schnellstarters "Hall of Bones" für Swords & Wizardry. Bei Letzterem gibt es eine Elfen-Klerikerin, einen Zwergen-Krieger, einen Menschen-Zauberer und eine Menschen-Diebin. Wenn die Geschlechter da genau umgedreht würde, wäre mMn schon einiges gewonnen.

Was die Sprache angeht: Es gibt eine Tradition die Spielleitung weiblich darzustellen und die Spieler männlich. Da würde ich mir wünschen das auch mal anders rum lesen zu können. Warum? "Die Spielleiterin" und "die Spieler" reproduziert den Eindruck: Frauen im Rollenspiel sind etwas Besonderes.
Und in der Umkehrung entsteht der Eindruck: Spielleitung ist etwas Besonderes.

Ich glaube, was Geschlechter-Gerechtigkeit angeht, ist im Hobby noch viel zu tun. Und in der Hinsicht finde ich die Poscast-Folge einen wichtigen Beitrag. Weil es sich differenziert mit dem Thema auseinandersetzt. Ich hoffe und wünsche, dass die Equality-Debatte hierzulande Einzug ins Hobby erhält. Wichtig ist mir dabei, dass u.a. das Thema Sexismus nicht zu einseitig behandelt wird und als "culture war" geführt wird. Die USA sind da ein - in meinen Augen - abscheuliches Negativ-Beispiel und gesellschaftlich scheint es bei uns auch in diese Richtung zu kippen.

Zwei Dinge noch zu Aussagen von Mháire:
1) Ich fände eine Fortsetzung zum Thema "Männer im Rollenspiel" in der selben Besetzung ziemlich cool.
2) Zum Orkenspalter-Kalender: Ich find den toll. Da wurde eine wunderschöne Frau zusammen mit einem charmanten Despoto-Professor gut in Szene gesetzt. Bei anderen Behauptungen vermute ich, dass sie von Opfern einer toxischen (Un-)Schönheitsindustrie stammen.

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Hey,
interessantes Thema, schöne Diskussion. Ich würde der geäußerten Meinung, dass sich im Shadowrunbereich mehr Männer finden zustimmen, allerdings auch gleich anmerken, dass ich als Mann eine Shadowrunrune 4 mit 6 Spielerinnen leite!
Diese setzt sich aus einer bunten Truppe an Studentinnen und Arbeitenden zwischen 20 und 30 zusammen, die alle samt nicht in Foren unterwegs sind und zum großen Teil auch nur ganz kleinen bis gar keinen Kontakt zur Rollenspielszene haben. Dafür dann mehr in der Comic und Manga/Animeszene schwimmen.

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Moin Azradamus!

Freut mich, dass dir die Folge gefallen hat :)
Und ja, genau das sind diese "Dunkelziffer-Runden", über die wir in der Folge ja auch kurz sprechen. Meine WoD-Runde vor einigen Jahren mit drei Spielerinnen und mir als SL ist vermutlich gleichsam atypisch; und generell ist mein (auch spielender) Freundeskreis glaube ich deutlich "weiblicher" als die Statistik vermuten ließe.

Die Verbindung zur Comic/Manga/Anime-Szene scheint mir dagegen sogar wieder "typischer" zu sein; die hat ja generell auch in den Umfragen immer einen deutlich präsenteren Damenanteil.

Viele Grüße,
Thomas

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Für den eiligen Leser/Hörer die moneyquotes:
(ab 22:00)
Michael: bist du persönlich unterdrückt worden in der Szene?
Miriam: nein
Mháire: nein
(that settles that)

gegen Schluss (1:03:00):
Mháire pullt den de Maiziere: "meine Anekdoten bzgl. Feminismus würden meine Kunden verunsichern"
Wieso sollte es das? Oder sind damit die 'hetero cis Männer von Buffed' gemeint?
Ich denke die DSA/Myranor Szene ist relativ liberal eingestellt. Ich sehe da wenig Konfliktpotenzial.

Danke an die Gäste Miriam und Mháire und an das dynamische Duo Thomas und Michael für die gute Moderation und Unterhaltung

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Vielen Dank für diese Episode. Natürlich kann man nicht alle Aspekte und alle Sichtweisen zu diesem Thema in so kurzer Zeit und mit begrenzter Teilnahme abdecken. Aber den Diskurs zu führen, ist meines Erachtens sehr wichtig. Vielen Dank an Mhairé für den Shout-out zu Tharun. In der Tat ist uns ein bewusster Umgang mit dem Thema im Spiel sehr wichtig.
Ein paar interessante Einblicke zum Thema Frauen in der Szene aus US-amerikanischer Sicht gibt die neuste Episode des neuen RPG-Talk-Podcasts Backstory von Alex Roberts. Mit Gast Sarah Richardson.
http://oneshotpodcast.com/podcasts/backstory/6-sarah-richardson/

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Moin,

Danke für diese inhaltlich sehr gute und dennoch wie gewohnt unterhaltsame Episode. Grosses Lob für die hervoragende Wahl der Gäste.

Eine interessantes Thema, wurde für meinen Geschmack jedoch leider nicht ausreichend besprochen, was ich schade fand, transgender Charaktere.

Es würde eingeleitet unter der Prämisse, dass es durchaus interessant ist einen Charakter anderen Geschlechtes zuspielen. Und sicherlich, wenn ein Hempfling einen muskelbepackten Barbaren spielen kann um seinen Eskapismus auszuleben, sollte es auch möglich sein, das andere Geschlecht zuspielen. Somit ist eine Argumentation, welche auf der Realismus Schiene geführt würde ausgeschlossen.
Als Thomas erwähnte, dass er jedoch häufig die Geschlechter der Mitspieler vertauscht, wurde er gefragt, ob das den relevant ist. Ist also in einer Shadowrun Runde relevant, ob ein Decker männlich oder weiblich ist? Und da geriet ich ins stutzen, wenn es irrelevant ist welches Geschlecht eine gewisse Rolle bekleidet, warum dann überhaupt transgender spielen. Und wenn das austauschen des Geschlechts nicht spielrelevant ist, welcher Eskapismus kann dann dadurch ausgelebt werden, wenn es nicht der des Rollenspiels, also des Rollenwechsels mit dem Ziel des Erfahrungszugewinnes ist?

Ich möchte nun bitte nicht falsch verstanden werden, jeder kann spielen wie er will und wie es Ihm Spass. Ich persönlich behalte mein biologisches Geschlecht auch im Rollenspiel, da ich mir nicht zutraue eine glaubhafte Frau zuspielen.

Nach meiner Wahrnehmung geht jedoch viel Sexismus, Im Sinne flacher Geschlechtervorurteile, von transgender Charakteren aus.

Eine Klasse ist ein Archetyp, ein Abziehbild, ein Geschlecht sollte das nicht sein. Daher denke ich, ist es durchaus legitiem einen plumpen Barbaren zu verkörpern, dies ist akzeptierbarer Eskapismus. Jedoch ein notgeiler Mann, oder eine lüsterne Frau sind eben schon grenzwertig und können somit als sexistisch wahrgenommen werden.

Ergo wäre daher mein Standpunkt, bleibt bei eurem Geschlecht, damit ihr niemandem ausversehen auf den Schlips tretet, denn das Geschlecht eines Charakters sollte fürs Spiel egal sein.
Somit hat der individuelle Eskapismus im gemeinsamen Zusammenspiel seine Grenzen.

Die Einschränkung des Eskapismus im Rollenspiel ist auch keine Neuheit. Aus Gründen wird im Rollenspiel ja auch auf die Darstellung sexueller Gewalt verzichtet, und ebenso würde ein Vergewaltiger oder Kinderschänder Charakterkonzept in jeder Runde, abgelehnt werden (und wenn es doch Runden gibt, die dies zulassen, dann will ich mit denen sowieso nicht spielen).

Hiermit möchte ich nicht transgendre mit Vergewaltigern gleichsetzten, sondern aufzeigen, dass individueller Eskapismus bereits eingeschränkt wird.

Kontroverse These, weiß ich, is dünnes Eis, aber bitte versteht mich richtig. Ich will genauso wie ihr, dass Sexismus aus dem Rollenspielhobby verschwindet und frage eben inwiefern transgendre hierfür dienlich oder schädlich ist.

Beste Sebastian

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Moin Sebastian!

So lange Postings, deines wie auch Xeledons Antwort an dich – sehr's mir nach, dass die Antworten zeitbedingt eher kurz ausfallen.

Einen Aspekt bei dir wollte ich aber kurz aufgreifen: Ist das Geschlecht relevant?
Ich würde sagen, darauf muss ein entschiedenes "Kommt drauf an!" folgen.
Konkret bei Shadowrun, bei dem Beispiel, ist es rein vom System her irrelevant. Frauen und Männer sind wertetechnisch gleich, und da eine Shadowrun-Gruppe zunächst einmal ein Team von Fachleuten für diverse Formen von Straftaten ist, sind demnach weibliche wie männliche Figuren gleichwertig darin.
So wie auch in Echt: Mir ist es faktisch egal, ob ich mit einem Mann oder einer Frau an einem bestimmten Projekt arbeite.

Dann gibt es die zwischenmenschliche Ebene. Da wird es relevanter. Und gerade die ist es ja, die mein Artikel-Problem letztlich tangiert. Aber klar, hier spielt es schon mehr eine Rolle. Bei Shadowrun vielleicht nich weniger, aber etwa in meiner Private-Eye-Runde ist halt ein weiblicher Charakter vertreten (auch von einer Frau gespielt, aber ist in dem Falle ja egal) und dass eine Frau in reisender Gesellschaft von fünf Männern in den 1890ern eine auffälligere Position einnimmt, ist glaube ich auch klar.

Zuletzt aber, und das ist die allerwichtigste Kategorie, spielt man ja auch für sich selbst. Und das Bild, das man selbst vom eigenen Charakter vor dem inneren Auge hat, ist ziemlich relevant für den eigenen Spielspaß, würde ich sagen.
Und alleine dafür finde ich die Möglichkeit, transgender / gendergebendet / crossgender zu spielen dann sogar höchst relevant.

Am Ende allerdings greift dann auch wieder, wie ich irgendwo anders hier schon kommentierte, ohnehin der Gruppenkonsens. Wenn es die Gruppe stört, klar, sollte man es reglementieren. Aber so ganz präemptiv würde ich es nicht einschränken wollen.
Wie mit im Grunde jedem anderen Thema auch …

Viele Grüße,
Thomas

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Spannendes Thema, da fühle ich mich glatt bemüßigt, mal reinzugrätschen, sorry dafür.

Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen dem Spielen des erwähnten Barbaren oder eines Charakters anderen Geschlechts was das Bedienen von blöden Klischees angeht. In beiden Fällen kann ich mich in so flachen Persiflagen verrennen, dass ich automatisch in rassistische oder sexistische Gewässer vordringe, oder mir einfach Mühe geben, da eine für die Zwecke des gemeinsamen Spiels hinreichend glaubwürdige und ernsthafte Charakterdarstellung zu erreichen. Ich für meinen Teil glaube, dass ich eine Frau genauso (un)glaubwürdig darstellen kann wie einen tumben Schlägertypen, dennoch - oder gerade deswegen - würde ich vor beidem nicht zurückschrecken. Es geht mir beim Rollenspiel auch darum, eben mal Rollen auszuprobieren, die sich von jenen, die ich im realen Leben einnehme, unterscheiden. Und ich rede bewusst von "ausprobieren" und möchte damit bewusst implizieren, dass die Umsetzung dabei mal mehr und mal weniger gut gelingt. Doch die Aussicht eines Scheiterns halte ich beim Spiel eines fremdgeschlechtlichen Charakters genausowenig wie bei der Darstellung eines Orks, Wüstennomaden oder leibeigenen Bauern für einen validen Grund, in irgendeiner Weise mir selbst oder meinen Mitspielern von vorne herein den Versuch verbieten zu wollen. Schlimmer noch: Als Spielleiter kommt man doch sowieso nicht umhin, NSCs der unterschiedlichsten Spezies, Kulturen und auch Geschlechter darzustellen. Und spätestens hier kriege ich dann grundsätzlich dieselben Probleme mit etwaigen rassistischen, sexistischen oder auf eine andere Weise vorurteilsbelasteten Klischees, so dass ich in der Spieltischpraxis gar nicht darum herumkommen werde, mich früher oder später mit dieser Problemstellung auseinanderzusetzen. Als Spieler kann ich das also eventuell großräumig umgehen, wenn ich mich vom spielinternen Geschlechtertausch fernhalte, als Spielleiter habe ich die Chance aber eigentlich nicht wirklich.

Als Spieler hatte ich selbst schon mehrmals weibliche Charaktere, insbesondere dann, wenn ich in rein männlichen Spielrunden unterwegs war und mir von einer gemischtgeschlechtlichen Gruppenzusammensetzung mehr Abwechslung für das Spiel erhofft habe als von einer reinen "Sausage Party". Letztlich ist für mich aber das Geschlecht auch immer ein Teil des Gesamtkonzepts eines Charakters. Und sowohl meine etwas naiv-weltfremde Bardin als auch meine schulmeisterlich-strenge Spießer-Magierin hätten für mich persönlich als männliche Charaktere nicht so gut funktioniert. Möglich dass das nur dafür spricht, dass ich selbst alles andere als frei von Sexismus bin und da das ein oder andere tief in mir verwurzelte Geschlechterklischee durchbricht, aber diese Diskussion möchte ich hier im Internet mit Leuten, die mich bislang nicht persönlich kennenlernen konnten, nur ungern führen.

Meine Erfahrungen mit der Darstellung fremdgeschlechtlicher Charaktere waren jedenfalls bislang ausschließlich positiver Natur, sowohl wenn ich selbst Frauen gespielt habe, als auch wenn ich als Spielleiter "Transgender-Charaktere" (ich mag den Begriff nicht, der suggeriert für mich das falsche, aber ihr wisst ja, was gemeint ist) mit an Bord hatte. Dabei ist es tatsächlich so, dass das Geschlecht während des Spiels die meiste Zeit über keine Rolle spielt - das ist aber keine für den Geschlechterwechsel spezifische Sache, sondern eher eine allgemeine. Schließlich ist es vollkommen wurschd, ob man nun als Mann oder als Frau einem Ork den Schädel einschlägt. Wichtig ist dann eher, was in den Einzelszenen passiert, wo es eben doch plötzlich ein Thema wird. Da zeigt sich dann auch, wie die Mitspieler den entsprechenden Charakter wahrnehmen und ob die Darstellung letztlich gut genug ist, dass alle automatisch das richtige Personalpronomen verwenden, oder halt nicht. Einer meiner Spieler in meiner langjährigen DSA-Runde hatte eine Scharlatanin gespielt, die im Laufe der Kamapagne sogar schwanger geworden ist. Und obwohl die Darstellung grade dabei dann sicherlich weit davon entfernt war, im eigentlichen Sinne realistisch zu sein, war es doch zu jeder Zeit stimmig und ist eben nicht in irgendwelche sexistischen Klischees abgedriftet. Ich erinnere mich dabei auch nicht dran, dass der Charakter jemals von einem Mitspieler fälschlich mit "er" adressiert worden wäre, wenngleich ich nicht ausschließen möchte, dass das an den ersten beiden Spielabenden möglicherweise vorgekommen sein könnte. Sobald aber die übliche "Beschnupperungsphase" abgeschlossen war, war das Geschlecht da immer klar, auch wenn es für die meisten Spielsituationen nicht wirklich eine Rolle gespielt hat.

Letztlich muss eh jeder selbst entscheiden, ob er sich an fremdgeschlechtlichen Charakteren versuchen will oder nicht und es macht einen auch keineswegs zu einem besseren Rollenspieler, wenn man es tut. Mir persönlich ist eben eine größtmögliche Freiheit bei der Charakterwahl innerhalb einer Spielrunde sehr wichtig und auch als Spielleiter würde ich irgendwelche Restriktionen nur im Falle massivster Inkompatibilität mit dem Setting oder der geplanten Kampagne vornehmen. Wenn man dann im laufenden Spiel merkt, dass die Darstellung des fremden Geschlechts bei einem Spieler völlig aus dem Ruder läuft und so unstimmig wird, dass der Spaß der gesamten Gruppe darunter zu leiden beginnt, ist es sicherlich mal Zeit für ein klärendes Gespräch und im Zweifelsfall eine spontane Geschlechtsumwandlung. Aber mit Leuten, die mir von vorne herein die Darstellung eines weiblichen Charakters verbieten wollen würden, würde ich ehrlich gesagt auch eher nicht zusammenspielen wollen.

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Moin Xeledon!

Ich finde auch, Verbote sind etwas, was mich immer etwas zögern lässt.
Ich könnte einerseits voll damit arbeiten, wenn ich in eine Gruppe käme und man würde mir sagen: "Hör mal, beim Charakter, lass XY am besten sein, wir haben's probiert und das klappt hier bei uns einfach nicht …"
Wenn Dinge aber von vorne herein untersagt werden, dann stellt sich das finde ich anders dar. Gerade wenn etwas ist, was ich idealistisch vertreten mag, dann muss ich mich natürlich fragen, ob solch ein Verbot (und die Geisteshaltung dahinter) ggf. ein dealbreaker für diese Runde ist.

Das können ja auch ganz andere Themen sein, Regel-Haltungen ("Wir erlauben nur Charakterklassen aus dem Grundbuch"), grundsätzliche Spieleinstellungen ("Wir spielen Interaktionen hier nicht aus, wir würfeln die, ist fairer") oder eben thematische Einschränkungen ("Sexuelle Themen machen wir hier in der Runde gar nicht, also lass alles raus, was NSFW ist") sein; wie gesagt, am Ende muss man sich mit den Leuten am Tisch einigen.

Wenn man sich da einig ist, bin ich aber auch mehr oder weniger ein Fan von "anything goes".

Viele Grüße,
Thomas

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Ach ja, was ganz anderes: Ich habe mich gefragt, ob ihr zu dem neuen Star Wars-Fanfilm "Darth Maul: Apprentice" etwas zu sagen habt, spezifisch zu dem Aspekt, das er teilweise in der Eifel gedreht wurde? Vielleicht werden ja ständig Filme in der Region gedreht, aber eure mal nebenbei erwähnten No Budget-Aktivitäten sind das einzige andere Mal, dass ich davon gehört habe. Aber zumindestens, ob ihr die Stellen wiedererkannt habt, hätte mich interessiert.

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Danke.

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Gern geschehen - es soll ja nicht immer nur der Thomas selbst Werbung für seine außer-DORPlichen Aktivitäten machen müssen...

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Bedankt

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Eine sehr schöne Folge, mit Mháire und Miriam und euch sind meine aktuellen Topstars der deutschen Szene in einer Folge vereint. Da ich jau aus der Ecke: WFRP 3rd, Warhammer 40k Only War und jetzt Age of Rebellion komme, wobei ich letzteres gerade auf Only War umbiege mit der Greifenklaue. Also DAS Triumvirat meiner Lieblingslinien an einem Tisch. :)

Und ich muss mich wohl bei Mháire entschuldigen, da ich ihren Namen in den Greifenklaue Podcast Folgen etwas ... anders ausgesprochen habe. Mehr im sinne von Nachtmahr. ;)
Und da wir auch damals über den Kalender gesprochen hatten überlege ich, ob ich nicht selbst auch zu Tief in die Altherren-Runden-Kiste gegriffen habe.
Ich hoffe aber meinen Respekt für Ihr tun ist in allen Beiträgen zum Ausdruck gekommen.

Der Kalender ging gestern Abend am Only War Spieltisch nochmal rum. Unser Cuthulu Spieler und der Tabletopper waren aber ein wenig Verwirrt was die Eule auf jedem zweiten Bild macht. ;)

Und für meinen DSA-Hater Kumpel die Greifenklaue muss ich auch eine Lanze brechen;
Man kann nur Hassen was man vorher wirklich geliebt hat.

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Schönes Gespräch!

ich habe mal irgendwo aus der amerikanischen Nerdszene ein sehr eingängiges Unterscheidungsmerkmal für sexy Charaktere gelesen:
be or do?
is this a character you would want to be or just a character you want to do?

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Moin Zypherabe!

Das ist keine üble Faustregel, ja!
(Und funktioniert im Endeffekt sogar für beiderlei Geschlecht, wenngleich der Alltag vornehmlich eine Richtung davon bieten wird; dennoch, ich mag das, wenn eine Theorie dahingehend nicht vorbelastet ist …)

Viele Grüße,
Thomas

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Super was zu dem Thema zu machen und schöne Runde. Zu Mháire wollte ich sagen, dass ich es echt schade finde, dass du erzählst dass du dich mit feministischen Positionen zurück halten musst weil sonst Zuschauer abspringen. Aber: Dein wirken in der Szene ist echt unglaublich wichtig auch dafür Frauen mehr Platz und Aufmerksamkeit in der Szene zu geben.

Bei uns in der Runde ist es so, dass wir 50/50 zusammen gesetzt sind, dass war aber ne bewusste entscheidung, nachdem wir vor Jahren mal ne typische 5 Männer 1 Frau Zusammensetzung hatten, dass wir gesagt haben wir wollen das ändern. Im spiel ist es so, dass die Frauen sich auch viel Platz schaffen und starke Charaktere spielen. Aber außerhalb des Spiels ist es schon so, dass sich die Typen viel stärker mit ihrem Rollenspiel sein Identifizieren, präsenter in Foren und mehr auf Conventions sind. Meine Wahrnehmung ist aber insgesamt, dass das auch ein Generationen- Ding ist, dass heute mehr Frauen anfangen Rollenspiel zu spielen als früher und bei uns in der Runde die Männer älter sind und mehr Rollenspielerfahrung haben. In meiner Spielrunde als ich angefangen hab waren wir z.B. nur Typen.

M.E. ist es erstmal nicht so ein großes Problem, dass es weniger Frauen in der Szene gibt als Männer. Aber ein Riesen Problem ist, dass Frauen z.T. keinen Platz haben (z.B. durch unangenehme Anmachen wie im Podcast beschrieben, durch sehr unguten Umgang mit Rollenklischees & sex in Spielrunden und das es für Frauen viel schwerer ist sich zu behaupten). Was das male Gaze angeht ist DSA da schon Schrittweise besser geworden und die Design-Entscheidung eine Welt zu schaffen die im großen und ganzen Geschlechtergerecht behauptet wird (auch wenn das in Beschreibungen nicht konsequent umgesetzt wird und ja die Frage ist wie sich Geschlechterrollen, aber auch Familienstrukturen Grundsätzlich wandeln würden, wenn es kein Patriachat mehr gäbe) war sehr wichtig dafür Frauen mehr Platz am Rollenspieltisch zu ermöglichen. Trotzdem liegt immer noch einiges im Argen und da finde ich schon, dass auch wir Männer uns dazu positionieren können. Zumahl es mich persönlich auch einfach nervt, wenn es deko-bikini Rüstungen gibt und ich - auch weil ich auch auf Typen stehe - es immer wieder schade finde, dass es wenig sexy Darstellungen von Männern gibt. Ein Beispiel für den nicht so gelungenen Umgang mit sexualität und sexismus ist für mich immer noch der aktuelle DSA-Meisterschirm, wo mich das Schnappen und auf den Schoß heben der Rahja- Priesterin (!) immer noch ein Griff ins Klo ist. Wie oft grad Frauen (aber nicht nur) übergriffige Situationen in Kneipen und auf Parties erleben müssen, dann braucht es da m.E. einfach mehr Sensibilität und eine darstellung von weiblicher Sexualität, die den jeweiligen Charakter darin als stark und sebstbestimmt darstellt.
Aber ich finde auch: Bei all dem wiederlichen Sexismus den ich in der männlichen PC-Spieler-Szene erlebe (mit so abscheulichen Höhepunkten wie die ganze gamergate-Auseinandersetzung) hab ich schon da Gefühl das viele Wahrnehmbare Stimmen in der DSA-Szene sich gegen Sexismus positionieren und das hilft, dass Frauen sich nicht überlegen müssen ob sie die nächste Convention zwecks vermeidung negativer Erfahrungen nicht doch besser ausfallen lassen.

Aber auf jeden Fall könnten sich auch einige DSA-Content-Schreibende mehr mit problematischen Rollenklischees beschäftigen und z.B. dafür mal einen Blick in die Tropes vs. Women Videos von Anita Sarkeesian.

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Moin Queery!

Statistische Verteilung: Wie in der Folge gesagt, die Frauenquote in meinem direkten Spielumfeld ist immens. Aber das ist auch mehrerlei irreführend, vermute ich, auch, weil ein guter Teil meines rollenspielenden Freundeskreises mehr oder weniger zuerst LARPer und dann P&Pler ist und daher vielleicht von der scheinbar besseren Frauenquote profitiert.
Interessanterweise ist es aber auch so, dass gerade mein Aachener Umfeld im Grunde auch völlig unsichtbar ist für jedwede Rollenspiel-Befragung. Die Kern-DORP-Nasen natürlich nicht, aber von den Leuten, mit denen ich etwa gestern am Tisch saß um DSA 5 zu spielen, ist alleine Matthias jemand, der außerhalb unserer Runde zu "sehen" ist, etwa auch über sein Engagement bei der DORP und sein Mitwirken am deutschen 13th Age.

Den DSA-Schirm möchte ich eigentlich nicht weiter diskutieren, schon weil ich ja auch an dem Projekt beteiligt war. Interessant ist aber vielleicht noch festzuhalten, dass die Illustration von einer Frau angefertigt wurde – und dass, was auch immer man nun über diesen Tisch denken mag, noch immer eine ganze Reihe anderer Frauen darauf sind, die wie ich finde recht gut diverseste Archetypen abdecken.
Aber wie gesagt, ich kann, will und werde hier schlecht neutral über ein Bild diskutieren, auf dass ich unter anderem die Lackschicht "gepinselt" habe ;)

Zuletzt, was die Sarkeesian betrifft … da bin ich kein Fan.
Nicht wegen ihrer Botschaft, ich denke sie hat in der Regel Recht mit dem, was sie anprangert.
Was mir an ihren Videos persönlich nicht gefällt – zumindest jenen, die ich damals zu Beginn des Tropes-vs-Women-in-Videogames-Projektes gesehen habe –, ist der deskriptive Ansatz.
Auch das ist grundsätzlich wichtig, natürlich. Auch ist es gut, dass es mal jemand mit großer Reichweite thematisiert.Es ist ihr Projekt, sie kann das natürlich so aufziehen, wie sie will. Dennoch: Ich wünschte, sie würde die Reichweite auch konstruktiver nutzen; zumindest mehr, als ich es bisher bei ihr gesehen habe.
So bleibt es am Ende ein mit Recht sehr frustrierendes Bild einer völlig unwuchtigen Szene, aber leider ohne die Geste des Handreichens, ohne eine Einladung zum Dialog oder einen Ansatzpunkt, wie wir das ändern könnten; gesellschaftsweit.
Aber wie gesagt, nicht um ihre Tätigkeit schmälern zu wollen, sondern eher aus einem abweichenden quasi-didaktischen Anspruch heraus …

Viele Grüße,
Thomas

Kommentar zuletzt bearbeitet am vor 2 Jahren von Thomas Michalski Thomas Michalski
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Aha, Geschlechtergerechtigkeit prädigen und dann den Übergriff auf die Rahja-Priesterin mit Lack fixieren!

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Klasse Podcast, vielen Dank dafür!

Was Crossgender angeht, hab ich die Erfahrung gemacht, dass man das Geschlecht umso stärker mitbekommt und sich nicht ständig verbessern muss, je zentraler es mit dem Konzept verknüpft ist.

Auf der Positivseite hatte ich vor langen Jahren eine Midnight-Runde, in der ein Spieler eine junge Elfe während eines Krieges gespielt hat. Der Charakter war extrem "maskulin" und so ziemlich der aggressivste der Runde, aber ich glaube, wir haben ihn nicht einmal für männlich gehalten, weil jedem klar war, dass die Grundlage dieses Charakters im Prinzip ein kleines Mädchen war, das im Krieg zu früh erwachsen wurde.

Andererseits leite ich eine Werwolfrunde, wo auch nach Jahren noch der männliche Charakter einer Spielerin fälschlich für weiblich gehalten wird - der ist allerdings auch der in der Runde, der mit seinem Geschlecht am wenigsten hausieren geht, weil er sich infolge seines davongelaufenen Vaters vor jeglicher Sexualität beinahe schon fürchtet.

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Moin Cifer!

Ja, ich denke, da hast du nicht Unrecht mit.
Wobei es bei mir zugleich einen Haufen Folgefragen weckt – beginnend damit, wie man daraus vielleicht eine Spur aufnehmen kann zu guten Ratschlägen, wie man das alles am Spieltisch eleganter umsetzen könnte. Aber das ist schwierig … ich finde, Konzepte wie der männliche Charakter deiner weiblichen Werwolf-Spielerin sind halt ebenso legitim, können aber halt den "Assoziationsbonus" nicht mitnehmen.
Aber hey, niemand erwartet, dass wir ein solches Kernproblem im Kommentarteil der DORP lösen werden, schätze ich. Wie gesagt, ein guter Hinweis ist es auf jeden Fall!

Viele Grüße,
Thomas

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