DORPCast – Episode 39: Wie exotisch darf's denn sein?

Hallo zusammen!

Nach dem spielfernen Exkurs letztes Mal kehren Michael und Thomas in die Welt des Rollenspiels zurück und stellen sich eine Frage, die vor allem die Spielwelt betrifft: Wie exotisch darf's denn sein?
Dass die meisten Fantasy-Settings wie Tolkien-Epigonen wirken, ist das Bug, oder Feature? Ist es gut, dass alles voller Elfen, Zwerge und Orks ist, oder braucht das Rollenspiel gar dringed mehr Katzenmenschen und Wolfshybride? Michael und Thomas versuchen sich an einer Antwort.


Alle weiteren Infos gibt es wie immer in den Shownotes.

Viele Grüße,
eure DORP

Episode 39: Wie exotisch darf's denn sein?

0:00:29  Intro
0:01:01  Wir jammern was rum
0:01:32  Die Medienschau

0:19:45  Buchmesse Convent und Deutscher Phantastikpreis
0:25:55  Die Dracon 7
0:30:12  Die SPIEL 2014
0:30:52  Das wilde Würfel-Wagnis
0:32:05  DORP-TV

0:32:47  Zum Thema!
0:36:11  Ins Exotische hineinfinden
0:37:28  Die Kompatiblität von Kulturen
0:38:32  Sind am Ende doch alle menschlich?
0:40:46  Das monokulturelle Fremde
0:42:20  Die Freude an der Exotik
0:43:19  Aventurien ist das Frikadellenbrötchen unter den Rollenspielsystemen
0:44:55  In sich schlüssig sein
0:47:36  Fremdsprachen
0:49:44  Ein Beispiel aus der LARP-Praxis
0:51:32  Sprachen lernen im Rollenspiel
0:53:33  Gespielte Kultur-Konflikte
0:55:37  Identität aus gemeisamer Vergangenheit
0:56:52  Die Basisprämissen
0:59:00  Rückkehr zur Eingangsfrage I
0:59:56  Kulturelle Gleichschaltung
1:03:33  Innerweltliche Stereotype
1:05:58  Rückkehr zur Eingangsfrage II
1:06:17  Worüber wir alles nicht gesprochen haben

1:07:16  Sorry für die Verschiebungen der letzten Zeit!
1:07:47  Sermon 2.0
1:08:24  Adieu

Aus der Medienschau

Four Lions
Fringe – Staffel 1
Heitz, Markus: Fetzer – Du bist untot, du bist ein Star
LEGO Movie, The
Michelinie, David: Star Wars – The Further Adventures: Planet of the HoojibsPlanet of the Hoojibs
Tribute von Panem 2, Die: Catching Fire

Außerdem erwähnt:

American Dreamz

Erwähnte Veranstaltungen

Buchmesse Convent
Deutscher Phantastik-Preis
Dracon
SPIEL
W3 – Das wilde Würfel-Wagnis

 

Kommentare (6)

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Schöne Diskussion. Interessant ist wirklich die Frage, was die englischen Dialekte von den deutschen emotional unterscheidet oder würde man sich nicht vielleicht doch nach einer gewissen Zeit daran gewöhnen, wenn die Zwerge konsquent bayrisch sprechen?

Im Bereich DSA fällt Tharun natürlich auch unter Exotensetting.

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Ihr habt eure Exotikdiskussion mit einer Zweitdiskussion über fehlende Tiefe verwoben und einige schöne Beispiele für letzteres gebracht. Dazu kann ich sagen, dass ich die Benennung des zugegeben offensichtlichen Hauptgrundes für diesen Mangel in der Diskussion etwas vermisst habe: Aufwand. Schon sich nur die Namen von 10-20 Sprachen in einem Landstrich auszudenken ist aufwendig, völlig abgesehen von plausiblen Dialekten innerhalb dieser Sprachen oder plausibler Verwandschaft zwischen den Sprachen mit zugehörigen gemeinsamen Herkunftssprachen, und nicht zu reden von typischen Spracheneigenheiten, mit der man sie wenigstens charaktisieren kann, oder kohärentem aber unterscheidbarem Vokabular für ein paar Satzbrocken zum Simulieren von Tiefe. Und das ist nur eine Domäne. Eine Welt oder auch nur einen Ausschnitt davon wirklich tief zu beschreiben bedeutet einen enormen Aufwand. Meistens bricht es übrigens, wenn man den ursprünglich abgesteckten Rahmen ausweitet. Ein gutes Beispiel ist Earthdawn, man vergleiche die dichte Beschreibung von Barsaive mit dem Theran Empire-Quellenbuch, wo ganze Zivilisationen minimal verändert kopiert und ahistorisch zu einem Reich zusammengesetzt wurden.

Ansonsten, Exotik hatte ich als Thema gar nicht so auf dem Schirm. Zum einen kann ich sagen, dass ich Exotik selbst irgendwie mit Oberflächlichkeit assoziiere. Exotisch ist etwas nur so lange bis man mit der Herkunftskultur besser vertraut ist, dann kann es immer noch fremd sein, aber man versteht, dass es einer Gesellschaft mit vergleichbarer Komplexität wie die der eigenen entstammt. Zum anderen muss es zu jedem exotischen "Ort" eine Brücke geben. Für Fantasy-Interessierte sind Elfen und Zwerge natürlich ausgelutschte Genrekonventionen, aber für alle anderen sind das bereits exotische Wesen. Dementsprechend kleiner ist dann schon die Gruppe derjenigen, die sich mit den verschiedenen Ausprägungen von Elfen auskennen und noch kleiner die, die auch mit den kulturellen Differenzen innerhalb der Dunkelelfengesellschaft vertraut sind. Je exotischer, desto kleiner die Nische scheint insofern keine allzu steile These zu sein und würde implizieren, dass man für neue exotische Varianten -- solange man noch Interessierte finden will -- aus einer Nische starten muss, die groß genug dafür ist.

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Lego The Movie: Ist Batman jetzt nicht sogar die angekündigte Auskopplung aus dem "The Movie"-Kosmos?

Star Wars Planet of the Hoojibs: Das klingt konzeptuell nach den alten "Erzähl mir was..."-Heften. (Gott ist das lange her, dass ich diese ganzen geschichten gehört habe.)

Tribute von Panem: Spart euch die Lektüre. Ich empfand den ersten Band allein als Qual. -.-

Ideen-Umsetzungs-Defizit: Tja... da stehen ja jetzt schons eid Jahren bei euch diverse mehr oder weniger angekündigte, einstürzende Neubauten rum. ^^

Spiel: Und ich war am Donnerstag da und hab keinen Scorpio gesehen. ^^

Standart-Fantasy: Edo-Fantasy im europäisch-mittelalterlich angehauchtem Setting. ("Fantalalter" also, Edo könnte man ja auch theoretisch noch in andere Kulturen reinsetzen. Sei es jetzt Sword and Sorcery-Artig wie Conan oder auch in einem dekadenten Feudal-Asien.) Thomas erwähnte den Begriff auch schon selber, während ich am Schreiben war. ^^

Exotisch Essen gehen: Aber selbst da haben wir im Grunde schon eine "Erwartungshaltung", was einen entsprechenden eingedeutschten Standart anbelangt. (Ich bezweifle mal, dass es wirklich viele Leute gibt, die Freiwillig autentisch essen würden. Zumal in meinem Bekanntenkreis jemand existiert, der bereits "zu scharf"-Schreit, wenn man neben das Essen die Streudose mit Curry-Gewürzpulver stellt. Ja, ich habe ihn auch schon mal darauf angesprochen, ob er sich da nicht irgendwo psychosomatisch in die Sache reinsteigert. Aber der Mensch ist da wirklich ein wenig eigen.)

Sprache in Star Gate: Wobei das mit der Sprachbarriere als Subplot wunderbar im Film noch funktioniert hatte. Nur für eine Fernsehserie, die eindeutig auf Aktion ausgelegt worden ist - wie es bei SG1 der Fall ist - kann so eine Verständigungsschwelle scheinbar zu großen Plotverschiebungen vom eigentlichen Unterhaltungswert führen... respektive: Das, was angenommen wird, dass es das Zielpublikum als Unterhaltungswert akzeptieren würde.

Werspinnen: Ähm... die Anansi tauchen doch ohne jeglichen kulturellen Bezug bereits im Gamemasters-Handbook von WtA auf? (Was ich sehr schön finde. Man kann mit den Spinnen wirklich schöne SLCs gestallten.)

Exotik-Zugänglichkeit: Prinzipiell finde ich die Möglichkeiten, andere Kulturkreise zu bearbeiten unglaublich spannend. (Als kognitive Herausforderung.) Aber das Hauptproblem bei solchen Sachen ist halt immer der Einarbeitungsaufwand in ein solches Setting: Die meisten Spieler haben klare Vorstellungen, wie ein EDO-Fantelalter funktionieren kann, weil sie spezifische Vorstellungen vom irdischen Mittelalter (als Klischee) haben, und deswegen sofort ohne viele beschreibungen in so etwas loslegen können. (Ähnliches gilt für die Urban-Fantasy.)
Sobald man von diesem Bereich abweicht, fällt der Vorstellungsramen fest und alle sind überfordert.

Persönlich würde ich da erst einmal um "mehr Exotik" ins Spiel zu bringen wohl mit einigen Fans aus dem vorhandenen Denken erst einmal ausbrechen müssen, um halbwegs vertraut wirkende Settings, die aber einen extrem verstörenden Gesamttwist dann gegen Ende aufweise vorzugehen. (Ich denke da an solche Sachen wie China Mieville "Bas Lag"-Setting, oder auch an den gesellschaftlichen Zustand aus "Die Stadt & die Stadt". (Insgesamt aber bleibt erstmal das Problem totaler überforderung mit dem Hintergrund bestehtn. Ich weiß wovon ich rede: Ich kam mit Engel nciht klar.)

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@Hörspiel /-buch: Hmm, im Prinzip könnte ich Biest beipflichten, es gibt aber auch so echte Hörbücher, die an zwei, drei Ecken mal Geräusche oder Zwischenmelodien benutzen - sehr angenehm.

Fetzer hat mir damals auch gefallen, definitiver Höhepunkt lauschischen Schaffens ist aber Punktown 1-3, welches sich übrigens "inszenierte Lesung" nennt.

Ansonsten bleibt es mal abzuwarten, evtl. definiert die Politik Hörbuch auch als "es wird zu min. 80% der Zeit gesprochen". Dann machen wir auch alle Hörbücher. Hammer! Ohrhammer sozusagen ...

@Exotik: Ich habe ehrlich gesagt was anderes erwartet, was ich auch gern verrate, vielleicht ist das ja für Eure Themenliste etwas: nämlich Exotik innerhalb der Gruppe. Also etwa: Heinz spielt einen Krieger, Klaus einen Thorwaler, Maberick einen Zwerg und Sina eine Firnelfin, die noch nie Menschen gesehen hat, nur im mondschein feste Form annimmt und grundsätzlich stumm ist. Und das geht in DSA auch ganz "wunderbar" (also wunderschrecklich).

Exotische Fantasysettings sind Talislanta, drei der vier Welten von Pyramos (die Welt ist ein Tetraeder ...), vielleicht auch die Ebenen bei Standard-D&D. Das Ebenenhandbuch von Pathfinder liest sich z.B. sehr merkwürdig.

@Sprache: Ein Beispiel für eine großartige Umsetzung von Sprache langsam verstehen ist "Der 13. Krieger". Und Daenaeris in Game of Thrones ein Beispiel für die macht der Sprache / des Verstehens - auch von Sitten und Gebräuchen - wie es eigentlich in mehreren staffeln thematisiert wird.

Der LARP-Nebenplot klingt spannend, da bin ich durchaus auf Eure LARP-Episode gespannt - unsere brauchte auch mehrere Anläufe

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Zu Hörspiel vs. Hörbuch
Ein Hörspiel würde ich sagen ist ein explizit für das Format geschriebener Text. Also eher ein Skript für die Aufnahme, welches sich dann auch vom didaktischen Aufbau eher an den Hörern orientiert und nicht an den Lesern.
Ein Hörbuch ist dann entsprechend das Vorlesen eines nicht explizit für diesen Zweck geschriebenen Textes. Ein Roman lässt sich natürlich auch als Hörspiel adaptieren, aber dafür müsste man dann auf jeden Fall am Text noch arbeiten.
Es gibt da sicher auch Grenzfälle. Aber ich würde sagen es wird zum Hörspiel sobald Beschreibungen durch Soundeffekte und die Betonung der Sprecher Beschreibungen ersetzen.

Zur Dracon
Die Dracon hatte ich auch auf dem Zettel, aber der Monat ist so voll an Cons, dass ich verzichtet habe.

Zu historischen Meilensteinen
Bei DSA hat man, so wenig exotisch es auch ist, auf jeden Fall die Historie und Ereignisse die den Spielern bekannt sind und die auch in Charakterhintergründen wieder auftauchen und die Welt beeinflusst haben. Ist einer der Vorteile des langen Metaplots. Man hat historische Meilensteine und Charakterbiographien bei denen diese bedacht werden.

Zur Exotik
Ich als großer DSA Spieler habe meine Basis auch eher im Bekannten als im ganz Fremden. So richtige Exotik ist auch gar kein richtiges Ziel für mich, ich interessiere mich dann eher für andere Gedanken oder Lebenswelten zu denen ich einen Zugang finden kann.
Also lieber sagen wir die Arbeiterbewegung in den USA der 30er Jahre als siebenbeinige Kristallwesen die mit Licht kommunizieren. Entsprechend sind die Spiele in denen ich etwas Unbekanntes rollenspielerisch erkunden möchte meistens oft recht nahe an unserer Welt oder dem klassischen Rollenspiel. Aber mit einem Setting oder einem Charakter die mir erlauben eine neue Perspektive zu erleben.
Wozu sich viele Indiespiele ganz gut eignen nach meiner Erfahrung.

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Eine sehr schöne Episode.

Ich kann euch beiden aber nur zustimmen, Exotik so viel wie geht. Aber das funktioniert meist nur in kleineren Portionen, ansonsten wird es zumindest für mich als Spielleiter viel zu schnell extrem anstrengend das dann konsistent durchzuhalten. Und ich glaube auch für Spieler wird es irgendwann frustierend, wenn sie wg. Dingen deren Hintergrund sie nicht verstehen jetzt gemieden oder gar ins Gefängnis geworfen werden.
Das kann mal einen Abend funktionieren, dauerhaft dürfte das dann doch eher zu Frustration führen.

PS: "Aventurien ist das Frikadellenbrötchen unter den Rollenspielsystemen" ist vermutlich jetzt schon ein Klassiker.

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