DORPCast – Episode 7: Im Bann der digitalen Bücherwelt

Hallo zusammen!

Michael und Thomas haben sich für die siebte Episode des DORPCast ein seit längerem ungebremst polarisierendes Thema ausgeguckt: Rollenspiele – und Bücher allgemein – in ihrer digitalen Form. Braucht ein Buch Leim und Papier, oder ist auch eine PDF letztlich ein Buch. Vor allem aber geht es auch darum, warum eBooks eigentlich kosten, was sie kosten und warum die Preise zum Teil vielleicht fairer sein mögen, als man auf den ersten Blick glaubt.

Alle weiterführenden Informationen gibt es wie immer nach dem [Weiterlesen].

Viele Grüße,
Thomas

Episode 7 – Im Bann der digitalen Bücherwelt

0:00:24 Intro
0:01:00 Mediales
0:13:44 Amazon Autorip
0:14:54 Gibt es eine Analogie zwischen MP3s und eBooks?
0:16:08 Gibt es noch Argumente pro CD?
0:17:13 Wie alltäglich sind eBooks?
0:17:30 Arkanil diskutiert Rollenspiel-PDFs
0:17:59 Unsere privaten Meinungen zu digitalen Büchern
0:19:22 Was digitale Bücher besonders kennzeichnet
0:20:37 PDF vs. ePub vs. Mobi
0:21:53 Was ist eine PDF wert?
0:26:31 Die Mär der Preisbindung
0:27:49 Über DRM
0:30:40 DRM in der Rollenspiel-Szene
0:31:12 Gibt es eine gewandelte Wertschätzung bei PDFs?
0:33:37 Die Preise digitaler Bücher bei Publikumsverlagen
0:35:36 Das Kosten-Nutzen-Dilemma
0:37:20 Eine mögliche Zukunftsvision?
0:39:14 Über Bundles
0:43:57 Verlagseigene PDF-Shops?
0:45:41 Über Elektronik am Spieltisch
0:49:17 Wie immer: Die Bitte um Feedback
0:49:37 Neues auf der DORP: Mehr Social Media
0:50:00 Jetzt auch bei Twitter
0:50:38 Neues auf der DORP II
0:51:29 Die Technik beim DORP-Cast
0:52:45 Epilog

Erwähnte Medien (alphabetisch)

D&D: Chronicles of Mystara (X-Box 360, aber auch auf PS3, Wii U und Windows)
Dust: An Elysian Tail (X-Box 360, aber auch bei Steam)
Evoland (Windows und OS X via Steam)
Fable 3 (X-Box 360)
Gaiman, Neil: Make Good Art
Green, John: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Herr der Ringe: Krieg im Norden (X-Box 360, aber auch auf PS3 und Windows)
Rosenfield, Kat: Amelia Anne is Dead and Gone

Zur Technik des Podcasts
Samson Go Mic Clip-On USB Mikrofon, mit dem wir unseren Podcast aufnehmen
Audacity - Kostenloses Audiaufnahmeprogramm

Videos rund um Make Good Art
Die eigentliche Rede von Neil Gaiman gibt es auf Vimeo.
Außerdem, um eine Idee von dem Mann zu kriegen: Chip Kidd im Rahmen der TED Talks.
Neil Gaimann zu Copyright und Piraterie

Zum eigentlichen Thema der Episode
Amazon AutoRip – offizielle Webseite
Arkanils jüngster Beitrag zum Thema PDF
Preisgestaltung von Printprodukten und Ebooks beim Berlin Story Verlag

Und:
System Matters hat auch gerade was zum Thema PDFs gemacht; ist erst nach unserer Aufzeichnung erschienen, sei aber dennoch erwähnt. Hier geht's zum Beitrag.

Kommentare (24)

Rated 0 out of 5 based on 0 voters
This comment was minimized by the moderator on the site

Fable 3: Wie gesagt: Ich sehe die ganze Reihe unter dem Aspekt der Satire und dann macht das ganze durchaus eine Menge her. ^^

Autorip: Huch, da ist mir ja was engangen. Und auf der anderen Seite merkt man mal wieder, wie wenig ich doch eigentlich tatsächlich in den letzten Jahren dann über Amazon an CDs/Schallplatten tatsächlich geordert habe. So wirklich viele MP3s sind es dann doch nicht, die mir zur Auswal stehen.

Okay, vielleicht merkt man anhand meiner Äußerung zu den Schallplatten schon, das ich immer noch ziemlich Cross-Media durch diesen Bereich "jogge". Irgendwie liebe ich das haptische an einem physischen Datenträger, den ich zu Hause noch in die Anlage stecken kann. (Vor allen Dingen hat es den Vorteil, wenn man Abends vorm Einschlafen noch etwas hören will und dann einen anderen Abspieler als den Rechner zur Verfügung hat.)
Von daher hat MP3 für mich im Laufe der Jahre einen ziemlich festen Ort des Nutzens bekommen: Unterwegs. Ein kleiner MP3-Stick, der mit 4-8 GB Musikdateien aufgefüllt ist hat tatsächlich in der Bahn einen eindeutigen Vorteil.

Diese Einstellugn hat dann wohl auch schon so ziemlich meinen Umgang mit den ebooks geprägt: Ich bin so wie Thomas imemr mit einem Buch unterwegs, wenn ich das Haus verlasse. Welcher Natur das allerdings ist, hängt ein wenig von meinem sonstigen Tascheninhalt ab. Sprich: Ich nehme entweder bewusst den Roman, den ich gerade lese mit oder aber den Kindle von Amazon, weil dieser deutlich Platz sparender ist, als Beispielsweise der Sammelband von der ewige Krieg. (Und damit auch ein wenig Gewicht von der sonstigen Fachliteratur, die gerade in meinem Rucksack gesteckt hatte, runternimmt.) Insofern kann man da einen gewissen Tanz mit machen.

Apple-Preview/PDFs auf dem Mac: Ein Frage, betrifft das jetzt nur Vorschau, oder ist eventuell Adobes Acrobat Reader auch davon betroffen? Soweit ich weiß müsste davon doch auch eine App für iOS existieren (da ich weder iPad noch iPhone besitze, kann ich sowas nicht nachprüfen. Die MacOSX-Versionen der Acrobat Reader sind aber mWn auf dem neuesten Stand, eigentlich. Allerdings nutze ich da tatsächlich nur die heimischen Desktop-Rechner, was Apple angeht. Allerdings auch schon seid den frühen 90ern.)

This comment was minimized by the moderator on the site

Die Zeichen wurden gerade knapp. ^^

Zum Thema PDF an sich jetzt: Ich muss zugeben, dass ich da ein sehr zwiegespaltenes verhältnis zu habe. Ich nutze die Dinger äußerst ungerne, einfach weil ich bei sowas mich lieber irgendwo in eine Ruhige Ecke mit meinem Füller, einem Klemmbrett voller Papier und dann den entsprechenden Büchern verdrücke um dann in einer ruhigen Minute nochmal eben meine Arbeiten "am Buch" erledigt zu bekommen. Keine Ahnung, ob mich das eventuell kauzig macht. Mir sind die "Vorteile" der Suchfunktion durchaus bekannt, aber irgendwie geht mir dabei etwas verloren, was zwischendurch auch die entsprechende Nachdenkzeit für den entsprechenden Prozess des mit dem Buch auseinandersetzen anbelangt. (Zumal ich meistens nur während der Charaktererschaffung mit den Büchern an sich in letzter Zeit rumhantiert habe.)
Ich habe zwar ein paar PDFs hier und da entweder erstanden, oder kostenlos zum Buch an sich hinzubekommen, aber so wirklich begeistern konnten die mich eigentlich dann doch nicht. (Auch wenn ich zugeben muss, das es extrem Praktisch ist bestimmte Regelaspekte auf ein zusätzliches eigenes Handout zu kopieren, so das die Fähigkeiten eines Charakters nur schnell überschaubar neben einem liegen. Das ist dann halt weniger Tipp-arbeit, als das abschreiben. Aber das war es dann auch schon. Gerade für den SL-Bereich brauche ich eher noch einen Ausdruck, bei entsprechenden Fertig-Abenteuern, damit ich gerade da auf dem Papier (vorzugsweise auf der Rückseite der entsprechenden Blätter) nochmal zusätzlich etwas drauf rumschmieren kann.)

DRM-Lösungen bei Ulisses in Vergleich zu anderen Verlagen: Okay, dass war mir so noch nicht gänzlich bewusst gewesen. Dementsprechend scheint es ja gerade für die Rezensionstätigkeit ein Richtiges zusätzliches, Qualitatives Merkmal zu sein, dass man erwähnen muss, was das Thema "Copy&Paste" bei den Texten aus PDFs anbelangt.

Pegasus-Tisch: Äh... was das dieser Tablet-Tisch, der vor ein paar Jahren für D&D groß beworben wurde? Oder wie muss ich mir das vorstellen?

Verlagseigene PDF-Shops: Schmeiß ich da gerade etwas durcheinander? Mir war so, als hätten ein paar von den Verlagen ihre eigenen PDF-Shop-Plattformen eröffnet, hier in Deutschland, während andere (wie Ulisses) sich einfach an DriveThru angekettet haben? (Zugegeben: Wirklich stark verfolgen tue ich die Sache halt aus offensichtlichen Gründen nicht.)

This comment was minimized by the moderator on the site

Naja, dass der Sound immer aus denselben Boxen kommt und man dann statt einer CD auch genauso gut ein MP3-File hören kann, kann auch nur jemand behaupten, dem Musik nicht übermäßig wichtig ist.

An sich hat mein eBook-Reader (ein Kobo Glo, den ich auch absolut weiterempfehlen kann) meine Beziehung zu digitalen Büchern total verändert. Sowohl zum Lesen für unterwegs als auch insbesondere für Nachschlagen am Spieltisch habe ich das Ding inzwischen wirklich lieb gewonnen und kann mir inzwischen sogar vorstellen, Bücher rein digital zu kaufen, was mir früher unvorstellbar schien. Klar ist die Haptik eine andere und insbesonder der ganz besondere Geruch, den (insbesondere alte) Bücher verströmen, fehlt irgendwo, trotzdem ist gerade die Gewichtsersparnis auf Reisen einfach herrlich. Und kein Vergleich zum Lesen auf "normalen" elektronischen Geräten mit Hintergrundbeleuchtung.

Was die Preisgestaltung angeht, sprecht ihr den wichtigsten Punkt ja schon an: Egal, ob die Preisgestaltung bei einem Buch+PDF-Bundle objektiv fair sein mag, wenn es mir als Kunde den Mehrpreis nicht wert ist, dann kommen wir nicht ins Geschäft. Ich hoffe, dass sich solche Hürden wie die Abrechnung in Online-Shop-Systemen abbauen lassen, dass man da zukünftig ein faires Angebot für Bundles bekommt, ohne dass die Verlage letztlich draufzahlen müssen. Wenn man da den PDF-zum-Buch-Download eben nicht als normalen EBook-Kauf abrechnet, sollte man da doch irgendwie eine Lösung finden können, mit der letztlich alle zufrieden sind. Oder bin ich da zu naiv?

This comment was minimized by the moderator on the site

Eine Sache noch, die mir gerade eingefallen ist, die aber auch noch die ganze Frage nach der Wertigkeit von ebooks mit bestimmt: Bei einem "normalen" Buch hat man durch die physisch limitierte Präsenz eines einzelnen Objektes ja auch noch die Möglichkeit der Weitergabe (sprich: Des Verkaufs oder anderen Möglichkeiten.)

Genau das ist ja gerade bei PDFs/ebooks nicht der Fall. Dadurch das diese tatsächlich auf ewig an mich als Käufer mehr oder weniger gebunden sind, habe ich hier ja nicht das Gefühl einer Wertschätzung dabei, die jenseits des reinen Gebrauchsgegenstandes liegt. (Egal wie die Möglichkeit des Weiterverkaufs dann tatsächlich aussieht.)

Dadurch kommt halt das Problem mit der geschätzten Wertlosigkeit von ebooks aller Art zusätzlich mit oben drauf.

Dadurch kommt halt noch ein Punkt mit in das Ganze Thema elektronische Medien mit hinein, den man nicht so einfach wegrationalisieren kann. (Und ich denke mal, dass da noch eine ganze Menge passieren muss, ehe ebooks wirklich von Käuferseite her als gleichwertig zum echten Buch betrachtet werden.)

Ich weiß: Das ist ein ziemlich konservativer Standpunkt in gewisser Weise, aber irgendwie schien er mir bei eurer Diskussion rund um das Thema Wertschätzung in eurem Gespräch gänzlich untergegangen zu sein.

This comment was minimized by the moderator on the site

Moin Orakel!

Wie immer in Schlaglichtern:

Apple-Preview / PDFs auf dem Mac: Das betrifft generell erst einmal 'Vorschau', sowie die 'Übersicht'-Funktion (also das, was passiert, wenn du ab 10.5 aufwärts die Leertaste drückst). Da allerdings in Nuancen variierend souverän alle mir vorliegenden Inkarnationen von Panther über Tiger und Leopard bis Mountain Lion. Ich müsste mal bei einer Bekannten an der Quelle nachhaken, ob die schon weiß, ob's mit Mavericks vielleicht besser (oder schlimmer) wird.
Wenn du hingegen den Adobe Reader nutzt, ist alles kein Problem. Aber … sagen wir einfach, es gibt Apple-Kunden, die ziemlich verständnislos auf solch einen Vorschlag reagieren …
Zu iOS kann ich nichts sagen, da ich keine dergestalt mobilen Äpfel habe. Den Acrobat unter Windows Phone hab ich auch noch nicht ausprobiert, aber da rechne ich eigentlich mit keinerlei Tücken.

DRM: Ja, ich denke, das ist etwas, auf das man in Rezensionen durchaus eingehen kann. Wobei's ja dann dem Rezensenten obliegen wird, ob er eher negative Ausreißer besonders betont, oder es generell mit zum Thema macht.
Wir haben da eine Idee zu einer dahingehend etwas spezialisierteren Rezension, die ich so halb in der Pipeline habe … vielleicht auch mehr ein Artikel, wie damals zu den DTRPG-Drucken. Aber egal wie, noch ist das fragliche Produkt nicht raus

Pegasus-Tisch: Muss ich an Scorp abgeben, so genau hab ich den nicht gesehen …

Verlagseigene PDF-Shops: Teils, teils. Prometheus etwa haben ein eigenes Shopsystem, aber Ulisses, Pegasus und Feder&Schwert beispielsweise nutzen samt und sonders DTRPG.

Weitergabe und Verkaufbarkeit: Du hast Recht, das haben wir nicht angeschnitten. Und ja, ist ein arg verkorkstes Thema. Es gibt ja durchaus Versuche anderer Plattformen, so etwas zu ermöglichen – das war ja Teil des nun gekippten, en gros aber auch verhunzten Digital-Plans der X-Box One, beispielsweise –, und umgekehrt auch Plattformen, wo gekaufte Digitalprodukte nicht mal wirklich an mich, sondern vielmehr an das Gerät (!) gebunden sind. Windows Phone 8 handhabt das etwa so.
Und natürlich – du findest es beispielsweise in der von Scorp angesprochenen Gaiman-Rede, wenn ich das richtig im Kopf habe. Insofern war es vielleicht sogar mitgedacht. Aber es ist ein Aspekt des Thema, den man vielleicht kommendes Mal oder später noch einmal aufgreifen kann.
Danke dafür (und das wie immer umfangreiche Feedback)!


Viele Grüße,
Thomas

This comment was minimized by the moderator on the site

Moin Xeledon!

Zunächst, auch wenn es ja mehr ein Einwurf war, kurz noch was zu meinem Hinweis zum Unterschied digitale Musik vs. digitales Buch:
Natürlich ist bei Musik das Medium wichtig; sowohl in technischer wie auch handhabbarer Hinsicht. Ich denke dennoch, das rein was den Hörvorgang betrifft das Argument standhält. Denn ob ich nun FLAC-Dateien oder eine Schallplatte abspiele, ob BluRay-Audio oder Radiokonzert, wenn ich nachher da sitze und auf die Musik höre, dann ist die sinnliche Wahrnehmung ja letztlich gleich (im Rahmen der Qualitätsdimensionen des Mediums; gestreamtes Video kann es ja auch noch nicht mit einer BluRay aufnehmen).
Es gibt natürlich potenzielle Unterschiede; Schallplatten bedienen sich anders als MP3s und die Musik klingt aus Tevion-Boxen anders als wenn da Bang&Olufsen im Spiel sind … aber im Grunde ist das ja mein Punkt.
Ich persönlich denke, dass man bei einem Buch eben diesen Benutz- und Bedienmodus weitaus schlechter von der reinen Rezeption trennen kann als bei Audio- oder Videomedien.
Aber das nur noch mal zur Klarstellung meines Gedankens.


Was das Preis-Nachfrage-Dilemma angeht, hast du sicherlich recht. Es sind da Szenarien denkbar, in denen man sich einigt, klar. Nur ist das noch lange keine Garantie.
Dass die Shopsystem-Anbieter verdienen wollen, ist ja auch klar. Und auch wenn natürlich im physischen Sinne jetzt nicht jedes Buch Arbeit bedeutet, weil die Systeme weitestgehend optimiert sind, ist ein Bundle-Gutschein-Download jetzt natürlich auch nicht mehr oder weniger Aufwand als regulär verkaufte Produkte. Man müsste den Shopsystemen halt zumindest einen Anreiz bieten, warum sie da mitziehen sollten.
Alternativ muss man halt auf eigene Systeme setzen, aber die kosten eben auch Geld bei Einrichtung und in der Wartung und bringen mal wieder weitere Verantwortlichkeiten mit, um die man sich halt nicht kümmern muss, wenn man ein DTRPG-artiges Shopsystem als Middleware nutzen kann. Zumal ich genug Leute kenne, die halt so ihren paar Accounts zum Kaufen haben (Amazon, DTRPG, eBay) und auch keine Lust haben, ihre Daten einem nicht mal in seiner Sicherheit und Verlässlichkeit einschätzbaren System anzuvertrauen.

Ich denke, auf kurz oder eher lang wird es da eine Lösung geben. Sagen wir mal so, Amazon verkauft seit 2007 in Amerika und seit 2009 in Deutschland MP3s; Autorip hat also im Endeffekt sechs Jahre gebraucht, bis es lief. Nur weil etwas letztlich ein guter, konsequenter und gar sinnvoller Schritt ist, heißt es halt nicht, dass es immer schnell passieren wird.

Viele Grüße,
Thomas

This comment was minimized by the moderator on the site

Mir tut's halt in der Seele weh, wenn Leute es inzwischen normal finden, Musik als MP3-Dateien über irgendwelche winzigen, grausig klingenden Handy-Boxen zu konsumieren und gar nicht mehr zu hören scheinen, wie einem da ob der nicht vorhandenen Klangqualität die Ohren bluten - das hat nix mit dem zu tun, was ich unter "Musik hören" verstehe. Aber klar, ich sehe ja deinen Punkt, letztlich ist es nur eine Frage der Digitalisierungs- und Übertragungs-Qualität.

Kurioserweise ist der Effekt bei Büchern ja - meinem Empfinden nach - in der Regel weniger stark ausgeprägt (wenn man mal von besonderen Gestaltungsmöglichkeiten absieht, die bei einigen wenigen gedruckten Büchern - ich empfehle an dieser Stelle Christopher Moores "Sacré Bleu" in der originalen Hardcover-Ausgabe - Verwendung finden). So lange ich es ohne große Anstrengung lesen kann, sind nur die tatsächlich geschriebenen Worte wichtig für den Genuß des Mediums, grade bei Musik ist dagegen die Klangqualität alles andere als unwichtig. Aber gut, das ist immer eine Frage des Einzelfalles und so nicht pauschalisierbar. Da hat sich meine persönliche Haltung wohl auch durch den Besitz meines eBook-Readers ziemlich verändert, das hat für mich gewissermaßen das gedruckte Buch ein Stückweit entmystifiziert - was keineswegs heißen soll, dass ich ein schön aufgemachtes und gestaltetes Druckerzeugnis nicht mehr wertschätzen kann.

Ich denke, letztlich spielt bei jeder Form von "Kunst" oder "Medium" die Art und Weise wie es konsumiert wird eine Rolle für seine Wirkung beim Rezipienten, da ist es generell schwierig, pauschale Aussagen für bestimmte Medienarten zu treffen. So gibt es Musikalben, wo du einfach das komplette Package mit Cover-Artwork, Booklet und allem drum und dran brauchst, um wirklich das volle Erlebnis zu haben, wie es auch Bücher gibt, wo die Gestaltung eine ebenso wichtige Rolle spielt wie das reine geschriebene Wort. Und auf der anderen Seite stehen dann wieder Musikstücke, die auf das ganze Drumherum verzichten und nur für sich funktionieren oder die normalen Taschenbücher, die man leicht auf das reine geschriebene Wort reduzieren kann.

This comment was minimized by the moderator on the site

Moin Xeledon!

Das ganze Problem ist ja nicht neu. Im Grunde beschreibt es Walter Benjamin in seinem "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" schon durchaus treffend. Und wenn er etwa von der Aura eines Ölgemäldes spricht, also das, was daran über die reinen Farbinformationen hinausreicht, und das bei einer technischen Reproduktion nicht transportiert werden kann, dann ist er schon dicht an dem gleichen Phänomen, von dem wir hier sprechen.

Und ich gebe dir bezüglich der Boxen völlig recht. Ich find's auch gerade immer spannend, wenn mir wer auf der Straße begegnet, der beispielsweise irgendetwas aus der Hiphop-/Rap-Richtung über die Quäker seines iPhones in die Welt pustet … ich hätte ja jetzt gedacht, dass da Bässe irgendwie relevant sein könnten.
(Gilt für andere Stile nicht weniger, aber da fällt es mir irgendwie immer am Stärksten auf.)

Was mir gerade noch auffällt – im Grunde ist sogar die Genussmedium/Arbeitsmaterial-Unterscheidung hier übertragbar. Ich wäre der Letzte, der sich dem Reiz entziehen würde, der von der ganzen Handhabung einer Schallplatte ausgeht, als Beispiel. Aber wenn ich Tanzunterricht gebe, ist es dennoch sehr schön, den gesamten Vorrat an Tanzmusik mit einer einzigen Mausgeste auswählen und abspielen zu können. Das eine ist Genuss, das andere Arbeit …


Und es gibt eben auch einfach Bücher, die brauchen ihre gedruckte Typographie einfach. Danielewskis "Das Haus" – wenn es auch als Webprojekt begann – würde anders wirken, wenn man es nicht als Buch sieht und auch manches von Walter Moers nutzt eben auch einfach Mechanismen, die eBooks in dieser Form nicht reproduzieren können (fixierte Schriftgrößen und -arten, das bewusste Einsetzen vom Umblättern etc.) …

Ich sag mal einfach etwas platt, aber nicht weniger wahr: In all diesen Dingen ist auch hier im Podcast das letzte Wort mit Sicherheit noch nicht gesprochen


Viele Grüße,
Thomas

This comment was minimized by the moderator on the site

Na klar. Und da ich bisher noch mit Lob gegeizt habe: Ich hoffe doch, dass auch sonst bei euch im Podcast das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist, es macht nämlich immer wirklich Spaß, euch zuzuhören, danke dafür! :-)

Aber ganz ehrlich - und um noch mit etwas provokativ dargebrachter persönlicher Meinungsmache jeglichen Anflug von Sachlichkeit und Objektivität aus der Diskussion zu fegen: Die Leute, die dir mit in Zimmerlautstärke aus iPhone-Lautsprechern oder -Kopfhörern brüllendem HipHop auf der Straße begegnen, sind mit Sicherheit weit davon entfernt, als echte Musikliebhaber durchgehen zu können - und das NICHT NUR, weil HipHop ja an sich mehr akustische Umweltverschmutzung als Musik ist, woran auch noch so exzessiver Bass-Einsatz nie etwas ändern wird...

Ansonsten nutze ich unterwegs ja auch MP3-Dateien, nicht die Frage, und lass mich dabei sogar manchmal von den eher grausig klingenden Laptop-Lautsprechern beschallen, wenn mir meine immerhin etwas besser klingenden Kopfhörer in dem Moment zu lästig wären. Schlimm find ich halt, wenn jemand es gar nicht mehr anders kennt. Für Schallplatten bin ich dabei wohl einfach zu jung, ich habe nie einen Plattenspieler besessen, was mich als CD-Kiddie in den Augen der echten Audiophilen wohl dann auch wieder disqualifiziert.

Danielewski sagt mir gar nix, aber grade bei Moers ist das schon absolut richtig, dass da vieles, was die Bücher an visuellen Gestaltungsmitteln nutzen, im eBook-Format kaum bis gar nicht zu reproduzieren ist. Bei reiner Unterhaltungslektüre ist sowas aber schon irgendwie die Ausnahme und die meisten Taschenbücher, die man so liest, verlieren praktisch gar nix, wenn man sie nur noch als Datei hat. Genauso verlieren natürlich auch 99% aller HipHop-Stücke überhaupt gar nix, wenn man sie nur als 28kbps-MP3-Datei hört... :-*

This comment was minimized by the moderator on the site

Lustig, dass ich diese Folge höre kurz nachdem ich seit langem mal wieder Musik gekauft habe, als CD bei Amazon mit AutoRip.

Die Preisfrage bei PDFs ist echt eine interessante. Da muss man glaub noch einiges tun. Aber wenn man Bücher so leicht zu eBooks machen könnte wie Musik, das wäre genial! Ich finde eh, dass es zu jedem gedruckten Regelwerk das PDF für keines Geld geben sollte. Das würde mich öfter mal zum Print gerufen, gerade bei Regelmonstern wie Pfadfinder.

Ein paar Worte zum Format: Angefangen habe Ihr mal mit der Prämisse einer halben Stunde, wenn ich mich nicht irre. Jetzt ist es in Folge 7 schon regelmäßig eine Stunde. Finde ich schade. Ihr habt informative Folgen, die allerdings mit zunehmender Länge nicht wirklich mehr Inhalt haben. Sie sind größtenteils unterhaltsam, aber der wenig steigende Informationsgehalt ist doch störend. Ich bin nur nicht sicher, ob das noch mein Format ist.

There are no comments posted here yet
Lade weitere Kommentare

Einen Kommentar verfassen

  1. Posting comment as a guest.
Rate this post:
Anhänge (0 / 3)
Share Your Location