DORPCast 62: Gib Schund eine Chance!

Hallo zusammen!

Der Satz „Gib Schund eine Chance!“ ist eine Lebensweisheit, die Michael und Thomas von einem ihrer Dozenten mit auf den Weg bekommen haben – und heute zugleich ihr Thema. Es geht um den Unterschied von hoher Literatur und trivialer Belletristik, um künstlerisch wertvolle Filme und Trash-Granaten – aber auch um die Frage, ob sich diese Denkweise auch auf unser Hobby Rollenspiel übertragen lässt.
Bevor dieses aber eher vergeistigte Thema auf dich Tisch kommt, gibt es natürlich noch die Medienschau, einige Worte zu Michaels neuem Kindle-Tablet (Spoiler: nicht begeistert) und Thomas' erste Eindrücke zur Mage: the Ascension 20th Anniversary Edition (Spoiler: total begeistert).

Alles weitere zur Folge gibt es natürlich wie immer in den Shownotes.

Viele Grüße,
eure DORP

 Episode 62 – Gib Schund eine Chance

0:00:29  Intro
0:01:37  Dracon 9
0:02:23  Neues auf der DORP
0:02:55  Michael vs. die neuen Kindle-Tablets
0:06:35  Die M20: 696 Seiten pures Mage: the Ascension
0:12:59  Die Medienschau

0:26:30  Zum Thema
0:29:45  „Hohe Literatur“
0:31:46  Das Thema aus Sicht eines Rollenspiel-Podcasts
0:33:14  Literatur, die „nachhallt“
0:35:57  Elfenbeintum Hörsaal und die Scham
0:39:03  Das Feuilleton der Indie-Spiele?
0:42:35  Die ganz reale Wertigkeit des Schundbegriffs
0:46:11  Shaming vs. Auseinandersetzung
0:47:18  Prominente Fürsprecher
0:48:01  Trash-Rollenspiele?
0:49:37  Die Trash-Kultur
0:53:38  Zurück zum Thema: Rollenspiel-Momente, die uns bewegten
0:56:53  Ein Fazit

0:59:02  Sermon 2.0
0:59:31  Adieu

Aus der Medienschau

Big Bang Theory: Staffel 6 und Staffel 7
Der D&D-Comic*
Hannibal, Staffel 1
Stereo

* Michael hat mir anders als sonst keine genauen Infos dazu hinterlassen; ich vermute, dass mein Google-Fu stark und das der erwähnte Comic ist. Wenn nicht, sagt Bescheid, dann passen wir den Link noch an ;)

Ebenfalls sprechen wir unter anderem über …

Die neuen Kindle-Tablets: Michaels 10"-Variante
Mage: the Ascension 20th Anniversary Edition
Stay Forever sprechen über die Nordland-Trilogie

Zum Thema Michael Bay

Every Frame a Painting: Michael Bay – What is Bayhem?
CineFix Film School'D: 6 Reasons You have to respect Michael Bay!!!!!!!!!!!!!!!

Kommentare (5)

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Schund kommt aus der Massenkultur. Deswegen ist er von sozialen Abgrenzungsprozessen betroffen, die die Unterscheidung von Hoch- und Massenkultur prägen. Aber das "Genre" entwickelt sich genauso durch ästhetische Selektion weiter. Es ist ja nicht so, dass jeder langweilige Plot, jede billige Inszenierung oder schwache schauspielerische Leistung das Leitkriterium "so schlecht, dass es schon wieder gut ist" erfüllt. Im vermeintlichen Schund steckt also eine bisher unerkannte oder zumindestens nicht anerkannte ästhetische Qualität, die herausgearbeitet werden kann und eine Unterscheidung zwischen Schund-Schund und Schund-Gold erlaubt. Ich denke Trash, obwohl gelegentlich das zufällige Abfallprodukt von Massenkultur, ist eine Nische mit geringem sozialen Prestige und gerade nicht das, was als trivialer Mainstream gilt.

Darüberhinaus kann man sich natürlich auch fragen, ob auf einer sozialen Ebene, Schund auch dadurch reizvoll wird, weil er als solcher gilt, und sich so als Instrument der Abgrenzung eignet.

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Etwas Stream of Consciousness, aber eine sehr spannende Folge. Der Zusammenhang zwischen Kunstdefinition und Jugendschutz war mir nicht bewusst, TIL!

Ich habe in Zürich Germanistik und Anglistik studiert, und der Unterschied im Zugang zu Hochkultur versus Unterhaltungskultur hätte unterschiedlicher nicht sein können. Wir haben im Seminar bei Elisabeth Bronfen Blade Runner als Re-writing von Do Androids Dream of Electric Sheep analysiert. Und ich habe meine Abschlussarbeit über Dick geschrieben. In der Anglistik ... nun, wir hatten einen Mediävisten mit einer Vorliebe für Jerry Cotton, aber sonst? Als ich mal in einem Colloquium die Philosophie von Teilhard de Chardin anhand der Jedi erklären wollte, meint Peter von Matt nur: "Damit Sie mir jetzt leider nicht weitergeholfen." ;-)

Aber ich glaube, die Zeiten haben sich geändert und die Übergänge sind sehr fließend geworden. Wobei der Streit zwischen Le Guin und Ishiguro letztens doch zeigt, dass der Kampf noch lange nicht ausgestanden ist.

Ich bin aber sehr bei Herrn Michalski, wenn er sagt, dass grundsätzlich alles zu lesen am spannendsten ist. Ihr seid zwar nicht auf viele Beispiele gekommen, aber Bücher wie Wilhelm Meisters Lehrjahre oder Ulysses haben mich schon tief beeindruckt und geprägt. Genau so wie das Werk von PKD oder Lovecraft.

Ich werde allerdings unserem Lektor nie verzeihen, dass er im Proseminar über Horror Lovecraft nicht einmal erwähnt hat. So habe ich HPL absurderweise erst nach meine Anglistikstudium für mich entdeckt. Durchs Rollenspiel.

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Ich hatte immer den Eindruck, dass diese strikte Trennung zwischen "Literatur" - oder allgemeiner "kulturell wertvollem Medienprodukt" - und "Schund" etwas zutiefst deutsches ist, was es in dieser Ausprägung im Ausland (insbesondere im englischsprachigen) gar nicht geben kann. Reicht dabei aber nun womöglich schon ein Gang in die Schweiz, um einen entspannteren und weniger elitaristischen Umgang mit Kulturgütern im akademischen Umfeld erleben zu können?

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Dankeschön für die tolle Folge und ich hoffe ich war nicht der einzige Auslöser. Offengesagt war mir schon bewusst, was ihr vorher über Turtles gesagt habt und ich bin mir durchaus bewusst gewesen, was mich da erwartet. Aber verdammte Axt der war halt echt nicht gut.
Ich finde davon ab, die Folge aber unfassbar gut und ich finde es bei jeder Folge eigentlich immer wieder endlos spannend zu sehen, wie intelligent und differenziert ihr ein Thema angehen könnt, gerade eure - mir bisher so noch nicht begegnete - Meinung zu Sharknado fand ich ziemlich gut.
Ich habe einige Jahre lang Anglistik studiert und die Beobachtung was die Uni angeht, habe ich genauso gehabt. Wir haben Mafiafilme analysiert, die Germanisten gingen ins Theater und guckten sich Faust mit nackten Menschen und Schweinehälften an. Wir haben Gedichte aus der Apartheid gelesen, die Germanisten Spätwerke von Grass. Wir hören Nirvana und sprechen über Popästetik und Kunstbegriff im Wandel, die Germanisten lesen was auf der Frankfurter Buchmesse gerade aktuell ist. Das ist natürlich etwas zugespitzt, ich habe da auch Beckett, Hemmingway, Shakespeare (Ne Menge Shakespeare), Joyce, Hardy, Yeats und Woolf gelesen, aber ich bilde mir ein, das wir weniger Sachen gelesen haben, die abseits des Kunstfeullitons und der Jury eines Buchpreises niemand liest (Eben euren beschriebenen Ziegenhirten).
Ich sehe Fate jetzt noch nicht als Feuilleton übrigens, und ich kenne zu wenig Indiespieler offenbar, aber soviel Arschigkeit das man da auf "Boulevard-DSA" herabschaut, habe ich nicht erlebt. Hattet ihr so Erlebnisse bereits?

Vielen Dank übrigens auch für die beiden Links zu Bay, das er ohne Storyboards dreht finde ich tatsächlich beeindruckend und den Punkt mit dem Karrierestarter kann man absolut nicht wegdiskutieren, vor allem wenn man sieht in was für Rollen Will Smith später noch unterwegs war, wo er wirklich großartiges abgeliefert hat.

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Sehr gute Folge wieder einmal! Vor allem weil sie meiner tiefen Abneigung gegen diese zumeist willkürliche und pseudo-elitäre Unterteilung in "künstlerisch wertvolle" Medienerzeugnisse und "Schund" aus vermeintlich erlauchtem Kritikermund ziemlich in die Hände spielt. Letztlich liegt es halt immer am jeweiligen Rezipienten, für sich selbst erscheinen, was er als reine Unterhaltung wahrnimmt und worin er mehr sehen kann und/oder will, wodurch der Kunstbegriff an sich sehr subjektiv wird.

Im Rollenspielbereich ist es sicherlich so, dass verschiedene Systeme unterschiedliche Aspekte betonen und bestimmte Spielstile fördern. Nichtsdestotrotz ergibt sich die Frage, ob das eigentliche Spiel "von der Unterhaltungsebene ins Feuilleton abdriften kann" einzig aus dem Zusammenspiel der Gruppe. Da taugt DSA genauso gut für entsprechend tiefschürfende und emotional nachhallende Momente wie Fate, Cthulhu oder meinetwegen auch Das Land Ogg (richtig geschrieben?).
Ich erinnere mich persönlich sehr gerne an eine starke Szene aus der Endphase meiner DSA-G7-Runde, als meine Spielgruppe plötzlich eines Attentäters habhaft wurden, der zwar mehr oder weniger auf frischer Tat ertappt, aber überhaupt nicht geständig war und ihnen praktisch keinerlei Auskunft zu seinen Motiven geben wollte. In der Wildnis, weitab von irgendwelchen Autoritäten waren die Helden - und damit letztlich auch die Spieler - plötzlich mit der Frage konfrontiert, wie sie noch Informationen aus dem Kerl herausbekommen sollten, ob es für sie als "die Guten (tm)" okay ist, ihn zu foltern, wieviel die unter Folter erhaltenen Informationen letztlich wert sind und ob man ihn am Ende dann in irgendeiner Form laufen lässt oder ob und auf welche Art man ihm dann den Weg gen Alveran/Niederhöllen ebnen möchte. Gerade weil der sonst in ähnlichen Situationen gerne gewählte Weg, solche Entscheidungen der Obrigkeit zu überlassen, hier nicht möglich war, fand ich den Umgang der Spieler mit ihrem Dilemma sehr spannend und das hat zumindest meinen eigenen Horizont stark erweitert, insbesondere weil sich der Bogen zur großen Weltpolitik quasi von selbst schlägt.

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